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Vergabe der WM 2023: Südafrika Favorit, Frankreich und Irland nur noch mit Außenseiterchancen
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 2. November 2017

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Südafrika gilt gut zehn Tage vor der Vergabe der WM 23 als Favorit. Nach 95 wäre es der zweite Rugby World Cup am Kap.

Spätestens am 15.11. wird der Gastgeber der übernächsten Rugby-WM im Jahr 2023 bekannt sein - denn dann entscheidet der Rat von World Rugby. Nachdem Italien, Argentinien und die USA nach früheren Interessensbekundungen im Endeffekt keine Bewerbung abgegeben haben, verbleiben nur noch Irland, Frankreich und Südafrika im Rennen. Für Irland wäre es das erste Sport-Event dieser Größenordnung - Frankreich und Südafrika haben in den letzten 30 Jahren jeweils sowohl Rugby- als auch Fußball-Weltmeisterschaften ausgerichtet. Diese Erfahrung und die bereits im Land vorhandene Infrastruktur haben den beiden Bewerbung in der offiziellen Bewertung durch die World Rugby “Technical Review Group“ deutlich bessere Noten beschert, als der irischen.

Mit dieser vorgestern veröffentlichten Analyse der Bewerbungen, in der Südafrika die besten Noten erhielt, läuft die Vergabe wohl auf den zweiten Rugby World Cup in Südafrika nach 1995 hinaus. Die Südafrikaner hatten bei ihrer Bewerbung viel mit der Emotionalität der letzten WM im Lande gespielt - nur kurz nach dem Ende der Apartheid galt der Moment an dem Friedensnobelpreisträger Mandela dem weißen Boks-Kapitän Pienaar den Webb-Ellis-Cup übergab, als Symbol der nationalen Aussöhnung. Außerdem werden die größten Zuschauermassen bei einem Turnier in Südafrika erwartet. Das kleinste vorgesehene Stadion der Bewerbung, das Mbombela Stadium in Nelspruit, fasst immer noch über 40.000 Zuschauer. Das Finale würde im knapp 95.000 Zuschauer fassenden FNB Stadium in Soweto stattfinden. Selbst die hervorragenden Zuschauerzahlen des letzten Turniers in England (2,477,805 insgesamt und durchschnittlich 51,621 pro Spiel) dürften damit deutlich übertroffen werden.

Frühere Querelen um die sogenannten „Tranformations-Ziele“ der südafrikanischen Regierung, die mehr nichtweiße Spieler in den traditionellen Bastionen Rugby und Cricket sehen möchte, wurden im Mai beigelegt. Zwischenzeitlich hatte das Sportministerium dem Verband SaRu gar eine Bewerbung verboten. Doch nun hat die Regierung auch die geforderten finanziellen Garantien geliefert, die World Rugby von allen potenziellen Ausrichtern gefordert hatte. Die Südafrikaner warben indes auch mit der Rugby-Verrücktheit des Landes sowie der guten Tourismus-Infrastruktur des Landes. Auch wenn für einen deutschen Fan die Anreise nach Südafrika wohl am teuersten würde, die Unterkünfte, die Lebenshaltung und nicht zuletzt die Ticketpreise dürften diesen Unterschied fast wieder wettmachen.

Südafrika betonte auch welch eine emotionale Angelegenheit eine weitere WM im Lande wäre

Irland dagegen galt in den Medien Großbritanniens lange als Favorit. Auf der grünen Insel hat sich Rugby in den letzten 20 Jahren zum wohl beliebtesten Sport entwickelt und auch auf dem Feld sind die Boys in Green so wettbewerbsfähig, wie noch nie in ihrer Geschichte. Die Begeisterung im Lande für die Bewerbung jedenfalls erreichte schnell ungeahnte Höhen. Der irische Verband IRFU sprach sich früh mit der GAA, dem Verband der gälischen Sportarten Hurling und Football ab, um deren Infrastruktur während des Turniers nutzen zu können. Denn die vier Stadien von Munster, Leinster, Ulster und Connacht sowie das Aviva Stadium alleine hätten für eine Bewerbung nicht gereicht. Das bemerkenswerte dabei ist, dass die GAA-Regel 42 der Satzung des Verbands bis vor gut zehn Jahren noch verhinderte, dass die englischen Sportarten Rugby und Fußball in ihren Stadien gespielt würde. Doch bereits mit dem Umbau der Landsdowne Road zogen die Rugby- und Fußball-Nationalmannschaften temporär in den 82.000 Zuschauer fassenden GAA-Tempel Croke Park, in dem 1920 englische Soldaten am Bloody Sunday während des irischen Unabhängigkeitskampfes ein Massaker angerichtet hatten.

In diesem würde ein eventuelles Finale stattfinden. Das Stadion in Dublins Norden jedenfalls ist über jeden Zweifel erhaben, doch die restliche Infrastruktur des Landes ist es nicht. So kreidete die technische Begutachter-Kommission zahlreiche Details an: Vom Mangel an Transport- und Übernachtungsmöglichkeiten für die bis zu 1 Million erwarteten Fans aus dem Ausland, bis hin zum Internet-Zugang in den Stadien für die hunderten Journalisten, die bei einer WM nach Irland kommen würden ergab sich eine lange Liste mit Kritikpunkten. Zwar wurde auch Irlands Bewerbung als insgesamt sehr gut bewertet, doch eben weit unter dem Niveau von Frankreich und vor allem Südafrika. Eine WM in Irland gilt damit insgesamt als Wagnis und nachdem mit Japan 2019 bereits einiges riskiert wurde beim Weltverband, könnte ein mit Südafrika oder eben Frankreich ein vermeintlich sicherer Kandidat die Nase vorn haben.

Irlands offizielles Bewerbungsvideo mit Legende Brian O'Driscoll als prominenten Fürsprecher

Die Franzosen wiederum haben nach der Fußball-EM im letzten und den im Jahr 2024 anstehenden olympischen Spielen naturgemäß die beste Stadion-Infrastruktur zu bieten. Außerdem garantierte Frankreich neben der verpflichtenden Ausrichtungsgebühr von 120 Millionen Pfund weitere Mittel. Die prognostizierten Ticket-Einnahmen würden bei 377 Millionen Euro liegen und weitere 380 Millionen Euro stünden durch die Regierung und die Societe Generale bereit. All dieses Geld können man im darauffolgenden WM-Zyklus in die Entwicklung des Sports weltweit stecken, so die Franzosen in ihrer Bewerbung. Man würde so den „Tod des Rugby-Sports“ verhindern. Was sich fast schon wie eine Drohung anhörte, hängt mit der schwierigen Verhandlungs-Position des französischen Verbands FFR gegenüber seinen immer mächtiger werdenden Vereinen zusammen. Mit einer anstehenden WM hätte man mehr Einfluss auf die Vereine, die so weniger Südhemisphären-Spieler wegkaufen würden. Frankreichs größter Makel allerdings ließ sich nicht wegdiskutieren - erst 2007 hatte Frankreich die letzte WM im eigenen Lande und naturgemäß sind viele in Medien und beim Weltverband der Meinung, dass es zu früh sei für ein weiteres Turnier.

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