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Japan trotzt Taifun und zieht nach Triumph über Schottland erstmals in WM-Viertelfinale ein
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 14. Oktober 2019

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Japan jubelt - vier Siege aus vier Spielen und nun das erstmalige Viertelfinale.

Es war ein Spiel, das so schnell keiner vergessen wird, der es am Fernsehen oder im ausverkauften Yokohama Stadium verfolgte. Japan hat sich vom Chaos rund um Taifun Hagibis nicht ablenken lassen und Schottland mit 28-21 besiegt. Dieses Duell hatte wirklich alles zu bieten und wurde am Ende verdient von einer Gastgeber-Mannschaft gewonnen, die mit gnadenlosem Angriffsrugby und vier Weltklasse-Versuchen zum allerersten Mal ins WM-Viertelfinale einzieht, wo nächsten Sonntag (12:15 dt. Zeit) der zweimalige Sieger Südafrika warten wird.

„Bei diesem Sieg ging es um viel mehr als nur uns oder Rugby“, so Japan-Kapitän Micheal Leitch nach dem Abpfiff auf der Pressekonferenz. Man habe im Team vor dem Spiel ausgiebig darüber gesprochen, dass man den Taifun-Opfern ein wenig Ablenkung bieten könne und deshalb auch besonders für sie spiele. Schon im Stadion hatte der auf Fidschi geborene, aber bereits in Schulzeiten nach Japan gekommene Dritte-Reihe-Stürmer am Mikrofon zum Publikum gesagt: „Dieser Sieg ist für euch!“

Hunderttausende Japaner hatten in den letzten Tagen vor Taifun Hagibis flüchten müssen, unzählige hatten ihr Heim und mehr als 50 Menschen ihr Leben verloren. Leitch betonte auch die Opfer, die Tausende Helfer in schwierigen Stunden hatten bringen müssen, damit dieses Spiel überhaupt nur wenige Stunden nach dem größten Taifun seit 60 Jahren hatte stattfinden können.

Dieser Spirit hatte das japanische Team zusammengeschweißt. Trotz des frühen 0-7 Rückstands durch einen Versuch von Schottland-Spielmacher Finn Russel spielte Japan wie entfesselt. Die Geschwindigkeit, mit der die Japaner ihr Angriffsspiel aufzogen und der Spielwitz, den sie dabei zeigten, war atemberaubend. Im Schnitt waren Schottlands Stürmer gute 4 kg schwerer und einige cm größer - wenn dann kam Schottland über das harte Sturmspiel. Doch die Gastgeber hatten meist eine Antwort darauf.

Schottland wiederum wusste keine Antwort auf Japans Speed und Einfallsreichtum. Der erste von vier Versuchen der Gastgeber gelang als direkte Antwort auf Schottlands Versuch über eine schnelle Seitenverlagerung nach links - der pfeilschnelle Außen Kenki Fukuoka brach an der Seitenlinie frei, wurde von Schottlands 13 Harris noch gerade so getackelt, konnte aber mit einem Weltklasse-Offload den von hinten anstürmenden anderen Außen Kotaro Matsushima freispielen, der unter dem ohrenbetäubenden Jubel der 70.000 in Yokohama unter die Stangen lief.

Während Japan beim Sieg gegen Irland nur ein einziger Versuch gelang, konnte Nippon an diesem denkwürdigen Tag direkt nachlegen. Erneut mit einem Weltklasse-Versuch, den der Hakler einleitete und der linke Prop abschloss - wohl nur bei Japan und den All Blacks könnte man sich das so vorstellen. Hakler Shota Horie drehte sich aus einem Tackle heraus und setzte an der 22 das erste von drei Offloads in Folge, die Prop Keita Inagaki mit dem Leder unterm Arm über die Linie brachten.

Dieser Versuch war symptomatisch für den Spielstil der Mannschaft von Jamie Joseph - Japans Stürmer haben zwar den Nachteil im Vergleich zur Konkurrenz kleiner und leichter zu sein, laufen dafür aber ohne Ball mehr Meter in der Unterstützung und sind immer als Anspielstation da.

Doch damit nicht genug - noch vor der Pause konnte sich Außen Fukuoka für seine Weltklasse-Leistung belohnen und nach einem perfekt platzierten Bodenroller von Innen Lafaele den Ball spektakulär mit einer Hand im vollen Sprint aus der Luft pflücken, kontrollieren und im Malfeld zum dritten Versuch platzieren. Was für Fähigkeiten am Ball von einem Spieler, der noch 2016 bei Olympia Teil der japanischen Siebener-Mannschaft war, die sensationell Neuseeland schlug und den vor der WM selbst die meisten eingefleischten Rugby-Fans noch nicht gekannt hätten.

Der Man-of-the-Match legte direkt nach dem Pausenpfiff nach - im Tackle stibitzte er Chris Harris, indem er ihm den Ball im Tackle aus den Händen riss. Dabei hätte Fukuoka fast einen Vorwurf produziert, doch er schaffte es das Leder noch vor dem Aufprall auf dem Boden zu kontrollieren und dann schließlich unwiderstehlich 50 Meter bis zum Malfeld der Schotten zurückzulegen. Das Yokohama Stadium und die 70.000 standen Kopf - Japan hatte den Bonuspunkt sicher und jetzt wo Schottland mindestens 29 Punkte hätte machen müssen, um bei einem potenziellen Endstand von 28-36 den Gastgeber doch noch rauszukegeln, glaubte auch der letzte im Stadion an die Sensation.

Schottland kam durch die Erste-Reihe-Stürmer Fagerson und Nel noch Mal auf 21-28 ran, doch die Japaner wollten sich nicht auf Rechenspielchen einlassen und verteidigten die letzten 20 Minuten souverän und leidenschaftlich zum erstmaligen Sieg über Schottland, der ihnen den historischen Viertelfinaleinzug einbrachte.

Japans Spieler verbeugen sich vor ihrem eigenen Publikum

Der Jubel in Japan und darüber hinaus kannte keine Grenzen. Premierminister Shinzo Abe betonte in seinem Gratulations-Statement auf Twitter, dass das Team den Taifun-Opfern Mut geschenkt habe und dankte Leitch und seinen Männern persönlich. Auf der berühmten Shibuya-Kreuzung von Tokio tanzten Japan-Fans ausgelassen. Schottlands Fans zeigten sich als faire Verlierer und jubelten ebenso, als sich das japanische Team vor dem Publikum verneigte.

Auf Japan wartet nun ein Wiedersehen mit Südafrika - das Team, das die Brave Blossoms bei der letzten WM so sensationell in Brighton geschlagen hatten. Es wird eine wahre Schlacht am nächsten Sonntag in Tokio - die Boks werden genau gesehen haben, dass Japan wenn dann über hartes und kompromissloses Sturmspiel verwundbar ist. Was den Schotten die zwei späten Versuche einbrachte, werden die Springboks versuchen über 80 Minuten durchzuziehen. Ob Japan darauf eine Antwort haben wird, ist die Frage - ganz Japan und große Teile der Rugby-Community weltweit werden hinter ihnen sein.

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