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Gerüchte um DRV-Präsidenten: Wirft Robin Stalker das Handtuch?
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 27. Juni 2019

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Gerüchten zu Folge wird DRV-Präsident Robin Stalker seinen Posten abtreten.

Das deutsche Rugby kommt momentan einfach nicht zur Ruhe. Nach dem Abstieg der Fünfzehner-Nationalmannschaft der Herren und nur eine gute Woche vor dem DRT wurde im üblicherweise gut informierten Tier-2-Rugby-Forum eine E-Mail veröffentlicht, laut der Robin Stalker seinen Rücktritt angekündigt hat. Diese sei unter anderem an die Präsidiumsmitglieder des DRV gegangen. In der nur einen Satz langen und vom Handy geschriebenen Mail äußert Stalker sein Bedauern über den Schritt, gibt aber keine weiteren Gründe für diesen an. Wir von TR arbeiten gerade daran, die Echtheit der E-Mail zu überprüfen.

Stalker hatte vor einem Jahr den DRV mit viel Vorschusslorbeeren übernommen. Der gebürtige Neuseeländer und ehemalige Adidas-Finanzvorstand hatte seine Kandidatur damals erst kurz vor dem letztjährigen DRT angekündigt und sich zum Ziel gesetzt, den Rugbysport in Deutschland bekannter zu machen. Zuletzt war aber die verbandsinterne Kritik an Stalker immer lauter geworden, gegen die er sich mit zwei offenen Briefen an die DRV-Mitglieder zur Wehr gesetzt hatte. Der Umgang mit dieser Kritik war für Stalker scheinbar ein schwieriger Schritt.

Diskussionen um Rolle der Vorstände

Einer seiner Vorgänger, Claus-Peter Bach, hatte vor wenigen Tagen sinngemäß gefordert, dass der Finanzfachmann so langsam Mal liefern müsse, vor allem in seinem angestammten Metier. Es kursierten exorbitante Zahlen über die Gehälter der DRV-Vorstände, allen voran des mittlerweile zurückgetretenen Engländers Kieran Lees, der von London aus seiner Tätigkeit nachgeht. Angesichts der nicht gerade rosigen Finanzsituation des Verbandes wurde die Kritik daran immer lauter, zumal die angestrebte Sponsoren- und Investoren-Suche dem Anschein nach nicht von Erfolg gekrönt war.

Lees hatte wie Benjamin Heine seinen Rücktritt zum 30.6. angekündigt. NRW-Leistungssportkoordinator Jörg Berndt, der auch Vorsitzender der Landesverbände ist, versuchte Lees daraufhin zum Bleiben zu bewegen. In einem im Namen der Landesverbände vefassten Brief an den Präsidenten, der auch an die Vereine ging, äußerte er die Hoffnung, dass Lees und Heine ihre Entscheidungen revidierten. Im gleichen Schreiben wurde Stalker explizit das Vertrauen ausgesprochen. Jedoch handelte es sich wohl um einen Alleingang, denn mehrere Verbände hatten dem Anfang des Monats verfassten Schreiben widersprochen.

Führungsriege seit Wochen im Zwist

Doch auch diese Vertrauensbekundung kann nicht darüber hinwegtäuschen: Die Führungsriege des Verbandes befindet sich seit Wochen im offenen Konflikt miteinander, der zum Teil über die sozialen Medien ausgetragen wurde. Es haben sich offensichtlich mehrere Lager gebildet und die Mehrheitsverhältnisse schienen zuletzt unklar. Für den deutschen Rugby-Tag, der am übernächsten Wochenende stattfindet, waren deshalb sowieso intensive Diskussionen erwartet worden. Denn welchen Kurs das deutsche Rugby einschlägt, nachdem die Fünfzehner-Herren den Gang in die Zweitklassigkeit antreten mussten, ist momentan ebenso nebulös, wie wer beim DRV die Spitzenposition innehaben wird.

Die Verpflichtung eines teuren Trainerteams mit Mike Ford als Headcoach hatte nicht zum gewünschten sportlichen Erfolg geführt. Ob Stalker nun aber tatsächlich das Handtuch wirft, ist momentan offen. Wir versuchen die Informationen zu verifizieren. Die kommenden Tage bis zum DRT dürften interessant werden - denn dann dürfte sich entscheiden, welchen Weg das deutsche Rugby einschlagen wird. Nun wohl aber auch, wer an seiner Spitze stehen wird.

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Kommentare (4)add comment

Ferdiand Bauer said:

4259
Schlimm.
Für aktive Spieler ist dieses unsägliche Verhalten der Funktionäre ein Schlag ins Gesicht. Als Spieler will man doch nur spielen und hat keine Lust ständig solche Negativschlagzeilen über Schlammschlachten im Präsidium zu lesen. Das ist einfach nur frustrierend was da abgeht.
Beim DRV muss einmal komplett mit dem Besen durchgekehrt und der Weg für einen ordentlichen Neuanfang freigemacht werden.

@Totalrugby, gibt es im Vorfeld des DRT auch schon Neuigkeiten zur erneuten Ligareform?
Juni 27, 2019

tim spengler said:

2957
...
es ist echt zum heulen...

jeder andere tier 3 (oder 4) rugby verband hätte dr. wild damals alles zu füßen gelegt und die vielen millionen dankend! angenommen.

und nun vergrault man sich die nächsten, die das deutsche rugby voranbringen wollten (und vermutlich auch könnten)...

danach wird man so einen erfahrenen und einflussreichen mann, wie stalker, erstmal lange nicht finden können...wenn überhaupt jemals wieder.

das wäre wirklich endgültig das ende der rabenschwarzen adler.
ich könnte absolut verstehen, wenn sich herr stalker dieses kämpfen gegen windmühlen nicht weiter antun möchte und habe es ja auch schon vermutet. ich hoffe aber trotzdem, dass er es sich nochmal überlegt.
man sollte lieber einige andere aus dem laden rausschmeissen, die ständig für unruhe sorgen und sich jeglichem fortschritt in den weg stellen.

sonst kann man sich auch diese "elite" liga sparen und einfach für immer weiter im amateurtum dahinsiechen.

ich verfolge das deutsche (und internationale) rugby nun seit 2011 und es gab in dieser zeit so viele gute ansätze, die immer von irgendwelchen altbackenen "traditionalisten" ausgebremst wurden. es gab viele fortschritte, doch immer wieder wird durch interne machtkämpfe alles zu nichte gemacht.
ich kanns mir langsam echt nicht mehr anschauen..
gute nacht deutsches rugby...
Juni 27, 2019

Frank Förster said:

3998
Ohje, ohweh
Ich kann Tim Spengler nur zustimmen. Ich hoffe es bleibt nur ein Gerücht. Wenn man sich die Situation im deutschen Rugby anschaut, kann man allerdings Stalker nur raten abzutreten. Den Abstieg der XV ist nicht das Verschulden der Trainer und von Herrn Stalker. Sondern weit im Vorfeld sind Dinge passiert, die dazu führten, dass man sportlich gar nichts mehr reißen konnte. Der Rückzug von Herrn Dr. Wild war das Ende der Träume, das Deutschland sich in die Oberklasse spielt. Es haben aber viel zu viele Funktionäre weitergeträumt. Und Herrn Stalker einen Vorwurf daraus zu machen, dass nicht genug Sponsorgelder aufgetrieben werden, ist überprüfenswert. Denn mit ausbleibenden sportlichen Erfolg kann man keinen Sponsor hinterm Ofen hervorlocken. Noch schwieriger, wenn man davor einen großen Sponsor vergrault hat. Und die Rugby Gemeinde entsinnt sich, dass dieser wieder zum Repechage Turnier seine Unterstützung zusagte. Sonst wären wir dort schon Letzter geworden. Zu diesem Zeitpunkt hätten alle Beteiligten zukunftsweisende Regelungen treffen müssen. Denn gut gespielt haben die Jungs in Marseille. Ja da hätte man darauf aufbauen können. Danach hat man das Maul wieder ziemlich voll genommen, wollte sogar ganz oben mitspielen. Was sind beim deutschen Rugby eigentlich für Träumer unterwegs. Zunächst müssen vernünftige Strukturen und Konzepte her und Geld, Geld und nochmals Geld. Ansonsten bleibt man amateurhaft.

Juni 28, 2019

Adrian Heber said:

194
Wild?
Alle die hier Wild so verherrlichen sollten sich mal den heutigen Artikel über Stade durchlesen. Deren Fans wären froh, wenn noch heute gehen würde. Bevor es solche Zustände in der deutschen Nationalmannschaft gibt ist mir der Amateurstatus doch wesentlich lieber.
Nicht alles ist Gold was glänzt und es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Wer weiß vor welchem Desaster wir durch die unsanft Trennung von Wild bewährt wurden!
Juni 29, 2019

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