Registrieren
Der Fall Mtawarira - die mögliche Abschiebung eines Volkshelden
Drucken
Geschrieben von Manuel Wilhelm   
Donnerstag, 14. Januar 2010

Image
.

Die herausragende Leistung von Tendai “The Beast” Mtawarira wurde von vielen Experten als ausschlaggebend dafür gewertet, dass die Springboks, der Stolz der sportverrückten Nation vom Kap, den so wichtigen Auftaktsieg in der Testserie gegen die British und Irish Lions erringen konnten. Weltmeister Phil Vickery, vor Beginn besagter Serie der Inbegriff britischer Unverwüstlichkeit, musste nach nur 45. Spielminuten das Spielfeld als gebrochener Mann verlassen, der Raging Bull – so der Spitzname von Vickery – wurde von der Bestie in Grün förmlich zerrissen. Zwar gelang es Mtawarira nicht, seine famose Leistung – welche ihm den Man of the Match Award einbrachte – in den zwei späteren Testspielen zu wiederholen, doch er hatte sich mit seiner Vorstellung in der ersten Partie längst einen Platz in den Rugbygeschichtsbüchern gesichert und seinen Teil dazu beigetragen, dass Südafrika nach 12-jährigem Leiden die Schmach der Niederlage gegen die tourenden Lions endlich ausmerzen konnte.


BEEEEEAAAAASSSSSTTT” schallt es jedes Mal durch die Stadien, wenn Mtawarira den Ball in die Hände bekommt und zu einem seiner unvergleichlich kraftvollen Läufe ansetzt. Die wahre stärke des 24-jährigen liegt nämlich nicht, wie man vielleicht auf Grund seiner enormen körperlichen Präsenz vermuten möchte, in den Standardsituationen, es ist das offene Spiel, in welchem dem 116 kg-Koloss – der ursprünglich als Flanker ausgebildet worden war – fast keiner seiner erste Reihe Kollegen auch nur annähernd das Wasser reichen kann, seine Sprints und Tacklings haben fast legendären Status bei den Anhängern der Springboks und der Sharks, bei welchen er gemeinsam mit seinen Nationalmannschaftskollegen John Smit und Bismarck du Plessis eine der besten ersten Sturmreihen der Welt bildet.


22 Länderspiele hat der 1985 geborene Prop bereits bestritten, doch es sind nicht seine außerordentlichen sportlichen Errungenschaften, die momentan für Gesprächsstoff im südlichen Afrika sorgen, es ist sein Geburtsort, welcher Mtawarira zum Verhängnis werden könnte. Tendai Mtawarira wurde am 1. August 1985 in Harare, Zimbabwe, geboren und ist bis heute offiziell Staatsbürger des gebeutelten Nachbarstaates Südafrikas. Für den IRB (International Rugby Board) ist die Akte Mtawarira längst geschlossen, der 24-jährige lebt seit weit mehr als den für die Spielberechtigung erforderlichen drei Jahren in Südafrika und ist somit formell spielberechtigt. Gefahr droht dem Rugbystar von nationaler Ebene, Butana Komphela, Vorsitzender des südafrikanischen Parlaments, hat Antrag auf Ausweisung des Springbok-Spielers gestellt, nach seinem Bekunden sollen nur “echte Südafrikaner” das Recht haben, das Land zu repräsentierten. Außerdem fordert der Hardliner Sanktionen gegen den südafrikanischen Rugbyverband, welcher Mtawarira nach Komphelas dafürhalten “illegal” hat auflaufen lassen. Oregan Hoskins, der Präsident der SA Rugby Union, war eifrig bemüht, die Wogen zu glätten und verwies auf eine “Genehmigung” der Einsätze von Mtawarira durch Sportminister Makhenkesi, doch das Kind ist längst in den Brunnen gefallen. “Die Regierung wird Beast nach Zimbabwe bringen lassen”, lässt sich Komphela zitieren. “Er hat hier eine Arbeitserlaubnis und über diese setzt er sich hinweg […] es ist kein Problem, wenn er für die Sharks spielt […] die Sharks erneuern seinen Vertrag, dies bedeutet aber nicht, dass er die erforderliche Staatsbürgerschaft hat.”, so der Parlamentsvorsitzende weiter.


Das Ergebnis des Tauziehens um “The Beast” ist eigentlich hinfällig, es geht um viel mehr, als die Karriere dieses jungen Rugbyspielers, es geht um die Botschaft, welche die südafrikanische Regierung mit ihrem strikten Vorgehen aussendet. Den Chancen, Clint Eastwoods Meisterwerk Invictus oder die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft auch innenpolitisch als Zugpferd für eine neuerliche Annäherung im ständig schwelenden Rasenkonflikt zu nutzen, hat Komphela mit seinem strikten Vorstoß mit Sicherheit einen Bärendienst erwiesen. Es sind dunkle Wolken aufgezogen über dem Regenbogen.


In diesem Video seht ihr, weshalb “The Beast” von seinen zahlreichen Anhängern verehrt wird!

.: Ähnliche Artikel & Videos :.


Lions Tour: Springboks gewinnen erstes Spiel
Springboks – Tri Nations Champion Tribute
Invictus (The Human Factor) – Trailer
The Human Factor
Schwarze Perle glänzt in Hollywood
Clint Eastwood sucht weitere Schauspieler für seinen Rugbyfilm
Versuche zu Mandela’s 90stem

Artikel empfehlen
Kommentare (13)add comment

king carlos said:

217
...
Völlig abstrus. Laut IRB-Regeln ist Mtawarira für die Springboks spielberechtigt. Fertig! Sinnfreies Gelaber eines radikalen Rugbyhassers und Xenophoben, der dem Rugby in Südafrika schaden möchte. Damit setzt er die unrühmlichen Versuche des ANC fort, sich in rein sportliche Angelegenheiten einzumischen. Interessant auch, dass ihm Mtawariras simbabwische Staatsbürgerschaft erst nach Jahren auffällt.
Außerdem ist er nicht der erste Spieler aus Simbabwe/Rhodesien, der für die Springboks auflief: Saltie du Rand, Brian Mujati, Tonderai Chavhanga.

Da fordert der ANC, natürlich ausgerechnet in Form unseres Herrn Komphela, immer mehr schwarze Spieler, und dann will er einen der wenigen ausweisen...ahjah. Weitere Frage: Warum Beast ausweisen, wenn er für die Sharks spielen darf?

Obwohl ich sagen muss, dass ich es besser fände, wenn nur Staatsbürger bzw. Inhaber eines Passes für ihre Rugbynationalmannschaften spielen sollten, wie im Fußball.
Januar 14, 2010

HornyHorn said:

72
...
http://www.tagesspiegel.de/spo...72,2327358

interessanter Artikel zum Thema Rassenpolitik und Sport in Südafrika mit Hinblick auf die Fuba WM im Juni...
Januar 14, 2010

mongo said:

97
...
Ja so langsam schwenkt der ANC auf die simbawische Schiene einsmilies/angry.gif, ich schätze mal das nach Madibas Tod der Bürgerkrieg nach geholt wird!Alles in allem keine berauschenden Aussichten für Südafrika!
Januar 14, 2010

king carlos said:

217
...
Seine wahren Intentionen hat Butana Komphela ja schon gegenüber The Mercury ausgedrückt: "The government is going to punish rugby"!!!

Mtawarira und die Rassen-Quote sind nur Scheinargumente sowie Spielbälle der Politik, die sich gefälligst aus dem Sport herauszuhalten hat.
Januar 14, 2010

chuck said:

348
frechheit
dann hätte auch pearcy montgomery nicht für südafrika spielen dürfen. der feine herr ist nämlich aus zimbabwe
Januar 14, 2010

king carlos said:

217
...
\"dann hätte auch pearcy montgomery nicht für südafrika spielen dürfen. der feine herr ist nämlich aus zimbabwe\"

Nö, der gute Percy wurde in Namibia geboren. Die ehemalige deutsche Kolonie gehörte damals zu Südafrika, da es das Land besetzte und völkerrechtswidrig annektiert hatte. Deswegen hatte er von Anfang an die südafrikanische Staatsbürgerschaft, da es Namibia ja faktisch nicht gab.

Wie ich in meinem ersten Kommentar schrieb, waren Saltie du Rand, Brian Mujati und Tonderai Chavhanga simbabwisch- bzw. im ersten Fall rhodesischstämmige Spieler, die, wie The Beast, für die Springboks aufliefen.

Außerdem geht es hier in Wahrheit ja eben nicht um Mtawarira und seine Staatsbürgerschaft, sondern um die Schädigung des südafrikanischen Rugbys sowie das Schüren von Ressentiments gegen \"Fremdarbeiter\". Ich erinnere nur an die letzten fremdenfeindlichen Progrome in den südafrikanischen Townships. Das ist einfach nur billiger und menschenverachtender Populismus.
.
Januar 14, 2010

Kalahari said:

84
...
@ chuck
percy montgomery wurde in walvis bay geboren, im damaligen sued-west afrika. walvis bay wurde von suedafrika erst 1994 an namibia zurueckgegeben. montgomery besass schon immer einen pass der rsa.
Januar 14, 2010

bubu said: