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TR-Experten Forum: Six Nations Spieler im Fokus
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Freitag, 2. Februar 2018

Ein Spieler, der von unseren Experten mehrfach genannt wurde: Frankreichs Youngster auf der 9 Antoine Dupont.
Ein Spieler, der von unseren Experten mehrfach genannt wurde: Frankreichs Youngster auf der 9 Antoine Dupont.

Mit dem Beginn des diesjährigen Sechs-Nationen-Turniers morgens heißt es wieder fünf Wochenenden lang Rugby pur. Dabei werden einige Talente den Sprung auf die ganz große Bühne schaffen und altgediente Veteranen ihre Nationen zu Siegen führen. Wer sind die Schlüsselspieler der Six Nations - wir haben unser Expertenforum gefragt: Wer sind für euch die „Players to watch“ bei den diesjährigen Six Nations. Die DAZN-Moderatoren und Seven Bamboos Gründer Max Lueck haben uns ihre Favoriten genannt und warum sie so wichtig für ihre Teams sind oder werden können.

England

Jan Lüdeke: Sam Underhill

Lange Zeit hieß es, dass es ein echter „Siebener“ sei, der England zum ganz großen Team fehle. Mittlerweile haben sie einen. Sam Underhill ist eine Maschine und das mit 21. Ein starker Ballträger, teilweise sieht man den Gegnern sogar die Angst vor ihm an, aber vor allem ein unfassbar starker Verteidiger, der viele Turnovers holt. Ich denke, er bringt England trotz seines jungen Alters auf ein anderes Level.

Sven Gabbei: Maro Itoje

Vom Talent zum unverzichtbaren Spieler, ob in der zweiten oder dritten Reihe,
kaum ein anderer Spieler ist so unersetzbar wie dieses Juwel. In jeder Welt-XV zu finden, wird er wieder einer der Stars bei den Six Nations. Der Eckpfeiler für die Titelverteidigung Englands.

Simon Jung: Danny Care

Gefährlichster Mann und Top Try Scorer Englands bei den Autumn Internationals. Mitterweile ist er allerdings schon über 30 und es die Frage stellt sich, ob er seinen Platz als Joker im England-Kader halten kann. Dan Robson spielt unglaublich gut bei den Wasps und hätte sich eine Chance verdient.

Max Lueck: Marcus Smith

Der 18-jährige Smith wird von vielen hier auf der Insel, schon als der nächste Jonny Wilkinson gehandelt und gilt als absolutes Ausnahmetalent. In seiner ersten Profisaison bei den Harlequins, hat er bereits gezeigt was er kann und sich in kürzester Zeit einen Stammplatz erspielt.
Die Nominierung in den Six-Nations-Kader beweist zudem wie viel Eddie Jones von dem jungen Verbinder hält. Es wird sicherlich nicht einfach, bei Konkurrenten wie Owen Farrell und George Ford, die deutlich mehr Erfahrung mitbringen, viel Spielzeit zu bekommen, aber ich bin mir sicher, dass man von Marcus Smith noch sehr viel hören und sehen wird.

 

Englands Tackle-Maschine Sam Underhill

Irland

Jan Lüdeke: Dan Leavy & Jordan Larmour

Die Iren haben traditionell immer eine starke Dritte Reihe gehabt in den letzten Jahren. Aber langsam steht ein Generationenwechsel an. Dan Leavy hat in den letzten Monaten einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. Er kann Spiele entscheiden, ist wie Englands Underhill ein guter Ballträger, aber vor allem in der Verteidigung stark über dem Ball. Dazu bin ich gespannt auf Jordan Larmour. Er wird sicherlich noch kein Leistungsträger bzw. Stammspieler, aber er hat riesiges Potenzial, so dass ich mich freuen würde, ihn in ein paar Kurzeinsätzen zu sehen. Er könnte sicherlich Spiele mit seinem Tempo drehen, wenn die Gegner schon müde sind.

Sven Gabbei: Johnny Sexton

Ja ja, ich weiss, zu alt, zu oft verletzt und und und - aber wenn Irland den Titel
holen will, dann brauchen Sie den besten Sexton als verlängerten Arm von Coach Joe Schmidt auf dem Platz. Wenn Sexton gut spielt, spielt Irland gut.

Simon Jung: Bundee Aki

Genau die Art von Spieler, die Irland in den letzten Jahren etwas gefehlt hat. Von ihm erwarte ich mir harte Ballvorträge und eine solide Verteidigung. Er wird ganz nah bei Sexton spielen - die meiste Zeit um ihn zu schützen.

Max Lueck: Conor Murray

Für mich derzeit einer, wenn nicht der beste Gedrängehalb der Welt. Spielt zurzeit eine überragende Saison für seinen Club Munster und hat auf der Lions Tour, bei der er in allen drei Tests in der Startformation stand, bewiesen wie gut er auf allerhöchstem Niveau ist.
Sein Pass – und Kickspiel hat er in den letzten Jahren noch einmal perfektioniert und verfügt zudem über eine außergewöhnliche Spielintelligenz. Falls Irland das Ding in diesem Jahr gewinnt, wird Murray großen Anteil daran haben.

 

Irlands-Importspieler Aki

Wales

Jan Lüdeke: Hadleigh Parkes

Ich bin allgemein gespannt auf Wales. Im November hat die Mannschaft für mich teilweise das schönste Rugby aller Europäer gezeigt, das allerdings nie über 80 Minuten durchgehalten. Der Meistertitel der Scarlets in der Pro12 letzte Saison war schon richtungsweisend, weil Klub und Nationalteam ähnlich spielen. Schnell, kreativ, modern, mit vielen Offloads, auch von den nicht so filigran wirkenden Stürmern. Der gebürtige Neuseeländer Hadleigh Parkes gibt dem Spiel als Innendreiviertel nochmal eine neue Dimension, weil sein Spielstil perfekt auf den von Wales zugeschnitten ist. Sein Einstand Anfang Dezember gegen Südafrika (nachdem er die drei Jahre in Wales vollhatte) war mit zwei Versuchen bei der Premiere ja schon ausgezeichnet, er dürfte einer der Top-Performer im walisischen Team sein, nachdem er kürzlich in einem Formtief hing, aber meiner Ansicht nach auf dem Weg zurück zur Topform ist.

Sven Gabbei: Gareth Davies

Momentan in der Form seines Lebens und an allem beteiligt, was die Scarlets in dieser und der letzten Saison so gut gemacht hat. Die Nominierung zum EPCR Player of the Year ist völlig verdient. Wird der Motor in einer angeschlagenen Waliser XV.

Simon Jung: Josh Navidi

Sein Stern ging bei den Testspielen im Herbst auf. Insbesondere im Angriff wird er in der Abwesenheit von Faletau und Lydiate gefragt sein. Die dritte Sturmreihe wird sowieso der Schlüssel für die Waliser sein, um besser abzuschneiden als im letzten Jahr.

Max Lueck: Rhys Patchell

Rhys Patchell profitiert vom Verletzungspech der Waliser und bekommt am Wochenende seine Chance gegen Schottland. Fünf Jahre nachdem der Scarletts-Verbinder zum ersten Mal in der Start XV stand, darf er am Samstag wieder von Anfang an ran um den verletzten Dan Biggar zu ersetzen.

Patchell spielt derzeit sehr solide in seinem Verein und hatte großen Anteil an der erfolgreichen Viertelfinal-Qualifikation im European Champions Cup. Die Scarletts sind das einzige walisische Team, denen das gelang. Auch bei den Herbsttests konnte der großgewachsene 10er schon zeigen was er drauf hat, als er für Dan Biggar eingewechselt wurde.

Zudem hat er den riesen Vorteil, dass er am Samstag reichlich seiner Scarletts-Teamkollegen mit ihm auf dem Platz stehen. Ganze 10 Spieler aus Llanelli hat Warren Gatland nominiert.
Patchell beherrscht ein kreatives und sehr unterhaltsames Angriffsspiel, was den Walisern auf jeden Fall gut tun wird. Kann mir auch vorstellen das Patchell zum Stammspieler im Laufe des Turnieres wird.

 

Lange hat es gedauert bis Rhys Patchell seine Chance als Wales-Verbinder bekommen hat

Frankreich

Jan Lüdeke: Anthony Belleau & Mathieu Jalibert

Die Franzosen hatten in den letzten Jahren immer wieder das Problem, dass es keinen Verbinder gab, dem man wirklich konstant über einen längeren Zeitraum Topleistungen zugetraut hat. Das Problem: in der heimischen Liga, die die bestzahlende der Welt ist, werden jungen Talenten oft ausländische Stars vor die Nase gesetzt. Camille Lopez war ein Lichtblick, aber jetzt drängen zwei Riesentalente nach. Anthony Belleau hat im November schon gezeigt, dass er gemeinsam mit dem ebenfalls blutjungen Gedrängehalb Antoine Dupont (beide sind 21) eine kreative, kaum ausrechenbare Spielmacher-Paarung abgeben kann.

Noch mehr angetan bin ich aber von einem noch jüngeren Kerl: Mathieu Jalibert. Auf Sicht ist er für mich die Nummer eins bei den Franzosen auf dieser so wichtigen Position. Er ist 19, spielt deshalb noch sehr unbekümmert, weiß aber Spiele schon gut zu managen. In seiner Spielanlage erinnert er mich sogar ein wenig an Beauden Barrett. Er ist verdammt schnell und läuft starke Unterstützung. Ich durfte ihn kürzlich im Challenge Cup mit Bordeaux gegen die Dragons kommentieren. Er war herausragend, spielerisch wie auch vom Kicking Tee. Die große Frage ist natürlich, wie sich Belleau und Jalibert in ihrem Alter über den langen Zeitraum solch eines Turniers schlagen, aber hey, was zählt ist die WM in eineinhalb Jahren. Bis dahin müssen die beiden auf diesem Niveau spielen, spielen, spielen.

Sven Gabbei: Antoine Dupont

Einer der Besten aus einem schlechten Länderspiel-November/Jahr für
die XV de France, er muss die Inspiration für einen Neustart im französischem Rugby werden, Großes Talent – Große Last.

Simon Jung: Antoine Dupont

Wie Care auch "nur" die zweite Wahl. Er ist der perfekte Joker und kann jedes Spiel drehen. Kann auch Verbinder oder Schluss/Außen spielen, wird aber vermutlich nur als Gedrängehalb eingesetzt werden.

Max Lueck: Guilhem Guirado

Frankreichs neuer Trainer Jacques Brunel hat sich für einen jungen, recht unerfahrenen Kader entschieden. Das sieht sehr nach Neustart aus und den können die Franzosen nach einem desaströsen und turbulenten Jahr auch dringend gebrauchen.

Der erfahrenste Mann bei den Les Bleus ist Kapitän Guilhem Guirado, derzeit in Toulon unter Vertrag. Der Hakler bringt es auf 56 Einsätze für Frankreich und bringt alles mit was man sich von einem soliden 1. Reihe Spieler wünscht: Sichere Gasseneinwürfe, sehr stark im Gedränge und clever im offenen Spiel.

Anfang der Woche litt der 31-jährige noch unter einem Magen-Darm-Virus, hoffen wir mal das er diesen bis zum Wochenende überwunden hat.

 

Bereits im November konnte Jungspund Dupont von sich Reden machen

Schottland

Jan Lüdeke: Byron McGuigan

Die Schotten sind auf Außendreiviertel eigentlich seit Jahren mehr als solide aufgestellt. Gegen Sean Maitland und Tommy Seymour kann man nichts einwenden. Besonders gespannt bin ich heuer aber auf Spätstarter Byron McGuigan. Der führte quasi seine ganze Karriere lang ein Schattendasein. Weder in Glasgow noch bei den Exeter Chiefs hat er eine große Rolle gespielt, seit seinem Wechsel zu den Sale Sharks 2016 blüht er regelrecht auf, vor allem in dieser Saison. Mit acht Versuchen steht er auf Platz zwei der Aviva Premiership – und auch beim Debüt (im Alter von 28 Jahren) im November wusste er zu überzeugen, gegen Australien mit zwei Versuchen. Er könnte der Faktor im schottischen Spiel werden.

Sven Gabbei: Greg Leidlaw

War länger verletzt, ist jetzt wieder zurück, ex-Kapitän, Spielgestalter, Kicker und Leader.
Muss den talentierten schottischen Sturm mit der sensationellen Hintermannschaft verbinden. Dann hat Schottland eine Chance auf den Titel.

Simon Jung: Hamish Watson

Ist der wahrscheinlich unangenehmste Gegenspieler, den ich mir vorstellen kann. Er ist wuselig, Ball- und Kontakthungrig. Seine Geschwindigkeit macht ihn auch zu einem gefährlichen Angreifer, aber vor allem zu einem brutalem Cover-Tackler.

Max Lueck: Stuart Hogg

Schottland-Fans dürfen sich, nach zwei monatiger Verletzungspause, endlich wieder auf die Rückkehr ihres beliebten Fullbacks Stuart Hogg freuen.

Meiner Meinung nach einer der aller besten auf seiner Position. Der 25-jährige Glasgow Warriors Star ist ein furchtloser Tackler und unglaublich schnell unterwegs, was sein Angriffsspiel brandgefährlich macht. Zusätzlich verfügt Hogg über eine geniale Spielübersicht, so dass er jederzeit Akzente setzten kann, mit dem Ball in der Hand als auch mit dem Fuß.

Einzig seine Verletzungsanfälligkeit könnte dem Trainerteam um Gregor Townsend Kopfschmerzen bereiten. Wenn Hogg fit bleibt, ist er definitiv eine große Bereicherung für die Schotten.

Schottland-Flanker Hamish Watson

Italien

Jan Lüdeke: Marco Riccioni

An guten Erste-Reihe-Jungs hat es den Italienern eigentlich nie gemangelt. Martin Castrogiovanni ist eine Legende, aber jede Karriere geht irgendwann zu Ende. Lorenzo Cittadini ist auch in die Jahre gekommen und nicht dabei. Kurzum, es braucht endlich Nachfolger. Der einzige, dem ich aktuell zutraue, auf gehobenes Niveau zu kommen, ist der einzige Mann im Kader, der noch kein Spiel für Italien bestritten hat: Marco Riccioni. Er hat im Alter von 20 schon eine perfekte Statur, 1,85m groß, 127 kg schwer. Er erinnert mich an die irischen Brocken wie Tadgh Furlong.

Kein Wunder, dass Benetton Rugby ihn direkt aus Calvisano geholt hat, nachdem Riccioni bei der U20-WM 2017 überragte – in einem italienischen Team, das gut mithalten konnte. Was mich allerdings enttäuscht, ist, dass Antonio Rizzi noch keine Chance bekommt. Italien hat ein Qualitätsproblem auf der Verbinderposition. Carlo Canna und Tommaso Allan sind nicht Weltklasse und werden es auch nicht mehr, Ian McKinley ist auch nicht die große Lösung. Rizzi war für mich einer der besten Spieler der U20-WM überhaupt, mit ihm könnte Italien einen Weltklasse-Spielmacher bekommen. Die Franzosen machen ja vor, dass man auch mit jungen Spielern auf dieser Position ins Turnier gehen kann

Sven Gabbei: Marco Riccioni

Seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder ein Top-Prop aus Italien.
Spielt wie eine 3. Reihe, Kapitän und der Star aus der italienischen U20, noch kein Länderspiel aber eventuell gibt er sein Debut gegen England

Simon Jung: Leonardo Sarto

Ist richtig gut drauf bei den Glasgow Warriors und hat auch schon haufenweise Versuche gelegt. Es wird die Frage sein, wie gut und schnell die Italiener die Bälle laufen lassen können und ob sie es schaffen, ihn in Szene zu setzen.

Max Lueck: Sebastian Negri

Der in Zimbabwe geborene Flanker war vor nicht allzu langer Zeit noch Captain von meiner ehemaligen Unimannschaft hier in England und erlebt seit dem einen kometenhaften Aufschwung.
In seiner Debutsaison als Vollprofi bei Benetton Rugby zeigt der 1.94 m große und 110 kg schwere Stürmer Woche für Woche richtig starke Leistungen. Italiens Headcoach Conor O'Shea hat das so sehr überzeugt das Negri nun im italienischen Kader steht und sich auch durchaus Hoffnungen auf einen Stammplatz machen darf.

 

Unser Six Nations Tippspiel

 

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