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Six-Nations-Auftakt: Wales & England dominant, Sexton rettet Irland mit Dropgoal
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 5. Februar 2018

Steff Evans sichert den Walisern den so wichtigen Offensiv-Bonus
Steff Evans sichert den Walisern den so wichtigen Offensiv-Bonus

Was für ein turbulenter Auftakt in das Sechs-Nationen-Turnier 2018. Erst überraschte Wales mit einem souveränen Sieg gegen den Geheimfavoriten Schottland. Dann wäre Frankreich fast die Sensation gegen Titelfavoriten Irland gelungen - doch ein Johnny-Sexton-Dropgoal in der vierten Minute der Nachspielzeit drehte das Spiel in dramatischer Weise. England sicherte sich Sonntag den erwarteten und verdienten Sieg gegen Italien. Die Azzurri hielten lange dagegen, brachten sich aber selbst mit ihrer Undiszipliniertheit um den verdienten Lohn.


Wales 34 - 7 Schottland

Wales Coach Warren Gatland konnte seine Zufriedenheit darüber, es seinen Kritikern gezeigt zu haben, nicht verbergen: „Uns wurde von allen Seiten gesagt wir seien scheiße, vielleicht sollten unsere Kritiker noch Mal darüber nachdenken!“ In den 80 vorherigen Minuten hatten seine Waliser es den Kritikern tatsächlich bewiesen. Gegen die mit viel Selbstbewusstsein angereisten Schotten von Gregor Townsend gelang Wales gar der Bonuspunktsieg - dieser mickrige Zähler könnte am Ende im Kampf um den Titel noch extrem wichtig werden. Die Schotten dagegen, nach einem überragenden November mit vorsichtigen Titel-Hoffnungen nach Cardiff angereist, werden ihre Titel-Hoffnungen nun vorläufig begraben müssen.

Die ersten Minuten hatte Schottland durchaus Druck auf die walisische Verteidigung ausüben können und war dem Malfeld der Gastgeber bedrohlich nahe gekommen. Doch ein herausgefangener Ball von Gedrängehalb Gareth Davies, der von der Mittellinie zum Solo-Versuch bis in das Malfeld preschte, wurde zum Weckruf. Von nun an spielte nur noch Wales - angetrieben von Verbinder Rhys Patchell, der in Abwesenheit von Dan Biggar und Rhys Priestland seine Chance als Zehner bekam. Patchell war einer von zehn Scarlets in der Startaufstellung und die erfrischend Offensive Handschrift des momentan erfolgreichsten Waliser Klubs war auch gestern zu sehen.

Erst scheiterte Kapitän Alun Wyn Jones kur vor der Linie mit einem Offload nachdem sich Wales in einem wunderschönen Spielzug mit mehreren Pässen bis kurz vor das Malfeld gearbeitet hatte. Doch noch bevor eine Viertelstunde gespielt war, konnte Wales nachlegen - der zuletzt stark kritisierte Schluss Leigh Halfpenny schloss einen weiteren sehenswerten Angriff der Gastgeber ab. Dem wohl weltbesten Kicker, der auch gestern wieder mit tadelloser Leistung vom Tee glänzte, war zuletzt vorgeworfen zu konservativ zu spielen und zu selten gefährlich mit Ball in der Hand zu kontern.

Bis zur Pause sollte sich nichts mehr am Spielstand ändern - Schottland fand zumindest defensiv langsam den richtigen Rhythmus. Verlor dafür aber zu oft einfache Bälle durch Handling-Fehler und kassierte zudem zahlreiche unnötige Straftritte in den Rucks. Nach der Pause sollte Halfpenny zwei dieser nutzen, um den Vorsprung auf 20 Punkte hochzuschrauben. Der Wales-Schluss höchstselbst war es dann, der mit seinem zweiten Versuch den Sack endgültig zumachen konnte. Wieder war es eine feine Team-Leistung und ein brillanter Volleyball-Pass von einem Erste-Reihe-Stürmer, der Halfpenny das einfache Finish ermöglichte.

Mit noch zwanzig Minuten auf der Uhr begann nun der Sturm auf den Offensiv-Bonus. Angetrieben von den 75.000 im geschlossenen Stadion der walisischen Hauptstadt Cardiff sollte schließlich in Minute 73 der entscheidende vierte Versuch fallen. Scarlets-Winger Steff Evans w gebührte die Ehre einen 75-Meter-Konter der Waliser mit einem spektakulären Hecht-Sprung an die Eckfahne abschließen zu können. Der eingewechselte Peter Horne erzielte mit quasi der letzten Aktion den Ehrenversuch der Schotten, dabei ergab sich eine kontroverse Situation, da Wales-Kapitän Alun Wyn Jones den Schiedsrichter dazu anhielt den Versuch überprüfen zu lassen. Dabei sollte der Rugbysport eigentlich ein Vorbild in Sachen Anwendung des Video-Referees sein (Siehe: Video-Schiedsrichter im Fußball/Rugby) Der ganz späte Versuch der Schotten in der Schlussminute ersparte den Gästen die Blamage zu Null besiegt zu werden, änderte aber am Fazit des Tages wenig: Wales sichert sich zum zehnten Amtsubiläum von Coach Gatland mit einer großartigen Vorstellung einen Traumstart, wird aber weiterhin mit anstehenden Auswärtsspielen in Dublin und London eher eine Außenseiterrolle im Titelkampf einnehmen. England-Coach Eddie Jones dürfte gewarnt sein.

 

Das wohl beste Spiel der ersten Runde: Wales Schottland



Frankreich 13 - 15 Irland

Anders als in Cardiff zwei Stunden zuvor konnte in Paris das Dach des Stade de France nicht geschlossen werden. Es entwickelte sich daher nicht völlig verwunderlich ein nicht dermaßen offenes Spiel bei nassen Bedingungen im Dauerregen der französischen Hauptstadt. Irland wirkte dabei leicht feldüberlegen und war meist in Frankreichs Hälfte mit Ball in der Hand unterwegs. Ein Versuch wollte den so ambitioniert angeretenen Iren aber nicht gelingen. So sollte Irland lediglich mit drei getretenen Straftritten von Verbinder Sexton in die Pause gehen, während Frankreich mit nur einem durch Machenaud antworten konnte.

Aus dem 9:3 wurde mit Kicks auf beiden Seiten ein 6:12 aus Sicht der Gastgeber. Frankreich benötigte ein wenig Glück und einen großartigen 60-Meter-Sprint durch Außen Teddy Thomas, um mit dem ersten und einzigen Versuch des Spiels in Front zu gehen. Doch die Führung war mit nur einem Zähler unendlich wacklig - als der 21-jährige Ersatz-Verbinder Anthony Belleau dann einen eigentlich machbaren Kick versemmelte lief alles auf ein hochspannendes Finish hinaus. Dass bei Frankreich wieder Maxime Machenaud auf dem Feld stand, kam dabei einem kleinen Skandal gleich. Ersatz-Gedrängehalb Dupont hatte sich sichtbar am Knie verletzt, der theoretisch unabhängige französische Matchday-Doktor jedoch wollte eine Kopfverletzung gesehen haben und bei diesen darf ein bereits ausgetauschter Spieler wieder eingewechselt werden.

Tatsächlich sollte Machenaud noch eine Rolle spielen. In einer hochdramatischen Schlussphase war er einer der Franzosen, die Irlands Spielmacher Johnny Sexton am entscheidenden Dropgoal hindern wollten. Denn den Iren war es in fast 40 Phasen nicht gelungen entscheidend und tief genug in die Hälfte der großartig verteidigenden Franzosen vorzurücken, um einen Versuch zu legen. Doch Johnny Sexton bewies fast von der Mittellinie aus Nerven aus Stahl und bekam das Leder irgendwie erfolgreich über die Stangen. Sein Team-Kollege Rob Kearney lobte „unglaublichen Eier“ die man benötige, um so einen Kick so spät unter so viel Druck durchzuführen. Damit konnte Irland einen frühen Ausrutscher vermeiden und darf sich weiter als Titelfavoriten sehen. Aber auch Frankreich wird Positives aus dieser Begegnung ziehen - die sehr junge XV de France hatte mit dem Titelfavoriten mitgehalten und wird nun gegen Schottland versuchen müssen mit einem Auswärtssieg Chancen auf einen Gesamtsieg zu wahren.

 

Sexton sichert seinen Iren den Last-Minute-Sieg per Dropgoal



Italien 15 - 46 England

Viel war im Vorfeld geunkt worden - Italien werde erneut nur Kanonenfutter sein und habe sowieso keine Chance gegen England. Tatsächlich, es wurde wieder nichts mit dem allerersten Azzurri-Sieg über England. Doch die Italiener zeigten sich deutlich besser als befürchtet und hielten über Phasen mit dem WM-Mitfavoriten mit. Doch um tatsächlich in Reichweite zu kommen, hätte Italien die zahlreichen kleinen Fehler abstellen müssen, die die Azzurri ein ums andere Mal teuer zu stehen kam. Außerdem fiel die Leistung der Italiener in den letzten zwölf Minuten dramatisch ab.

Mit weniger als einer Viertel-Stunde auf der Uhr waren die Gastgeber fast noch in Reichweite, doch in der absoluten Schlussphase brach die Mannschaft von Coach Conor O’Shea geradezu ein. Aus einer akzeptablen Lücke von 12 Punkten wurden innerhalb von Minuten durch drei Versuche 31 Zähler. Italien hatte zwar vieles Besser als zuletzt gemacht, hatte nie den Eindruck vermittelt diese Partie gewinnen zu können.


Besonders beeindruckend auf Seiten der Engländer waren Newcomer Sam Simmonds, der den verletzten Billy Vunipola auf der Acht ersetzte, sowie Außen Anthony Watson, der sich den Titel Man of the Match verdiente. Beide konnten mit zwei Versuchen entscheidend am England-Erfolg mitwirken. Ebenso stark: Englands zuletzt gebeuteltes Gedränge. Weniger stark waren die sich öffnenden Defensiv-Lücken.

Mit diesem Spiel hat England zwar erst einmal die Tabellenführung sicher, bekommt aber in nur sechs Tagen unangenehmen Besuch aus Wales. Der Tabellenzweite, der wohl noch einen Ticken souveräner aufgelaufen war, ist zu Gast in Twickenham. Es dürfte ein großartiger Kampf um die Spitze des Sechs-Nationen-Turniers werden.

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