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TR-Vorschau 6 Nations: England will Vorentscheidung in Cardiff, Frankreich will Wiedergutmachung
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 21. Februar 2019

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Vor dem eigenen Anhang eine ganz andere Nummer - Wales will daheim Erzfeind England eins auswischen.

Nach zweiwöchiger Pause ist das älteste internationale Rugby-Turnier zurück und zwar mit einem absoluten Klassiker. Wales empfängt England und der Sieger hat sicherlich die besten Chancen am Ende des Turniers als Sieger dazustehen. Zuerst wird jedoch Frankreich vor heimischen Publikum auf Wiedergutmachung aus sein, wenn Schottland zu Gast ist. Irland tritt schließlich Sonntag in Rom an und weiß dann bereits, ob die Waliser Schützenhilfe geleistet haben.

Frankreich - Schottland
Samstag 23. Februar 15:15, Stade de France Paris (live auf DAZN)

8:44 - dieses historisch schlechte Resultat gegen den Erzrivalen musste in der Grande Nation erst einmal verdaut werden. So schlecht stand Frankreich seit Menschengedenken nicht mehr da. Nur noch Platz zehn in der Weltrangliste und das Gespött englischer Medien und Rugby-Prominenz nach der Abreibung in Twickenham. 

Nachdem Verbandspräsident Bernard Laporte Coach Brunel dennoch explizit den Rücken gestärkt hatte, machte ein Internet-Meme in Frankreich die Runden: Laporte und Brunel auf der Titanic im Stile des Filmplakats des Klassikers mit di Caprio. Die Botschaft - gemeinsam gehen beide unter. Man muss es schon sarkastisch nehmen, wenn man Rugby-Fan in Frankreich ist.

Coach Brunel hat nun wieder ein Mal die halbe Mannschaft durchgewirbelt. Seine Wechsel wirken auf Außenstehende immer weniger souverän und zunehmend panisch. Speziell seine Art Spieler abseits ihrer besten Position einzusetzen, bringt viele zum Grübeln. Romain Ntamack, hoffnungsvolles Talent und eigentlich Innendreiviertel, übernimmt nun das Zehner-Shirt von Camille Lopez.

Dieser hatte gemeinsam mit Vereinskollege Morgan Parra gewagt, Coach Brunel öffentlich durch die Blume Ahnungslosigkeit vorzuwerfen. So schnell dürfte man das Clermont-Duo nicht mehr im Blau der XV de France sehen. Dafür ist nun der 22-jährige Antoine Dupont, einer der bisherigen Lichtblicke der Partner des Teenager-Spielmachers.

Warum nicht, könnte man da fast denken. Doch die erneute Nominierung von Innen Damien Penaud auf Außen lässt einen wieder grübeln. Noch gegen England hatte Penaud defensiv auf der Außen-Position überfordert gewirkt. De facto werden Bastareaud und Fickou nun das Innen-Pärchen bilden - das dritte im dritten Spiel.

Schottland wurde derweil, ähnlich wie es die französische Mannschaft so oft zuletzt war, Opfer der mächtigen französischen Liga. Verbinder Finn Russel musste am spielfreien Wochenende für seine Vereinsmannschaft Racing an den Start und verletzte sich dabei. Der Magier auf der Zehn wird nun von Peter Horne ersetzt und nicht etwa vom blutjungen Adam Hastings, der als hochtalentiert gilt.

Insgesamt dürfte Schottland-Coach Gregor Townsend sich für diese Bewegung etwas ausrechnen. Der gewiefte Coach und Ex-Innen der Bravehearts gilt, ganz anders als sein Gegenüber, als Coach der neuen Schule mit detailliertem Match-Plan. Auch er wird gesehen haben, wie die Engländer vor zwei Wochen Frankreich nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen haben.

TR-Prognose: Wie sich diese Franzosen fangen sollen ist schwer zu sagen. Trotz nachrückender Super-Talente wie Ntamack und Bemba fallen die Franzosen nur durch eines auf: Sie unterbieten die Erwartungen Mal für Mal. Daheim gegen Schottland muss die Wende her. Coach Brunel hat aus der Kick-Lektion der Engländer aber scheinbar wenig gelernt - immerhin steht nun mit Thomas Ramos ein gelernter Schluss auf Schluss. Doch ein auf diesem Niveau noch völlig unerfahrener. Er soll zusammen mit den anderen Youngstern die Kohlen aus dem Feuer holen. Schottlands Coach Townsend wird die Franzosen erneut testen wollen - ein typische Schottland-Spiel der letzten Jahren, mit Angriffen aus allen Lagen, ist eh nicht zu erwarten. Mit Stuart Hogg und Finn Russel fehlen die beiden Zauberer. Doch selbst biedere Schotten dürften momentan für ein heillos überfordertes Frankreich zu stark sein. Die Gäste gewinnen mit +9 Zählern.

Wales - England
Samstag 23. Februar 17:45, Millennium Stadium Cardiff (live auf DAZN)

Das Duell der einzigen beiden ungeschlagenen Mannschaften, der alten Rivalen, unter Flutlicht vor 74.000 Fans im wohl schönsten Rugby-Tempel des Globus. Was mehr bitte will man als ovaler Jünger? Ob es ein absoluter Klassiker wird, kann man erst Samstag Abend spät sagen, was aber garantiert ist: Es wird um jeden Zentimeter Rasen zwischen den steilen Rängen des Waliser Nationalstadions gekämpft werden.

Die wohl entscheidende Frage: Hat Wales ein Mittel gefunden, um Englands bisher tödliche Kick-Taktik zu entschärfen. Mit Leigh Halfpenny fehlt der wohl sicherste Waliser unter dem hohen Ball und zudem einen bombensichere Kick-Option vom Hütchen. Mit Liam Williams ist zwar gerade für die Offensive großartiger Ersatz vorhanden, doch England wird die Gastgeber sicher per Garryowen testen.

Die aber wohl größte Überraschung ist, dass sich Coach Gatland für Gareth Anscombe auf der Zehn entschieden hat. Der gebürtige Neuseeländer mit walisischen Wurzeln hatte in Paris eine Katastrophennacht verlebt und so schnell sollte der spielfreudigere aber defensivschwache Zehner nicht mehr für Wales auflaufen, so viel schien festzustehen. Doch Gatland will England scheinbar spielerisch attackieren und entschied sich deshalb gegen die vermeintlich sichere Bank Dan Biggar.

England wird an der gewinnbringenden Strategie festhalten und mit Owen Farrell weiter taktisch klug vorgehen und Wales in seiner Hälfte festnageln wollen. Mit Johnny May, der mit zwölf Versuchen in den letzten zwölf Spielen in absoluter Topform ist, hat England den gefährlichsten Finisher der Nordhemispähre in seinen Reihen. Er kann aus jeder Halbchance einen Versuch kreieren.

Dieser Versuch von Elliot Daly entschied das letzte Aufeinandertreffen an gleicher Stelle für England

Mit Manu Tuilagi und Billy Vunipola zwei brutal starke Ballträger, auch wenn mit Mako Vunipola ein wichtiger Baustein fehlt. Insgesamt dürfte die linke Prop-Position Englands größtes Sorgenkind sein. Denn mit Joe Marler hat der eigentliche Ersatz vor kurzem seine internationale Laufbahn beendet. Die äußerst unerfahrenen Ellis Genge und Ben Moon sollen nun in die Bresche springen für einen der wohl besten Props der Welt.

Jack Nowell rückt für den verletzten Chris Ashton auf Außen und auf der Bank wartet der Fidschi-stämmige Joe Coganasiga auf sein Debüt. Sonst hält England-Coach Jones an seinem erfolgreichen Team der letzten Wochen fest. Warum sollte er auch das winning team auswechseln?

TR-Prognose: Man mag von Eddie Jones, seinem Auftreten und seiner bisweilen eigenwilligen Taktik halten was man will. Der Australier ist wieder erfolgreich und will nun nach 2017 den zweiten Sieg in Cardiff seiner England-Trainerkarriere einfahren. Die Voraussetzungen könnten für England kaum besser sein - die Männer mit der Rose auf dem Revers fahren mit ganz breiter Brust nach Cardiff. Sollen die Waliser doch erst einmal eine Antwort auf das brutal effektive englische Spiel finden. Wenn jemand diese Engländer jedoch stoppen kann, dann sind es die Waliser. Mit dem lautstarken eigenen Anhang im Rücken haben schon einige Wales-Mannschaften den großen Nachbarn in die Knie gezwungen. Coach Gatland wird sich sicher seine Gedanken gemacht haben - ob sein Vabanque-Spiel mit Anscombe als Verbinder aufgeht, dürfte spannend zu sehen sein. Es wird ein Spiel auf Messers Schneide werden, an dessen Ende Wales mit dem Publikum im Rücken mit +2 gewinnt.


Italien - Irland
Sonntag 24. Februar 16:00, Stadio Olimpico Rom (live auf DAZN)

Es war einmal im März in Rom. Angefeuert von 74.000 Zuschauern im pickepackevollen Olimpico von Rom erarbeitete sich Italien den erst vierten Sieg seiner Geschichte gegen Irland. Die Azzurri ließen damit am letzten Spieltag der Six Nations 2013 die Boys in Green hinter sich und schlossen das Turnier als Vierter vor Frankreich und dem damaligen Gegner ab. Es ist gefühlt eine Ewigkeit her und seitdem kannte die Entwicklung beider Teams nur eine Richtung: Mit Italien ging es stetig bergab, während Irland sich bis an Platz zwei der Weltrangliste vorkämpfte.

Dass Italien am Samstag als Sieger vom Platz geht und den Triumph von 2013 wiederholt, scheint nahezu ausgeschlossen. Dennoch hat sich Irland-Trainer Joe Schmidt dagegen entschieden die Mannschaft zu sehr durcheinanderzuwirbeln und den gleichen Fehler zu begehen wie sein neuseeländischer Landsmann Warren Gatland vor zwei Wochen. Dessen walisisches Team musste gegen Italien lange zittern und konnte sich erst spät einen Arbeitssieg in einem zähen Spiel herausarbeiten.

Es ist eine Weile her, doch Irland musste 2013 zuletzt in Rom eine Pleite einstecken

Deshalb hat Schmidt die meisten Stars im Team belassen - zur Überraschung vieler Beobachter ist sogar Johnny Sexton weiter im Team. Der Verbinder und Weltspieler 2018 musste in Schottland wegen Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt werden, wird nun aber zusammen mit Conor Murray das Spielmacher-Duo bleiben. Die gesamte Dreiviertelreihe wird unverändert bleiben. Lediglich im Sturm hat Schmidt einigen Arbeitstieren eine Pause gegönnt.

Cian Healy, John Ryan, Devin Toner und Jack Conan werden geschont und durch Dave Kilcoyne, Ultan Dilane, Quinn Roux und Jordi Murphy ersetzt. Im Irland-Camp ist man der Meinung auch mit all diesen Wechseln noch dem einst gefürchteten Italien-Sturm überlegen zu sein. Irlands bekanntest Rezept, den Gegner mit Phase um Phase und Geduld weichzuklopfen beruht auf guten Sturmläufen und schnellen Rucks.

Bei den Italienern geht man mit dem Mut der Verzweiflung in diese Partie und zwar ohne den Talisman Sergio Parisse. Der Rekord-Spieler der Azzurri hatte sich vorige Woche für seinen Verein Stade Français verletzt - die französische Liga und ihre Eigner sind da gnadenlos und gönnen ihren Stars keine Pause. Sein Vertreter wird Leonardo Ghiraldini sein, der im Übrigen auch der einzige Überlebende vom Sieg aus dem Jahr 2013 ist.

Italiens Trainer Conor O’Shea, der einst selbst das Trikot der irischen Nationalmannschaft trug, kennt den kommenden Gegner wie kaum ein anderer. Ob sein Mantra - „wir müssen von der ersten bis zur letzten Minute mit ganz hoher Intensität spielen“ - gegen die Nummer zwei der Weltrangliste helfen wird, bleibt abzusehen.

TR-Prognose: Ohne die Italiener hier kleinreden zu wollen - am Sonntag können wir durchaus noch ein interessantes Spiel bei den Six Nations verfolgen, mit vielen spannenden Duellen auf dem Rasen. Aber welche Mannschaft am Ende als Sieger vom Rasen geht, steht leider so gut wie fest. Irland ist schlicht zwei Nummern zu gut für die Azzurri - die Gäste setzen sich mit +17 Zählern durch.

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