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Regel-Änderungen beim Videobeweis und Kontakten in der Luft? Top 14 erlaubt 12 Auswechslungen
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Mittwoch, 18. Juli 2018

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Die blaue Karte soll verhindern, dass Spieler mit Gehirnerschütterung wieder auf dem Feld landen, wie vor wenigen Jahren bei Florian Fritz.

Aktuell gibt es gleich mehrere hitzige öffentliche Diskussionen um Regelauslegungen, die Sanktionierung von gefährlichem Spiel und die Rolle des Video-Schiedsrichters: Während der Juni-Länderspiele und seitdem gab es im Welt-Rugby eine Reihe von Kontroversen und World Rugby will sich nun diesem Thema annehmen und eventuell noch vor der WM an einigen Stellschrauben drehen. In Frankreich wurden derweil neue nur für die Top 14 und Pro D2 geltende Regeln verkündet, die deutlich vom Standard abweichen.

Beim Rugby war man lange der festen Überzeugung, die Sache mit den technischen Hilfsmitteln besser geregelt zu haben, als beispielsweise im Fußball. Doch während dieser seit der vorletzten WM (Einführung der Torlinientechnologie) und spätestens mit dem am Wochenende zu Ende gegangenen Turnier (Video-Beweis) den vermeintlichen Rückstand aufgeholt hat, wird im Rugby gerade um so mehr über die Rolle des TMOs (Television Match Official - Video-Schiedsrichter) diskutiert.

Gerade in der Südhemisphäre ist man alles andere als zufrieden mit der momentanen Praxis in Sachen Videobeweis. Speziell in Neuseeland, wo ein schnelles Spiel als höchste Prämisse gilt, ist das der Fall. Die Rugby-Öffentlichkeit, allen voran All-Blacks-Coach Steve Hansen, sind der Überzeugung, dass die Video-Schiedsrichter zu oft wegen absoluter Nichtigkeiten eingreifen. Damit werde das Spiel unnötig unterbrochen, der Spielfluss genommen und das Spektakel für den Zuschauer unattraktiv.

Ein Paradebeispiel dafür gab es am vergangenen Wochenende, als im Super-Rugby-Spiel der Queensland Reds gegen die Sunwolves aus Tokio Gäste-Flanker Ed Quirk mit rot vom Platz gestellt wurde - der Rotschopf war nahezu in Zeitlupe und dabei selbst eingekeilt im Ruck, auf den unter ihm liegenden gegnerischen Verbinder gefallen. Da seine Faust dabei Kontakt mit dem Kopf des australischen Spielmachers machte, sah sich Schiedsrichter Ben O’Keeffe gezwungen, Quirk rot zu geben. Erst durch das Eingreifen des TMOs wurde diese Szene allerdings erst überhaupt begutachtet und dann gleich mehrmals in Super-Zeitlupe.

Die kontroverseste rote Karte, nach der über die Rolle des TMO diskutiert wird

Selbst die australischen Heim-Kommentatoren bei Fox Sports um Sean Maloney konnten ihr Entsetzen über den Platzverweis des Sunwolves-Spielers nicht verbergen. Auch Beauden Barrett, All-Blacks-Verbinder und in diesem Spiel persönlich gar nicht involviert, äußerte auf Nachfrage, dass er diese Karte für einen riesigen Witz halte. 

Ein weiteres Dauerstreitthema sind Kontakte in der Luft: Die rote Karte von Frankreich-Außen Benjamin Fall, der im Juni  mit Beauden Barrett in der Luft so kollidiert war, dass Barrett auf dem Kopf landete und mit Gehirnerschütterung vom Platz musste, wird weiter diskutiert. Die Frage lautet: Wie kann eine unabsichtliche Kollision in der Luft genauso hart sanktioniert werden, wie beispielsweise absichtlich unsportliches Spiel, oder gar Tätlichkeiten.

World Rugby hat nun seine Mitglieds-Verbände dazu aufgerufen Vorschläge einzureichen, um bei beiden Streitthemen Fortschritte zu erzielen. Im Rahmen der Siebener-WM in San Francisco trifft sich in den kommenden Tagen der World Rugby Council und könnte die Richtlinien bezüglich TMO und Kontakte in der Luft noch vor der kommenden Saison modifizieren.

Weniger Eingriffe des Video-Schiris und eine lockerere Handhabung von Kontakten in der Luft?

In Neuseeland wird die Forderung laut, den TMO nur noch auf Nachfrage des Hauptschiedsrichters einzuschalten. Allen voran die größte Zeitung des Landes „NZ Herald“ argumentiert: Zu oft brächten sich die Video-Refs selbst ins Spiel („Check check“) und verzögerten dadurch das Spiel unnötig. Sollte dem Schiedsrichter tatsächlich unsportliches Verhalten entgehen, könne man dies noch immer mit nachträglichen Sperren regeln so der Herald weiter. Insgesamt sei Rugby heute viel sauberer - Tritte, Angriffe auf die Augen und sonstige grobe Unsportlichkeiten seien weitestgehend eine Sache der Vergangenheit - weswegen man eine derart minutiöse Bewertung jeder Szene nicht bräuchte.

Bei den Kontakten in in der Luft werden die Forderung nach Entschärfung der jetzigen Regeln ebenso lauter. Gerade in Australien, wo der wohl beliebteste Sport Aussie Rules Football nahezu ausschließlich von seinen Luft-Duellen lebt, gibt es kaum Verständnis für die momentane harte Regelauslegung. Auch weil Superstar Israel Folau, der einst selbst Aussie Rules gespielt hatte, wegen eines harmlosen Kontakts mit Irland-Kapitän Peter O’Mahoney im Juni gesperrt wurde.

Frankreichs Top 14 erhöht die Anzahl der Wechsel und führt blaue Karte ein

In Frankreich wird es schon zur kommenden Saison in den Profi-Spielklassen einige Regeländerungen geben und zwar abweichend von den Standard-Regularien. Schon oft hatte die Top 14 einen anderen Weg eingeschlagen, als die restliche Rugby-Welt und beispielsweise eine andere Bonuspunktregelung sowie eine Shot Clock bei Straftritten und Erhöhungen eingeführt. Dieses Mal dreht es sich um zwei Themen. Zum einen wird die Anzahl der grundsätzlich möglichen Wechsel auf zwölf erhöht und zum anderen dem Schiedsrichter die Möglichkeit gegeben Spieler, bei denen er eine Gehirnerschütterung vermutet, per blauer Karte zur eigenen Sicherheit vom Platz zu stellen.

Die erhöhte Anzahl an Wechseln wird die Kadergröße indes nicht verändern: Weiterhin sollen pro Team und Spieltag nur 23 Spieler eigesetzt werden. Spieler die bereits taktisch ausgewechselt wurden, dürfen nun aber im Falle einer Verletzung eines auf dem Feld befindlichen Spielers wieder auf das Feld. Das war bisher nur bei Erste-Reihe-Stürmern möglich. Da man kleiner Verletzungen, wie beispielsweise eine Zerrung nicht unabhängig bewerten lässt, ist davon auszugehen, dass sich die Zahl der Wechsel de facto bei zwölf einpendeln wird.

Die blaue Karte wiederum soll verhindern, dass Spieler trotz einer Gehirnerschütterung weiterspielen. Denn oftmals sind diese nicht direkt ersichtlich und die Gefahr einer dauerhaften Schädigung steigt ungemein bei wiederholten Traumata gegen den Kopf. Der Gehirnerschütterungs-Check HIA ist nämlich kein 100% sicherer Indikator darüber, ob eine Gehirnerschütterung vorliegt. Nach einem erfolgreichen Test in der dritten Liga soll die blaue Karte nun also im gesamten Profi-Bereich Frankreichs eingeführt werden.

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Kommentare (3)add comment

Tim Stein said:

4105
100% Recht
Also ich weis nicht warum sich alle so über die Rote Karte wegem dem Faustschlag aufregen. Für mich hat der Video Ref hier eine Tätlichkeit aufgedeckt, eine hinterhältige gegen einen wehrlosen Gegner noch dazu.

Man sieht in der Zeitlupe ganz klar wie die Nr.7 beim Fallen den Arm umpositioniert um damit auszuholen und dem Gegner ins Gesicht zu schlagen.

Wäre es beim fallen passiert wäre der die Hand nicht in die Nähe des Gegners gekommen, zudem hätte wäre unabsichtlich passiert hätte die Nr.7 die Faust zur flachen Hand geöffnet instinktiv um den Sturz besser abfangen zu können.

Anscheinend findet auch die Redaktion verdeckte Schläge im Rugby OK......sehr schade
Juli 18, 2018

Kamaz Othodow said:

2034
Videobeweis
Sehe ich genauso, wie mein Vorredner - eine 100% rote Karte. M.E. überhaupt kein Spielraum um eine Diskussion entstehen zu lassen.
Juli 18, 2018

Yan Waldner said:

3631
was
ist an der roten karte bitte schön umstritten, der TR Kommentar dazu ist wohl als Realsatire gemeint ??
Der Spieler hatte "im fallen" anscheinend nocht Zeit gefunden seine Hand zur Faust zu ballen, macht man so wenn man fällt,lool.
Ne ne mit der Kompetenz ist es bei TR auch nicht mehr so weit her.
Juli 30, 2018

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