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TR-Players to Watch Teil 2: England, Wales und Frankreich
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Dienstag, 5. Juni 2018

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Jahrelang das Enfant Terrible im englischen Rugby, nun Hoffnungsträger: Verbinder Danny Cipriani

Samstag wird es für drei Wochen wieder spannend im internationalen Rugby: Es stehen zahlreiche Duelle Nord- gegen Südhemisphäre an und das nur 15 Monate vorm Start der kommenden WM. Im zweiten Teil unserer Serie Players to Watch blicken wir auf die Hoffnungsträger der Nord-Teams. Zwar hat sich die Lage seit der letzten WM, bei dem für alle europäischen Teams spätestens im Viertelfinale Schluss war, verbessert. Dennoch wartet besonders auf England und Frankreich ein besonders harter Juni. Wer sind die Hoffnungsträger bei diesen Teams? Zudem wird DAZN-Kommentator Jan Lüdeke den Wales-Kader anaylsieren, bevor er am Samstag deren Spiel gegen Argentinien kommentiert.

England: Enfant Terrible Cipriani als Ausweg aus der Krise?

Noch Anfang des Jahres schien alles in Ordnung im Mutterland des Rugbys - die Engländer grüßten von Rang zwei der Weltrangliste und gingen als Favorit in das Sechs-Nationen-Turnier, wo man mit zwei Siegen über Italien und Wales auch nach Maß startete. Doch dann schlitterte England in Rekordzeit in einer Krise sondergleichen: Drei Niederlagen in Folge und als Vorletzter das schlechteste Finish seit Jahrzehnten. Nun wartet England eine dreiwöchige Tour nach Südafrika gegen aufstrebende Boks - zu allem Überfluss auf der südafrikanischen Hochebene statt, um Spiele im 1.700 Meter hoch gelegenen Johannesburg gegen Südafrikas Monster-Sturm benedeit die Engländer sicher niemand.

Wer wird für England auf der Tour nun die Kohlen aus dem Feuer holen? Flanker James Haskell, Prop Dane Coles, Neuner Danny Care und Außen Jack Nowell werden es nicht, da Coach Eddie ihnen Jones aufgrund ihrer Verpflichtungen mit den British and Irish Lions im vergangenen Sommer eine erste richtige Pause seit dem Sommer 2016 geben will. Andere, darunter vor allem Verbinder Owen Farrell und Prop Mako Vunipola wird dieser Luxus nicht gegönnt. Doch viel spannender ist ein Blick auf die neuen Namen im Kader. Völlig überraschend tauchte der Name Danny Cipriani im England-Kader auf. Dabei ist der Verbinder, der im Sommer von den Wasps zu Gloucester wechseln wird, alles andere als ein Unbekannter.

Der mittlerweile Dreißigjährige hatte bereits vor zehn Jahren sein England-Debüt gegeben und galt einst als designierter Johnny-Wilkinson-Nachfolger auf der England-Verbinderposition. Auf dem Feld ein riesiges Talent mit großartigen Steps, Pässen und Kicks. Doch mit zahlreichen Eskapaden abseits des Feldes brachte sich Cipriani immer wieder selbst in die Bredouille und so wagte Cipriani den Sprung nach Melbourne ins Super Rugby, wo er ebenso durch großartige Leistungen und oftmals alkoholbedingte Skandale auffiel - der Prozess um einen Erpressungsversuch durch zwei Stripperinnen im, die versuchten Geld von Cipriani nach einer abgebrochenen Schwangerschaft rauszuholen versuchten, war wohl der absolute Tiefpunkt für Cipriani.

 

Wohl kaum einer weiß ein Spiel derart anzutreiben, wie Danny Cipriani

Seitdem sind drei Jahre vergangen und Cipriani hat sich seitdem wieder in Englands Premiership von sich mit seiner Spielstärke von sich Reden gemacht. Nachdem Jones den Spielmacher in seiner Amtszeit wieder und wieder übersehen hatte, berücksichtigte er ihn nun erstmals. Dabei besteht die Chance, dass Cipriani vor allem als Schluss zum Einsatz kommt, wo er sich ebenso zu Hause fühlt. Außer Frage steht immer noch sein Talent aus wenig viel zu machen und das Spiel wie kaum ein anderer anzutreiben. Für das England-Spiel, das gerade während der Six Nations zu erlahmen schien und wenig inspiriert wirkte, könnte diese Nominierung ein Segen sein. Doch sollte sich Cipriani erneut abseits des Feldes nicht zu 100% korrekt verhalten betonte England-Trainer Jones bereits: „Er wird im Flugzeug nach Südafrika sitzen, es wird aber auch eines zurückgehen.“

Eine andere England-Dauerbaustelle ist die Dritte-Sturmreihe - seit Jahren fehlt England ein richtiger Siebener, ein Openside-Flanker, der in den Rucks der Gegner Bälle klaut und offensiv immer Unterstützung läuft. Ab und an ließ Trainer Jones gar mit Itoje und Lawes Zweite-Reihe-Stürmer in der dritten Reihe auflaufen. Nun hat Jones gleich zwei neue Namen aus dem Hut gezaubert, wobei Tom Curry mit seinen 19 bereits im vergangenen Sommer einen Einsatz in einer durch die Lions-Tour stark geschwächten englischen Mannschaft hatte und ist Brad Shields mit seinen 27 Jahren kein Neuling ist.

Gerade die Nominierung von Brad Shields löste große Debatten in Englands Rugby-Medien aus. Der gebürtige Neuseeländer ist für die Heimat seiner beiden englischen Eltern spielberechtigt, ist bis dato aber noch nie in der Premiership aufgelaufen. Dies wird er erst, wenn er nach dem Ablauf der Super-Rugby-Saison nach über 100 Einsätzen für die Hurricanes zu den Wasps wechseln wird. Zum einen wird dadurch die bisherige Nominierungspraxis zumindest untergraben und zum anderen bezweifeln viele Experten, ob Shields das England-Team tatsächlich weiterbringen wird. Einer seiner prominentesten Vorgänger, Ex-England-Kapitän und Flanker Lewis Moody, zählte zu den ausgesprochensten Kritiker der Shields-Nominierung. Denn auch Shields ist eher eine Sechs als eine Sieben und vom Spielstil vergleichbar mit Chris Robshaw, der ebenso im Flieger nach Johannesburg saß.

Weniger kontrovers ist die Nominierung von Sale-Flanker Tom Curry. Der noch im Teenager-Alter befindliche Mann gilt schon seit langem als künftiger England-Siebener - bereits vier Monate nach seiner Volljährigkeit hatte Curry sein Profi-Debüt im Champions Cup gegeben. Vom Spielstil unterscheidet er sich deutlich von Robshaw und Shields - er ist mit seinen 1,85 kleiner als beide und eher ein Spezialist für Turnover in den Rucks. Für das England-Spiel dürfte er in jedem Fall eine Bereicherung sein.

 

Vorige Woche bereits überragend im inoffiziellen Barbarians-Spiel: Flanker Tom Curry


Wales: DAZN-Kommentator Jan Lüdeke analysiert die Neulinge

Wie England auch, wird Wales für seine anstehenden Duelle mit Argentinien, die ihr beide bei den Kollegen von DAZN sehen könnt, eine Reihe von British and Irish Lions schonen. Jedoch hat sich Coach Warren Gatland weitaus mehr Spieler, als sein England-Kollege Eddie Jones und muss zudem mit Verletzungen kämpfen: Mit Achter Taulupe Faletau, Schluss Leigh Halfpenny, Außen Liam Williams, Verbinder Dan Biggar, Flanker Justin Tipuric, Gedrängehalb Rhys Webb, Innen Jonathan Davies, Hakler Ken Owens und Zweite-Reihe-Stürmer Alun Wyn Jones fällt mehr als eine halbe Start-XV aus.

DAZN-Kommentator Jan Lüdeke hat beim Blick auf den Wales-Kader für die Argentinien-Spiele, die er kommentieren wird, dennoch einige interessante Namen gefunden: „Meiner Meinung nach müssen wir besonders die Dritte-Reihe-Stürmer bei Wales beobachten. Seit den November-Tests 2017 hatten sich Josh Navidi und Aaron Shingler als Flanker festgespielt und ihre Weltklasse unter Beweis gestellt. Jetzt fallen beide verletzt aus. Es liegt jetzt offensichtlich an Seb Davies und Ellis Jenkins, diese Lücke zu füllen, sie haben zumindest letzte Woche gegen Südafrika begonnen. Beide haben mit den Cardiff Blues gerade den Challenge Cup gewonnen, Jenkins hat mich dabei beeindruckt. Davies hat im Verein hauptsächlich Zweite Reihe gespielt, aber er kann es auch in der Dritten. Unterstützung bekommen die Jungs auch von Ryan Elias, der immer wieder Turnover holt. Ich könnte mir vorstellen, dass er auf der Hakler-Position viele Minuten bekommt. Und spannend wird auch, wie es im Kampf um das Trikot mit der Nummer „10“ zugeht. Wer ist da der Beste in Wales? Vom Gefühl her sage ich: Rhys Patchell.“

 

 

 

Cardiff Flanker Jenkins hat DAZN-Kommentator Jan Lüdeke beeindruckt

Frankreich: Mit Fofana und Bastareaud gegen die All-Blacks-Übermacht

Auf den Spielmacherpositionen fallen mit Camille Lopez, Maxime Machenaud und Francois Trinh-Duc gleich drei wichtige Akteure aus. Starspieler Louis Picamoles, Guilhem Guirado und Virimi Vakatawa werden über den Sommer wiederkehrende Blessuren auskurieren, um im WM-Jahr bei 100% zu sein. Dazu wartet mit Neuseeland der sicherlich unangenehmste Gegner, den man sich vorstellen kann. Was tun wird sich Trainer Jacques Brunel gedacht haben. Zu erst einmal hat Brunels den Nachtschwärmern von Edinburgh um Teddy Thomas, die am Abend des zweiten Six-Nations-Spiel des Jahres nach einem schlagzeiligenträchtigen späten Ausflug aus dem Kader verbannt worden wurden, vergeben. Dazu hat Brunel bei der Nominierung neben ein paar unbeschriebenen Blättern vor allem auf lange vermisste Stammkräfte gesetzt, vor allem den explosiven Innen Wesley Fofana.

Fofana hat seit November 2016 verletzungsbedingt keine einzige Minute im Trikot von „les Bleus“ absolviert - der damalige Gegner bei der knappen 19:24 Niederlage im Stade de France: Neuseeland. Der mittlerweile 30-jährige Fofana war in seiner Karriere wieder und wieder gerade gegen den dreimaligen Weltmeister besonders herausragend aufgetreten. Man könnte ihn gar den Neuseeland-Schreck nennen, wäre da nicht die die Tatsache, dass Frankreich seit neun Jahren nicht mehr gegen die All Blacks gewonnen hat. Dieser Sieg jedoch erfolgte in Dunedin, dem Ort des dritten Spiels der Serie und damit war Frankreich im Jahr 2009 tatsächlich die vorletzte Mannschaft, die auf neuseeländischem Boden gewinnen konnte (Südafrika konnte wenige Monate später im damalige Tri-Nations-Turnier ebenso gegen Neuseeland gewinnen).

 

Fofana konnte 2013 beim letzten Gastspiel der Franzosen im Eden Park bereits für "les Bleus" punkten

Nach einer Reihe von Verletzungen wird seine Rückkehr auf die angestammte Innen-Position in Frankreich sehnlichst erwartet. Zusammen mit dem zweiten Innen Mathieu Bastareud könnte er eine absolut tödliche Kombination bilden. Fofana mit seiner Spielfreude und Kreativität, Bastareud mit seiner brutalen Stärke und seinen tollen Offloads - den beiden Frankreich-Veteranen wird zugetraut das All-Blacks-Mittelfeld zu knacken. Fofana wird wohl aber erst im zweiten Spiel ins Geschehen eingreifen können, nachdem er wegen einer Sehnenentzündung im Knie für ein paar Tage geschont werden muss. Doch selbst ein einziger Sieg wäre für die geschundene Rugby-Seele Frankreichs und die Spannung bei der kommenden WM ein absoluter Erfolg.

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