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TR-Review Rugby-Bundesliga: RK 03 bezwingt Grizzlies, Frankfurt, RGH und BRC souverän
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Sonntag, 23. September 2018

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Zu flink für den Meister von 2016 - Heusenstamm siegt klar in Pforzheim. Foto (c) Meichsner

Der RK 03 gewinnt das hochspannende Derby gegen die Grizzlies, der BRC bereitet sich mit einer großartigen zweiten Hälfte auf das Spitzenspiel in Hannover vor. Im Süden marschiert Frankfurt 1880 weiter hochsouverän voran, während die RGH langsam Fahrt aufnimmt. Am Sonntag konnte Germania List einen frühen Rückstand drehen und gegen Pauli schlussendlich mit einem furiosen Comeback doch noch gewinnen. Pforzheim unterlag im letzten Spiel des Spieltags sang- und klanglos gegen das bisherige Schlusslicht Heusenstamm.

Nord/Ost

RK 03 Berlin 16 - 13 RC Berlin Grizzlies

Es war ein Derby unter besonderen Vorzeichen - während die Gastgeber nach ihrer klaren Klatsche gegen den BRC mit viel Wut im Bauch antraten, zeigten sich die Gäste alles andere, als erfreut über die RK03-Kritik am Vereinsmodell des eigenen Klubs. Aber die Wahrheit sollte an diesem bedeckten Samstag in der Hauptstadt auf dem Platz liegen. Den besseren Start erwischten die Gäste, die sich vom Ankick weg in der RK-Hälfte festsetzten und auch direkt die erste Möglichkeit zu Punkten nutzten - Grizzlies-Verbinder Daniel Heyes ließ sich vom Tee nicht zwei Mal bitten.

Eine erste Malfeld-Belagerung der aggressiv aufspielenden Grizzlies mit mehreren Gassen nur Meter vor der Linie konnte der RK dann aber gut verteidigen und fand so endlich auch in die Partie. Verbinder Vincent Ifrah befreite seinen Gelb-Schwarzen und als die Gäste wegen Abseits am Offenen bestraft wurden, glich der Franzose per Straftritt aus. In der Folge kam der RK angetrieben vom clever kickenden Neuner Lill und dem erfahrenen Sturm sukzessive näher ans Grizzlies Malfeld.

Die Gäste verteidigten verbissen und leisteten sich dabei aber auch einige Undiszipliniertheiten. Kurz nacheinander mussten Achter Thomas Willis und Prop Jeremy Smith wegen Abseits bzw. eines zu hohen Tackles mit Gelb vom Feld. Doch der RK 03 tat sich trotz doppelter Überzahl schwer den Ball im Malfeld abzulegen. Doch dann folgte der Doppelschlag: Erst spielte Lill einen Straftritt schnell an, den Flanker Bergmann ins Malfeld trug und als dann mit Grizzlies-Verbinder Heyes der dritte Gast innerhalb von nur weniger Minuten vom Feld musste, schaffte es der RK 03 die Überzahl mustergültig auszunutzen und mit Schluss Edu Rodriguez zum Versuch abzulegen.

Doch die 13:3 Führung verlieh dem RK nicht die erhoffte Sicherheit. Chancen früh in Durchgang zwei die Zügel endgültig in die Hand zu nehmen, verpassten die Hausherren durch eigene Fehler. Stattdessen fing sich der Gastgeber einen Grizzlies-Konter ein, den der eingewechselte Außen Thomas Sinclair zum 8:13 Anschluss aus Gäste-Sicht vollendete. Was folgte glich einem Sturmlauf der Gäste - erst konnte ein geblockter Befreiungsskick der Gastgeber fast zu einem Versuch umgemünzt werden. Dann setzten sich die Grizzlies minutenlang tief in der RK-Hälfte fest.

Doch gegen den Spielverlauf konnte der RK 03 dann nach einem Befreiungsangriff per Straftritt aus langer Distanz die Lücke auf acht Zähler erhöhen. Das sollte sich noch als entscheidend herausstellen, denn mit dem nächsten Angriff powerte sich der Grizzlies-Sturm zum 13:16 Anschlussversuch über die Linie. Die letzten zehn Minuten sollten unglaublich spannend werden, doch erst scheiterten die Grizzlies mit ihren Angriffsversuchen und dann konnte der RK sich befreien und hätte fast selbst noch einmal gepunktet. Am Ende steht ein unglaublich knapper RK-Sieg - die Gäste hatten sich vor der Hälfte mit gleich drei Karten selbst um eine bessere Siegchance gebracht.

RK-Team-Manager Lutz Joachim zeigte sich hocherfreut über das „super spannende und sehr enge“ Spiel: „ Am Ende hatten wir vielleicht etwas mehr Glück und vor allem Disziplin.“ Insgesamt habe man erneut zu viele Chancen liegen gelassen, aber die engen Ergebnisse seien auch Anzeichen dafür, wie spannend die Liga in dieser Saison sei. Gegen den HRC auswärts wollen die Berliner in der kommenden Woche die eigenen Ansprüche untermauern.

RC Leipzig 22 - 43 Berliner RC

Ein wahrhaftiges Rugby-Feuerwerk gab es für die Jubiläums-Gäste beim RC Leipzig, der Samstag sein 15-jähriges Vereinsjubiläum beging, zu sehen. Dabei hatte der Heimanhang aber nur vor der Pause Grund zum Jubeln. In einer mit offenem Visier geführten ersten Hälfte ging es Schlag auf Schlag - zwei Mal ging Berlin über seinen starken Sturm in Führung und zwei Mal konnte Leipzig mit schnellen Kontern ausgleichen. Schon nach einer halben Stunde und sechs Versuchen stand es 15:15 Unentschieden. Erst mit der letzten Aktion des ersten Durchgangs konnte der RCL durch einen abgefangenen Pass an der eigenen Mallinie und einem anschließenden 95-Meter-Sprint erstmals in Front gehen.

In Durchgang zwei dann ein völlig anderes Bild: Der BRC dominierte plötzlich und ließ die Leipziger kaum noch aus ihrer Hälfte kommen. Auf den Ausgleich folgte Versuch um Versuch und Leipzig bekam im Ballbesitz befindlich nicht mehr viel hin. Der BRC zeigte sich konditionell und spieltechnisch hochüberlegen und packte gleich vier weitere Versuche aufs eigene Konto. Für die Leipziger gab es immerhin den im ersten Durchgang erarbeiteten Bonuspunkt mitzunehmen und auch den Zuschauern haben das Ergebnis, nachdem es zum Vereinsjubiläum nach Abpfiff Freibier gegeben hatte, verschmerzen können.

BRC-Coach Maser analysierte die Partie nach Abpfiff wie folgt: "Leipzig war der erwartet spielstarke Gegner. Insbesondere in der Dreiviertelreihe haben sie mit einer sehr hohen Geschwindigkeit in der Linie verteidigt und uns dort zu vielen Fehlern gezwungen. In der zweiten Halbzeit haben wir die Verteidigung dementsprechend etwas umgestellt. Zudem konnten wir glücklicherweise ein paar Schwachstellen im Leipziger Spiel ausmachen, in die wir dann konsequent reingegangen sind."

Mit sechs Zählern steht der RCL nach drei Spielen schon bedeutend besser da, als am Ende der letzten Hinrunde. Beim kommenden Gegner Germania wird es sicherlich nicht einfach werden mehr Zählbares mitzunehmen. Gegen den BRC jedoch konnten die Leipziger phasenweise richtig gut mithalten. Dieser wiederum steht nun punktgleich mit Tabellenführer 78 an Platz zwei und kann den Nord-Meister des Vorjahres in der kommenden Woche im direkten Duell vom Thron stoßen.

FC St. Pauli 24 - 42 SC Germania List

Am Ende sprang für den FC St. Pauli nur ein mageres Pünktchen für vier erzielte Versuche heraus, doch vorausgegangen war ein phasenweise ermunterndes Spiel für den Aufsteiger, sowie die bisher beste Saisonleistung. Denn direkt in der Anfangsphase konnten sich die Braun-Weißen die Führung sichern - der Heimanhang in der Hamburger Rugby-Arena bekam einen blitzsauberen Stürmer-Versuch zu sehen. Als dann Siebener-Nationalspieler Ben Ellermann mit einem kraftvollen Lauf auf 12:0 erhöhen könnte, war plötzlich allen klar: Hier könnte heute was gehen.

Zwar schlug die Germania kurz vor der Pause erstmals mit ihrer blitzschnellen Dreiviertelreihe zu, doch postwendend gelang Pauli der bereits dritte Versuch - wieder war es Siebener-Ass Ben Ellermann, der die Germania-Defensive vor unlösbare Probleme stellte und die 17:7 Pausenführung sicherte. Doch nach der Pause trat der favorisierte Gast dann wie ausgewechselt auf: Sage und schreibe fünf Versuche zum Auftakt von Durchgang zwei innerhalb von weniger als 15 Minuten. Germania konnte nun sein Spiel mit der Dreiviertelreihe nahezu ungehindert durchziehen, hielt den Ball am Leben und Pauli vermochte das Spiel nicht mehr zu verlangsamen.

Germania-Kapitän Stefan Mau führte die stark verbesserte Leistung auf mangelnde Konzentration in Durchgang eins, in dem Pauli zudem auch „echt stark“ gespielt habe, zurück: „Wir haben da echt noch geschlafen. Wir haben uns dann als Mannschaft zusammengerissen und richtig geiles Rugby gespielt.“ Weiterhin attestierte der Zweite-Reihe-Stürmer der Hannoveraner den Paulianern eine gute Sturmleistung. Germania reiste so mit dem angestrebten fünf Punkten für einen Bonuspunktsieg ab, doch auch die Paulianer hatten noch etwas zu jubeln, als sie nach einem Fünf-Meter-Gedränge selbst ihren vierten Versuch zum Bonus ablegten. Beim Auswärtsspiel bei den Berliner Grizzlies haben die Paulianer am kommenden Wochenende die nächste Chance auf den ersten Saisonsieg. Germania empfängt daheim den RC Leipzig.

 

Süd/West

RC Luxembourg 31 - 56 RG Heidelberg

Am Ende eines weiteren hohen Sieges, aber mit erneut einigen Gegenversuchen, zeigte sich RGH-Coach Jeff Tigere glücklich: „Ja ich bin zufrieden mit dem Spiel, aber wir müssen noch viel arbeiten, auch an unserer Fitness, damit wir unser intensives Spiel von Anfang bis Ende durchziehen können. Außerdem wünsche ich mir mehr Druck von unserer Bank.“ Zuvor hatte die RGH ein wahrhaftes Achterbahnspiel auf dem künstlichen Grün von Luxemburg-Cessange erlebt. Dabei konnten die Orange Hearts mit ihrem schnellen Phasenspiel und ihren noch schnelleren Hintermannschaftsspielern immer wieder Lücken in die Luxemburg-Defensive reißen, wurden aber auch ab und an vom RCL-Sturm überrannt.

Tim Schiffers und zwei Mal Tim Lichtenberg hatten die RGH schnell mit 21:0 in Front gebracht bevor Luxemburg erstmals punktete. Bis zur Pause hatte Marvin Dieckmann mit einem Doppelpack auf 35:12 erhöht und den Gästen damit bereits den Offensiv-Bonus geholt. In Durchgang zwei schien sich die RCL-Defensive ein wenig besser auf den Angriffswirbel der Gäste eingestellt zu haben und kam zu drei eigenen Versuchen. Doch schlussendlich hatte die RGH spielerisch an diesem Samstag zu viel zu bieten und mit dem blutjungen Wolfram Hacker sowie Manuel Müller konnten sich noch zwei weitere Orangene in die Scorer-Liste eintragen. Offensiv hatte die RGH ihre Stärke Mal wieder unter Beweis gestellt, gleichwohl aber auch, dass man defensiv momentan noch zu anfällig ist. Im Heimspiel gegen Neckarsulm dürfte die RGH aber dennoch als haushoher Favorit antreten. Luxemburg dagegen tritt in Heusenstamm zu einem richtungsweisenden Spiel an - gegen die Füchse könnten die Männer aus dem Großherzogtum früh für klare Verhältnisse im Kampf um den Klassenerhalt sorgen.

 

SG TV-CfR Pforzheim 10 - 44 RK Heusenstamm

Mit so einem klaren Sieg hätten wohl die wenigsten gerechnet bis auf Coach Jens Steinweg selbst, der gegenüber TR erklärte: "Wir sind nach Pforzheim gefahren und wussten dass wir gewinnen können." Das bisherige Schlusslicht Rugby-Bundesliga, der RK Heusenstamm, siegte am Sonntag absolut überzeugend beim deutschen Meister von 2016. Dieser rangiert nun mit einem mickrigen Zähler nur noch hauchdünn vorm neuen Schlusslicht Neckarsulm. Für RKH-Coach Jens Steinweg ein „sauwichtiger Sieg“, wie er es gegenüber der Offenbach-Post formuliert. Weiter analysierte der Füchse-Trainer, dass Pforzheim „zwar große Typen hat, aber nicht als Mannschaft agiert“. Insgesamt seien die Pforzheimer nicht schlecht gewesen, hätten aber nicht als Team agiert.

Insgesamt fünf der sechs Gäste-Versuche wurden durch den starken Füchse-Sturm erzielt. Nach dem Abgang von Rob May, der Pforzheim in der Vorsaison noch als Kapitän angeführt hatte, hatten die schweren Jungs aus der Goldstadt wenig entgegenzusetzen. Bereits zur Pause stand es 0:24 und erst eine Viertelstunde vor Schluss beim Stand von 0:36 kam der Gastgeber zu den ersten Punkten. Nach einem Platzverweis für Stürmer de Bruyn schwanden aber alle Hoffnungen des Heim-Anhangs auf ein spätes Comeback. Daran sollte auch ein sehenswertes Chitokwindo-Solo zum zweiten Versuch nichts ändern.

Pforzheim konnte damit auch im zweiten Heimspiel der Runde keine Punkte erzielen und das anstehende Gastspiel beim TSV Handschuhsheim und damit das Wiedersehen mit Ex-Kapitän May dürfte ebensowenig zum Zuckerschlecken werden. In Heusenstamm ist man erwartungsgemäß hocherfreut über das Ergebnis: "Die Mannschaftsleistung war überragend und wir waren in allen Bereichen überlegen" so Coach Steinweg abschließend. Nun können die Füchse daheim gegen Luxemburg weitere wichtige Punkte für den Klassenerhalt holen, der für Pforzheim eventuell in dieser Saison sogar noch zum Thema werden könnte. Sofern die Rhinos weiter so agieren, wie in den bisherigen drei Spielen.

Befreiungsschlag der Füchse: Heusenstamm siegt klar in Pforzheim

Neckarsulmer SU 7 - 61 SC Frankfurt 1880

Der Tabellenführer gibt sich auch in Neckarsulm keine Blöße, auch wenn mit Raynor Parkinson, dem in London weilenden Samy Füchsel und dem lediglich von der Bank startenden Michael Poppmeier gleich drei wichtige Stammkräfte geschont wurden, bzw. nicht in der ersten XV standen. Dennoch dominierte 1880 von früh an und Prop-Neuzugang Mthunzi Moloi powerte sich als erster den Weg über die Linie. Bis zur Pause sollten nur noch Schluss Ewald und Achter du Plessis nach einem Gedränge nachlegen können. Die 21:7 Pausenführung für die Gäste war verdient, aber in Durchgang zwei sollte sich ein noch viel deutlicheres Spiel entwickeln.

Marcel Henn, der erst im Sommer aus Neckarsulm nach Frankfurt gewechselt war, eröffnete den Versuche-Reigen in Durchgang zwei. Müder werdende Neckarsulmer konnten Frankfurt nicht mehr unter Kontrolle halten, verpassten einige Tackles und kassierten einen Versuch nach dem anderen. Erst als Frankfurts Hakler Marcel Becker nach einem zu hohen Tackle mit Gelb temporär vom Feld musste, konnte Neckarsulm sich nach langer Zeit wieder Mal in die Frankfurter Hälfte wagen. Ein vermeintlicher Versuch wurde dann aber nicht gegeben, da der NSU-Außen mit dem Fuß die Linie touchiert haben soll.

Für die Neckarsulmer bleibt immerhin die Erkenntnis, dass man Frankfurt zumindest eine Hälfte lang in Zaum halten konnte. Auswärts gegen die RGH dürfte es aber erneut nicht einfach werden und mit null Punkten rangieren die Unterländer auf dem letzten Rang. Frankfurt dagegen wird gegen den HRK ein richtungsweisende Spiel haben - gegen den Meister können die 1880er ihre Ambitionen auf den Titel weiter untermauern.

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Kommentare (1)add comment

Tilo Barz said:

2907
Da fehlt doch was
Kein Spielbericht aus Neckarsulm?
September 24, 2018

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Letzte Aktualisierung ( Montag, 24. September 2018 )
 
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