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TR-Review Rugby-Bundesliga: 78 & HRK triumphieren, St. Pauli mit erstem Saisonsieg
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 15. April 2019

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Klub-Triumph - der alte Meister HRK dominierte am Samstag Tabellenführer 1880 klar. Foto (c) Rück

Was für ein Spieltag der Rugby Bundesliga. Frankfurt 1880 muss gegen den HRK die erste Saisonniederlage einstecken, Hannover 78 gewinnt gegen den BRC das Nord-Spitzenspiel klar und Pauli gewinnt im elften Anlauf endlich das erste Saisonspiel.

Nord / Ost

Tabelle

Rang Team Spiele Punkte Differenz
1 Hannover 78
11 49 +315
2 Berliner RC
11 42 +167
3 SC Germania List
11 36 +89
4 RK 03 Berlin 11 34
-88
5 RC Leipzig
11 32 +95
6 RC Berlin Grizzlies
11 19 -83
7 Hamburger RC
11 13 -257
8 FC St. Pauli
11 12 -238


Hannover 78 23 - 3 Berliner Rugby Club

Es war das absolute Spitzenspiel im Norden - Erster gegen Zweiter, Vorjahres-Nordmeister gegen den Herausforderer aus der Hauptstadt. Anders als im Hinspiel setzten sich die favorisierten 78er dieses Mal durch. Der Schlüssel zum aus 78er-Sicht verdienten Sieg war für Coach Benjamin Krause „die gute Verteidigung“ - denn den Gastgebern war es gelungen die BRC-Offensive fast über den gesamten Spielverlauf zu neutralisieren. Die vielen Ausflüge der Gäste in die 22 der 78er resultierten am Ende lediglich in drei Zählern.

Dazu hatte Hannover bei den Standards klare Vorteile, was bei nicht immer einfachen Bedingungen ein wichtiger Faktor war. Schon in den Anfangsminuten wollten die mit den Routinier Rafael Pyrasch und Siebener-Ass Phil Szczesny angetretenen Gastgeber klar machen, wer Herr im Hause am schnellen Graben ist. Doch nicht die schnellen Dreiviertel-Spieler waren es, die den ersten Schlag versetzen konnten, sondern der 78-Sturm. Ein kraftvolles Paket und mehrere Pick-and-Go-Phasen resultierten im ersten Versuch von Mathias Rojas.

Nach einer Phase mit etwas Leerlauf und Fehlern auf beiden Seiten brachte der Paraguayische Prop Rojas seine Mannschaft in die Bredouille - ein Tackle ohne Arme dezimierte 78 für zehn Minuten. Doch der ausgiebige Berliner Ausflug an die 22 der Gastgeber resultierte nicht in den erwünschten Zählern. Stattdessen mussten nacheinander zwei Berliner wegen Ruck-Vergehen temporär vom Platz  - in Überzahl konnte 78-Verbinder Max Kopp gleich zwei Straftritt über die Stangen jagen und auf 11:0 zur Pause erhöhen.

Aus der Pause kamen die Gäste dann mit einer ersten Druckphase, die in den ersten Gäste-Punkten zum 3:11 mündete. Doch wer nun mit einer Aufholjagd der Gäste gerechnet hatte, sah sich enttäuscht. 78 konnte einige frische Kräfte von der Bank bringen, aber schlussendlich war es Phil Szczesny, der die Vorentscheidung brachte - und zwar mit seiner Spezialität: Der frischgebackene Vater setzte einen Überkick, den er selbst zum zweiten 78-Versuch erlief - wie einst vor drei Jahren in Hongkong.

Mit der letzten Aktion konnte 78 dann sogar noch das I-Tüpfelchen auf einen gelungenen Nachmittag setzen - Erste-Reihe-Stürmer Pascal Grabig wuchtete sich zum Endstand über die BRC-Linie. Die Hannoveraner sind damit unangefochten an der Tabellenspitze und auf Kurs Heim-Halbfinale. Coach Krause gegenüber TR: „Es war ein verdienter Sieg - wir hätten unsere Chancen zwar besser nutze müssen und mehr Punkte machen, aber Berlins Verteidigung stand auch sehr ordentlich und hat kaum was zugelassen.“

Aus Berliner Sicht war es ein enttäuschender Nachmittag - BRC-Kapitän Juri Müller analysierte das Geschehen im Gespräch mit TR wie folgt: „Leider haben wir anders als im Hinspiel viel zu unaggressiv gespielt, unheimlich viele technische Fehler gemacht und im Spiel viele falsche Entscheidungen getroffen, insbesondere in der gegnerischen 22. So haben wir uns selbst die wenigen Versuchschancen genommen - 78 hat viel abgebrühter gespielt und sie haben ihre Möglichkeiten eiskalt genutzt.“ Der Flanker des BRC ist sich zudem sicher, dass seiner jungen Mannschaft noch der „kühle Kopf“ und die „Abgezocktheit“ fehle, dergade gegen die Top-Teams - jedoch profitiere man natürlich von solchen Spielen ungemein.

Mit nunmehr sieben Zählern Puffer auf Rang zwei kann 78 beruhigt in zwei Wochen in Berlin beim RK 03 antreten, während der BRC und Germania sich gegenseitig die Punkte nehmen. Für den BRC geht es im zweiten Hannoveraner Auswärtsspiel der Saison darum, den Playoff-Rang zwei zu verteidigen.

RC Leipzig 57 - 3 SC Germania List

Herber Rückschlag für Germania List und ein fettes Ausrufezeichen der Leipziger. Es war von beiden Seiten ein enges Spiel erwartet worden, doch am Ende wurde es für die Hannoveraner Gäste zum kräftigen Dämpfer, der ihnen die Chancen auf einen Playoff-Platz zu Nichte macht. Leipzig dagegen kann sich derweil berechtigte Hoffnungen auf Rang drei machen, auf dem momentan noch Germania liegt - denn die vermeintlich schweren Spiele der Rückrunde haben die Sachsen hinter sich.

Am Samstag konnte Leipzig früh mit dem Sturm und Hintermannschaft Phase um Phase wertvolle Meter machen. Nachdem die Hannoveraner Gäste Anfangs noch gut dagegen halten konnten, wurden die im ungewohnten Blau auflaufenden Leipziger sukzessive stärker. Ein dominantes Tackle von Zweite-Reihe-Stürmer Pawlak und der blitzschnell den Ball klauende Flanker Leutenecker läuteten den ersten Leipziger Versuch per Turnover ein: Schluss Leroux van Zyl marschierte mit dem Ball unter den Stangen zum 7:0 ein.

Auch Leipzigs zweiter Schlag kam über einen Konter: Leipzigs südafrikanischer Innen Sibiya vollendete den zweiten tollen Spielzug der Sachsen. Doch Mitte der zweiten Hälfte folgte die stärkste Phase der Germanen, die sich allmählich tief in Leipzigs Hälfte festsetzten. Nur erwischte die Gäste ein Mal mehr das Verletzungspech - der als Innen auflaufende Spielmacher Daniel Koch musste nach nur 30 Minuten verletzt vom Platz. Eine ganz lange Drangphase der Lister in Leipzigs 22, in der Leipzig Achter Förtsch für ein professionelles Foul verlor, endete lediglich mit drei Zählern: Verbinder Dietz konnte vom Tee zum 3:12 Pausenstand verkürzen.

Wenig Lohn für viel harte Arbeit und das sollte sich rächen. Mit der ersten Aktion des zweiten Durchgangs konnte Leipzig, das gegen Ende des ersten Durchgangs kaum etwas vom Spielgerät gesehen hatte, auf 17:3 davonziehen. Innen Franz Beck durchbrach gleich drei Tackles zum dritten RCL-Versuch. Nun ging es aus Germania-Sicht alles viel zu schnell - erst konnte Leutenecker nach Packet aufbrechen und zum Offensiv-Bonus ablegen, bevor Kapitän van Zyl mit viel guter Beinarbeit zum 33:3 ablegte. Drei Versuche zum Auftakt der zweiten Hälfte - Germania taumelte.

Als Innen Sibiya dann einen tollen Team-Versuch zum 40:3 ablegte, war man sich auch in Leipzig sicher, die Germanen erstmals in der Vereinsgeschichte geschlagen zu haben und gönnte einigen Schlüsselspielern eine Verschnaufpause. Das letzte Spielviertel plätscherte etwas vor sich hin, Germanias wütende Angriffe endeten meist im Nichts, erst als Leipzigs syrischer Außen Alrebdawi sich aus 80 Metern Entfernung ein Herz fasste und fast die gesamte Länge des Platzes zum 40:3 ablegte wurde Leipzig wieder wach. Zwei späte Versuche in Leipziger Unterzahl, denn Dedecker hatte ein schnelles Anspielen der Germanen verhindert, von Yafele und Sibiya machten den Kantersieg perfekt.

Leipzig im ungewohnten Blau, aber umso erfolgreicher

Aus Leipziger Sicht ein mehr als gelungener Nachmittag mit dem allerersten Sieg über Germania überhaupt - da zeigte sich auch Trainer Kunze zufrieden: „Zielvorgabe für die Rückrunde war es mindestens einen Sieg noch gegen eine der vor uns liegenden Mannschaften zu holen. Das ist uns heute eindrucksvoll gelungen. Die Stürmer haben viele starke Phasen gespielt und der Hintermannschaft somit Räume verschafft. Germania war lange gut im Spiel, hatte aber auch viel Pech mit seinen Verletzungen, daher muss man das Ergebnis in seiner Deutlichkeit auch ein bisschen dementsprechend einordnen.“

Gegen die Grizzlies könnte bereits der nächste Leipziger Sieg folgen - nach dem Last-Minute-Klassenerhalt im Vorjahr hat sich Leipzig nicht nur früh jeglicher Abstiegsängste entledigt, sondern auch Anschluss an die Spitze gefunden. Germania hingegen benötigt gegen den BRC dringend einen Sieg, um überhaupt noch vom erneuten Halbfinaleinzug träumen zu können.

FC St. Pauli 26 - 24 Berliner Grizzlies

Es ist der langersehnte Befreiungsschlag für den Aufsteiger - Sankt Pauli feiert am elften Spieltag endlich den allerersten Saisonsieg. Die Hanseaten sind, auch aufgrund ihrer bisher fleißig gesammelten Bonuspunkte, wieder im Geschäft. Zwei Wochen vor dem Hamburger Derby keimt im weltberühmten Hamburger Kiez wieder Hoffnung auf den Klassenerhalt auf.

St. Paulis Coach Fritze Michau jubelte im Anschluss: „Nach all den knappen Dingern haben sich die Jungs endlich Mal für den Einsatz belohnt - für uns als Coaches war es in erster Linie schön zu sehen, dass die Rückschläge und Hindernisse im Spiel, gegen die individuell wirklich guten Berliner, keinen großen Einfluss auf unser Spiel hatten.“

Tatsächlich hätte der Start für den Gastgeber kaum schlechter laufen können. Zwei schnelle Grizzlies-Versuche in der Auftaktviertelstunde - ein Paket sowie eine schnelle Passstafette brachten den Gästen die 12-0 Führung. Und fast hätte es noch Mal im Pauli-Malfeld geklingelt, als die Grizzlies mit einem cleveren Kick den Ball ins Malfeld brachten - doch die Gastgeber konnten das Rennen zum Spielgerät knapp für sich entscheiden und das Leder totlegen.

Die letzten zehn Minuten bis zur Pause wurden dann zu einer echten Achterbahn. Erst erspielte sich der Pauli-Sturm mit vielen harten Phasen den 7:12 Anschluss. Zwei Versuche in schneller Folge - einer für St. Pauli und einer für die Grizzlies - stellten den 12:17 Pausenstand aus Sicht der Gastgeber her.

Die zweite Hälfte entwickelte sich dann zu einem absoluten Krimi. Direkt nach dem Pausentee konnte Paulis überragender Sturm erstmals eine Führung herausspielen, die jedoch direkt wieder von den Berlinern per Paket gedreht wurde. Beim Stand von 19:22 ging es in die Schlussphase und lange sah es danach aus, als würde St. Pauli sich wieder nicht belohnen können und eine weitere knappe Niederlage kassieren.

Doch dieses Mal war das Gedränge der Schlüssel zum Sieg. Erst brachte ein Straftritt nach Scrum die Braun-Weißen tief in die Grizzlies, wo ein weiterer Penalty den Gastgebern ein Gedränge vor dem Grizzlies-Malfeld bescherte. Und tatsächlich - unter dem großen Jubel des Pauli-Anhangs schoben die Hamburger Stürmer das Gedränge bis unter die Stangen. Da war, er der langersehnte Sieg des Aufsteigers, der vor dem Derby bis auf einen Punkt an den HRC heranrückt.

Aber das Restprogramm der Hamburger bleibt anspruchsvoll - mit dem Derby, dem Heimspiel gegen den RK 03 und dem abschließenden Spiel bei Hannover 78. Irgendwie müssen die Braun-Weißen einen Zähler mehr holen als der Hamburger RC. Trainer Michau analysiert: „Ich denke, dass es vor allem wichtig ist Spiele zu gewinnen. Um die Klasse zu halten muss einiges zusammen kommen, aber für uns ist es in erster Linie wichtig zu gewinnen. Das gilt Spiel für Spiel.“


RK 03 Berlin 31 - 27 Hamburger RC

Ein alles andere als durchschnittliches Bundesligaspiel bekamen die Anhänger des RK 03 in der Berliner Buschallee zu sehen. Der anfangs hochsouveräne Gastgeber hatte sich durch zwei schnelle Versuche von Kaiser und Knüpfer. jeweils über die Hintermannschaft, eine schnelle 12:0 Führung nach nur zehn Zeigerumdrehungen gesichert. Als dann noch der RK-Sturm seine gewohnte Stärke ausspielen konnte und Colic nach einem Paket zum dritten Berliner Versuch ablegen konnte, schien der Favorit seinen Stiefel souverän runterzuspielen.

Erst recht, als Außen Philip Niemier den Bonuspunkt für den RK 03 mit dem vierten Versuch eintütete. Doch der erste Warnschuss folgte sogleich - Sturm-Tank Paul Schmitz musste für zehn Minuten auf die Sünderbank und Hamburg kam das erste Mal ins RK-Malfeld, ließ sich dort aber hochhalten. Nur Minuten später dann aber die ersten Punkte für den HRC: Dem Hanseaten-Sturm gelang der 5:24 Anschluss.

Aber selbst nach einer gelben Karte für RK-Kapitän Falk Duwe, der einen in der Luft befindlichen Hamburger zu Fall brachte, glaubte beim Heim-Anhang niemand, dass es beim Pausenstand von 24:5 aus Gastgebersicht noch Mal eng werden könnte. Weit gefehlt! Denn Hamburg kam deutlich stärker aus der Kabine - erst scheiterte ein HRC-Paket kurz vor der Linie, aber dann schaffte HRC-Co-Kapitän Andreas Pfeffer sich im richtigen Moment vom Paket zu lösen und zum 10:24 abzulegen. Wieder verpasste Pradelles die Erhöhung, was sich noch rächen sollte.

Als dann Kapitän Barry nach tollem Offload von Berghofer Versuch Nummer drei ablegen konnte und Pradelles dieses Mal vom Hütchen traf, führte Berlin nur noch mit einem Versuch. Es ging mit viel Spannung ins Schlussviertel der Partie und tatsächlich legte Berghofer nach einigen schlechten Berliner Tackle-Versuchen den 22:24 Anschluss - nur die bei böigem Wind verpasste Erhöhung rettete Berlin.

Doch als der HRC drauf und dran war die Partie endgültig zu drehen, schickte sich Berlins Innen Martin Tormann an, seine Gelb-Schwarzen zu retten und fing einen weiten HRC-Pass ab. Zwei Phasen und wenige Sekunden später legte Franz Müller zur 29:22 Führung des RK ab - Kaiser konnte trotz böigem Wind auf 31:22 stellen. Dem HRC gelang fast der direkte Gegenschlag, doch Tom Barry ließ sich an der Eckfahne von Berlins Dobslaw ins Aus tacklen.

Der HRC drängte nun mit aller Macht - erst gingen zwei Straftritte neben die Stangen, die den Hanseaten jeweils den zweiten Bonus gesichert hätten. Doch dann konnte Domaschke rechts außen zum umjubelten fünften HRC-Versuch ablegen. Jedoch brachte auch ein Kicker-Wechsel kein Glück - die Erhöhung segelte daneben. Hamburg konnte sich mit der letzten Sequenz beim Stand von 27:31 aus eigener Sicht schließlich noch Mal bis an Berlins Linie vorkämpfen, wo sie einen Straftritt erhielten. Der HRC wählte Gedränge, aber dieses Mal dann das Malheur - Andreas Pfeffer konnte den Ball vom Gedränge nicht richtig aufnehmen und produziert den Vorball und das an der fünf-Meter-Linie des RK 03.

Für den HRC blieben also nur die beiden Bonuspunkte, die den Hanseaten aber die bessere Ausgangsposition vorm Derby bescheren und ihn vorm Abrutschen auf den letzten Rang bewahren. Für den RK 03 ein am Ende glücklicher Sieg, das sieht auch Berlins Team-Manager Lutz Joachim so: „Schwer zu sagen was da bei uns los war, aber Hamburg hat es gut und clever gespielt. Wir haben zu viele Fehler gemacht und sind zu keiner Zeit zurück ins Spiel gekommen. Glücklicherweise ist uns dann noch ein Versuch gelungen. In den letzten Minuten hätte der HRC das Spiel fast schon gewinnen müssen. Am Ende waren wir sicher der glückliche Sieger, aber das ist egal, denn 5 Punkte sind 5 Punkte.“

 

Glückliche Berliner nach dem Zittersieg über den HRC



Süd / West

Tabelle

Rang Team Spiele Punkte Differenz
1 SC Frankfurt 1880 11 49 +373
2 TSV Handschuhsheim 11
48 +238
3 RG Heidelberg 11 43 +133
4 Heidelberger RK 11 33 +88
5 RK Heusenstamm 11
20 -56
6 RC Luxemburg
11 19
-175
7 SG TV / CfR Pforzheim 11 15 -230
8 Neckarsulmer SU
11 10 -371



Heidelberger RK 43 - 24 SC Frankfurt 1880

Totgesagte leben länger. Der Titelverteidiger meldet sich mit einem beeindruckenden Sieg über den Tabellenführer zurück. Auch wenn der Abstand auf die Playoffränge wohl zu groß ist, um von einer Titelverteidigung zu träumen, hat der Ruderklub am Wochenende doch ein tolles Ausrufezeichen gesetzt.

Felix Lammers hatte den Klub früh mit 5:0 in Führung gebracht - bei windigen und nasskalten Verhältnissen erspielte sich der Klub eine verdiente Führung und hielt mit der meist sattelfesten Defensive Frankfurts frühe Angriffsbemühungen in Schach. Ein Straftritt von Ex-Klub-Verbinder Parkinson brachte 1880 zwar auf die Anzeige - doch ein toller Team-Versuch aus der eigenen Hälfte, abgeschlossen per Überkick von Felix Lammers, sowie ein Sturmversuch von Rückkehrer Timo Vollenkemper brachte den Klub mit 19:3 in Front, womit es auch in die Pause ging.

Zwei Mal deutlich zu schnell für die 1880-Defensive: HRK-Außen Felix Lammers

Wer auf eine Frankfurter Antwort zu Beginn von Durchgang zwei gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Erst erhöhte Liebig per Straftritt auf 22:3, bevor Hakler Barber den Offensiv-Bonus für den Klub sicherte. Zwei weitere Versuch durch Jörn Schröder und Niklas Hohl entschieden das Spiel beim Stand von 43:3 quasi - obwohl noch zwanzig Minuten auf der Uhr waren. In der Schlussphase, nachdem Klub-Coach Jordaan eine Leistungsträger vorzeitig vom Feld nahm und sich Thore Schmidt, sowie Felix Lammers selbst eine unfreiwillige Zehn-Minuten-Verschnaufpause wegen Unsportlichkeiten einbrachten, kam Frankfurt noch ein Mal auf. Drei späte Versuche bescherten den 1880ern etwas Ergebnis-Kosmetik - doch es reichte nicht für den Offensiv-Bonus und die erste Saisonniederlage war da sowieso schon besiegelt.

Für Frankfurts Team-Manager Todd Kearns war die Ursache für dieses Klatsche klar: „Unser schlechter Auftritt kann eigentlich mit „schlechter Einstellung“ beschrieben werden - körperlich haben wir mitgehalten, aber wir waren mental schlecht vorbereitet oder zu wenig inspiriert. Wir können glücklich sein, dass uns das zu diesem Zeitpunkt in der Saison passiert ist und wir daran arbeiten können den Fokus zurückzubekommen, und unsere Fehler auszumerzen.“

Mit der ersten Niederlage steht 1880 zwar weiterhin an der Spitze, der Vorsprung auf den TSV ist aber nunmehr auf einen Zähler geschrumpft. Das Gastspiel bei der RGH in zwei Wochen sowie das direkte Duell mit den Löwen im Mai dürften darüber entscheiden, wer das Bundesliga-Halbfinale daheim ausrichten darf. Der HRK dagegen wird in den letzten drei Spielen den Rückstand von 15 Zählern auf die Playoff-Plätze nicht mehr egalisieren können - aber immerhin wird man im Harbigweg-Derby den Nachbarn RGH noch ein Mal ärgern können.

SG TV CfR Pforzheim 11 - 31 TSV Handschuhsheim

Ein am Ende klarer Sieg der Löwen beim Meister von 2016, den TSV-Coach Gordon Hanlon auf die „Disziplin, Defensive und die Standards“ der Gäste zurückführte. In einer ausgeglichenen ersten Hälfte hatten die Löwen früh per Versuch vorgelegt, konnten aber nach vielen individuellen Fehlern und bei tiefem Geläuf nicht nachlegen, im Gegenteil: Pforzheims Siebener-Ass Tafadzwa Chitokwindo brachte die Rhinos zur Pause beim Stand von 3:5 aus Gastgebersicht auf Tuchfühlung.

Mit der letzten Aktion vor der Pause kollabierte Pforzheims Alex Liddell ein Löwen-Paket und fehlte so zu Anfang des zweiten Durchgangs. Mit der Überzahl im Rücken schob sich der Löwen-Sturm schließlich Anfang des zweiten Durchgangs ins Malfeld. Genau nach dem gleichen Schema legte der TSV in guter alter Manier wenige Minuten später nach und erzielte den dritten Versuch. Pforzheims bester Spieler Chitokwindo ließ beim Heim-Anhang dann kurzzeitig Hoffnung aufkeimen, als er einen eigentlich als Befreiungskick gedachten Ball der Rhinos aufnahm und mit ihm bis ins Malfeld sprintete.

Doch das 8:17 sollte nur ein Strohfeuer bleiben. Zwei weitere Löwen-Versuche besiegelten das Rhinos-Schickal, auch wenn die Gastgeber durch einen Dropkick von Chitokwindo noch zwischenzeitlich verkürzt hatten. Die Abstiegssorgen der Pforzheimer bleiben damit bestehen. Gegen den HRK wird es für Pforzheim wohl keine Punkte geben, aber danach stehen die entscheidenden Spiele gegen Luxemburg und Neckarsulm an. Dabei wird sich entscheiden, ob Pforzheim eventuell den bitteren Gang in Liga zwei antreten muss.

Neckarsulmer SU 7 - 26 RG Heidelberg

„Wir sind in das Spiel mit der richtigen Einstellung gegangen“ so das Urteil von RGH-Coach Jeff Tigere nach dem souveränen Auswärtssieg seiner Orange Hearts beim Schlusslicht Neckarsulm. „Ein paar Dinge sind nicht so gelaufen, wie gedacht, aber unsere Defensive war großartig und darauf können wir aufbauen“, so der RGH-Veteran weiter.

Zuvor hatte der amtierende Vizemeister in einer ausgeglichenen ersten Hälfte vor allem mit Geschwindigkeit überzeugen können. Sturm-Tank Hug kratzte einen Ball schnell an und wuchtete sich über die Linie und Wadlinger ersprintete einen langen Kick ins Malfeld zur schnellen 12:0 Führung. Doch die Gastgeber waren zumindest im ersten Durchgang im Spiel und brachten das Leder nach einem Gedränge zum 7:12 Anschluss im Malfeld unter, womit es auch in die Pause ging.

 

Nur ein Mal konnte sich die NSU ins Malfeld der Orange Hearts vorarbeiten

Die NSU war kurz nach Wiederanpfiff drauf und dran selbst in Front zu gehen, nachdem Patrick Murphy mit einem tollen Lauf bis an die Linie kam. Auch wenn sich die RGH nur regelwidrig zu helfen wusste, konnte Neckarsulm aus dem resultierenden Straftritt kein Kapital schlagen. Doch mehrere Fünf-Meter-Gassen brachten nicht den erhofften Erfolg, stattdessen schaffte RGH-Achter Schiffer am Ende eines langen Spielzugs den dritten Schlag für Orange.

Damit war der Widerstand der Neckarsulmer gebrochen und der RGH gelang in der Schlussphase durch Alex Hug mit seinem zweiten Versuch noch der Offensiv-Bonus. Die RGH hält damit den Anschluss an das Spitzenduo, muss in den nächsten beiden Spielen aber gegen 1880 und den HRK antreten. Dann wird sich entscheiden ob es für die Heidelberger erneut in die Playoffs gehen wird. Die NSU wird dagegen in den Duellen mit Heusenstamm und Pforzheim ums Überleben kämpfen müssen. Der Relegationsplatz ist momentan mit fünf Zählern nicht außer Reichweite.

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Kommentare (1)add comment

Ralf Theune said:

3663
Und der Unterbau?
Auf dieser Seite weitgehend unbemerkt vollzieht sich mittlerweile ein tragisches Aussterben der Zweitligateams. In der Nordstaffel sind nur noch vier Mannschaften übrig (!), im Westen noch sechs, der Osten war schon gleich nur mit sechsen gestartet. Einzig im Süden wird ein volles Starterfeld gehalten. Insgesamt sind von eigentlich 32 Zweitligaplätzen noch ganze 24 besetzt. Leute, wann gibt es endlich die eingleisige 1. Bundesliga mit einem soliden Unterbau aus zwei Zweitligastaffeln? Darunter vier Regionalligen, bei denen die Clubs darauf vertrauen können, dass ihr Spielplan bis zum Saisonende Bestand hat und eine Verbandsligaebene für den Aufbau in allen Regionen, in der dann "Holländer Modell" und andere Sonderregeln für Wettkampffähigkeit sorgen können. Fahrtkosten für die eingleisige Erstliga? Mein Gott, nehmt Euch ein Beispiel an den Frauen.
April 16, 2019

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Letzte Aktualisierung ( Montag, 15. April 2019 )
 
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