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Nach der WM-Gruppenphase: Tops und Flops des Rugby World Cups
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Dienstag, 15. Oktober 2019

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Zu hohe Tackles waren eines der bisher größten Probleme bei der WM. Foto (c) Perlich

Die Gruppenphase der WM ist vorbei und bis zu den Viertelfinals am Wochenende bleibt eine kurze Verschnaufpause für Rugby-Fans - ein guter Zeitpunkt für uns bei TR auf das bisherige Geschehen in Japan zurückzublicken. Wir präsentieren euch unsere Tops&Flops im bisherigen Verlauf des Rugby World Cups.

Tops

Japan, Nippon, die Brave Blossoms!

Das Heimteam war für uns sicherlich die einfachste Wahl: Was für ein Team, was für ein WM-Gastgeber, welch großartige Spiele. Japan ist gerade das zweite Lieblingsteam eines jeden Rugby-Fans weltweit. Die Art und Weise, wie die Japaner um Kapitän Micheal Leitch sich durch die Gruppenphase gespielt haben und dabei vier Siege zum Gruppensieg sammelten, hat so ziemlich jedem Experten Respekt abgenötigt. Sowohl gegen Irland, als auch gegen Schottland sahen die Buchmacher Japan als den krassen Außenseiter - doch die Brave Blossoms straften sie Lügen und konnten mit ihrem Hurra-Stil die vermeintlich beste Defensive der Welt ausheben und damit selbst Irland überwältigten.

Dazu schaffen es die Japaner eine ganze Nation zum Träumen zu bringen. Schon gegen Samoa schauten letzte Woche rund 30 Millionen Japaner zu, wie sich die Gastgeber einen hart erkämpften Bonuspunktsieg erkämpften. Nun folgte der Triumph über Schottland und nun waren es mehr als 50 Millionen Japaner, die am TV mitfieberten, was knapp jeder zweite  Einwohner vom Baby bis zum Greis im Land der aufgehenden Sonne ist. Dazu Hunderttausende in den Fanzones der zwölf WM-Städte - Japan ist dieser Tage im Rugby-Rausch, kein Wunder, dass die Zeitungen aktuell kein anderes Thema kennen.

Mittlerweile sind Kenki Fukuoka, Kotaro Matsushima und vor allem Kapitän Micheal Leitch in Japan zu großen Stars geworden und zieren Titelseiten der Zeitungen und werden tagtäglich im Fernsehen der Nation vorgestellt. Rugby wird in Japan bereits seit dem späten 19. Jahrhundert gespielt, doch erst in den letzten Wochen und Monaten wurde Rugby in Japan zu dem Thema, über das jeder eine Meinung hat. In Europa wird das Potenzial derweil gesehen - Ex-England-Außen Ugo Monye forderte bereits die Brave Blossoms in die Six Nations aufzunehmen und diese zu den Seven Nations machen.

 

Japans Sieg gegen Schottland im ausführlichen Highlight-Video


Die Atmosphäre dieser WM

Feiernde Engländer im hohen Norden Japans in Sapporo, ein spontanes Touch-Match vor dem Tokioter Hauptbahnhof, dem meistfrequentierten Bahnhof der Welt, zehntausende ausgelassene Waliser in der Sonne des heißen Japanischen Südens in Kyushu - die Bilder gleichen sich, doch im Endeffekt ist die Botschaft dieselbe: In Japan findet aktuell ein riesiges friedliches Rugby-Fest statt und die Hunderttausenden Fans aus den Rugby-verrückten Ländern der Erde tragen in Japan genauso zu der großartigen Atmosphäre bei, wie die Gastgeber.

Viel wurde geunkt im Vorfeld. Eine WM in Asien, in einem Land, das nicht zu den traditionellen Rugby-Kernländern gehört - warum zum Teufel würde man Rugbys wichtigstes Event nach Japan vergeben? In den letzten Wochen wurde klar, warum dies eine richtige Entscheidung war. Zu mehr als 99% sind die Stadion bei diesem Rugby World Cup ausgelastet, mehr als beispielsweise beim FIFA World Cup letztes Jahr. Bei den Offiziellen von World Rugby wird man sich bestätigt sehen das Risiko einzugehen.

Die nächste WM in Frankreich wird erneut in einem Kernland der Rugby-Welt stattfinden, doch schon jetzt werden Stimmen laut: 2027 sollte man das drittgrößte Sport-Event der Welt in die USA vergeben. Das wäre die nächste große Wachstums-Chance für den Sport und diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen. Die USA konnten bei dieser WM nicht ein einziges Spiel gewinnen, doch mit der bald in ihre dritte Saison gehende Major League Rugby scheinen die Amerikaner künftig ein aufstrebendes Rugby-Land zu sein.

 

Japan im Rugby-Rausch!



Beim World Cup ist mehr Spannung geboten, als je zuvor

Vor dem Krimi Japan-Schottland gab es etliche Konstellationen und den Gastgebern drohte erneut ein tragisches Schicksal: Drei Siege aus vier Spielen und trotzdem wie bereits 2015 nach ebenfalls drei Siegen das Aus in der Gruppenphase. Doch nach dramatischen 80 Minuten in Yokohama kam es bekanntlich anders. Es blieb nicht der einzige Krimi bei dieser Weltmeisterschaft. Frankreich und Argentinien lieferten sich ein Duell bis zur allerletzten Sekunde, gleiches gilt für Wales und Australien.

Auch der durchschnittliche Abstand zwischen den vermeintlich erstklassigen Tier-One-Nations und dem Rest ist geringer denn je. Selbst das Spiel zwischen dem Titelverteidiger Neuseeland und dem krassen Außenseiter Namibia war bis kurz vor der Pause ausgeglichen - 10-9 stand es zu diesem Zeitpunkt. 24 Jahre vorher hatten die Neuseeländer gegen Japan auf dem Weg zum WM-Rekordsieg gegen Japan in Südafrika bereits 77-3 geführt und am Ende 144 Zähler erzielt - diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Schlussendlich wurde aus dem Duell Neuseeland-Namibia dennoch eine deutliche Sache, doch festzuhalten bleibt, es geht aktuell enger zu bei der Rugby-WM als einst.

Nicht nur ist mit Japan erstmals ein Team aus Asien und dazu noch eines aus dem vermeintlichen zweiten Glied im Viertelfinale. Auch im Schnitt ist der Abstand zwischen Tier one und Tier two laut einer Berechnung der BBC von 45 auf 30 Punkte zusammengeschmolzen. Diese Entwicklung wird sich hoffentlich künftig fortsetzen - nur so kann die Rugby-WM als Flaggschiff des ovalen Ballsports weiter wachsen.

Der Rugby-Spirit

Die Japaner gelten nicht nur als unglaublich höfliches Volk, sie sind es auch. Wer in den letzten Wochen das Glück hatte in Japan zu sein, der wird dies bestätigen können. Wohl nirgends sonst auf der Welt wird auf gegenseitigen Respekt dermaßen viel Wert gelegt. Auch deshalb konnte der Rugbysport, den alle Japaner mehr oder weniger kennen, aber erst in den letzten Wochen so richtig kennenlernen durften, in Japan punkten. Schon zu Anfang der WM gingen die Bilder von selbst die Kabine säubernden Rugby-Stars durch die Medien und wo könnte so eine Geste für mehr Wohlwollen sorgen, als in dem Land in dem Müll auf die Straße werfen als Todsünde gilt?

Nach jedem Spiel des World Cups bisher ist es zur Routine für die Teams geworden, sich vor dem Publikum gemeinsam aufgereiht zu verneigen. Ganz so wie es in Japan Tradition ist. Selbst die Befürchtungen, dass trinkfreudige Rugby-Fans in Japan für Konflikte sorgen würden, haben sich bisher nicht bestätigt. Mit ein wenig Verwunderung, aber auch viel Wohlwollen haben die Japaner ihre sanges- und trinkfreudigen Gäste aufgenommen.

Die bisher wohl größte Geste aber zeigten die Kanadier am Wochenende. Sie hätten eigentlich in Kamaishi gegen Namibia um ihre letzte Chance auf einen WM-Sieg spielen sollen. Doch den Männern auf dem Ahornblatt auf der Brust wurde diese Chance genommen. Ausgerechnet Kamaishi, der allerkleinste aller WM-Orte, der 2011 vom großen Tsunami völlig zerstört wurde und als einer der Rugby-verrücktesten im Land gilt. Für diesen Ort wäre das zweite WM-Spiel ein weiteres Fest geworden.

Es sollte anders kommen - die starken Regenfälle durch Taifun Hagibis überschwemmten die Innenstadt des Ortes und sorgten für einen Erdrutsch in der Nähe des Stadions. Die Kanadier wiederum schoben die Enttäuschung beiseite und packten selbst bei den Aufräumarbeiten mit an. Sie reinigten überschwemmte Häuser und schaufelten Schlamm von den vormals überschwemmten Straßen. Welch großartige Geste der Kanadier und sie wurde in Japan natürlich mit Wohlwollen wahrgenommen!

Kanadas Spieler helfen bei den Aufräumarbeiten nach dem Taifun

Flops

Kartenflut schon in der Gruppenphase

Es ist ein Negativrekord in der bisherigen WM-Geschichte, die Kartenflut bereits vor der K.O.-Phase. Allein Samoa hat im bisherigen Turnierverlauf bereits sieben Karten gesammelt - allein im Spiel Wales gegen Fidschi letzten Mittwoch gab es vier gelbe Karten - zwei auf jeder Seite. Dazu gab es bereits sechs rote und eine gelb-rote Karte in der Gruppenphase - insgesamt 32 Kartons in den bisherigen Spielen, ein absoluter Rekord in der WM-Geschichte. World Rugbys Null-Toleranz-Linie gegen hohe Tackles ist dabei nur einer der Gründe und nicht alle sind mit dieser Vorgehensweise zufrieden.

Neuseelands größte Zeitung Herald brachte gestern einen ausführlichen Kommentar, der explizit bemängelt, dass die Kartenflut den sportlichen Wettbewerb zusehends beeinträchtige. Doch andersherum muss man sich fragen - wie will man dem Problem der Gehirnerschütterungen sonst beikommen. In Irland beispielsweise ist man zwar überhaupt nicht damit einverstanden, dass Bundee Aki nach seiner roten Karte gegen Samoa nun für den Rest des Turniers gesperrt sein wird - doch im Endeffekt war es genau die richtige Entscheidung. Nur mit dieser konsequenten Linie lassen sich Tackles im gefährlichen Bereich ausmerzen.

 

Eine der verdientesten roten Kartons dieser WM bisher: Irlands Bundee Aki gegen Samoa

Argentinien, Schottland und Georgien sind wohl die größten Verliere auf dem Platz soweit

Sportlich sind die größten Verlierer schnell auszumachen. Argentinien war nach einer tollen Super-Rugby-Saison der Jaguares mit viel Hoffnung in die WM-Vorbereitung gegangen, hatte dann bereits in der Rugby Championship zu kämpfen und enttäuschte in Japan auf ganzer Linie. Der Halbfinalist der WM 2015 galt eigentlich als Team für die Zukunft, unterstrich aber bei diesem World Cup, dass man zuletzt maximal stagniert hat. Gegen Frankreich war die Niederlage noch dramatisch, gegen England nach Rot für Lavinini dann aber eindeutig. Dazu noch Gerüchte um interne Konflikte im Coaching-Team von Mario Ledesma - die Pumas haben ihre Fans in Japan enttäuscht und sind ohne Chance auf das Viertelfinale wieder heim.

Schottland war ebenso 2015 eine positive Überraschung und damals nur aufgrund einer kontroversen Schiri-Entscheidung in der Schlussphase gegen den späteren Finalisten Australien im Viertelfinale ausgeschieden. Dazu schienen sich die Schotten in den vier Jahren seither sportlich weiterentwickelt zu haben. Bei der WM nun aber erst der ganz schwache Auftritt gegen Irland zu Beginn und am Wochenende dann das Aus gegen Japan. Aus schottischer Sicht war dieser Rugby World Cup eine Enttäuschung und mittlerweile gilt auch der Stuhl von Erfolgstrainer Townsend als nicht mehr sicher.

Im zweiten Glied wiederum sind besonders die Georgier nicht gänzlich zufrieden mit ihrem Auftritt. Zu eindeutig waren die Niederlagen gegen Wales und vor allem Fidschi, da ändert auch der gute Kampf gegen Australien nichts an der Endabrechnung. Die Lelos hatten 2015 noch als Gruppendritter die direkte Quali für Japan geholt, das Ziel haben die Georgier nun verfehlt und scheinen weiter weg vom mittelfristig anvisierten WM-Viertelfinale, als noch 2015.

Der Taifun Hagibis

Er war das große Thema der WM in den letzten Tagen und wirbelte das Geschehen in Japan ordentlich durcheinander. Die Spielabsagen waren allerdings bei weitem das geringste Übel, das Super-Taifun Hagibis in Japan verursachte. So sehr sich Rugby-Fans darüber echauffieren mögen, dass ihnen Spiele genommen wurden - dies ist nicht nur höhere Gewalt, sondern eine Naturgewalt, die wir in dem Maße in Europa nicht kennen. Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h und Überflutungen, vor denen Hunderttausende Japaner flüchten müssen sowie mittlerweile 73 Tote. Da wirken wehleidige Klagen über abgesagte Spiele und das Herunterspielen der Ausmaße dieses Sturms äußerst pietätlos.

Zumal dieser Sturm nach dem Ende der eigentlichen Taifun-Saison über Japan hinwegzog und die Gastgeber alles dafür taten, um so viele Spiele wie möglich stattfinden zu lassen. Im Yokohama Stadium, wo am Sonntag Japan gegen Schottland zauberte, übernachteten hunderte Helfer, da sie während des Sturms nicht sicher hätten nach Hause kommen können und so bereits am Morgen des Sonntags am Stadion arbeiten konnten. Sie mussten das Stadion-Umfeld und selbst das Feld von Unrat säubern, der durch die Überflutungen angespült worden war. Schottlands Verbandspräsident hatte mit rechtlichen Konsequenzen gedroht, sollte das Spiel unentschieden gewertet werden - er hatte nicht verstanden wie wichtig den Japanern es war dieses Spiel stattfinden zu lassen.

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