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England hat ein Scrum-Problem: Warum das Gedränge Eddie Jones den Job kosten könnte
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 28. November 2022

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Der Sturm, einst Englands Stolz, ist nun das Sorgenkind. Foto (c) Perlich

Ausgerechnet das Gedränge, über Jahrzehnte das Prunkstück der englischen Nationalmannschaft, ist derzeit die Achillesferse. Über das Jahr 2022 hinweg konnte England nur 85% der Gedränge bei eigenem Ball gewinnen, was laut Sport-Statistik-Dienst Opta der schlechteste Wort unter allen Rugby-Top-Nationen ist. Gegen Südafrika führte diese Schwäche im Sturm am Wochenende zu einer krachenden Heim-Niederlage, die die Fans in Twickenham mit lauten Buhrufen quittierten.

Am Morgen des 2. November 2019 hatte sich Eddie Jones noch auf dem Weg zum Höhepunkt seiner Trainer-Karriere gesehen. Zum zweiten Mal führte er ein Team als Cheftrainer in ein Endspiel des Rugby World Cups. 2003 scheiterte er als Wallabies-Trainer an den Engländern, insbesondere am rechten Schlappen von Johnny Wilkinson, der als Linksfüßler in der Nachspielzeit trotz des unfassbaren Drucks England per Dropgoal zum bisher einzigen WM-Titel kickte.

Doch auch 16 Jahre später sollte es für den Australier mit japanischer Mutter nur eine Silbermedaille geben. Nun als England-Trainer ging Jones mit seinen Männern nach dem bockstarken Halbfinale favorisiert ins Endspiel von Yokohama. Für Jones sollte es wieder nichts werden - beim 12-32 ging England unter und dies lag nicht unbedingt an den beiden Versuchen von Mapimpi und Kolbe.

In der Analyse kam man damals im HQ im Twickenham-Stadion, dem Hauptsitz der RFU, zum Schluss, dass Südafrikas überlegener Sturm und vor allem das Gedränge den Engländern das Genick gebrochen hatte. Coach Jones betonte fortan, dass man sich im Sturm nicht mehr vorführen lassen dürfe und wieder an Englands Tugenden im Sturm anknüpfen müsse.

Der Boks-Sturm dominierte

Außerdem bediente sich Jones dank der tiefen Taschen des Verbandes RFU direkt beim Konkurrenten Südafrika und verpflichtete den Boks-Sturmtrainer Matt Proudfoot kurzerhand und installierte ihn in seinem Trainerteam. Drei Jahre später scheint die Wirkung nicht nur verpufft zu sein, auch mit dem vermeintlichen Scrum-Doktor - Südafrika dominierte Englands Sturm im letzten Länderspiel des Novembers am Samstag nach Belieben.

England hatte riesige Probleme den Ball beim eigenen Gedränge, Mako Vunipola und Kyle Sinckler wurden im Gedränge nach allen Regeln der Kunst vorgeführt und auch im offenen Spiel kam England über den Sturm selten über die Vorteilslinie. Damit hatte es auch die Hintermannschaft mit der Spielmacherachse Marcus Smith und Owen Farrell unglaublich schwer Momentum zu generieren und war immer wieder dazu gezwungen gegen die stark aufrückenden Südafrikaner zu kicken.

Zwischenzeitlich lagen die Springboks auf dem heiligen Rasen der Engländer mit 27:6 vor. Farrell hatte einfache Punkte vom Tee liegen gelassen und Südafrika zwei Mal eiskalt zugeschlagen. Besonders der Konter-Versuch von Kurt-Lee Arendse, der 2019 noch bei den Oktoberfest 7s und nicht bei der WM auflief, brachte die 82.000 in Twickenham zum schweigen.

Fast eine Art Déjà-Vu für England: Im Sturm dominiert und eiskalt von Südafrika abserviert

Erst nach einem Platzverweis für Südafrikas Ersatz-Prop du Toit könnte England noch ein wenig Ergebnis-Kosmetik betreiben und auf 13-27 verkürzen, ohne jedoch noch einmal gefährlich zu werden. Damit endet für England ein enttäuschender Länderspielherbst, in dem in vier Spielen nur ein Sieg gegen Japan heraussprang, nachdem bereits die Six Nations mit nur zwei Siegen aus fünf Spielen endeten.

Die Kritik an Trainer Eddie Jones nimmt dementsprechend zu. Angesichts der Tatsache, dass die WM nur noch 10 Monate entfernt ist, dürfte man auch in der Führungsetage des Verbands RFU nervös werden. England hat den größten Spielerpool der Welt, das teuerste Trainerteam im Weltrugby und bleibt dennoch hinter den Erwartungen zurück. Jones selbst betont, dass die Ergebnisse derzeit zweitrangig seien - man solle ihn anhand der Leistung bei der WM bewerten. Ob er bis dahin noch England-Trainer ist, bleibt abzuwarten.

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