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Gehirnerschütterungen im Rugby und der richtige Umgang mit ihnen
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 14. Februar 2019

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Der Fall von Florian Fritz, der trotz Gehirnerschütterung weiterspielte, sorgte für Diskussionen in Frankreich.

Nicht erst mit der Diskussionen im American Football um schwer neurologisch geschädigte Ex-Profis ist das Thema Kopfverletzungen im Rugby ein wichtiges. Doch mit den Erkenntnissen um die Krankheit CTE im American Football ist der Fokus im Rugby noch mehr auf die Sicherheit auf dem Rasen gerückt - das Bewusstsein dafür ist mehr denn je da. Im Rahmen des DRV-Rugby-Forums erklärte der studierte Mediziner und Ex-Nationalmannschafts-Kapitän Colin Grzanna die Hintergründe und Gefahren, sowie den richtigen Umgang mit Kopfverletzungen. Damit auch in Rugby-Deutschland richtig mit dem Thema umgegangen wird.

Rugby ist als Kollisionssport nicht ohne Risiken. Ohne die Gefahren des ovalen Ballsports übertreiben zu wollen, muss man sich dieser bewusst sein. Der Umgang mit dem Thema hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt, Spieler, Trainer und Verantwortliche sind mehr und mehr sensibilisiert. Nicht umsonst fährt der Weltverband seit einer Weile eine absolute Null-Toleranz-Linie in Sachen zu hoher Tackles, nachdem zuletzt mit Pat Lambie ein weiterer prominenter Rugby-Spieler wegen wiederholter Gehirnerschütterungen seine Karriere vorzeitig beendete. Einen Zustand wie in den USA mit American Football, wo hunderte Ex-Profis mit CTE diagnostiziert wurde, will man im Rugby tunlichst vermeiden.

Die Krankheit CTE (Chronisch-traumatische Enzephalopathie), mit der viele Ex-Profi-Sportler in den USA nach dem Tod diagnostiziert wurden, ruft von Konzentrationsschwächen bis hin zu schwerer Demenz sehr viele Symptome hervor - je nach Grad der Erkrankung. Fälle von CTE wurden aber auch bei zahlreichen Boxern, Wrestlern, Eishockey-Spielern und gar Fußballern diagnostiziert. Bisher gibt es einen nachweisbaren Fall von CTE im Rugby in Australien.

Laut Grzannas Recherche gibt es deutschlandweit im Jahr etwa eine Viertelmillion Gehirnerschütterungen, jedoch liege die Dunkelziffer vermutlich höher, wie der Berliner Mediziner auf dem DRV-Forum erklärte. Im Rugby-Kontext ist der Tackler am gefährdetsten - 1,94 von 1000 Tackles führen laut aktueller Datenlage zu einer Kopfverletzung. Der weitaus größte Teil dieser Verletzungen heilt aber ohne jegliche langfristigen Auswirkungen.

 

Grzanna mit seinen Erläuterung zum Thema Gehirnerschütterungen im Rugby

Was ist für Trainer, Betreuer und Mitspieler wichtig?

Das Prinzip Recognise and Remove, also zu deutsch erkennen und entfernen des Weltverbands, soll die Leitlinie im Umgang mit Gehirnerschütterungen sein. Die Symptome umfassen Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen sowie weitere kognitive Probleme - seien es Erinnerungsstörungen und starke Müdigkeit. All diese Symptome können auch zeitversetzt auftreten, weswegen eine genaue Beobachtung eines Spielers mit potenzieller Kopfverletzung wichtig ist.

Ein Bewusstseinsverlust ist ein eindeutiges Symptom, aber passiert nicht bei allen Fällen von Gehirnerschütterung. Wenn sich Symptome verschlimmern, sollte sich beispielsweise der Bewusstseinszustand verschlechtern, gilt es in jedem Fall den Notarzt zu rufen und den betroffenen Spieler ins Krankenhaus zu bringen.

Beim Verdacht einer Gehirnerschütterung gilt in erster Linie Ruhe als richtig Behandlung - Alkohol sowie Autofahren sollten in jedem Fall vermieden werden. Weiterhin sollte eine Spielpause eingelegt werden - wie lang genau regelt das „return to play protocoll“. Nach diesem darf erst bei kompletter Beschwerdefreiheit mit leichtem Training begonnen werden. Weitere fünf Stufen steigern die Belastung, bis ein Spieler schließlich wieder fähig ist im Wettkampf anzutreten. Diese Schritte gilt es einzuhalten - denn besonders wiederholte Gehirnerschütterungen gelten als großer Gefahrenherd für Folgeschäden bis hin zum Tod.

Keine Panik - Rugby ist weiterhin ein sicherer Sport und die Vorteile überwiegen die Risiken bei weitem

Gleichzeitig warnte Grzanna, der beim DRV als Head of Physical Performance sowohl für die medizinische, als auch für die athletische Betreuung der Nationalspieler zuständig ist, vor Panikmache. Gerade die Todesfälle in Frankreich seien zu sehr aufgebauscht worden - Rugby bleibe ein sicherer Sport. Wie wir auch schon bei TR hervorgehoben hatten - statistisch gesehen sind andere Sportarten wie Skifahren und Reiten weitaus gefährlicher. Der richtige Umgang mit Kopfverletzungen wird Rugby als Sport künftig noch sicherer machen.

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