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Deutschland gelingt die Sensation - 41:38 Sieg gegen den haushohen Favoriten Rumänien
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Samstag, 11. Februar 2017

Der Berg bebte tatsächlich, dennoch gilt für alle Rugby-Fans auf nach Offenbach und Köln! Foto (c) Seufert-Chang
Der Berg bebte tatsächlich, dennoch gilt für alle Rugby-Fans auf nach Offenbach und Köln! Foto (c) Seufert-Chang

Die Euphorie kannte nach dem Abpfiff keine Grenzen mehr: Nachdem die deutsche Mannschaft zwei Mal wie der sichere Verlierer aussah, kam das womit nicht einmal die allergrößten Optimisten gerechnet hatten: Der 41:38 Sensationssieg gegen den achtmaligen WM-Teilnehmer Rumänien.

Zu behaupten, dies sei eine Überraschung, wäre eine maßlose Übertreibung, zumal der sich Spielverlauf nie im Sinne der deutschen Mannschaft entwickelte. Nach einem soliden Auftakt mit einem Straftritt auf beiden Seiten, schien sich durch eine gelben Karte für die Rumänen nach einem Scharmützel das Blatt zu Gunsten der DRV XV zu wenden. Verbinder Raynor Parkinson setzte ein Dropgoal und Deutschland lag nach einer gespielten Viertelstunde erstmals vorne.

Doch gerade während dieser numerischen Überzahl zeigte sich Rumänien gnadenlos und legte nach zum Teil einfachen Fehlern auf deutscher Seite gleich zwei Versuche. Ein weiteres Mal kam Rumänien nach langer Druckphase gegen Mitte der ersten Hälfte zum bereits dritten Versuch. Ein wunderschönes Offload von Umaga erlaubte es Außen Dumitru ungehindert einzulaufen. Da Rumäniens Kicker Florin Vlaicu einen absolut perfekten Tag erwischte stand es nun plötzlich 24:6 für den Gast. Deutschland hing sprichwörtlich in den Seilen und mancher Zuschauer mag zu diesem Zeitpunkt eine deftige Klatsche für die deutschen Jungs befürchtet haben.

 

 

Das deutsche Gedränge war gegen Rumänien mindestens gleichwertig.

Ein von TotalRugby.de (@totalrugby.de) gepostetes Foto am 11. Feb 2017 um 13:44 Uhr

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Ein Schlüssel zum Erfolg war, dass Deutschland Parität bei den Standards erreichte



Doch obwohl spielerisch an diesem Tag sicherlich nicht alles saß, zeigte die DRV XV in einem unglaublichen Schlussspurt erstmals riesige Moral. Nach einem Turnover konnte Spieler des Spiels Jaco Otto jeden Rugby-Experten Lügen strafen, der den Stürmern das Kicken verbieten möchte. Ein perfekt getretener Bodenroller brachte den rumänischen Schluss so sehr in Verlegung, dass er regelwidrig den Ball ins Aus beförderte und den sicheren Versuch von Soteras Merz oder von Grumbkow verhinderte. Der Strafversuch für Deutschland war die logische Konsequenz.

Nur Minuten später war es erneut Otto, der einen Pass des rumänischen Gedrängehalbs Surugiu abfing und von der Mittellinie unglaublichen Speed für einen Dritte-Reihe-Stürmer bewies. Der zweite deutsche Versuch brachte den in weiß spielenden Gastgeber zurück ins Spiel. Aber ein absoluter Trysaver - also ein Tackle, das einen sicheren Versuch verhinderte - von Schluss Harris Aounallah mit der letzten Aktion der Halbzeit brachte den Bieberer Berg erstmals so richtig zum Beben. Mit einem Rückstand von nur vier Punkten ging es beim 20:24 in die Pause.

 

 

Unser TR man of the match Jaco Otto

Ein von TotalRugby.de (@totalrugby.de) gepostetes Foto am 11. Feb 2017 um 13:44 Uhr

 

 

Doch auch die zweite Hälfte sollte zur absoluten emotionalen Achterbahn für Fans und Spieler werden. Der Gast kam wild entschlossen aus der Kabine und legte dem eigenen Anspruch entsprechend los. Nach nur zehn Minuten hatte Rumänien gleich zwei weitere Versuche zum eigenen Punktekonto hinzugefügt. Beim Stand von 38:20 von Rumänien befürchtete Sport 1 Kommentator und DRV Sportdirektor Manuel Wilhelm, dass die Partie „nun aus deutscher Sicht entgleisen könnte.“ Rumänien-Außen Dumitru war durch gleich vier Tackles durchmarschiert und trotz vieler hängender Köpfe auf der Tribüne und dem Feld sollte alles anders kommen.

Das deutsche Comeback nahm seinen Lauf in den letzten 20 Minuten der Partie. Einen Straftritt nach einer Unachtsamkeit im Mittelfeld setzte der präzise kickende Parkinson genau an die 5-Meter-Linie und das deutsche Paket funktionierte heute zum bereits zweiten Mal. Deutschland-Außen Marcel Coetzee war es dann, der die deutsche Mannschaft nur vier Minuten vor dem Ende erneut in Führung brachte. Erneut war es das Paket, das die DRV XV in eine hervorragende Position gebracht hatte. Doch kurz vor der Linie musste Sean Armstrong den Ball aus dem kollabierenden Paket nehmen und nachdem von Grumbkow und Parkinson mit viel Druck kurz vor der Linie gescheitert waren, konnte Hilsenbeck den entscheidenden Ball auf Coetzee spielen der nur noch einlaufen musste.

Die Partie war damit noch keineswegs entschieden, denn die letzten fünf Minuten gehörten einzig dem Gast, der sich mehrmals anschickte die deutsche Mannschaft zu überrumpeln. Rumänien hatte es gar über die Linie geschafft, doch im Malfeld den Ball verloren. Als der Gast einen Straftritt  statt zum sicheren Ausgleich in der allerletzten Minute zur Gasse an der fünf-Meter-Linie setzte, war der dramatische Höhepunkt dieser Partie erreicht. Alles hing an der folgenden Situation ab und Deutschlands Acht Jarrid Els schickte sich an zum letzten der vielen deutschen Helden zu werden. Er klaute die Gasse der Rumänen und Gedrängehalb Armstrong musste den Ball nur noch ins Aus befördern.

Der Jubel kannte keine Grenzen und selbst im DRV-Team konnten einige Spieler das Erreichte kaum fassen. DRV XV Außendreiviertel Steffen Liebig dagegen hatte den Glauben an den Sieg bereits unter der Woche entwickelt: „Wir wussten, wenn wir unseren Spielplan durchziehen, haben wir hier eine Chance.“ Seine Prophezeiung sollte sich bewahrheiten.

Teammanager der DRV XV Robert Mohr dachte in der Pressekonferenz an die Bedeutung dieses Sieges: „Rumänien in einem Pflichtspiel zu schlagen, also nicht im Kontext eines Freundschaftsspiels, wird dafür sorgen, dass Deutschland auf der Rugby-Landkarte stattfindet.“ Tatsächlich war in Medien national wie international von der deutschen Rugby-Sensation zu lesen. 

Nationaltrainer Kobus Potigeter sah sogar noch Steigerungspotenzial: "Das war kein gutes Spiel, taktisch oder technisch von uns, aber dafür haben wir einen unglaublichen Kampfgeist bewiesen."

 

 

 

 

Die Schockwellen dieses Sieges waren in der ganzen Rugby-Republik zu spüren. Die Potsdamer Adler entschuldigten sich per Facebook bei ihrer Nachbarschaft über die entstandene Lärmbelästigung. In Köln verzeichnete der Orga-Chef des Länderspiels am 11. März Markus Kalkowski einen riesigen Schub in Sachen Ticketnachfrage für die letzte EM-Heimpartie gegen Spanien. „Allein in den ersten beiden Stunden nach dem Abpfiff wurden 250 Karten verkauft, wir rechnen fest mit einem ausverkauften Haus.“ Die Domstadt scheint ganz jeck nach Rugby zu sein. Jetzt muss nur noch die Rhein-Main-Region für das Belgien-Länderspiel, welches erneut in Offenbach stattfinden wird, nachziehen. Denn diese großartige Leistung hatte eine größere Kulisse verdient.

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Kommentare (12)add comment

Andreas Grebe said:

3917
Gratulation
ich war mit meinem Neffen, Varga S. vom RKH unter den Zuschauern und bin begeistert von der Kampfkraft und dem Willen dieser Mannschaft!

Weitewr so!

Peppi
Februar 11, 2017

Christopher Molzahn said:

2121
Zuschauerzahl
Jetzt wurde schon an einigen Stellen gesagt, dass beim nächsten Mal noch mehr Zuschauer kommen sollen. Leider wird konsequent über die tatsächliche Zuschauerzahl geschwiegen. Auch wenn die Zahl nicht zufriedenstellend ist, wäre es schön zu erfahren wie viele Personen den Weg nach Offenbach gefunden hatten.
Februar 12, 2017

Werner Cromm said:

67
...
Laut Rugby Europe waren ca. 3.000 Zuschauer auf dem Bieberer Berg.
Februar 12, 2017

TotalRugby Team said:

366
...
Die offizielle Zuschauerzahl war etwas unter 2500.
Februar 12, 2017

Uwe Diedrichs said:

96
...
Die Zuschauerzahl ist absolut enttäuschend für den Einzugsbereich. Vielleicht sind die Temperaturen schuld?
Februar 12, 2017

Roland Welsch said:

97
Es ist
schon sowas wie ein Ignoranz unserem Sport gegenüber , da hat Mulu in seinem Interview mit der DW schon nicht unrecht!
Februar 12, 2017

Frank Riemenschneider said:

3754
Es ist wie es ist.
Vor dem Fernseher sah die Zuschaueranzahl überschaubar aus. Aber, die Stimmung und Begeisterung von den 2500 Leuten und der Mannschaft ist doch sowas von rübergekommen. Gänsehaut! Das zählt und die Bilder werden in Erinnerung bleiben.
Wenn die Entwicklung der DRV-Teams so weiter geht..... BAM! Ich freue mich auf eine ausverkaufte Hütte in Köln.
Februar 12, 2017

tim spengler said:

2957
...
Ich freue mich auch auf ein ausverkauftes stadion in köln.

Aber da stellt sich doch die frage, warum schafft es köln, das stadion auszufüllen (8000?) und nach offenbach kommen nur 2500.

Köln ist nur 2 std autofahrt entfernt, heidelberg 1,5. Warum kommen die leute nicht nach offenbach/ffm?

Unterm strich eine super leistung von den wild boys und eine miserable leistung der (nichtanwesenden) fans!
Februar 13, 2017

Tobias Quick said:

2769
Super Spiel und Super Stimmung auf dem Bieberer Berg
Der große Unterschied ist in meinen Augen die Werbung vor Ort. Da scheinen die Kölner doch deutlich aktiver zu sein. Hier im Frankfurter/Offenbacher Raum werden vor allem die Rugbybegeisterten und ihr direktes Umfeld angesprochen und weniger die Rugbyneulinge.
Um das zu ändern sind vor allem die Vereine und der Landesverband zuständig.
Potential ist im Rhein-Main-Gebiet bestimmt genauso hoch, wie im Kölner Raum.
Februar 13, 2017

Matthias Hase said:

381
...
Wer ignoriert unseren Sport? Die Medien? Diese alte Leier ist mittlerweile ziemlich verstimmt. Bei 2500 Zuschauern müssen wir nicht die Schuld bei den Medien für was auch immer suchen, wenn anscheinend nicht mal die Rugby-Community Interesse an der DRV XV als Aushängeschild unserer Sportart hat.

Über mangelnde Medienpräsenz kann man sich seit ein paar Jahren nicht beklagen - die nimmt durch die Erfolge durch die DRV XV (und DRV VII) stetig zu. Anscheinend proportional entgegengesetzt zum Interesse der deutschen Rugbfans - wenn man sich die Novembertests und nun den EM-Auftakt anschaut. Ich bin daher auf die Zahlen von Sport1 gespannt. An Stelle der Verantwortlichen würde ich nun den gemeinen deutschen Sportfan ansprechen (Gesponserte Posts auf Facebook, Medienkooperationen, Ansprache der Fans von Kontakt- und Kollisionssportarten, Frauen, die im Stadion knackige Rugger statt die heimische Sofakartoffel sehen wollen etc.).

Zudem scheint es nun zum zweiten Mal offensichtlich, dass die Unterstützung durch Vereine und LV im Rhein-Main nicht so stark ist wie in Köln, wo Veranstalter und Vermarkter auf engagierte Leute treffen. Nur mit Geld geht es eben auch nicht (zumal es auch zielgerichtet eingesetzt werden muss) - die engagierte Leute vor Ort sind unverzichtbar, solange das deutsche Rugby noch so strukturiert ist wie aktuell.
Februar 13, 2017

Matthias Hase said:

381
...
2500 Zuschauer waren gegen Rumänien im Stadion. "Leider zu wenig“, gab Blank zu. „Dass man Zeit braucht, um Leute zu begeistern, die Rugby nicht kennen, ist logisch. Aber ich wünsche mir mehr Unterstützung von den Klubs. ..."

Quelle: https://www.op-online.de/sport/lokalsport/rugby-wahnsinn-offenbach-deutsches-nationalteam-besiegt-rumaenien-nach-aufholjagd-7388881.html
Februar 13, 2017

Sabine Hangel-Stein said:

3711
Sensationeller Sieg und Zuschauer in Offenbach
Kommentar in diesem Artikel – bei dem anderen komme ich nicht rein
Erst einmal Glückwunsch an die Mannschaft – Sensationelle Moral und Kampfgeist – Ihr seid die Besten.
Gute Besserung für Michael Poppmeier.
Zweitens zum Publikum in Offenbach:
Ich war spontan in Offenbach. Die Zuschauer waren vielleicht zahlenmäßig nicht so viele aber dafür fachkundig und begeisterungsfähig. Sie konnten sich auch am Phasenspiel und der tollen Abwehrleistung erfreuen und wussten welche Unterstützung gebraucht wird. Dementsprechend haben wir unsere Mannschaft toll angefeurert.
Hätte ich bei angesagten 2 Grad und einer zu erwartenden Niederlage gegen Rumänien Rugby-Neulinge mit ins Stadion genommen? Eher nicht. Haben alle, die nicht da waren was verpasst? OH JA.
Für das Spiel gegen Belgien habe ich am 4. Januar 10 Karten gekauft und ich schleppe jeden mit, der bei drei nicht auf dem Baum ist :-). Denn ich erwarte tolles Wetter, spektakuläre Offensivaktionen und einen Sieg unserer Mannschaft. Die Idee ist, dass jeder der dabei war beim nächsten Mal einen mitbringt und so setze ich das um.
Ach ja und schöne Grüße nach Köln, für dieses Spiel habe ich natürlich auch Karten, also wie wäre es mit einem Gegenbesuch von 5000 Kölnern in Frankfurt – äh Offenbach natürlich. Ein echtes Schmuckstück das Offenbacher Stadion übrigens, man sollte nur genug Zeit für die Anfahrt einplanen.
Februar 13, 2017

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