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Entscheidung in den Topligen Premiership & Pro14 - Das Schaulaufen Europas bester Klubs
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Mittwoch, 23. Mai 2018

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Das große Finale aus Twickenham - Samstag 16:00 auf DAZN

An diesem Wochenende stehen die Endspiele der englischen Premiership, sowie der Pro 14 an. Mit Leinster und Saracens sind die Gewinner von gleich sechs der letzten zehn Champions Cups im Einsatz und mit ihnen auch einige der besten Spieler des Kontinents. Beide Endspiele versprechen absolute Rugby-Leckerbissen zu werden. Doch neben den Liga-Titeln geht es für viele Spieler auch um die Chance, sich für das nächste Länderspielfenster im Juni und damit auch für die in 16 Monaten in Japan stattfindende WM zu empfehlen. Wir blicken für euch auf beide Spiele und nennen euch die Namen, auf die ihr mit Blick auf die nächste WM achten solltet.

Saracens - Exeter

Englands Premiership ist die wohl ausgeglichenste Liga im internationalen Vergleich: In den vergangenen sechs Spielzeiten konnten sich gleich fünf verschiedene Klubs den Premiership-Titel sichern. Die einzige Mannschaft, der in diesem Jahrzehnt eine Titelverteidigung gelungen war, sind die Saracens. Genau dieses Nord-Londoner Starensemble wird auch am Samstag in Europas größtem Rugby-Stadion Twickenham vor über 82.000 Zuschauern versuchen sich Englands Krone erneut aufzusetzen.

Ihr in den Weg stellen wird sich, so könnte man fast meinen, das gallische Dorf des englischen Rugbys. Die Exeter Chiefs aus dem rugbyverrückten äußersten Südwesten Englands haben sich seit ihrem erstmaligen Aufstieg in Englands Eliteliga 2010 nach und nach zu einem absoluten Spitzenklub entwickelt.

Das Twickenham-Finale am Samstag wird für die Chiefs bereits das dritte in Folge sein und nach dem erstmaligen Titelgewinn im Vorjahr werden die Männer aus der gerade Mal 129.000 Einwohner zählenden Stadt nicht als absoluter Außenseiter in das Duell gehen. Zumal wieder zahlreiche lautstarke Anhänger die gut 350 km aus der englischen Urlaubsregion in die Hauptstadt London antreten und den vermeintlichen Saracens-Heimvorteil egalisieren werden.

Rein auf dem Papier aber haben die Saracens, die die reguläre Saison nach 22 Spielen als Zweiter hinter den extrem heimstarken Chiefs auf Rang zwei abgeschlossen hatten, die besseren Karten. Gerade mit ihren großen und schweren, aber dennoch dynamischen Ballträgern, wie Billy und Mako Vunipola, George Kruis, Maro Itoje und Jamie George schafft es der Saracens-Sturm wieder und wieder über die Vorteilslinie und reißt so Lücken in die gegnerischen Defensiv-Reihen. Dahinter wartet mit England-Verbinder Owen Farrell ein Spieler, der sowohl den Ball verteilen, als auch selbst mit der Pille unter dem Arm gefährlich werden kann. Als Finisher ganz außen sind Wales-Star Liam Williams USA-Kapitän Chris Wyles dankbare Abnehmer.

Der Spielansatz der Saracens wird oftmals als reichlich bieder abgetan, da sie tief aus der eigenen Hälfte eher wenig mit dem Ball spielen und sich lieber per Kick befreien, um den Gegner dann mit ihrer starken Defensive unter Druck zu setzen. Doch zu was auch die Saracens spielerisch in der Lage sind, haben sie im Halbfinale gegen Wasps bewiesen. Das 57:33 war ein Duell mit offenem Visier und Saracens konnten dabei gleich sechs Versuche legen.

So etwas wie der Gegenentwurf zu den Saracens, sowohl spielerisch, als auch konzeptionell, sind die Chiefs. Der Klub hat sich - ander als die durch signifikantes Investment hochgepäppelten Londoner Saracens - organisch zu dem entwickelt, was er heute ist. Eine Reihe der Stars, wie Jack Nowell, Luke Cowan-Dickie und die Simmonds-Brüder stammen aus der Talentschmiede des Klubs. Mit dem zunehmenden Erfolg wurde der Kader auch um internationale Stars wie Ex-Australien-Gedrängehalb Nic White und Argentinien-Außen Santiago Cordero erweitert.

Auf dem Feld bestechen die Titelverteidiger ebenso wie Saracens durch starke Sturm-Läufer, vertrauen aber insgesamt mehr auf ihr eigenes Kreativ-Spiel, als auf die Fehler des Gegners. In ihrem Halbfinale gegen Newcastle genoßen die Chiefs sage und schreibe 92% Ballbesitz. Gegen exzellent verteidigende Gäste rannte Exeter Phase um Phase an und versuchte es immer wieder per Offload oder schnellem Spiel auf die Außen, um es hinter die Defensiv-Linie Newcastles zu schaffen.

Exeters Achter Simmonds - kleiner, leichter aber umso mobiler auf dem Feld

Wenn es am Samstag um 16 Uhr deutscher Zeit im Twickenham-Stadion zum direkten Aufeinandertreffen kommt, werden vor allem zwei Duelle besonders spannend sein: Saracens und England-Achter Billy Vunipola trifft im direkt auf seinen Konkurrenten Sam Simmonds - während Vunipola mit 130 kg eher die Dampframme von Acht darstellt, ist der 23-jährige Exeter-Achter mit seinen 100 kg geradezu schmächtig. Doch dafür umso mobiler - immer wieder bietet sich der Exeter-Lokalmatador im Support-Spiel als Option an und ist durch seine Lauffreudigkeit auch eine größere Gefahr an den Offenen. Vunipola ist mit seinen Runs durch sein Gewicht zwangsläufig sehr direkt, wohingegen Simmonds sich der gegnerischen Spieler auch gerne Mal per Step entledigt. Einer dieser beiden dürfte höchstwahrscheinlich am 22. September kommenden Jahres in Sapporo das weiße Trikot mit der acht tragen, wenn England seinen erstes WM-Spiel bestreitet.

Ebenso interessant dürfte das Duell der beiden Hakler werden - Platzhalter im England-Trikot ist Dylan Hartley - doch ob der dann 33-jährige noch bei der WM im kommenden Jahr immer noch starten wird, ist nach durchwachsenen Leistungen fraglich. Jamie George von den Saracens und Luke Cowan-Dickie von Exeter sind die heißesten Anwärter auf seine Nachfolge und verkörpern beide eine neue Generation von Hakler - neben den essenziellen Aufgaben in Gedränge und Gasse bieten sie sich im offenen Spiel als Anspielstation und Ballträger an und versuchen in den Rucks Turnover zu kreieren. Noch dürfte der 27-jährige George, der im letzten Sommer bereits mit den Lions gegen die All Blacks ran durfte, die Nase vorne haben, wenn es um die Hartley-Nachfolge geht. Nach einer weiteren starken Saison jedoch drängt sich sein Exeter-Konkurrent Cowan-Dickie mehr und mehr auf.

Elf Versuche - auch Saracens-Spiel können ein Spektakel sein

Leinster - Scarlets

Der frischgekrönte Champions-Cup-Sieger Leinster versucht am Samstag Abend den walisischen Scarlets die Pro-14-Krone zu entreißen und sich damit selbst das Double zu sichern. Nach dem Europacup-Triumph von Bilbao vor zehn Tagen hatten die Dubliner das Heim-Finale mit dem hauchdünnen 16:15 Sieg über den ewigen Rivalen Munster klargemacht und ein Re-Match des Vorjarhesfinales verhindert. Nur Monate nach dem Six-Nations Grand Slam könnte diese zur wohl besten Saison für das irische Rugby jemals werden und Leinster steht emblematisch für diese Entwicklung. Das schier endlose Talent-Fließband des irischen Hauptstadtklubs hat auch in dieser Saison mit Außendreiviertel Jordan Larmour und Zweite-Reihe-Stürmer James Ryan zwei neue Superstars hervorgebracht.

Speziell Sturm-Ass Ryan, der als gerade Mal 21-jähriger in seinen 22 bisherigen Profi-Spielen noch immer kein einziges verloren hat, sorgt mit seinen herausragenden Leistungen ein ums andere Mal für Stirnrunzeln unter den Experten. Gerade auf der physisch anspruchsvollen Zweite-Reihe-Position sieht man im Profi-Bereich nie einen derart kometenhaften Aufstieg in so jungen Jahren. Mit seinen harten Hits provoziert Ryan zahlreiche Turnover, ist eine perfekte Gasse-Option und auch als Ballträger ist der Youngster hervorragend.

Ihm gegenüber stehen wird bei den Walisern ausgerechnet ein Ire, der Leinster sehr gut kennt. Scarlets Zweite-Reihe-Stürmer Tadhg Beirne ist mit 26 Jahren nicht mehr derart jung, hat aber eigentlich erst in den letzten beiden Spielzeiten sein ganzes Können unter Beweis gestellt. Der 1,98 Hüne war vor drei Jahren nach nur drei Einsätzen im Leinster-Blau von der irischen Top-Mannschaft auf die andere Seite der irischen See abgeschoben worden. Allerdings gelang ihm dort ein Durchbruch sondergleichen. Just am heutigen Tag wurde Beirne auch mit der längst überfälligen Irland-Nominierung belohnt.

Zusammen mit Siebener-Olympia-Silbergewinner James Ryan sowie Aaron Shingler als Flanker und mit Schottland-Kapitän John Barclay überraschten die Scarlets in der Vorsaison zahlreiche Rugby-Experten und holten sensationell den Pro-12-Titel. Ihr einmaliger expansiver Spielstil - wirklich aus jeder Lage greifen die Scarlets an - hat die Scarlets zur wohl aufregendsten Mannschaft im europäischen Rugby gemacht.
Dieser angriffslustige Stil hatte den Scarlets im Vorjahr im Halbfinale von Dublin einen überraschenden Sieg beschert. Und auch im Halbfinale in Glasgow nahmen die Scarlets ihren Gegner spielerisch förmlich auseinander. Allerdings verloren die Waliser aus dem beschaulichen Llanelli auch ihren Achter Ryan Wilson. Der Kapitän der schottischen Nationalmannschaft blieb ausgerechnet beim Gastspiel in der Heimat im Kunstrasen hängen und muss mit einem Achillessehnenriss sechs Monate aussetzen.

In typischer Scarlets-Manier: Scarlets greift auch bei schlechten Bedingungen tief aus der eigenen Hälfte an

Allerdings spricht am Samstag einiges gegen die Waliser. Neben dem Heimvorteil Leinsters vor allem deren kompletter Spielstil, der sie momentan wohl zur besten Mannschaft der Nord-Hemisphäre macht. Neben dem Hurra-Stil über die schnellen Außen beherrscht Leinster auch das taktische Kickspiel und die Option mit den schweren Sturm-Läufern durch die Mitte zu brechen. Und genau über diese Taktik hatte Leinster den walisischen Konkurrenten im Champions-Cup-Halbfinale auf beeindruckende Art und Weise kaltgestellt.

Das Duell der Zweite-Reihe-Giganten Tadgh Beirne und James Ryan dürfte auch deshalb äußerst interessant werden, da Beirne ab der kommenden Saison zu Leinster Erzrivale Munster wechselt. Damit stehen beide in direkter Konkurrenz um Plätze in Irlands Nationalmannschaft. Wer sich am Samstag durchsetzen wird ist offen, aber es dürfte eventuell auch ein Fingerzeig sein, wenn es um das Irland-Shirt mit der vier auf dem Rücken geht.

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