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Mohrs Teamkollege bangt nach bösem Foul um sein Augenlicht
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 23. Dezember 2010

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Dave Attwood (hier für England gegen die Australian Barbarians) nutze seine Rugbystiefel auch gegen La Rochelle nicht nur zum Laufen

Es gab nicht nur Grund zur Freude beim knappen 18-24 Auswärtssieg von La Rochelle beim englischen Spitzenteam Gloucester. Vom Schiedsrichtergespann unentdeckt hatte der englische Nationalspieler Dave Attwood nach gegen den am Boden liegenden Petrisor Toderasc, welcher ihn zuvor blitzsauber getackelt hatte, so übel ausgetreten, dass der kräftige rumänische 1. Reihe Stürmer mit einer heftig blutenden Augenverletzung schon in der 17. Spielminute das Spielfeld verlassen musste.

Der 30-jährige Toderasc wurde mit u.a. mit Verdacht auf mehrfach gebrochene Wangenknochen sofort ins Krankenhaus überstellt, wo die Ärzte momentan nach wie vor alle Anstrengungen unternehmen um sein Augenlicht zu retten.

La Rochelle zögerte nicht lange und reichte unverzüglich Protest bei der Disziplinarkommission des ERC ein. Die Anklage wurde mit Fotos des Vorfalles sowie Fotos der daraus resultierenden Verletzungen, des 47-fachen rumänischen Nationalspielers, versehen.

"Es ist sehr ernst. Die Disziplinarkommission hat die Bilder vorliegen. Petrisor hat sogar einige Zähne verloren", so der erboste La Rochelle Präsident Vincent Merling zu den Vorfällen.

Und was geschieht mit Attwood? Der hochtalentierte 2. Reihe-Stürmer trat nicht zum ersten Mal durch übertriebenen Gebrauch seines Schuhwerks negativ in Erscheinung. Der 23-jährige feierte sein Debüt im Kreis der englischen Nationalmannschaft bei der Sommertour 2010, bei seinem ersten Einsatz im Nationaltrikot, im "Midweek-Game" zwischen England und den sogenannten Australian Barbarians, hatte der Lock seine Schuhe gleich in zwei unabhängigen Fällen - je einmal pro Halbzeit - statt zum Laufen dafür benutzt gegen seine australischen Gegenspieler auszutreten und war dafür im Anschluss an die Partie von Disziplinar-Kommissar Scott Nowland vorgeladen worden. Zu einem Verfahren kam es damals jedoch nicht, da die englische Delegation mit einem Einspruch erfolgreich war, der darauf begründet war, dass Nowland, da selbst Australier, nicht als unabhängige Instanz angesehen werden könne.

Ähnliche juristische Kunstgriffe dürften diesmal jedoch nicht genügen, um Attwood vor einer langen Sperre zu bewahren. In zahlreichen Internet-Foren werden schon laute Forderungen nach ähnlich langen Sperren wie im Fall der beiden französischen Augengrabscher David Attoub (70 Wochen) und Julien Dupuy (24 Wochen) laut - gar von einer lebenslangen Sperre ist die Rede. Attwoods-Verteidiger dürften wohl ins Feld führen, dass das Austreten unabsichtlich geschah und dass der studierte Psychologe im Moment des Tretens nicht sehen konnte, welchen Körperteil des unter ihm liegenden Tacklers er da gerade mit seinen Stollen so heftig malträtierte.

Nachtrag: Inzwischen hat La Rochelle offiziell vermeldet, dass das Augenlicht von Petrisor Toderasc nicht in Gefahr ist und auch die befürchteten Brüche im Gesicht konnten nicht bestätigt werden. Allerdings hat der Rumäne sich bei der Aktion von Attwood heftige Platzwunden zugezogen und wie oben beschrieben einige Zähne verloren.

Wir haben für Euch ein Video der folgenschweren Aktion online gestellt, welche Strafe würde Attwood erwarten, wenn ihr in der Disziplinarkommission vertreten wäret?

Demnächst folgen an dieser Stelle auch noch ausführliche Spiel-Highlights des ereignisreichen Europacup-Spieltags, ein besonderer Fokus liegt natürlich dann auf den Partien unserer beiden Nationalspieler Clemens von Grumbkow (spielte mit I Cavalieri Prato gegen Bayonne) und Robert Mohr (siegte wie oben bereits erwähnt mit La Rochelle bei Gloucester).


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Kommentare (9)add comment

Uwe Diedrichs said:

96
...
unabsichtlich??? Niemals. Da könnte der Anwalt auch behaupten eigentlich wollte Attwood nur den Dreck zwischen den stollen loswerden. Attwood hat eindeutig ausgetreten um jemanden zu treffen, sowas müsste auch noch strafrechtliche Konsequenzen haben. Mindestens aber eine lange Sperre.
Dezember 23, 2010

Ralf Schindler said:

866
Ekelhaft!
Ein grauenhaftes Foul, vor allem in der Wiederholung sieht das furchtbar aus. Und es soll keiner kommen und sagen, dass der tretende Spieler nur seinen Fuß befreien wollte . Eine lange Sperre, auch über die WM hinaus, halte ich für angemessen. Gute Besserung an Petrisor Toderasc.
Dezember 23, 2010

Mark Temme said:

2014
Mieses Foul!
Egal ob er wusste wo er hintritt oder er "zufällig" den Kopf getroffen hat, ein absichtliches Foul ist es auf jedenfall. Und um so eine Verletzung zu verursachen muß man auch noch kräftig zutreten! Gehört meiner Meinung nach hart bestraft!
Dezember 23, 2010

Marcel Klement said:

1830
...
Die gute Nachricht vorweg: Habe gelesen, dass das Auge definitiv nicht gefährdet sei und auch keine Brüche der Gesichtsknochen vorliegen - sollten die widersprüchlichen Berichte wahr sein, kam er mit ein paar Stichen genäht werden und einer rausgebrochenen Krone davon. Denke, die Strafe wird sich im Bereich von ca. 15 Wochen bewegen. Attwood hat einerseits einen (offiziell) sauberen Lebenslauf, weil er für die beiden bösen Stamps im Sommer nicht verurteilt wurde (zwar nur wegen einer Unstimmigkeit am grünen Tisch, aber das ändert nichts daran, dass er offiziell sauber ist) und andererseits sein Verhalten wohl nur als "reckless" gewertet wird. Bin zwiegespalten, ob man ihn nicht viel länger sperren sollte: Einerseits hat jemand, der anderen ins Gesicht tritt, nie wieder was auf dem Rugbyplatz zu suchen - andererseits ist mir jemand, der Verletzungen durch einen Tritt billigend in Kauf nimmt zumindest noch relativ lieber als jemand wie Dupuy, der ganz gezielt den Gegner an den Augen verletzen will, schaut ob der Schiri guckt und dann nochmal gezielt die Augen angeht. Wenn Dupuy, der die Augen verletzen will, knapp über 20 Wochen gesperrt wird, kann man Attwood, dem es schlicht scheißegal ist, ob er sie verletzt, nicht länger sperren. Und zu guter letzt: Ins Gesicht treten kann durch nichts gerechtfertigt werden, auch nicht durch vorheriges Foulspiel des späteren Opfers! Aber, liebes TR Team, mit einem "blitzsauberen Tackling" hatte das wenig zu tun: Der La Rochelle Spieler hält Attwood noch Ewigkeiten zurück, als der Ball schon lange weg war. Wie gesagt, das Foul rechtfertig die Reaktion absolut nicht - aber verschweigen oder gar das Gegenteil behaupten muss man deshalb auch nicht gleich!
Dezember 23, 2010

Johannes Augspurger said:

140
...
Ich hoffe, dass Attwood mind. für ein Jahr gesperrt wird.
Uwe hat Recht, das müsste noch eine Zivilklage nach sich ziehen.

Dezember 23, 2010

Christoph Kotowski said:

1048
...
Leute, es ist völlig egal, was beide Spieler beabsichtigt haben oder ob die Spielsituation nach Lehrbuchmanier ausgeführt wurde. Das Video zeigt ganz eindeutig, dass Dave Attwood seine Fuß gezielt nach hinten streckt. Wenn er nicht gänzlich debil ist, muss er in diesem Moment gewusst haben, dass dort Petrisor Toderasc liegt und er ihn verletzen kann.
Dieser Sport ist genug körperbetont und in vielen Situation mit Risiken verbunden. Da muss man nicht auch noch zusätzlich Verletzungen in Kauf nehmen, seine überschüssige Energie an anderen Spielern abladen oder sich für ein Tackling "bedanken", wie es ja hier der Fall zu sein scheint. Wer auf einem gegnerischen Spieler Verletzungen zufügt oder ihn angreift, weil der ihn gestoppt hat, hat Rugby nicht verstanden und sollte lieber Boxen gehen.
Attwood sollte eine ordentliche Strafe bekommen, auch als Mahnung an andere Spieler, damit sowas nicht mehr vorkommt und nicht doch irgendwann Rugbyspieler mit Helmen rumlaufen, wie im American Football üblich.
Dezember 23, 2010

heinrich severin said:

323
weg mit ihm
kategorie c irrümlich um rugbytrikot! wer sich so benimmt auf dem spielfeld, der hat jede chance verwirkt, nochmals auch nur in die umgebung eines rugbyplatzes zu kommen. lebenslange sperre und dazu noch ein zivilverfahren mit für ihn finanziell schmerzhaftem ausgang wären nur gerecht.
Dezember 23, 2010

Dragos Florescu said:

1820
Arsc*loch
So ein Idiot, neh, besser gesagt Affe, hat nichts von Rugby verstanden. Vor allem, dass es auch ihm sowas passieren will. Nächstes Jahr wird es vermutlich beim RWC gegen, ja, Rumänien spielen, die auch erfahrene Jungs haben, die wohl wissen, wie man "ein Tackling zum Errinern" schenkt.

Leider ist eine lange Sperre sehr unwahrscheinlich, wie Marcel gut erklärt hat. So funktioniert die Welt (leider), und ich kann mich kaum vorstellen, dass IRB sehr hart gegen einen Engländer handeln will.
Dezember 23, 2010

Marcel Klement said:

1830
...
ERC Statement: avid Attwood, the Gloucester Rugby player (No 4), appeared before an independent Disciplinary Hearing in Dublin today (Thursday, 6 January, 2011) as a result of the citing complaint arising from... Share ... the Amlin Challenge Cup Pool 5 match against La Rochelle at Kingsholm on Sunday, 19 December, 2010.
The citing complaint made by the Citing Commissioner for the match, Tom McCormack (Ireland), was for stamping on La Rochelle prop Petrisor Toderasc (No 1) 15 minutes into the first half. As a result of the incident, Mr Toderasc sustained injuries to his face.
Mr Attwood pleaded guilty to the citing complaint but maintained that he had not intended to make contact with Mr Toderasc's face. The independent Judicial Officer, Robert Williams (Wales), considered all of the evidence, including video footage of the incident, medical reports relating to Mr Toderasc's injuries and testimony from Mr Attwood.
The Judicial Officer heard submissions on behalf of ERC Disciplinary Officer, Roger O'Connor, and on behalf of Mr Attwood from his legal representative, Richard Smith QC, and from Gloucester Rugby coach, Carl Hogg.
The Judicial Officer did not find that Mr Attwood intended to make contact with Mr Toderasc's face, but he determined that Mr Attwood was guilty of foul play in contravention of Law 10.4(b) in that he had stamped on Mr Toderasc. Having also concluded that the stamp was intentional and that it had caused injury, the Judicial Officer found that the offence was in the top-end range of the level of seriousness for an offence of this type and decided on an entry point of 18 weeks.
Having taken into account mitigating factors, including Mr Attwood's guilty plea, clean record, clear remorse and exemplary conduct at the hearing, the Judicial Officer reduced the period of suspension by the maximum amount of 50 per cent and suspended the player for a period of nine weeks.
The period of suspension was back-dated to begin on the day of the match in order to take into account that Mr Attwood had been suspended by his club soon after the match as a result of the incident. Mr Attwood is free to play again on Monday, 21 February, 2011.

Under the IRB Recommended Sanctions for Offences Committed within the Playing Enclosure in contravention of Law 10.4(b), 'A player must not stamp on an opponent,' carries the following recommended sanctions - Low End: 2 weeks; Mid Range: 5 weeks; Top End: 9 to 52 weeks


Ich weiß, ich bin in der Minderheit, aber neun Wochen find ich ok. Ein Spieler mit bis dato sauberem Lebenslauf (den hat er nunmal, wenn auch unverdient), dem - in Anführungszeichen! - "nur" egal ist, ob er dem Gegner die Augen kaputt macht, sollte nunmal nicht annähernd so hart bestraft werden wie ein Eye-Gougher, der es nur aufs Verletzen abgesehen hat. Ich find also nicht die Länge von 9 Wochen völlig ok, sondern die Tatsache, dass die Strafe deutlich unter den Herren Dupuy, Hartly und Co. liegt
Januar 06, 2011

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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 24. Dezember 2010 )
 
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