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Die 7er-WM in San Francisco: Fijis Titeltraum, eine Chance für Rugby in den Staaten
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 19. Juli 2018

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AT&T Park: Der spektakuläre Austragungsort der Siebener-WM

Am morgigen Freitag-Abend deutscher Zeit startet in San Francisco die Siebener-WM. 16 Damen- und 24 Herren-Teams werden im spektakulären AT&T Park an der Bucht von San Francisco die beiden WM-Titel ausspielen. Seit Wochen steigt die Antizipation - vor über 100.000 Zuschauern über das Wochenende hinweg gelten Australien und Neuseeland bei den Damen, sowie Fidschi bei den Herren als Top-Favoriten. Die allergrößte Chance bietet sich aber wohl dem amerikanischen Rugby, dessen Wachstum sich durch das Event nur noch beschleunigen dürfte. Unsere DRV VII hat sich nicht qualifiziert, was besonders bitter ist, da unser Team in den letzten zwei Jahren mehr als die Hälfte der nun teilnehmenden Teams schlagen konnte.

Als der Austragungsort für diese Siebener-WM von World Rugby im Jahr 2014 aus insgesamt 14 Bewerbungen gewählt wurde, war noch nicht abzusehen, welch gute Wahl San Francisco sein würde. Damals, noch vor dem Siebener-Debüt bei Olympia in Rio und vor dem aktuellen sportlichen Höhenflug des amerikanischen Herrenteams, schienen die Wachstumsaussichten für Rugby in den USA weitaus weniger rosig zu sein, als dies heute der Fall ist.

Laut neuesten Marktforschungszahlen haben mittlerweile über 30 Millionen Amerikaner ein starkes oder sehr starkes Interesse an Rugby. Neuseelands All Blacks waren zuletzt zwei Mal in ausverkauften NFL-Stadien in den Staaten zu Gast. Die neue Profi-Liga MLR hat eine großartige Debüt-Saison gefeiert und das US-Herrenteam im Fünfzehner mit dem Sieg über Schottland im Juni einen großartigen Triumph gefeiert.

Über 100.000 Zuschauer werden über die drei Turnier-Tage im spektakulären Baseball-Stadion AT&T Park hinweg erwartet und das bei gesalzenen Ticket-Preisen: Die billigste Karte für Tag eins kostet 82$ plus Gebühren und den Finaltag gibt es auf den billigsten Sitzen erst ab 132$ zu sehen. Eingebettet zwischen San Franciscos malerischer Bucht und der Skyline der Westküsten-Metropole werden die Millionen Zuschauer im US-Fernsehen während der 30 Stunden Live-Übertragung auf NBC spektakulären Sport vor spektakulärer Kulisse zu sehen bekommen - für das US-Rugby ein weiterer großartiger Schub.

Alles was zum US-Triumphzug fehlt, ist ein Sieg der Heim-Mannschaft. Dass die auf fünf gesetzten Amerikaner dazu in der Lage sind, ist spätestens seit den diesjährigen Las Vegas Sevens klar: Dort gelang den US Boys der erste Sieg beim heimischen World-Series-Turnier. In der abgelaufenen Saison meldete sich Super-Sprinter Carlin Isles pünktlich vor der Heim-WM zurück in Topform: Mit 49 Versuchen war er der beste Finisher der abgelaufenen Saison. Perry Baker fehlte zuletzt in London und Paris verletzt, wird aber in San Francisco ebenso wie sein kongenialer Partner Isles versuchen, dem Heim-Publikum Grund zum Jubeln zu geben und den Boom weiter zu befeuern.

Pünktlich zur Heim-WM kommt Superstar Perry Baker zurück ins US-Team

Doch dieser Trend hält nicht nur in den Staaten an, Siebener-Rugby boomt weltweit: 120 Millionen Menschen um den Globus haben zumindest eines der zehn Turniere der abgelaufenen World Series am TV-Schirm verfolgt. Seit Jahren steigen auch die Zuschauerzahlen in den Stadien und mehr noch in den sozialen Medien. Das actionreiche und schnelllebige Format ist perfekt, um es in verdaubaren Häppchen in den sozialen Medien zu verpacken. Das hat man auch bei World Rugby entdeckt und setzt weiter voll auf das Siebener als Wachstumschance für Rugby weltweit. Nach einer vom Weltverband in Auftrag gegebenen Studie hat allein das Siebener-Debüt in Rio bei Olympia dem Rugbysport 30 Millionen neue Fans beschert.

Das Fidschi-Märchen von Rio, das selbst in Deutschland bei der sonst Rugby-boykottierenden BILD Beachtung fand, könnte sich an diesem Wochenende fortsetzen. Die Insulaner haben nur knapp den World-Series-Gesamtsieg hauchdünn verpasst, aber mit fünf Turniersiegen mit Abstand die meisten Events gewonnen. In den WM-Kader hat Coach Gareth Baber mit Joshua Tuisova (Toulon), Leone Nakarawa (Racing) und Sami Radradra (Bordeaux) drei Fünfzehner-Stars berufen, die einst über das Siebener zu Stars wurden. Fidschi hat eine derart große Kadertiefe, dass selbst Newcomer Eroni Sau es nicht in den Zwölfer-Kader geschafft hat.

Auch Topfavorit Fidschi ist verwundbar, wie hier gegen Australien

Die größten Konkurrenten des Olympiasiegers dürften Exeter-Sieger England, World-Series-Gesamtsieger Südafrika, Sydney- und Oktoberfest-7s-Sieger Australien sowie Neuseeland sein. Den All Blacks, immerhin Titelverteidiger, werden aber nur Außenseiterchancen eingeräumt. Viel eher wird der Frauenmannschaft Neuseelands die Titelverteidigung zugetraut: Die Auswahl um Superstar Portia Woodman hatte die letzten drei World-Series-Events für sich entscheiden, die World Series dennoch knapp an Dauerrivale Australien verloren. Diese beiden dürften den Titel unter sich ausmachen - höchstens Kanada und den Französinnen werden Außenseiterchancen eingeräumt.

Für viele Teams der zweiten Garde dürfte diese WM bei den Herren dagegen zur Chance werden, sich auf großer Bühne zu zeigen. Mit einem Teilnehmerfeld von 24 Teams wurde der Modus gegenüber einem herkömmlichen Turnier der World Series geändert, die Gruppenphase fällt komplett weg: In einer ersten Vorqualirunde treten Platz neun bis sechzehn der Setzliste gegen 17 bis 24 an. So wird beispielsweise Irland (16) auf Chile (17) treffen, während es Kanada (10) mit Papua Neuguinea (23) zu tun bekommt. Danach greifen ab dem Achtelfinale die Top acht der Setzliste gegen Sieger dieser Vorqualirunde ins Turniergeschehen ein.

Besonders bitter für unsere deutschen Siebener-Jungs: Mit Hongkong, Simbabwe, Papua-Neuguinea, Uganda und Chile sind gleich fünf Teams in San Francisco am Start, die unsere Siebener-Jungs noch im April in Hongkong zum Teil deutlich distanzieren konnte. Weitere Teams, wie Russland (zwei Siege in der diesjährigen GPS), Irland (GPS Moskau 2017) und Kanada (Sieg beim Olympia-Qualiturnier in Monaco 2016) wären durchaus ebenso schlagbar für die DRV-Auswahl. Doch aus Europa ist die Quali für solche Events meist immer ein wenig schwerer und auch Spanien, das in der abgelaufenen Spielzeit eine ordentliche Runde auf der World Series gespielt hat, muss ebenso am Bildschirm zuschauen.

Außen vor: Spanien und unsere DRV VII werden in San Francisco nicht am Start sein

In Deutschland hält Eurosport die exklusiven Rechte am Turnier, wird aber erst am Sonntag im Free TV übertragen. Bis dahin kommen lediglich Abonnenten des Eurosport Players in den Genuss. Durch die neun Stunden Zeitverschiebung wird jeweils erst in den späten Abendstunden bis in die Nacht hinein übertragen.

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