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TR-Gegneranalyse Kanada: Wenig Schwachstellen und Superstars van der Merwe / Ardron
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Mittwoch, 14. November 2018

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Der DRV-XV-Sturm könnte am Samstag mit seiner Fitness den Unterschied machen. Foto (c) Kessler

Deutschlands nächster und wohl entscheidender Gegner im Vierer-Repechage-Turnier um die WM-Quali, Kanada, wird für unsere schwarzen Adler eine verdammt harte Nuss. Die Canucks galten schon im Turniervorfeld, trotz ihrer Formschwäche in den letzen beiden Jahren, als der haushohe Repechage-Favorit. Wir haben die Mannschaft, die zwischen unseren Jungs und der ersten WM-Teilnahme überhaupt steht, genauer unter die Lupe genommen. Insbesondere das Spiel gegen Kenia lässt einige Rückschlüsse über Stärken und Schwächen zu.

Für kanadische Verhältnisse ist es schon eine herbe Enttäuschung überhaupt den Umweg Repechage in Richtung Weltmeisterschaft 2019 in Japan nehmen zu müssen. Die vom Waliser Kingsley Jones trainierte Mannschaft hatte sowohl gegen die USA, als auch gegen Uruguay im bisherigen Qualifikations-Verlauf den Kürzeren gezogen.

Bisher hatte Kanada an jeder WM teilgenommen und dabei gar zwei Mal das Viertelfinale erreicht. In den 90er und 2000er-Jahren galt Kanada als absoluter Favoriten-Schreck - die Canucks konnten unter anderem in Cardiff gegen Wales, in Florenz gegen Italien, in Buenos Aires gegen Argentinien, sowie daheim gegen Frankreich und Schottland gewinnen. Kanada war drauf und dran den Sprung in die Top Ten des Welt-Rugby zu schaffen.

 

Tyler Ardron geht für die Chiefs in Neuseeland und Kanada im Sturm voran

Doch in den letzten Jahren hat Kanada den Anschluss an die Weltspitze verloren und ist in der Weltrangliste von Platz elf im Jahr 2011 kontinuierlich bis auf Rang 24 im Jahr 2017 gefallen - der Sieg gegen Kenia brachte die Canucks immerhin wieder auf Platz 21 des Rankings, genau der Platz, den die Auswahl von Hongkong vor dem Repechage-Beginn belegte. Der Sieg gegen die Kenianer war mit 65:19 zum Marseille-Auftakt auch standesgemäß.  

Der aktuelle Kanada-Kader ist auf dem Papier, im Vergleich mit den anderen drei Repechage-Teams, sicherlich der beste. Dritte-Reihe-Stürmer Tyler Ardron und Außen DTH van der Merwe würden sicherlich in den meisten Top-Nationalteams des Welt-Rugbys ihren Platz finden. Bei ihren Vereinen, den neuseeländischen Chiefs bzw. den Glasgow Warriors, sind sie absolute Stars.

Im Auftaktspiel gegen Kenia zählten beide auch zu den Leistungsträgern der Canucks. Van der Merwe erzielte die Karriere-Versuche 33, 34 und 35 im Kanada-Trikot - es war der erste Hattrick im Ahornblatt-Trikot für den in Südafrika geborenen, aber als Teenager nach Kanada gezogenen Außen, überhaupt. Immer wenn Verbinder McRorie den Ball schnell Richtung Außenlinie beförderte, schrillten bei Kenia die Alarmglocken. Über den gesamten Spielverlauf brachten die Simbas den Glasgow-Spieler nicht unter Kontrolle.

DTH van der Merwe war schon bei der WM 2015 Kanadas bester Spieler

Angetrieben wurde das Spiel der Kanadier wie gewohnt von Phil Mack. Der erfahrene Veteran auf der Gedrängehalb-Position ist seit über zehn Jahren für Kanadas Fünfzehner- und Siebener-Auswahl im Einsatz und zeigte auch gegen Kenia seine Stärken. Ein ultrapräzises Passspiel, schnelle Wechsel auf die kurze Seite und blitzschnelle Läufe mit dem Ball in der Hand zeichnen den mittlerweile 33-jährigen aus. DRV-XV-Gedrängehalb Sean Armstrong dürfte alle Hände voll zu tun haben, Mack unter Kontrolle zu bekommen.

Achter Ardron, der jahrelang an der Seite des British & Irish Lions Kapitäns Alun Wyn-Jones bei den Ospreys stürmte, machte für Kanada gegen Kenia offensiv wertvolle Meter mit dem Ball in der Hand und war defensiv ein wichtiger Pfeiler. Zusammen mit den Zweite-Reihe-Stürmern Evan Olmstead und Josh Larsen, die beide als Profis im neuseeländischen Mitre-10-Cup unterwegs sind, steht Ardron für die dynamischen Sturm-Ballträger der Canucks.

Doch das Spiel der Kanadier gegen Kenia hat auch die Schwächen des Favoriten aufgezeigt. Kenia war bis kurz nach der Halbzeit, beim Stand von 19-27 am großen Favoriten dran, brach aber schlussendlich ein. Gerade mit kurzen kraftvollen Runs über den Sturm haben die Afrikaner jedoch immer wieder wertvolle Meter machen können. Auch per Paket ging es für die Kenianer mehrmals vielversprechend voran. Dass es am Ende für Kenia nicht für mehr gereicht hat, liegt zum einen an der zum Teil haarsträubenden Defensiv-Leistung, als auch an der sicherlich mangelnden Fitness der Simbas.

Kanadas Achter Tyler Ardron erwartet von der deutschen Mannschaft viel Power im Sturm und starke Standards

Auch wenn Kanada in diesem Duell das bessere Team war, könnte unsere DRV XV am Samstag in der Schlussphase eventuell konditionell wieder überlegen sein. Der Canucks-Hakler aus dem Auftaktspiel, Ray Barkwill, ist mit 38 Jahren im absoluten Spätherbst seiner Karriere. Auch Prop Hubert Buydens, der in sechs Wochen seinen 37. Geburtstag feiert, ist nicht mehr taufrisch. Zwar bringen beide viel Erfahrung in den Canucks-Kader, dürften aber  im Gedränge und offenen Spiel von Julius Nostadt, Kurt Haupt und Samy Füchsel mit fortlaufendem Spiel vor größere Probleme gestellt werden.

Weiterhin rückt Kanada in der Defensive immer wieder schnell auf, was den Spielaufbau des Gegners unterbinden soll. Doch bereits gegen Kenia wurden die Nordamerikaner von Referee Wayne Barnes mehrmals wegen Abseits zurückgepfiffen. Dazu gelang es Kenia wiederholt die schnell heraussprintenden Kanadier mit taktischen Kicks - entweder über die aufrückende Defensive hinüber, oder per Bodenroller, unter Druck zu setzen. Raynor Parkinson, der selbst mit einem präzisen Kick gesegnet ist, dürfte dies nicht entgangen sein.

Auch am Samstag werden die Kanadier sicherlich als Favorit in das Spiel gegen unsere Jungs gehen. Tatsächlich haben die Nordamerikaner einige Waffen im Reportoire, doch gleichwohl sind sie auch verwundbar. Nicht umsonst mussten sie sich im Sommer daheim 20:43 gegen Russland und 17:42 gegen die USA geschlagen geben. Über die 80 Minuten im Stade Delort von Marseille werden unsere schwarzen Adler ihre Chancen bekommen.



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