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Der Heineken Cup ist zurück! Europas Top-Teams wollen nach Newcastle und Leinster beerben
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Freitag, 12. Oktober 2018

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Wer kann Leinster und Johnny Sexton (Mitte) beerben? Foto (c) EPCR

An diesem Wochenende starten die europäischen Pokal-Vereinswettbewerbe in die neue Saison - das Format des Champions Cups hat sich dabei nicht geändert, der Name durch einen wohlbekannten Titelsponsor allerdings schon. Die 20 besten Vereinsmannschaften wollen ins Finale in Newcastles bekannten St. Jame’s Park und dort möglichst Europas beste Vereinsmannschaft Leinster beerben. Wir blicken für euch auf die Favoriten und die Topspieler des Heineken Cups, der übrigens wie gestern bestätigt wurde, in den kommenden vier Jahren bei den Kollegen von DAZN zu sehen sein wird.

Die Favoriten

Der Titelverteidiger geht auch in diesem Jahr als der absolute Favorit in den Wettbewerb - Leinster Rugby war in der vergangenen Saison die mit Abstand beste Mannschaft Europas und konnte sich im Finale von Bilbao auch unter schwierigen Bedingungen gegen den neureichen Konkurrenten Racing 92 aus Paris durchsetzen. Im Pro-14-Finale legte Leinster nach dem vierten Europacuptitel, was die Dubliner im Übrigen zur erfolgreichsten Mannschaft in der Geschichte des Wettbewerbs macht, nach und sicherte sich das Double.

Wie am Fließband produziert Leinster Supertalente für den eigenen Luxus-Kader und die irische Auswahl. Mittlerweile könnte Leinster wohl eine zweite XV aufstellen und würde es wohl immer noch in die K.O. Phase schaffen. Mit Außen/Schluss Jordan Larmour, Zweite-Reihe-Stürmer James Ryan und Flanker Dan Leavy sind im letzten Jahr gleich drei Spieler aus dem Nichts in Leinster beste XV geschossen und haben dort für Aufsehen gesorgt.

Zum heutigen Auftakt des Champions Cup wirkt der 23-Kader nahezu furchteinflössend. Irland-Flanker Sean O’Brien und die WM-Finalisten Scott Fardy und Joe Tomane schaffen es dabei jeweils nur auf die Bank. Kein Wunder, dass Rob Kearney, Veteran aus einem Jahrzehnt Leinster, vom stärksten Kader jemals spricht. Leinster ist mit seinem dominanten ballbesitzorientierten Spiel, mit seiner individuellen Klasse und mit der Funktionalität einer gut geölten Maschine einfach eine Klasse für sich.

Leinsters Gruppe mit dem zweimaligen Sieger Toulouse, Wasps und Bath hat sicher nichts mit Losglück zu tun, aber Leinster dürfte sich souverän das Heim-Viertelfinale sichern. Der Titel wird auch in diesem Jahr nicht ohne ein Wörtchen von der Mannschaft Leo Cullens vergeben.

 

Die beiden Topfavoriten Leinster und Saracens trafen sich im Vorjahr im Viertelfinale



Der wohl größte Herausforderer ist dabei nicht Vorjahresfinalist Racing, sondern Saracens. Die Londoner hatten in der Vorsaison ausgerechnet im Herbst in allen Wettbewerben einen Durchhänger, kassierten uncharakteristischerweise mehrere Pleiten und qualifizierten sich deshalb nur als Nummer acht der Setzliste für die K.O.-Phase - dort mussten sie deshalb im Viertelfinale auswärts gegen Leinster ran, wo der Europacupsieger von 2016 und 2017 eine 30:19 Pleite kassierte.

Die Londoner haben zum Premiership-Auftakt, anders als beispielsweise Leinster, nach sechs Runden eine makellose Bilanz von sechs Siegen und fünf Offensiv-Bonuspunkten. Ihr Luxus-Kader um die England Stars Owen Farrell, Billy und Mako Vunipola, Wales-Außen Liam Williams, Schottland-Speedster Sean Mailand und Springbok-Prop Vincent Koch sucht in England seinesgleichen und dürfte auch in Europa für viele Siege gut sein.

Dazu haben die Saracens mit Glasgow, Lyon und Cardiff eine vergleichsweise angenehme Gruppe erwischt. Der Weg zum Heim-Halbfinale sollte sich für den amtierenden englischen Meister als nicht allzu schwer erweisen. Wie es dann in den Ausscheidungsspielen läuft, hängt auch von den Gegnern ab. Einen Luxus, den sich Saracens im Vergleich zu Leinster nicht erlauben kann, ist allzu viele Spieler zu schonen. In der Premiership gibt es weitaus weniger vermeintlich leichte Spieler und deshalb sind Saracens-Stars weitaus öfter gefordert als ihre Leinster-Konkurrenten.

Im weiteren Feld gibt es noch einige ambitionierte Teams, wie zum Beispiel Englands Vizemeister Exeter. Doch so sehr die Männer aus dem Südwesten seit gut drei Jahren in der Premiership dominieren, auf der ganz großen europäischen Bühne haben die Chiefs noch nicht dermaßen glänzen können. Ein Kandidat für das Viertelfinale sind sie allemal, darüber hinaus wird es eng.

Aus der Pro 14 sind vor allem noch die Scarlets und Munster zu nennen. Während die Waliser aus Llanelli im Vorjahr überhaupt das erste Mal die Gruppenphase überstanden ist Munster als zweimaliger Heineken-Cup-Gewinner eine gestandene Größe im Europacup. Scarlets jedoch haben schon zu Saisonbeginn mit einer großen Verletztenmisere zu kämpfen - mit James Davies und Aaron Shingler, sowie dem nach Munster abgewanderten Tadgh Beirne fehlt die gesamte exzellente dritte Sturmreihe der Vorsaison. Munster dagegen hat sich mit eben jenem Tadgh Beirne und Spielmacher Joey Carbery sinnvoll verstärkt und dürfte gegen Gloucester, Exeter und Castres ein absoluter Viertelfinalkandidat sein.

Der französische Überraschungsmeister Castres hingegen dürfte weniger eine Rolle spielen. In Frankreich nehmen traditionell nicht alle Teams den Europacup sonderlich wichtig und konzentrieren sich, Castres das tut, auf die heimische Meisterschaft. Clermont und Toulon sind zwei der Top-Klubs in Frankreich, die sich in den letzten Jahren auf europäischer gut geschlagen haben. Doch während die „Jaunards“ aus Clermont den Heineken Cup verpasst haben, ist Toulon im absoluten Formtief. Lediglich Racing 92 dürfte man erneut ein wenig mehr zutrauen, doch auch die Hauptstädter mit dem einzigen Hallenstadion im Weltrugby befinden sich noch in keiner sonderlich guten Form früh in der Saison.

Die Stars des Europacups

Zwar befindet sich Toulon gerade in der Top 14 auf Talfahrt und ist nach nur zwei Siegen aus Sieben Spielen gerade Mal Zwölfter in Frankreichs Meisterschaft - doch im Europacup zählten die Rugger von der Côte d’Azur in den letzten Jahren immer zum Spitzenfeld. Mit Liam Messam Julian Savea haben sich die Rot-Schwarzen gleich zwei absolute Superstars mit zusammen knapp 100 Einsätzen im mystischen All-Blacks-Trikot gesichert.

Gerade auf Savea dürfte man gespannt sein - er war es, der bei der WM 2015 Frankreich schon fast im Alleingang auseinandergenommen hatte. Mit seinen 27 Jahren hat der über 100 kg schwere 1,90-Außen noch einige Jahre auf allerhöchstem Niveau vor sich. Er dürfte im Europacup definitiv eine Bereicherung sein.

Mit Lima Sopoaga ist ein weiterer All Black im allerbesten Rugby-Alter von 27 Jahren in Europa gelandet. Bei den Wasps wird der Spielmacher, der in den letzten Jahren hinter Beauden Barrett für Neuseeland nur die zweite Geige spielte, die Strippen ziehen. Wasps wollen wieder zu alter Größe, immerhin zählen sie auch zum exklusiven Klub von nur vier englischen Klubs die bereits den Europacup gewinnen konnten.

Genau in diesem Klub ist auch Stade Toulousain - doch der traditionelle Gigant hinkt seit Jahren den eigenen Erwartungen hinterher. Beim allersten Toulouse-Triumph 1995 führte ein gewisser Außendreivierel Émile Ntamack als einer der Stade-Leistungsträger zum Titel. Nun schickt sich sein Sohn Romain Ntamack dazu an, es seinem Vater gleichzumachen. Mit seinen 19 Jahren steht er als Verbinder/Schluss noch ganz am Anfang seiner Karriere, doch vor wenigen Monaten konnte er Frankreichs U20 bereits zum WM-Titel führen. Ntamack gilt in Frankreich als der nächste Superstar und im Europacup wird er beweisen können, ob die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt sind.

 

Gilt mit nur 19 Jahren schon als künftiger Frankreich-Star: Spielmacher Romain Ntamack

Mit Finn Russel und Simon Zebo hat sich Racing 92 gleich zwei Stars aus der Pro 14 gekrallt. Der Schottland-Verbinder Russel kam aus Glasgow und konnte in den bisherigen Top-14-Spielen genauso überzeugen wie der ehemalige Munster-Staraußen Zebo. Beide bringen den im Power-betonten Racing-Spiel vermissten Flair. Russel mit seinen grandiosen Pässen und Kicks, Zebo mit seiner atemberaubenden Beinarbeit. Ob sich beide auch auf europäischer Ebene so produktiv zeigen können, dürfte spannend zu beobachten sein.

Ein weiterer mit vielen Vorschusslorbeeren bedachter Spieler ist Joe Cokanasiga. Zwar auf Fidschi geboren, aber im Alter von drei Jahren von nur drei Jahren nach England umgezogen, gilt der mittlerweile 20-jährige als künftiger England-Außen. Bereits im Sommer 2017 berief ihn Eddie Jones völlig überraschend in den England-Kader, ohne dass Cokanasiga auch nur ein Erstliga-Spiel absolviert hätte. Verletzungen warfen den pfeilschnellen 1,92-Hünen mehrfach zurück. Jetzt ist dem Nachwuchs-Star bei Bath auch in der Premiership endlich der Durchbruch gelangt und im Europacup wird sich Cokanasiga nun weiter beweisen wollen. Den Rugbysport hat der Sohn eines britischen Soldaten übrigens in Mönchengladbach, beim mittlerweile nicht mehr existierenden Army-Klub Rhinos, erlernt, während sein Vater in Nordrhein-Westfalen stationiert war.

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