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Drei TR-Thesen zur Länderspiel-Niederlage gegen Russland
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 4. März 2019

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Chris Hilsenbeck konnte dem deutschen Team bei seinem ersten EM-Einsatz weiterbringen. Foto (c) Keil

Auch gegen Russland ging das deutsche Team mit gesenktem Haupt und ohne einen Sieg vom Feld. Dabei gibt es nach dem ersten Heimspiel der EM durchaus Grund zur Hoffnung und seitens der Spieler Grund stolz auf das Gezeigte zu sein. Wir versuchen das Geschehen aus Heidelberg einzuordnen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Spielerisch war die Partie gegen Russland ein Schritt nach vorne, aber nun geht es ums Überleben

Mike Ford wurde nach dem Abpfiff in Heidelberg nicht müde zu betonen: „Wir befinden uns am Anfang eines langen Prozesses, dieses Team wird besser und die deutschen Fans brauchen noch etwas Geduld.“ Tatsächlich war die Leistung am Samstag Nachmittag in Heidelberg sicher die beste der bisherigen EM-Saison - doch am Ende fehlten dem deutschen Team auch gegen Russland wieder einige Prozentpunkte, um Zählbares oder gar einen Sieg mitnehmen zu können.

Noch vor dem Auftakt zum diesjährigem EM-Turnier hatte Mouritz Botha betont, dass man alle fünf Spiele der Rugby Europe Championship gewinnen wolle. Das war selbst nach dem Eindruck der guten Leistungen im Repechage-Turnier eine optimistische Ansage. Zwar hatte das deutsche Team im November in Frankreich mit Hongkong ein Team geschlagen, das etliche Plätze vor dem deutschen Team im World Ranking rangiert - doch haben uns die Siege von Marseille einen wohl etwas trügerischen Eindruck über das Leistungsvermögen unserer Adler vermittelt.

Hongkong und Kenia hätten wahrscheinlich gegen alle aktuellen REC-Teams in aktueller Form Probleme bekommen. Zudem hatte bisher noch keine deutsche Mannschaft jemals gegen Russland oder Georgien gewinnen können. Was jedoch dieser Mannschaft keineswegs die Klasse absprechen soll. Die aktuelle Adler-Generation ist die beste deutsche Auswahl seit langem, wenn nicht überhaupt. Das Ergebnis vom Samstag ist immerhin das knappste Resultat, was jemals eine deutsche Auswahl daheim gegen Russland einfahren konnte.

Der Versuch von Felix Lammers war endlich auch Mal ein spielerisches Ausrufezeichen - Verbinder Christopher Hilsenbeck hatte die schlecht organisierte russische Verteidigung auf der kurzen Seite ausgespäht und den Ball blitzschnell per Überpass vor der aufrückenden russischen Defensive vorbei auf diese Seite transferiert, wo der junge Außen mit viel Mut und sicherlich auch etwas Glück vollstrecken konnte. Dazu bewies die deutsche Mannschaft ihre Fitness - anders als in den letzten Jahren,Jahren, als ihr oft in der Schlussphase die Puste ausging - im Gegenteil, sowohl gegen Belgien, als auch Russland waren es unsere Jungs, die im letzten Spielviertel den Ton angaben.

 

Die Versuche des Spiels am Samstag aus Heidelberg

Dennoch bleibt nach den zwei verpassten Chancen gegen Belgien und Russland unter dem Strich die magere Bilanz: Ein einziger Punkt aus drei Partien. Um nicht gegen den Sieger der Rugby Europe Trophy gegen den Abstieg spielen zu müssen - das könnten die Niederlande oder Portugal sein - muss in Köln ein Sieg gegen Spanien her. Auch in dieses Spiel dürften unsere Adler als Außenseiter gehen - immerhin steht Spanien nach den knappen Siegen über Russland und Rumänien in der Spitzengruppe der EM.

Aber bereits 2016 in Köln hatte die DRV XV beim Unentschieden gegen Spanien beweisen, dass man mit dem Publikum im Rücken alles andere als chancenlos ist. Ein Sieg über die Iberer wäre fast der sichere Klassenerhalt. Denn Belgien hat nach der Abreibung in vor zwei Wochen Russland auch daheim daheim eine hohe Pleite gegen Georgien kassiert. Wieder fehlten bei den Belgiern die Star-Spieler um Kapitän und Frankreich-Profi Jens Torfs. Ein Sieg daheim gegen Rumänien oder in Madrid gegen Spanien scheint für die Belgier utopisch.

Deshalb gilt es aus DRV-Sicht alle Kräfte für Köln zu bündeln - ein Abstieg in die europäische Zweitklassigkeit käme einer kleinen Katastrophe gleich - durch die aktuelle Relegations-Regelung und dem auch in der unterklassigen Trophy stark steigenden Niveau wäre die Rückkehr in die höchste Rugby-Europe-Spielklasse ein verdammt schwieriger Weg. Zudem würde das DRV-Team stark an Attraktivität für Sponsoren und Spieler verlieren.

 

 

 

Mehr personelle Konstanz würde dem deutsche Team gut tun

Die deutsche Leistungssteigerung am Samstag kann man zum Teil auch an zwei Namen festmachen. Trotz einer nicht fehlerfreien Leistung vom Tee konnte Chris Hilsenbeck dem deutschen Team gegen Russland genauso weiterhelfen, wie der nach mehreren Gehirnerschütterungen zurückgekehrte Außen Marcel Coetzee. Aber selbst mit Coetzee und Hilsenbeck im Kader gegen Russland gilt: Nationaltrainer Mike Ford hatte im bisherigen Turnier-Verlauf noch nicht ein Mal alle Spieler beisammen, musste gerade auf der Dreiviertelreihe improvisieren und deshalb dürfte es keinen verwundern, dass der Engländer Woche für Woche eine andere Aufstellung wählte, bzw. wählen musste.

Die Verhandlungen mit den französischen Profi-Klubs über die Abstellung ihrer Spieler laufen hinter verschlossenen Türen ab und keine Seite will sich dazu öffentlich äußern. Doch schlussendlich sitzen die französischen Klubs als diejenigen, die die Spielergehälter zahlen, am längeren Hebel. Es bleibt zu hoffen, dass der DRV für das Spanien-Spiel in Köln erstmals alle Frankreich-Profis loseisen kann. Dritte-Reihe-Stürmer Ayron Schramm, der seit letztem Monat in Houston in der amerikanischen Major League Rugby spielt, wird aller Voraussicht nach nicht zur Verfügung stehen.

Mit den aktuellen Wechseln, die zwangsweise Woche für Woche stattfinden, kann das deutsche Team kaum sein durchaus vorhandenes Potenzial abrufen. Während die Russen in Heidelberg beispielsweise zum dritten Mal im dritten EM-Spiel mit der 10-12-13 Kombination Kushnarev-Gerasimov-Ostroushko aufliefen, hatten Hilsenbeck, Syme und Cameron-Dow so noch nie zusammengespielt. Umso lobenswerter ist es, dass die deutsche Defensive das agile Russen-Trio im Mittelfeld über fast 80 Minuten unter Kontrolle bekommen hat.

Mit mehr personeller Konstanz, eingespielten Kombinationen, x-fach einstudierten Laufwegen und defensiver Koordination könnte das Team noch weitaus besser angreifen und verteidigen. Wen der DRV am Wochenende auf die weite Reise nach Georgien schickt, bleibt abzuwarten. Aber auch wenn ein Sieg gegen die Übermannschaft dieser Rugby-EM in deren Hinterhof utopisch ist - für eine optimale Generalprobe wäre es gut, wenn die Mannschaft für Kutaissi der für Köln so weit wie möglich ähnelt.

 

Die Tabelle nach drei  von fünf Spieltagen

Team Spiele Punkte Differenz
1. Georgien
3 13 +63
2. Russland
3 10 +63
3. Spanien 3 8 -9
4. Rumänien
3 6 +16
5. Belgien
3 4
-92
6. Deutschland
3 1 -43



Die Perspektive muss in den Vordergrund rücken

Sollte das deutsche Team in Köln, oder eventuell auch erst im Sommer in der Relegation den Klassenerhalt in der Rugby Europe Championship sicher machen, muss sich der Fokus auf die mittel- bis langfristige Perspektive der schwarzen Adler richten. In den vergangenen Tagen drehten sich viele Diskussionen in Rugby-Deutschland darum, ob Sean Armstrong oder Michael Poppmeier bei der EM auflaufen werden. Beide würden dem Team mit ihrem unglaublichen Erfahrungsschatz und ihrer spielerischen Klasse zweifelsohne helfen und ja - eventuell hätten wir mit ihrer Ruhe, Klasse und Erfahrung gegen Belgien gewinnen und auch gegen Russland punkten können.

Doch momentan hilft uns das hätte, wenn und wäre nicht weiter. Über die Gründe ihres Fehlens gibt es von offizieller Seite keine Aussage und an Spekulation werden wir uns nicht beteiligen. Gleichwohl läutet dieser Personalwechsel irgendwo auch das Ende einer Ära ein. Poppmeier war bereits im Jahr 2003 immer wieder für Deutschland aufgelaufen und hat ebenso wie Armstrong, der seit 2012 im DRV-Dress unterwegs ist, riesige Verdienste für das deutsche Rugby geleistet. Bei der kommenden WM im Jahr 2023 aber wären Poppmeier mit 41 und Armstrong mit 37 Jahren keine realistischen Alternativen mehr.

Und so sehr die WM im Nachbarland Frankreich nach den drei Niederlagen zum EM-Auftakt utopisch zu sein scheint - sie muss das Ziel der Bestrebungen des DRVs bleiben. Eine WM-Teilnahme ist nicht das Allheilmittel für die Probleme des ovalen Ballsports, aber gleichwohl die größte Chance ihn auf ein anderes Niveau zu hieven. Abgesehen von den kommerziellen Möglichkeiten, die eine Teilnahme beim drittgrößten Sportereignis der Welt bietet, ist der Rugby World Cup auch ein Traum für all die jungen Spieler, die für Deutschland auflaufen wollen.

So sehr die heimelige Atmosphäre im Rugby-Wohnzimmer und Spiele gegen Russland vor 2100 Zuschauern wie am Samstag ihren Reiz haben - wenn die Russen am 20. September vor den Augen der Rugby-Welt gegen Japan und über 50.000 im Stadion den World Cup eröffnen, werden ihre Gegner vom Samstag neidisch nach Tokio blicken. Doch genau das muss der Antrieb sein in den nächsten vier Jahren bis Frankreich 2023.

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