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Corona und die finanziellen Folgen für den Rugbysport in Deutschland und international
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 26. März 2020

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Das ovale Leder ruht, wie hier an der Berliner Buschallee, der Heimat des RK 03 Berlin.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind aktuell noch nicht genau zu beziffern, doch alle Experten sind sich einig: Die Weltwirtschaft wird im Jahr 2020 in eine tiefe Rezession fallen und das wirkt sich in vielerlei Weise auf den Profisport aus. Aber auch der Rugbysport hierzulande, der seit dem Ende des WRA-Projekts in Heidelberg fast ausnahmslos reiner Amateursports ist, leidet unter der Unsicherheit und den Einnahmeausfällen, die mit der Einstellung des Spielbetriebs verbunden ist. Wir haben uns mit Verantwortlichen in der gesamten Bundesrepublik unterhalten und blicken auch auf das internationale Geschehen.

Englands Verband RFU gilt als der reichste im gesamten Welt-Rugby. Mit 213,2 Millionen Pfund Jahresumsatz ging es im Rugby Central, wie die England-Rugby-Zentrale am Nationalstadion Twickenham genannt wird, zuletzt wieder aufwärts. Doch nun droht selbst dem wohlsituierten Verband des Mutterlands ein drastischer Einschnitt. Einnahmeausfälle von 25% erwartet Vorstandsboss Bill Sweeney und ist deshalb selbst mit einem Gehaltsverzicht von 25% vorneweg gegangen. Von England-Trainer Eddie Jones, der mit einem Jahresgehalt von 750.000 Pfund zu den bestbezahlten Coaches der Welt zählt, wird nun ebenfalls Verzicht erwartet.

Bereits verzichtet hat ein Großteil der Profis in der englischen Premiership - die zwölf Teams umfassende Liga ruht derzeit, wie alle Profi-Ligen um den Globus und niemand kann prophezeien, wann der Kampf um das ovale Leder weitergeht. Traditions-Klub Gloucester war einer der ersten, der öffentlich einen Gehaltsverzicht der Profis und Angestellten verkündet hat. Vorstands-Chef Lance Bradley erklärte gegenüber der BBC, dass man die Axt zunächst bei den siebenstelligen monatlichen Lohnkosten ansetzen müsse. Laut seiner Prognose könnten die Premierships-Klubs bis zu sechs Monate ohne jegliche Einnahmen dastehen, da sowohl die Ticketing- als auch die TV-Einnahmen komplett wegfallen.

Klubs in Deutschland müssen Einnahme-Einbrüche verkraften

Auch wenn die Rugby-Klubs hierzulande keine Lohnkosten im Millionen-Bereich haben, fehlen dennoch wichtige Einnahmen, wie unsere Recherche zeigt. Ingo Goessgen, Präsident des RK 03 Berlin, erklärt im Gespräch mit TR, dass man sich in der Bundeshauptstadt noch in einer relativ komfortablen Situation befinde. Das Land Berlin übernimmt als Förderer des Sports weiterhin die Einnahmen für Strom, Wasser und die Platzpflege, so dass dem Verein zumindest einige Fixkosten erspart werden, die aktuell anderswo trotz Spielpause anfallen.

Doch auch die Berliner leiden unter der Corona-Krise: Ihr Vereinsheim und ihre Plätze können die Gelbs-Schwarzen momentan nicht einmal betreten - auch als Pächter mit ausschließlichem Nutzungsrecht gilt für die Vereins-Offiziellen die städtische Sperre der Sportanlagen. Die Einnahmeausfälle aus den kommenden Spieltagen und dem Bundesliga-Finale in den Bereichen Ticket-Einnahmen und Bewirtung belaufen sich im fünfstelligen Bereich, wie Goessgen erläutert, werden aber zumindest teilweise durch wegfallende Reisekosten aufgefangen.

Sollten Sponsoren des Klubs in wirtschaftliche Turbulenzen geraten, rechnet der RK03-Präsident, der selbst Unternehmer ist, mit Ausfällen. An die aktuell 420 Vereins-Mitglieder hat man sich seitens des Vorstands bereits gewendet mit der Bitte dem Verein die Treue zu halten, auch wenn momentan keine sportlichen Aktivitäten vollzogen werden können. Dennoch prüft man aktuell schon, ob Kurzarbeit für die Vereinsangestellten beantrag werden kann.

Ebenso wie der RK 03 Berlin ist der Heidelberger TSV Handschuhsheim einer der zuschauerstärkeren Vereine im Rugby-Oberhaus. Die Löwen gelten als der größte Zuschauermagnet in Heidelberg und auch wenn vorerst nur zwei Heimspiele plus ein eventuelles Bundesliga-Halbfinale wegfallen, ist auch die Bewirtung am Platz abseits der Spieltage ein großer Faktor für die Löwen. Die alljährliche Kerwe, ein Stadtteilfest im Schatten der Handschuhsheimer Tiefburg, ist eine weitere wichtige Säule für den Verein, wie Pressesprecher Moritz Bayer gegenüber TR erläutert.

Man habe bereits mit Einnahmeausfällen zu kämpfen, sollte die Kerwe nun auch noch wegfallen, müsse man beim TSV mit einem erheblichen Minus rechnen. Die am 20. Juni beginnende Kerwe könnte noch wie gewohnt als großes Fest stattfinden, sind die Ausgangsbeschränkungen des Landes Baden-Württemberg aktuell bis zum 15. Juni terminiert. Doch aktuell kann niemand seriös absehen, wie sich die Lage bis dahin entwickelt.

Der DRV denkt über Kurzarbeit nach, vielversprechende Sponsoren-Gespräche liegen auf Eis

Beim Rugby-Verband wird sich aller Voraussicht nach zunächst nicht allzu viel ändern, wie Finanzvorstand Jens Poff gegenüber TR erläutert. Wie andere olympische Sportverbände sei man aber auf das Innenministerium und World Rugby angewiesen, da Fördermittel zum Teil an Maßnahmen gebunden seien.

Durch die Verschiebung des ADRT ist zunächst auch die Gebührenerhöhung, die die Einnahmebasis des Verbands verbessern sollte, verschoben. Poff, der im Hauptberuf Steuerberater ist, ist überzeugt: Man werde es auch noch weitere Wochen ohne höhere Gebühren schaffen und müsse sich dann eventuell eine Sonderumlage bedienen. Vielversprechende Sponsorengespräche liegen nun auf Eis. Man habe den Sponsoren aktuell keine Spiele zu bieten und zudem trübt sich das Wirtschaftsklima zusehends ein. Angesichts der drohenden Ausfälle und den abgesagten Spielen und Maßnahmen wird beim DRV das Thema Kurzarbeit aktuell geprüft.

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