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Deutschland verliert auch gegen Russland knapp mit 18:26
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Samstag, 2. März 2019

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Am Ende fehlten dem deutschen Team Kleinigkeiten, um im ersten Heimspiel des EM-Frühjahrs zu punkten. Foto (c) Kessler

Am Ende steht unter dem Strich eine Niederlage. Erneut - es ist die dritte im dritten EM-Spiel und das frustrierendste an diesem Spiel war, dass so viel mehr drin gewesen wäre. 18:26 stand nach 80 Minuten auf der Anzeigetafel des Fritz-Grunebaum-Sportparks in Heidelberg. Auch wenn am Ende nichts Zählbares für das deutsche Team heraussprang - auf die Leistung dieses Teams, das sich im Vergleich zu Rumänien gesteigert hat, kann das deutsche Rugby aufbauen.

Es waren wieder 80 Minuten großartiger Kampf unserer schwarzen Adler. Wieder hat die deutsche Mannschaft phasenweise überzeugt, spielerisches Potenzial angedeutet und wieder haben am Ende Kleinigkeiten gefehlt, um schlussendlich Zählbares im Rugby-Wohnzimmer zu behalten. Zwar hat nie eine deutsche Mannschaft daheim ein knapperes Ergebnis gegen Russland erzielt - einen Sieg gab es gegen Russland noch nie - unter dem Strich steht jedoch die dritte Pleite im dritten EM-Spiel.

Am Ende ließ man genau die acht Punkte vom Kick-Hütchen liegen, die der Abstand zwischen beiden Teams nach dem Schlusspfiff des Unparteiischen betrug. Doch die Niederlage daran festzumachen wäre zu einfach. In vielerlei Bereich zeigte sich die DRV-Auswahl verbessert - doch ließ man erneut zu viele Chancen liegen und machte erneut einige Fehler ohne großen Druck.

Mike Ford zeigte sich nach Abpfiff „stolz auf die Leistung der deutschen Jungs“, sie hätten auf dem Feld nicht mehr geben können. Man befinde sich, so Mike Ford weiter, auf einer langen Reise. Die deutschen Fans bräuchten noch ein wenig Geduld: „Dieses Team hat noch viel vor sich und wird dabei nur besser werden!“ Kapitän Sebastian Ferreira resümierte: "Wir haben viel verbessert, wir waren dran, aber es hat knapp nicht gereicht. In der zweiten Halbzeit waren wir da, ich bin stolz auf die Jungs, die nie aufgegeben haben!"


Eiskalte Dusche nach starkem Start durch Davidof

Deutschland zeigte sich im Wohnzimmer von Beginn an mutig, wenn auch nicht direkt sonderlich effektiv. Ein erster Durchbruch von Kapitän Sebastian Ferreira führte nach dessen gutem Pass auf Außen Klewinghaus zu nichts Zählbarem, da Klewinghaus sich in Russlands 22 ins Aus tackeln ließ.

Nur wenige Minuten später gab es die zweite dicke Chance für die deutsche Mannschaft, nachdem man sich mit einem Paket tief in die 22 der Russen vorgearbeitet hatte. Doch die Chance auf erste Punkte per Straftritt verpasste Verbinder Hilsenbeck aus halbrechter Position vom Hütchen.

Viel besser machten es die russischen Gäste, die mit ihrer ersten Chance direkt eiskalt zuschlugen. Als Eric Marks im Mittelfeld nach einem Tackle auf der falschen Seite liegenblieb, konnte Russland mit dem fälligen Straftritt das Leder erstmals in die deutsche 22 bringen. Etliche Sturmphasen nahe an der Linie überlebte die deutsche Mannschaft - doch als es dann schnell nach außen ging, konnte Russlands Siebener-Star German Davidof vollstrecken - 5:0 aus Gästesicht - auch wenn der letzte Pass auf den Schluss der Russen nach vorne zu gehen schien. 

Russland konnte danach direkt den zweiten Ausflug in Deutschlands 22 starten, jedoch hielt die Verteidigung der Adler dieses Mal und Deutschland konnte sich befreien. Die deutsche Mannschaft fand zunehmend ins Spiel, doch Russlands Openside-Flanker Tagir Gadzhiev schaffte es immer wieder dem deutschen Spiel das Momentum zu nehmen. Allein in der ersten Viertelstunde holte Russlands Siebener gleich zwei wichtige Turnover für die Gäste.

Doch auch Deutschland konnte die russische Defensive zeitweise durchaus in die Bredouille bringen - ein guter harte Lauf gegen die Laufrichtung der sich verschiebenden russischen Defensive von Wynston Cameron Dow bescherte der deutschen Mannschaft einen Straftritt - Hilsenbeck konnte auf 3:5 verkürzen aus knapp 40 Metern zentral.

Russlands Siebener-Star Davidoff schwer unter Kontrolle zu bringen

German Davidof zeigte sich weiter brandgefährlich - erst brachte er das russische Team mit einem tollen Lauf tief in die deutsche Hälfte. Deutschland konnte sich noch ein Mal befreien, doch Davidoff hebelte die deutsche Defensive nach 25 Minuten erneut mit einem starken Lauf und einem Offload aus. Deutschland musste erneut tief in der eigenen 22 verteidigen und dieses Mal konnte sich Russland nach unzähligen Stürmerphasen ins Malfeld vorarbeiten.

Gegen die vielen russischen Pick-and-Go-Phasen hatte der deutsche Sturm keine Antwort. Mit einer halben Stunde auf der Uhr stand es 3:12 aus Gastgebersicht. Auftrieb verschaffte der DRV XV ein Straftritt nach Gedränge - hier hatte man im Vorfeld auf Vorteile gehofft. So kamen unsere Adler erneut in Russlands 22 und bekam dort nach mehreren Phasen einen Straftritt zugesprochen, den Hilsenbeck sechs Minuten vor der Pause zum 6:12 verwandeln konnte. 

Denn nächsten Schub für das deutsche Team gab es dann kurz vor der Pause, als die deutsche Überlegenheit im Gedränge erneut in einem Straftritt resultierte. Deutschland hatte nun Blut geleckt und arbeitete sich wieder in aussichtsreiche Position - doch Russlands Befreiungskick von der eigenen Linie trug Chris Hilsenbeck unglücklich ins Aus und schenkte so den Ball her. Dann musste Deutschland noch einen längeren Angriff der Russen überstehen, bis es in Schlagdistanz in die Pause ging.

Auch schwieriger Start in Durchgang zwei

Doch die zweite Hälfte startete direkt mit einem Patzer von Hagen Schulte, der sich tief in Deutschlands 22 bei einem Kick-Versuch blocken ließ. Direkt zum Auftakt fand sch Russland also wieder in der Gefahrenzone wieder, doch ein Fehler der Gäste bescherte dem deutschen Team ein eigenes Gedränge an der eigene Mallinie. Ausgerechnet hier verlor unser Team sein erstes Gedränge und aus dieser aussichtsreichen Position ließ sich Russland erneut nicht zwei Mal bitten.

Deutschland war kurz danach drauf und dran die direkte Antwort zu bringen. Eine Strafgasse und mehrere harte Sturmphasen brachten das deutsche Team bis an die russische Linie, wo der Ball aber in einem unübersichtlichen Ruck unglücklich, wahrscheinlich mit Bodenspiel-Beihilfe von russischer Seite, verloren ging. Statt gelber Karte hatte Russland die Möglichkeit sich zu befreien.

Und fast hätten die Russen direkt im Gegenzug gepunktet, als Ostroushko einen Hilsenbeck-Pass abfing - mit dem Intercept arbeitete sich Russland bis an die Fünf-Meter-Linie vor. Von dort brachte der russische Sturm das Leder per Paket über die deutsche Linie. Mit dem vierten Versuch in der Tasche hatte Russland mit 25 Minuten auf der Uhr das Spiel quasi in der Tasche.

Starkes Comeback in der Schlussphase

Hätten sich frühere deutsche Teams gegen den Favoriten nun aufgegeben, hatten die Adler nun ihre beste Phase. Endlich konnte man auch Mal von einem Fehler der Russen profitieren. Ein hartes Tackle an der eigenen 22 ließ einen russischen Stürmer den Ball fallen - der eingewechselte Marcel Coetzee reagierte am schnellsten und trug den Ball im Vollsprint entlang der Gegengerade über 80 Meter bis ins Malfeld. Doch verpasste Chris Hilsenbeck die mittelschwere Erhöhung, womit beim Stand von 11:26 immer noch mehr als zwei Versuche fehlten. Diese verpassten Pünktchen sollten leider noch Konsequenzen haben. 

In der Folge verpasste es das deutsche Team direkt zu weiteren Punkten zu kommen - es sollte bis zur 72 Minute dauern: Felix Lammers, in seinem dritten Spiel für Deutschland wurde auf Außen schön von Christopher Hilsenbeck freigespielt und konnte großartig vollenden. Er legte sich das Leder selbst per Bodenroller vor und bekam den Ball danach zwischen zwei Russen durchgeschmuggelt zum 18:26 Anschluss. Das sollte eine hochspannende Schlussphase einläuten.

Deutschland arbeitete sich noch einmal bis an die 22 der Russen vor und tatsächlich machte das deutsche Team noch ein Mal richtig Meter mit einem dynamischen Paket. Russland wusste sich nur zu wehren, indem sie das deutsche Paket illegalerweise herunterrissen. Doch die Pfeife des sonst soliden französischen Schiedsrichters blieb stumm. Stattdessen verlor das DRV-Team die Murmel und mit nahezu abgelaufener Uhr wurde das deutsche Team immer ungeduldiger.

Nikolai Klewinghaus kickte den letzten deutschen Ball weg und so endete das Spiel mit der enttäuschenden Erkenntnis: Russland war keineswegs überlegen, Russland war in den entscheidenden Momenten ruhiger und kaltschnäuziger und am Ende sicher auch der verdiente Sieger.

Deutschland zeigte, wie von Coach Mike Ford gefordert, mehr Mut. Ließ zugleich aber erneut die Effektivität vermissen und scheiterte an vielen kleinen Dingen.


Eine ermunternde Leistung - dennoch droht die Relegation

Gleichwohl muss man auch festhalten. Dies war die bisher knappste Heimniederlage gegen ein russisches Team, das mit mehr Erfahrung, einer besseren Vorbereitung und einem Japan-Ticket wuchern kann. Mit einer Leistung wie heute und 6.000 Kölner Fans im Rücken, kann mit einem Sieg gegen Spanien in zwei Wochen die Relegation vermieden werden. Denn ein Sieg in Georgien kommenden Sonntag ist utopisch - zumal das deutsche Lazarett mit dem Ausfall von Hagen Schulte, der sich wohl das Syndesmoseband gerissen hat, noch länger wird.

Mit den Unkenrufen der Keyboard-Warrior in der deutschen Rugby-Community, die dem Team seine Klasse absprechen wird, muss das Team leben. Das überlebenswichtige Spiel wird in Köln in zwei Wochen ausgetragen. Kapitän Ferreira versprach nach Abpfiff: "Wir werden mit Resultaten zurückkommen!" Zuerst wartet jedoch die wohl schwerste Aufgabe in der Rugby Europe Championship. Das Auswärtsspiel in Georgien bei der absoluten Übermannschaft dieser Spielklasse.

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