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Nach der Rugby Championship und 2 Jahre vor der WM: Die All Blacks bleiben das Maß aller Dinge
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Dienstag, 10. Oktober 2017

Oftmals auch von zwei All Blacks nicht zu stoppen - Springbok-Hakler Malcom Marx. Foto (c) SARU
Oftmals auch von zwei All Blacks nicht zu stoppen - Springbok-Hakler Malcom Marx. Foto (c) SARU

Heute in zwei Jahren wird im Land der aufgehenden Sonne in der letzten Runde Gruppenspiele entschieden, wer beim kommenden Rugby World Cup im Viertelfinale auf wen treffen wird. Die nächsten Titelkämpfe werden in den kommenden Monaten die Schlagzeilen im internationalen Rugby zunehmend dominieren. Die abgelaufene Rugby Championship war einmal mehr Beweis: Die All Blacks stehen unangefochten an erster Stelle im Welt-Rugby - doch ebenso, dass die Springboks und Wallabies an einem guten Tag mit dem besten Team der Welt mithalten können. Wir analysieren die Teams der Südhemisphären-Großmächte und sagen euch auf welche Spieler ihr in den kommenden Wochen achten solltet. In Teil 1 behandeln wir Neuseeland und Südafrika.


Die All Blacks - wer soll den Weltmeister stoppen?

Es wurde noch einmal eng, verdammt eng sogar. Die All Blacks haben die diesjährige Rugby Championship mit einer makellosen Bilanz von sechs Siegen aus sechs Spielen und einer Punkte-Differenz von +127 abgeschlossen. Jedoch hatte bereits die British and Irish Lions-Tour im Juli gezeigt: Gänzlich unbesiegbar sind die Männer von Kapitän Kieran Read nicht, doch um sie schlagen muss der jeweilige Gegner schon sehr nah an ein perfektes Spiel kommen. Das gelang sowohl den Wallabies, als auch den Springboks im Verlauf der Championship - doch jeweils im Rückspiel und erst nachdem sie im Hinspiel eine Packung vom Weltmeister kassiert hatten.

Den Grund dafür sollte man sicherlich auch darin suchen, dass kein Team auf dem Planeten mit einem derart hohen Tempo und mit einer derartigen Intensität spielt, wie All Blacks. Sowohl die Lions im Juli, als auch die Boks und Wallabies in den letzten Wochen ließen sich jeweils im ersten Aufeinandertreffen vom einzigartigen Spielstil der All Blacks überrumpeln - nur um sich dann in Spiel zwei ein Duell auf Augenhöhe liefern zu können, doch mit dem jeweils gleichen Ausgang: Neuseeland behielt die Oberhand.

Denn neben den offensichtlichen Stärken des Weltmeisters - blitzschnell, kreativ und dennoch physisch brutal hart zu spielen - ist die mentale Stärke wohl einer der größten Trumpfe der All Blacks. Im Jahr 2013 hatte ein englischer Journalist in einem vorher von den All Blacks genutzten Besprechungsraum in einem Londoner Hotel in riesigen Lettern die Wand geheftet folgende Botschaft vorgefunden: „Wir sind das dominanteste Sport-Team auf der Geschichte!“ Mag einem das auch arrogant vorkommen, so weit von der Wahrheit ist dieses Mantra nicht und die Spieler Neuseelands haben es verinnerlicht. Das konnte man in den Rückspielen gegen Südafrika und Australien sehen, als die All Blacks selbst als an dem Tag schlechtere Mannschaft siegreich vom Platz gingen.

Neuseelands Kader - neue Leistungsträger und die wohl letzten Tage eines Superstars in schwarz

Ein weiterer elementarer Schlüssel zu Neuseelands Erfolg ist die überragende Kader-Tiefe des Weltmeisters. Selbst etablierte Kräfte können sich ihrer Position selten sicher sein und mit welcher Leichtigkeit Neuseeland ein ums andere Mal Ersatz für abgewanderte Spitzenkräfte findet und noch stärker wird, ist schon fast angsteinflößend.

Ein absoluter Superstar, dessen Position wackliger denn je erscheint, ist Sonny Bill Williams. Nach dem Abgang vom Mittelfeld-Duo Conrad Smith und Ma’a Nonu nach der letzten WM schien Williams sein Platz trotz seiner mittlerweile 32 Jahre sicher. Trotz des beeindruckenden Comebacks nach seinem Achillessehnenriss bei Olympia scheinen Williams Tage gezählt. Der kompromisslose Innendreiviertel war nie für seine Geschwindigkeit bekannt und hat nunmehr verletzungs- und altersbedingt ein wenig an Speed verloren. So konnte Williams zwar defensiv solide Zahlen produzieren, doch konnte er sich nicht einmal in die Position bringen einen seiner berühmten Hits zu setzen. Offensiv blieb Williams wie schon den gesamten Sommer über blass und ließ sich den Ball mehrmals abnehmen. Neuseelands größte Zeitung Herald jedenfalls, stimmte bereits in den Chor der Abgesänge auf Williams ein.

Coach Steve Hansen dürfte allerdings nicht allzu viele schlaflose Nächte verbringen, ob der Personalsituation: Mit Ngani Laumape und Anton Lienert-Brown hat er während der Lions-Serie bereits zwei spektakuläre neue Innendreiviertel in schwarz debütieren lassen. Mit 24 und 22 Jahren haben beide eine rosige Zukunft vor sich. Sollte es künftig größere Personalsorgen auf der Innen-Position geben, wartet der ebenfalls erst 25-jährige Malakai Fekitoa, den es ob seiner wenigen Einsätze im Neuseeland-Trikot nach Toulon gezogen hat, auf seine nächste Chance in schwarz.

Der nächste Superstar der All Blacks jedoch dürfte ein anderer sein: Rieko Ioane ist mit seinen erst 20 Jahren und nach nur neun Spielen für den Weltmeister, in denen ihm gleich acht Versuche gelangen, kaum mehr aus dem All-Blacks-Aufgebot wegzudenken. Deutlich schneller, darüber hinaus mit einem tödlichen Step gesegnet und ähnlich physisch, wie Julian Savea, hat Ioane seinen engsten Konkurrenten um das Trikot mit der 11 klar in die Schranken verwiesen. Noch vor einem Jahr war Ioane in Rio Teil der gescheiterten neuseeländischen Gold-Mission bei Olympia - doch dem Außendreiviertel mit Maori-Abstammung gehört die Zukunft auf Außen bei den All Blacks. Seine brillante Vorstellung gegen die Lions konnte er als bester Try-Scorer der Rugby Championship (zusammen mit Israel Folau) bestätigen.

 

Kaum ein Außen kann mit der Geschwindigkeit von Rieko Ioane mithalten



Perspektive WM 2019

Mit dem Luxus-Kader der All Blacks, der absoluten Dominanz auf der internationalen Bühne ist Neuseeland klar der haushohe Favorit bei den Titelkämpfen 2019 - die letzte WM-Niederlage gegen Frankreich im Viertelfinale von Cardiff 2007 liegt mittlerweile mehr als 10 Jahre zurück! Die Stärke der neuseeländischen Teams im Super Rugby ist ein guter Indikator für das Spielniveau in Aotearoa. Der einzige Schwachpunkt im Kader des Weltmeisters, wenn man überhaupt davon sprechen kann, ist die Hakler-Position. Dane Coles ist ein überragender Vertreter auf der Zweier-Position, wird aber noch in diesem Jahr 31. Nach dem Leistungsträger und Hurricanes-Kapitän fällt das Leistungsniveau mit Nathan Harris, Codie Taylor und Ricci Rickitelli schon merklich ab. 

Die Springboks - Achterbahn-Saison mündet in dramatischer Niederlage

So paradox es auch klingen mag, die Niederlage der Springboks am vergangenen Wochenende war wohl die beste Leistung der südafrikanischen Nationalmannschaft seit langem. Zumal sie wirklich unverdient war - ein zweifelhafter Versuch von Ryan Crotty, der beim ablegen des Balls einen glasklaren Vorball produzierte, sowie eine lachhafte rote Karte gegen Innendreiviertel Damien de Allende in der Schlussphase machten die Boks-Chancen auf einen Sieg zunichte. Die 24:25 Heimpleite in Kapstadt jedenfalls ließ die hyperkritischen Bok-Fans das blamable 0:57 in Albany Neuseeland im Hinspiel fast vergessen. Niemand wäre töricht genug zu behaupten, dass die Boks insgesamt auf einem Niveau mit den All Blacks sind - doch sie zählen zu den Teams, die dem Weltmeister an einem guten Tag gefährlich werden können.

Eines der größten Probleme der Südafrikaner bleibt aber weiterhin akut. Die südafrikanische Währung, der Rand, schwächelt im Vergleich zum Euro und Pfund, was es für Top-Spieler lukrativer macht im Ausland zu spielen. Im Gegensatz zu Australien und Neuseeland hat sich Südafrikas Verband SARU schon früh dazu entschieden, Legionäre weiterhin für die Boks spielen zu lassen. Doch Neu-Coach Allister Coetzee will dies während seiner Amtszeit eher zur Ausnahme, als zur Regel machen. So wurde beispielsweise Bath-Flanker/Nummer Acht François Louw für das Duell mit den All Blacks eingeflogen, während gegen die Australier François Hougaard, Gedrängehalb bei Worcester, im Kader war. Dagegen wurden Top-Spieler, wie Neuner Faf de Klerk, der im Lions- und Boks-Trikot seine Extraklasse und Dynamik bereits unter Beweis gestellt hat, ebenso wie der in Japan spielende Super-Außen Ruan Combrinck nicht berufen, da sie bisher weniger als 30 Einsätze für die Boks hatten. Die Hoffnung des Verbands ist kurzfristig aus Prinzip eine Schwächung hinzunehmen um langfristig davon zu profitieren, da mehr Top-Spieler im Land bleiben.

Wer weiß - vielleicht wäre Malcolm Marx sonst dem Ruf des schnellen Geldes gefolgt, wie es seine Ex-Lions-Kameraden Combrinck und de Klerk getan haben. Der neue Springboks-Hakler ist die Antwort auf die seit der letzten WM im Land am Kap wieder und wieder gestellten Frage: Wer ersetzt Bismarck du Plessis auf der Zweier-Position. Gegen die All Blacks am Wochenende legte Marx sein absolutes Meisterstück ab - gleich vier Turnover sicherte sich Marx, alle seine 13 Gasseeinwürfe fanden ihr Ziel und gleich drei Mal durchbrach der 114 kg schwere Bulldozer die Defensiv-Linie der Neuseeländer, machte bei seinen 13 Ausflügen mit dem Ball in der Hand knapp 70 Meter und konnte am Ende dazu noch einen Versuch und einen Assist vorweisen. Seit Jahren hat kein Hakler mehr eine derart dominante Leistung auf der internationalen Bühne abgeliefert (zumal gegen Neuseeland), wie der erst 23-jährige Johannesburger - auch sein vielgepriesener Gegenspieler Dane Coles nicht.

 

Marx Weltklasse-Performance gegen Neuseeland



Der Springboks-Kader 2019

Die Perspektive dieser Bok-Mannschaft ist deutlich positiver, als man das noch vor wenigen Monaten hätte annehmen können. Die Niederlage vergangenen Herbst gegen Italien scheint spielerisch der absolute Tiefpunkt gewesen zu sein. Auf den Schlüsselpositionen verfügt Südafrika indes über großartige Spieler, die noch viele Jahre im berühmten grünen Trikot vor der Brust haben. Neu-Kapitän Eben Etzebeth (25) ist ein absoluter Modell-Athlet in der zweiten Sturmreihe und wohl der beste seines Fachs, wenn er sein Temperament unter Kontrolle halten kann. Mit Elton Jantjies (27) und Handre Pollard (23) verfügt Coach Coetzee über zwei Verbinder von Weltklasse-Format und auch anderswo im Kader gibt es personell keine Engpässe. Höchstens in der ersten Reihe könnte der Bok-Kader ein wenig mehr Tiefe vertragen, auch wenn das Start-XV Debüt Stephen Kitshoffs (25) am Wochenende vielversprechend war.

Einzig eine mögliche Rückkehr von Gedrängehalb Faf de Klerk, der zu Sale nach England abgewandert war und mit seinen 11 Springbok-Spielen nicht aus dem Ausland nominiert werden kann, würde der Bok-Kader noch Mal qualitativ an Wert gewinnen. Der Titel ist dem zweimaligen Weltmeister definitiv ein weiteres Mal zuzutrauen, auch wenn dafür ein Sieg gegen die schier übermächtigen All Blacks wohl von Nöten wäre. Mit 35 Siegen in 95 Spielen hat Südafrika immerhin die beste Bilanz gegen den sportlichen Erzrivalen. 


In Teil zwei blicken wir im Verlauf der Woche auf die Wallabies und Pumas!

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