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Die WM im Fußball und im Rugby
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Sonntag, 18. Dezember 2022

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Die WM ist in beiden Sportarten das Aushängeschild schlechthin.

Heute findet im Lusail-Stadion der gleichnamigen neu erbauten katarischen Stadt das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft statt. Fast die gesamte Sportwelt blickt in das reiche Golf-Emirat Katar. Auch wenn viele Deutsche, darunter auch Fußball-Fans und auch die meisten Rugby-Fans, das Geschehen dort dezidiert nicht verfolgen werden - aus Rugby-Sicht gibt es viel zu lernen - im positiven, wie im negativen Sinne.

Was nicht allen bewusst ist: Bis 1862 waren Fußball und Rugby mehr oder minder derselbe Sportart. Erst mit der Gründung der Football Association 1862 und der Rugby Football Union 1871 gingen Association Football einerseits und der Rugby Football andererseits in England endgültig getrennte Wege, nachdem man zuvor jahrzehntelang überall in Großbritannien lokal jeweils nach eigenen Regeln Football gespielt hatte, die aus heutiger Sicht wahrscheinlich eine Art Hybrid-Sport darstellen würde.

Anderthalb Jahrhunderte später ist die Spielfeldgröße beider Sportarten noch immer dieselbe, die Trikots sehen auf den ersten Blick gleich aus und beide Spielarten des footy sind im Vergleich zur amerikanischen Spielart des Football (wie die sich aus dem Rugby entwickelt habt, erfahrt ihr hier) deutlich flüssiger. Genauso viel trennt die beiden verwandten Sportarten jedoch - auf und neben dem Feld.

Oliver Giroud könnte heute zum 2. Mal Weltmeister im Fußball werden - der Frankreich-Stürmer ist aber auch Rugby-Fan und spielte einst selbst

Das Finale der Fußball-WM findet - da braucht man sich als Rugby-Fan nichts vormachen - weitaus mehr Beachtung um den Globus. So schaute jeder zweite Mensch auf dem Planeten laut FIFA-Angaben 2018 zumindest ein Spiel der WM. Gerade in Ländern, wie den USA ist die Fußball-Weltmeisterschaft noch immer ein Wachstumsmotor und in den meisten Ländern finden die Umstände dieser WM im Golfemirat mit der fragwürdigen Menschenrechtslage weitaus weniger Beachtung, als in Deutschland.

So werden auch dieses Mal wieder hunderte Millionen live einschalten, wenn der Weltmeister 2022 zwischen Argentinien und Frankreich ermittelt wird. Die Entscheidungsträger im Rugby haben derweil zu lange das Wachstum unseres Sportes geradezu manipuliert, man denke beispielsweise an das Amateur-Statut und nicht zuletzt den Zankapfel WM selbst.

Erst 57 Jahre nach der ersten Fußball-WM 1930 in Uruguay wurde auch im Rugby erstmals endlich eine Weltmeisterschaft gespielt, nachdem mehrere Vorschläge in den 50ern und 60ern und später in den 1970er-Jahren zur Schaffung eines World Cups abgelehnt worden waren.

Selbst die schlussendlich erfolgreiche Abstimmung 1985 im Council des International Rugby Football Board (heute World Rugby) war keineswegs eine klare Angelegenheit  - Irland und Schottland stimmten damals dagegen, während sich die Vertreter aus England und Wales nicht einig waren - nur in Neuseeland und Australien war man von Anfang von der WM-Idee überzeugt.

Johnny Wilkinson zeigt Harry Kane, wie man einen Penalty tritt: Über die Stangen!

Die WM im Rugby hat sich seit dem ersten Turnier in Neuseeland vor 35 Jahren zum absoluten Aushängeschilds des Sports und zum riesigen kommerziellen Erfolg entwickelt. Über 2,6 Millionen Zuschauer werden in Frankreich kommendes Jahr beim Rugby World Cup 2023 erwartet, was bei 20 statt 32 Teams deutlich weniger ist, als beim Fußball, die Zuschauerzahl pro Spiel könnte die in Katar jedoch übertreffen.

Wenn man sich die Entwicklung rund um Katar 2022 aber genauer anschaut, weiß man aber auch, wohin die Entwicklung in keinem Fall gehen sollte. Die Vergabepraxis im Fußball ist völlig intransparent, die FIFA ist mittlerweile zum Synonym für Korruption geworden und mit dem Turnier in Katar hat auch die Marke Fußball-WM einiges an Schaden genommen. Die mittlerweile astronomisch hohen Kosten (die WM in Katar hat die Gastgeber rund 220 Milliarden US-Dollar gekostet, sowie tausenden schlecht bezahlten Gastarbeitern das Leben) schrecken viele potenzielle Ausrichter ab.

Auch die Vergabe der Rugby-WM 2023 hinterließ bei einigen Fragezeichen, die sich durch den Korruptionsskandal um Frankreich-Rugby-Boss und World-Rugby-Vize Bernard Laporte (TR berichtete) nur noch verstärkt haben dürften. World Rugby braucht die Einnahmen aus der WM, um diese dann wieder an der Basis und im Spitzenbereich reinvestieren zu können - jedoch sollte man die Schraube nicht überdrehen - das ist die wichtigste Botschaft 264 Tage vor dem Start der Rugby-WM. Diese könnte am Ende sogar denselben Sieger haben, wenn Frankreich heute den Rundball-Titelverteidigt und kommendes Jahr seiner Favoritenrolle gerecht wird.

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Kommentare (1)add comment

Thomas Möller said:

4403
Mehr Korruptionsnews aus Frankreich
Es wurden einige Merkwürdigkeiten beim Ticketverkauf der Rugby-WM festgestellt. Unter anderen soll Chabal über 100 Tickets erstanden hat.

https://www.japantimes.co.jp/sports/2023/01/08/rugby/chabal-2023rwc-tickets/
Januar 10, 2023

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