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Countdown zur Rugby Championship: Geht die All-Blacks-Dominanz weiter?
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Samstag, 11. August 2018

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Bei der WM 2015 führten sie die Wallabies bis ins Finale, nun wollen Micheal Hooper und David Pocock gemeinsam die All-Blacks-Dominanz brechen.

An diesem Wochenende startet die Rugby Championship, das Südhemisphären-Äquivalent zu den Six Nations. Im WM-Jahr 2019 wird es nur noch eine verkürzte Version des Turniers zur WM-Vorbereitung geben - die diesjährige Championship wird also das allerletzte richtige Kräftemessen der Südhemisphären-Giganten vor der Weltmeisterschaft in Japan sein. Wir blicken auf die vier Top-Teams der Südhemisphäre, bewerten ihre jeweiligen Titelchancen und blicken auf die letzten Neuigkeiten aus den Camps. In Teil eins geht es bei uns um Herausforderer Australien und die Weltmeister-Übermannschaft Neuseeland.

Die Dominanz hätte wohl kaum größer sein können: Bei der letzten Weltmeisterschaft in England stammten gleich alle vier Halbfinalisten aus der Rugby Championship. Die Blamage für die europäischen Top-Teams war perfekt. Argentinien, Australien, Neuseeland und Südafrika spielten den Titel unter sich aus. Der offensive und spektakuläre Spielstil des Südens hatte sich klar durchgesetzt. Seitdem scheint die Lücke zwischen Nord und Süd ein wenig geschrumpft zu sein, dennoch gehen die Süd-Teams mit sieben der bisher acht vergebenen WM-Titel auch dieses Mal als Favorit ins WM-Jahr.

Neuseeland - neues Blut für die All Blacks, weiterhin hohe Ansprüche

Die All Blacks sind im Welt-Rugby weiterhin das Maß aller Dinge, niemand würde das auch nur im geringsten bezweifeln. Nach zwei Rugby-Championship- und WM-Titeln in Folge und fast zehn Jahren ununterbrochen an der Spitze der Weltrangliste (2009 waren die Springboks kurzzeitig vor Neuseeland im WR-Ranking), haben die Neuseeländer ihre Rolle als das alles überragende Team zementiert. Wie keine andere Mannschaft glänzen die All Blacks sowohl im physisch harten Stürmerspiel, als auch bei den blitzschnellen Kombinationen der Hintermannschaft.

Auch in diesem Jahr will das Team, auf dessen Schultern „die Last einer ganzen Nation“ liegt (der Titel einer Dokumentation über das Team aus dem Jahr 2008), diese Rolle weiter untermauern. Die Leader im Team sind weiterhin Verbinder Beauden Barrett, sowie die beiden Crusaders Stürmer Kieran Read (Kapitän) und Sam Whitelock. Doch fast schon traditionell versucht Coach Steve Hansen in jedem Jahr junge Spieler an die All Blacks heranzuführen. Der Weltmeister-Coach versteht es mit Neuseelands zahlreichen Talenten die Tiefe bei den All Blacks auf jeder Position kontinuierlich zu verbessern. Ausfälle, selbst auf Schlüsselpositionen, werfen die Neuseeländer so selten aus der Bahn.

In diesem Jahr wird Gedrängehalb Te Toiroa Tahuriorangi wohl so sein Debüt in der Rugby Chamipionship geben - hinter Stammhalter Aaron Smith und TJ Perenara wird der 23-jährige Chiefs-Neuner als Nachfolger der beiden Platzhirsche aufgebaut. Crusaders-Verbinder Richie Mo’unga, der bei bisher nur auf einen einzigen Einsatz im All Blacks gekommen ist, könnte irgendwann mit Tahuriorangi die Spielmacher-Achse bilden. Nach dem Abgang von Lima Sopoaga zu den Wasps werden er und Damian McKenzie um die Rolle als Beauden-Barrett-Ersatz wetteifern. Gerüchte um eine Rückkehr von Dan Carter zu den Highlanders und damit auch als All-Blacks-Alternative wurden indes unter der Woche dementiert.

Mit nur 21 Jahren bereits All-Blacks-Leistungsträger und Superstar: Rieko Ioane

Ein Blick auf diejenigen Spieler, die es nicht in den Kader der Neuseeländer geschafft haben, zeigt welch Konkurrenzkampf im Land des Weltmeisters herrscht. Selbst Super-Rugby-Sieger Matt Todd und Außen George Bridge von den Crusaders sind nicht einmal im erweiterten Kader zu finden. Todd galt lange als Ziehsohn der All-Blacks-Ledenge Richie McCaw und ist immerhin schon 15 Mal für Neuseeland aufgelaufen. Sein direkter Konkurrent Vaea Fifita, der im Vorjahr mit einigen spektakulären Runs als kommender Superstar gefeiert wurde fehlt ebenso in der dritten Sturmreihe. Außen Bridge ist mit 15 Versuchen der beste Try-Scorer im Super Rugby und auch die Nummer eins in dieser Statistik, Ben Lam von den Hurricanes, wird vorerst nicht im Neuseeland-Schwarz auflaufen. 

Auf wen Neuseelands Trainer Hansen baut, wird derweil zunehmend klar: Shooting Star Rieko Ioane, wurde im heutigen Testspiel gegen lokale Auswahlmannschaften auf Innen eingesetzt und erzielte gleich drei Versuche. Nehe Milner-Skudder und Waisaki Naholo scheinen die erste Wahl auf den Außen zu sein. „Am Ende des Jahres werden eine ziemlich genaue Vorstellung von unserem Kader für Japan haben“, so Hansen gegenüber der neuseeländischen Presse.

Im Vorbeigehen will Hansen dann noch eben die Rugby Championship mitnehmen und den Bledisloe-Cup gegen den Erzrivalen Australien verteidigen - nach drei klaren Siegen im Juni über Frankreich und der dominanten Form der neuseeländischen Teams im Super Rugby wird es schwer an den Chancen der All Blacks zu zweifeln. Die größte Gefahr für die All Blacks besteht wohl auswärts gegen Südafrika, wo die Springboks zuletzt jeweils knapp an einem Sieg dran waren, sowie gegen Australien. Prognose: Neuseeland verteidigt den Titel, auch wenn das Potenzial eines Ausrutschers durchaus gegeben ist.

Australien - angeführt von Hooper und Pocock den Neuseeland-Fluch besiegen

Des einen Freud ist des anderen Leid - das gilt auch im Welt-Rugby-Geschehen. Ganz besonders hart trifft es da die Australier: Seit 2002 konnten die Wallabies den zwischen ihnen und den All Blacks als Teil der Championship ausgespielten Bledisloe Cup nicht mehr gewinnen. Unter Dominanz des vermeintlich kleinen Nachbarn leidet auch das Interesse der australischen Öffentlichkeit am größten Rugby-Spiel des Jahres - im Selbstverständnis der Sport-Fans Down Under ist man Neuseeland überlegen und die ständigen Abreibungen gegen Neuseeland helfen da nicht wirklich.

Coach Micheal Cheika hat für diese Rugby Championship eine einzige Mission und die ist nicht etwa der Titelgewinn: Cheika muss den seit 1932 ausgespielten Bledisloe Cup nach 16 Jahren Durststrecke nach Australien zurückzuholen. Dabei setzt der extrovertierte australische Coach, der durchaus Mal während der Kabinenansprache wild mit einem Golfschläger um sich fuchtelt, auf Erfahrung. Mit David Pocock nach seinem Sabbatical zurück im Team, sowie dem Flanker-Partner Micheal Hooper, der gerade seinen Vertrag um gleich fünf Jahre verlängert hat, ist das Sturm-Traum-Duo der letzten WM wieder vereint. Zusammen mit dem Crusaders-Brecher Pete Samu, der gegen Irland sein Australien-Debüt gegeben hat, ist die dritte Sturmreihe Australiens Prunktstück und größte Waffe.

2017 war Australien nah am Triumph auf neuseeländischem Boden dran, gelingt dieses Jahr die Sensation?

Dazu konnte Cheika zwei ganz wichtige Leistungsträger aus dem englischen Exil zurückholen. Der erfahrene 34-jährige Hakler Tatafu Polota-Nau hatte 2017 Australien und den Wallabies den Rücken gekehrt und bei den Leicester Tigers angeheuert. Nun kehrt er zusammen mit Innen/Verbinder Matt Toomua vom englischen Rekordmeister zurück in die australische Heimat, um sich bis zur WM auf die eigene Nationalmannschaft zu konzentrieren. Der wackligen Wallabies-Gasse soll er Stabilität verleihen und die Defensive mit seinen harten Hits verbessern. Innen Matt Toomua soll dabei nicht nur auf der angestammten zwölf, sondern auch als Verbinder-Alternative zu Bernhard Foley das Kreativspiel der Wallabies ankurbeln.

Schon im Vorjahr waren die Australier dem neuseeländischen Rivalen deutlich näher gerückt - in Spiel zwei entschied erst ein Versuch von Beauden Barrett mit der allerletzten Aktion das Spiel zu Gunsten der Neuseeländer. Im bedeutungslosen Spiel drei konnte Australien dann gar den erhofften Sieg einfahren. Sollten die Wallabies es endlich schaffen den Auftakt kommende Woche in Sydney zu gewinnen, würde die Entscheidung voraussichtlich in Japan fallen. Denn Spiel drei des diesjährigen Bledisloe Cups wird ziemlich genau ein Jahr vor dem WM-Finale im Yokohama Stadium ausgetragen, wo nur 12 Monate später der Weltmeister gekrönt wird.

Die mit 1:2 verlorene Juni-Serie gegen Irland war für Australien ein wenig demoralisierend - doch gegen die Nummer zwei der Welt konnten die Wallabies durchaus auch gute Ansätze zeigen. Darauf aufbauend, mit der Gewissheit aus dem Vorjahr im Hinterkopf, dass die All Blacks nicht unschlagbar sind, könnten den Australiern der lang ersehnte Triumph gelingen. Prognose: Australien liefert sich mit den Springboks ein Rennen um Platz zwei - gegen Neuseeland gewinnen die Wallabies eines der ersten beiden Spiele und erzwingen damit eine Entscheidung in Yokohama!

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