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Nach neuer Statistik zu Gehirnerschütterungen: Forderung nach härteren Sanktionen
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Mittwoch, 9. Januar 2019

Wales-Schluss Halfpenny sitzt benommen am Boden.
Leigh Halfpenny ist das letzte prominente Opfer von Gehirnerschütterungen.

Gehirnerschütterungen im Rugby bleiben weiter ein Problem. Auch wenn das Problem mittlerweile in den Fokus der Anstrengungen Rugby sicher zu machen gerückt ist, zeigt eine Studie des englischen Verbands RFU: Es gibt noch viel zu tun. Nun wird die Forderung laut die Sanktionen für zu hohe Tackles zu verschärfen. Eine niedrigere Tackle-Höhe und weniger Spiele gelten ebenso als vielversprechende Ansätze.

Leigh Halfpenny ist einer der größten Stars im europäischen Rugby. Der mittlerweile 30-jährige Scarlets-Schluss gilt als bester Kicker der Welt und ist seit Jahren Leistungsträger seiner walisischen Auswahl. Doch seit November ist Halfpenny weder für seine Scarlets, noch für Wales aufgelaufen - der Grund: Eine Gehirnerschütterung, die er sich im Spiel gegen Australien zugezogen hatte und seitdem nur langsam nachlassende Symptome. Früher hätte man den Schlüsselspieler zu einer schnelleren Rückkehr gedrängt, doch diese Zeiten sind zum Glück passé.

Es war erst Halfpennys vierte Gehirnerschütterung in mehr als zehn Jahren Profi-Rugby. Aber dennoch liegt der nur 1,78 m große Wirbelwind damit, so zynisch es klingen mag, im Trend. Seit 2002 werden in England von der RFU wissenschaftlich fundiert Daten über alle Verletzungen im Rugby erhoben und veröffentlicht. Als einziger Verband veröffentlicht der englische dadurch einen detaillierten jährlichen Bericht zum Thema Verletzungen im Profi-Rugby.

Gehirnerschütterung bleibt im dritten Jahr die häufigste Verletzung

Die Gehirnerschütterung ist noch vor Oberschenkel-Muskelverletzungen ganz vorne. Im dritten Jahr in Folge, sicherlich auch wegen des zunehmenden Augenmerks, ist die Gehirnerschütterung die meistdiagnostizierte Verletzung: 18% aller von Ballträgern zugezogenen sowie 37% von Tacklern erlittene Verletzungen im englischen Top-Rugby sind Gehirnerschütterungen. Durchschnittlich mussten die betroffene Spieler 16 Tage aussetzen. Die Zahl der Gehirnerschütterungen ist in der vergangenen Saison insgesamt leicht auf eine in jedem achten Spiel zurückgegangen.

22 Spieler erlitten im Verlauf der letzten Saison zwei Gehirnerschütterungen und nachdem Studien im American Football und Boxen gerade die Gefährlichkeit wiederholter Gehirnerschütterungen unterstrichen haben, mussten diese Spieler zum länger aussetzen. Bei sechs Spielern waren es gar mehr als drei Monate bis zu ihrer Rückkehr. Halfpenny, der als Pro-14-Spieler nicht in der nächstjährigen Statistik auftauchen wird, gehört in eben jene Kategorie.

Forderung nach Konsequenzen

Nun fordern der englische Verband RFU, sowie die Spieler-Vereinigung RUPA und die Liga Premiership Rugby gemeinsam härtere Sanktionen für zu hohe Tackles, um die Zahl der Gehirnerschütterungen signifikant zu senken. Zur Zeit, so ein gemeinsames Statement, sei die Schwelle zur Sanktion mit einer Karte zu hoch. Schiedsrichter sollten schneller gelbe oder rote Karten zücken.

Noch gibt es seitens World Rugby keine Reaktion. Nachdem aber in den letzten Jahren das Thema zu hohe Tackles auch beim Weltverband immer mehr ins Zentrum der Anstrengungen, den Rugby-Sport sicherer zu machen, gerückt sind, ist hier sicher eine Reaktion zu erwarten. Dabei dürfte auch der World-Rugby-Vorstoß, die Tackle-Höhe auf das Level der Brustwarzen zu senken, Auftrieb bekommen.

Testweise hatte World Rugby diese Neuerung bei der U-20 WM eingeführt und der englische Verband hatte nachgezogen und diese Novelle in der zweitklassigen Championship eingeführt. Ein anderer Ansatz könnte die Reduzierung der Spiele sein. Die beim irischen Verband unter Vertrag stehenden Spieler beispielsweise müssen deutlich weniger Spiele absolvieren, als ihre englischen und französischen Kollegen. Dafür fehlen die irischen Top-Stars des öfteren in Vereinsfarben.

Weniger Spiele als Lösung?

Doch damit es wirklich deutlich weniger Spiele gibt, müsste eine Partei auf einen Teil des mittlerweile lukrativen Kuchens professionelles Rugby verzichten. Die englische Liga gilt da als wenig kooperativ und so wurde in England die Idee lanciert den Heineken Champions Cup von 20 auf 16 Teams zu reduzieren. Zwei Runden weniger in der Gruppenphase und dafür ein Rückspiel im Halbfinale lautet der englische Vorschlag.

Da das aktuelle Vertragswerk mit der Teilnahme der Teams aus den Six-Nations-Ländern 2022 ausläuft, werden demnächst Gespräche um die Fortführung des äußerst beliebten Wettbewerbs gehalten. Ob sich die englische Sichtweise durchsetzt wird man sehen. Leigh Halfpenny wird bis dahin hoffentlich noch immer mit seinen präzisen Kicks und tollen Runs die Stadien im europäischen Spitzen-Rugby begeistern.

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