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Schiedsrichter Nigel Owens
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Geschrieben von Manuel Wilhelm   
Sonntag, 3. Januar 2010

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Das Coming Out von Gareth Thomas hat Rugby selbst in Deutschland einen Platz in den großen Tageszeitungen und Magazinen beschert, von Spiegel über die Bildzeitung bis hin zur TAZ, fast allen großen Blättern war das Outing des ehemaligen Kapitäns der walisischen Rugbynationalmannschaft einen ausführlichen Beitrag wert. Manch ein Redakteur sah sich sogar dazu hingerissen, die Ex-Frau des 35-jährigen auszugraben, um sie nach ihren Empfindungen nach dem Geständnis ihres Ehemaligen zu befragen. Doch der kantige Innendreiviertel der Cardiff Blues war nicht der erste internationale Rugbyakteur, welcher sich öffentlich zu seiner sexuellen Orientierung bekannte. Der walisische Schiedsrichter Nigel Owens wagte bereits im Mai 2007 den Schritt an die Öffentlichkeit. Owens, der kurze Zeit später zur schwulen Sport-Persönlichkeit des Jahres 2007 gewählt worden war, hatte ähnlich wie Thomas schon als Teenager bemerkt, dass er mehr Interesse am männlichen Geschlecht zu haben schien, als an den Damen der Schöpfung. Umgetrieben von Verwirrungen, Ängsten und Komplexen versuchte der internationale Topschiedsrichter – Owens blies unter anderem beim Rugby World Cup 2007 in die Pfeife – sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben zu nehmen, vorher litt er auf Grund von Gewichtsproblemen an Bulimie und experimentierte mit Steroiden. Aufgerüttelt durch diese unschönen Erfahrungen entschied sich Owens, welcher im Jahr 2008 seine Biographie veröffentlichte, sein Versteckspiel zu beenden, doch es dauerte einige Jahre, bis er die Kraft aufbrachte, diesen Entschluss tatsächlich in die Tat umzusetzen.


“In meinem Arbeitsumfeld ist es so ein großes Tabu schwul zu sein, dass ich mir im Vorfeld sehr viele Gedanken machte, ich wollte auf keinen Fall meine Karriere aufs Spiel setzen. Sich zu outen war sehr schwer und ich habe lange gebraucht, um damit leben zu können, wer ich bin. Dass ich anders war, wusste ich seit meinen späten Teenager-Jahren, aber ich habe einfach eine Lüge gelebt.”, so Owens nach dem für ihn so schwierigen Schritt.


Die überwiegend positiven Erfahrungen von denen Owens, der im letzten Jahr auch dadurch für Schlagzeilen sorgte, dass er das als Bloodgate-Skandal bezeichnete Heineken Cup Spiel der Harlequins leitete, nach seinem Coming Out berichtete , trugen sicherlich auch dazu bei, dass Gareth Thomas sich dazu durchringen konnte, sich mit seiner sexuellen Orientierung an die Öffentlichkeit zu wagen.

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Kommentare (5)add comment
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king carlos said:

217
...
Unterschichten- und Deppengebolze...ahjah. Wie ist die Luft dort oben im Elfenbeinturm? Dazu sage ich jetzt mal nichts. So wie du dem Fußball pauschal Homophobie vorwirfst, kann man dem südafrikanischen bzw. nordirischen Rugby bzw. deren Fans auch prinzipiell Rassismus bzw. Sektierertum vorwerfen. Was natürlich etwas zu einfach gedacht ist.

Es gibt doch bis jetzt überhaupt keine Vergleichswerte. Im Profifußball hat sich eben noch keiner geouted. Somit gibt es auch noch keine Reaktionen, und im Rugby sind gerade einmal zwei aktive Akteure offen zu Tage getreten. Einer davon erst bewusst zum absehbaren Ende seiner Karriere. Daraus kann man jetzt nicht gerade schließen, dass es im Rugby keine Ressentiments gegen Schwule gibt.

Außerdem haben einige deutsche Fußballvereine Schwulenfanclubs. St. Pauli hat sogar einen schwulen Präsidenten.
Der DFB-Präsident Theo Zwanziger versucht doch alles, um die Lage Homosexueller im Deutschen Fußball zu verbessern. Er hat dies schon lange und des öfteren zum Thema gemacht. Phillip Lahm hat sich auch engagiert gezeigt. Mir fällt jetzt auf die schnelle kein Funktionär im Rugby ein, der dies jemals für seinen Sport thematisiert hat. Hier stellt sich natürlich die Frage, ob man es überhaupt groß an die Glocke hängen und thematisieren soll.

Ich wüsste auch nicht, ob man in der Hinsicht auf Schwule z.B. in Irland oder der Südinsel Neuseelands so tolerant wäre, wie anscheinend in Wales.
 
Januar 04, 2010
Votes: +2
..., Lowly rated comment [Show]

haster said:

384
...
"Mir fällt jetzt auf die schnelle kein Funktionär im Rugby ein, der dies jemals für seinen Sport thematisiert hat. Hier stellt sich natürlich die Frage, ob man es überhaupt groß an die Glocke hängen und thematisieren soll."

ich finde, hier hast du recht. es sollte eigentlich kein thema sein. antirassismus sollte eigentlich auch kein thema sein. aber rassisten machen es zum thema, dass man sich gerade auch im fußball entsprechend positionieren muss. beim biathlon ist es einfach nicht nötig, da es keine zwischenfälle gibt. selbiges gilt eben auch für homophobie im fußball. er ist nun mal ein existentes problem. gerade von dir angesprochener paulipräsident littmann hat es erst kürzlich im zusammenhang mit enkes tod formuliert.
ideal ist, wenn es in zukunft kein thema sein sollte, ob ein rugbyspieler schwul ist. aber dafür musste einer de ersten schritt wagen. hoffen wir, dass es bald keinen bericht mehr wert ist.
 
Januar 04, 2010
Votes: +0

king carlos said:

217
...
Ich habe kein Problem mit dem Wort Unterschicht. Die gibt es nun einmal. Ich sehe den Begriff wertneutral. Du scheinst ihn eher als eine abwertende Beleidigung zu verstehen. Ist aber eigentlich auch egal.

Mir ging es vor allem um deine Abwertung des Fußballs. 95% oder mehr sind mit Sicherheit keine Deppen. Klar gibt es im Biathlon oder Rugby weniger Rassismus bzw, Homophobie. Aber Fußball spricht nun einmal mehr Leute an. Das ist Fakt. Bei 30.000 und mehr Leuten im Durchschnitt, sind halt potentiell mehr Idioten dabei als bei einem durchschnittlichen Liga- oder Pokalspiel im Rugby.

Fußball ist traditionell Breitensport, und in allen Schichten verankert. Des Weiteren war/ist Rugby auch in Nordengland (League), Gloucester, Limerick, Border-Region, Neuseeland, Fidschi, Samoa, Tonga und Wales ein working class Sport. Hier wäre ein interessantes Forschungsfeld, warum es hier fast keine Gewalt unter den Fans gibt. Vielleicht, weil es auf dem Platz schon zur Sache geht...keine Ahnung.

PS: Ich habe nicht geschrieben, dass alle Rugbyfans in Nordirland Sektierer und in Südafrika Rassisten sind, sondern genau das Gegenteil. Ich schrieb: wer so denkt, denkt einfach.
 
Januar 04, 2010
Votes: +0

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