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TR-Review: Spektakulärer Spieltag im Oberhaus - RGH, 78 und Grizzlies gewinnen Derby-Krimis
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Sonntag, 21. Oktober 2018

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Es war ein emotionaler Derbysieg für die RGH gegen den direkten Nachbarn HRK. Foto (c) Kessler

Perfektes Oktoberwetter und der wohl spannendste Spieltag der Rugby-Bundesliga seit langem. Fans des ovalen Leders kamen an diesem Wochenende auf ihre Kosten. Nur der Anhang des FC St. Pauli und Neckarsulm ist nicht dermaßen zum Feiern zumute, nachdem beide Klubs frühe Führungen nicht über die gesamte Distanz bringen konnten.

Süd/West

RG Heidelberg 41 - 35 Heidelberger RK

Was für ein Rugby-Krimi im Harbigwegderby - nach einem absoluten Fehlstart und einer frühen Klub-Führung mit 21:0 kämpfte sich die RG Heidelberg zurück in die Partie und sicherte sich nach 80 Minuten den so wichtigen Derbysieg. Für RGH-Teammanager Ralf Schindler ein „unglaubliches Spiel“ und auch die Zuschauer im Rugby-Wohnzimmer bekamen für ihren Eintritt ein wahres Spektakel geboten.

Dabei erwischte der Klub nicht nur den besseren Start, der amtierende Meister dominierte beim Rematch des Meisterschaftsfinales der Vorsaison in den ersten Minuten nach Belieben. Der Klub-Sturm war hochüberlegen, besonders im angesetzten Gedränge. Schon nach zwei Minuten hatte sich Erste-Reihe-Koloss Arthur Zeiler über die Mallinie der Orangenen gewuchtet. Nur wenige Zeigerumdrehungen später dann der zweite Schlag: Nach einem Durchbruch von Gedrängehalb Sean Armstrong konnte die Unterstützung laufende kurze Ecke Wymer zum zweiten Versuch bedienen.

Als der Klub dann nach einer Viertelstunde nach mehreren von der RGH kollabierten Gedrängen einen Strafversuch zugesprochen bekam, roch es nach einer Demontage der Gastgeber. Doch diese hatten den Warnschuss vernommen und waren plötzlich in der Partie. Es sollte aber gut zwanzig Minuten dauern, bis Schluss Basti Himmer die ersten Punkte mit einem schnellen Sprint die Außenlinie entlang einfuhr. Noch vor der Pause konnte sich eben jener Basti Himmer per Handabwehr durch die Klub-Defensivlinie stehlen und den 15:21 Anschluss herstellen.

Kurz vor und nach der Pause verschwendeten die Gastgeber dann noch zwei dicke Chancen kurz vor der Klub-Linie. Erst nach gut einer Stunde kam die RGH dann zur erstmaligen Führung - einen Strafkick setzte Verbinder Fabian Heimpel tief in die HRK-Hälfte, wo sich der Sturm millimeterweise der Linie näherte, bis Johannes Schreieck schließlich über diese kam und ablegen konnte. In den folgenden Minuten ging es ganz schnell, erst kratzte Himmer schnell an und bediente Siebener-Kollege Plümpe zum 29:21, bevor Verbinder Heimpel selbst über die Linie kam.

Nach diesen drei Versuchen in acht Minuten schien die Partie gelaufen, aber der HRK kam spät noch einmal auf. Wieder war es über den Sturm - Timo Vollenkemper war von den Orangehemden nicht zu stoppen und erzielte den Versuch zum Offensiv-Bonus - 36:28 hieß es auf der Anzeigetafel, doch nur für wenige Minuten, da die RGH die passende Antwort parat hatte. Wie schon bei den Hongkong Sevens mehrfach erfolgreich exerziert, kickte Fabian Heimpel quer über die gesamte gegnerische Abwehrlinie, wo Marvin Dieckmann der dankbare Abnehmer war und punktete.

Doch damit war immer noch nicht Schluss und als Jörn Schröder den Klub beim Stand von 41:35 wieder auf Schlagdistanz brachte, sich Marvin Dieckmann eine unnötige Gelbe für ein gefährliches Tackle abholte, sollte es noch Mal verdammt eng werden, denn nach der erfolgreichen Erhöhung vom perfekt kickenden Klub-Kapitän Liebig war noch die letzte Aktion zu spielen. Der HRK kämpfte sich noch einmal in die 22 der Orange Hearts, ließ sich das Leder aber abluchsen und musste sich deshalb mit zwei Bonuspunkten zufrieden geben.

RGH Coach Jeff Tigere sah mit dem Spiel den Erweis erbracht: „Wir können gutes Rugby spielen, müssen aber lernen 80 Minuten lang so zu spielen, mit hoher Intensität.“ Weiterhin kritisierte der Orange Hearts Coach, dass man am Ende mit der Zehn-Punkte-Führung im Rücken abgeschaltet habe und dafür fast noch bestraft worden sei. Dennoch ist man unter dem Strich natürlich hochzufrieden mit den fünf Punkten. In zwei Wochen gegen Heusenstamm wollen die Heidelberger dann nachlegen, während der Klub erst in der Woche darauf ins Geschehen eingreift, ebenso gegen die Füchse.

TSV Handschuhsheim 31 - 20 Neckarsulmer SU

Unter dem Strich steht für die Handschuhsheimer der erhoffte Bonuspunktsieg, doch dieser war deutlich knapper, als man das im Voraus hätte erwarten können. Handschuhsheim hatte gegen das bisher punktlose Schlusslicht Neckarsulm, wie Coach Gordon Hanlon gegenüber TR erklärte, zehn Spieler geschont. Weiterhin erklärte der Ire: „Das Resultat spiegelt das Spiel nicht wider - wir hatten sehr viele Möglichkeiten an deren Linie, Durchbrüche, die wir nicht vollenden konnten, insgesamt zu viele ungenutzte Chancen.

Zuvor war Neckarsulm lange gut in der Partie. Die frühe Löwen-Führung durch Pietro Contin, der als Nationalmannschaftsarzt weitaus vorsichtiger zu Werke geht, als im Löwen Dress in der zweiten Sturmreihe, konnte Neckarsulm durch Innendreiviertel Murphy ausgleichen. Per Straftritt zog Neckarsulm auf 10:5 davon, kassierte dann aber vom TSV-Sturm den Ausgleich. Prop Paul Schüle, der neben seinen ovalen Abenteuern auch noch hochklassig als Ringer unterwegs ist, nutzte seine Nahkampfqualitäten und kam über die Gäste-Mallinie.

Bis zur Pause sollte es noch einmal Versuche auf beiden Seiten geben - erst war es Neckarsulms englischer Siebener-Spezialist Oneyhasi, der per Step gleich mehrere Löwen zahnlos aussehen ließ, bevor diese wiederum per Strafversuch dank des Löwen-Sturms auf 19:17 erhöhen konnten. Als dann Atu Katoa, den die Löwen im Sommer vom Zweitligisten Heidelberger TV weggelockt hatten, per Solo auf 26:17 erhöhte, war zumindest der angestrebte Offensiv-Bonus in der Tasche.

Mitte des zweiten Durchgangs rettete der Neuseeländer Katoa dann per abgefangenem Pass einen fast schon sicheren NSU-Versuch. Als die Gäste in der Schlussphase mit einem Straftritt von Cox in Schlagdistanz kamen, sah man unter den gut 300 Zuschauern im Lions Park viele besorgte Mienen. Doch die Löwen retteten nicht nur das Ergebnis, sondern konnten auch quasi mit dem Abpfiff noch Versuch Nummer fünf mit ihrem Sturm legen - für den TSV schlussendlich bedeutungslos, aber Neckarsulm nimmt so nicht einmal einen Bonus für eine couragierte Leistung mit. Für die Löwen geht es nun in zwei Wochen beim Topspiel gegen Tabellenführer Frankfurt weiter, während Neckarsulm daheim Pforzheim empfängt.

RK Heusenstamm 15 - 47 SC Frankfurt 1880

Bittere Niederlage nach tollem Beginn - Heusenstamm hatte zur Pause noch geführt, nur um dann nach der Pause einzubrechen und eine hohe Derbypleite zu kassieren. Die Anfangsphase war noch genau nach dem Geschmack des Heimanhangs am Martinsee. Der Füchse-Sturm überrannte die favorisierten Frankfurter förmlich. Benny Krimer und Nikki Rainger legten zum 12:0 nach einer Viertelstunde ab. Fast hätten die Füchse den dritten Versuch nachgelegt, doch ein vielversprechender Angriff endete nur wenige Meter vor der Linie mit einem Vorwurf.

Stattdessen kam 80 mit einem Doppelpack seines amerikanischen Eckdreiviertels zurück ins Spiel - erst durch eine überworfen Füchse-Gasse, die Chris Holmes dankbar aufnahm und verwertete und dann war es Frankfurts Verbinder Deichmann, der einen Cross-Kick punktgenau auf den Gäste-Außen Chris Holmes platzierte, der diesen spektakulär im Sprung aufnahm und ablegte. Plötzlich war der Gast im Spiel und machte Druck. Bis zur Pause sollte Heusenstamm aber noch in Front bleiben und die Führung per Straftritt sogar noch ausbauen.

Die Hereinnahme der Nationalspieler Samy Füchsel und Michael Poppmeier brachte dann die Wende. Letzterer konnte auch nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung Frankfurts erstmalige Führung herstellen. Die Gäste dominierten nun im Gedränge, holten Straftritte heraus und waren insgesamt dominant. Nachdem sich Rot-Schwarz im Malfeld gleich zwei Mal in Folge hochhalten ließ, war es ein Strafversuch der den Offensiv-Bonus und die klare Führung brachte. Drei weitere späte Frankfurt-Versuche schraubten das Ergebnis in - aus Heusenstammer Sicht - unangenehme Höhe.

Mikey Ferraris aus dem Heusenstammer Trainerteam analysierte nach Abpfiff: „Sie haben uns im zweiten Durchgang im Gedränge überwältigt und danach war es Einbahnstraßen-Rugby. Wir müssen stärker werden und es schaffen über 80 Minuten mit der Intensität der Auftaktphase zu spielen.“ Dennoch zeigte sich der ehemalige Spieler des BRC zufrieden mit der Mannschaftsleistung: „Ich bin stolz auf die Jungs, sie haben bewiesen zeitweise mit dem Tabellenführer mithalten zu können. Am Saisonende wollen wir Vierter werden!“ Hilfreich dürfte dabei sein, dass Leon und Zinzan Hees bald wieder verfügbar sein sollten.

 

Spitzengruppe Bundesliga Süd

Team Spiele Punkte Differenz
1. Frankfurt 1880 6
30 +213
2. RG Heidelberg 5
22 +122
3. TSV Handschuhsheim 4
20 +130
4. Heidelberger RK 6
16 +62


SG TV CfR Pforzheim 34 - 24 RC Luxembourg

Eminent wichtiger Sieg für die Rhinos, die erstmals in dieser Saison siegreich vom Platz zogen und damit an Luxemburg vorbei auf Rang sechs ziehen. Pforzheims Sturm hatte früh die Oberhand am heimischen Rattachweg und so legten Jerome Himmer und zwei Mal Jordan Logo früh für Pforzheim ab. Insgesamt zeigte sich der Gastgeber-Sturm stark verbessert im Vergleich zu den bisherigen Saisonleistungen. Bis zur Pause sollte es beim 17:0 bleiben, erst in Durchgang zwei wurde die Partie deutlich spannender. 

Luxemburg legte nach der Pause drei Versuche, auf die der Gastgeber jeweils die passende Antwort durch Ryan Buchanan, Frank Uini und Carlos Soteras-Merz hatten und dadurch immer genug Puffer zwischen sich und die Gäste aus dem Großherzogtum brachten. Siebener-Star Soteras Merz zog sich spät im Spiel eine Verletzung am Knie zu, die genaue Diagnose steht allerdings noch aus.

In der Schlussphase dann holte sich Luxemburg erst eine rote Karte wegen eines augenscheinlich unprovozierten Faustschlags ein, konnte aber dennoch den so wichtigen vierten Versuch zum Offensiv-Bonus einfahren, durch den beide Teams in der Tabelle nun punktgleich sind. Das ist der größte Wermutstropfen aus Pforzheim-Sicht, zumal Trainer Willis betont, dass sich der direkte Konkurrent Neckarsulm noch einmal „enorm verstärkt“ habe und damit ein noch härterer Konkurrent im Abstiegskampf sei.


Nord/Ost

SC Germania List 20 -24 Hannover 78

Ein packendes Hannover-Derby mit zwei gänzlich unterschiedlichen Hälften und einem am Ende sicher auch etwas glücklichen Sieger. Tabellenführer Hannover 78 war in der ersten Halbzeit, trotz einer überraschenden Unterlegenheit im Sturm, das bessere Team. Die 78er machten das Spiel immer wieder schnell und kombinierten sich gerade über die Hintermannschaft ein ums andere Mal durch. Ein früher Doppelschlag durch die Siebener-Asse Szczesny und Saul, der erstmals seit seinem Wechsel an der Schneckenburgstraße zu Gast war, brachte 78 früh in Front.

Germania hatte dann die Antwort über den eigenen Sturm parat und verkürzte durch Kapitän Stefan Mau aus kurzer Distanz auf 7:14 - jedoch konnte 78 noch vor der Pause nachlegen, erst mit einem Straftritt und dann mit dem wohl schönsten eigenen Versuch: Aus der eigenen Hälfte kombinierte sich der Gast mit mehreren Pässen durch und am Ende war Siebener-Nationalspieler Phil Szczesny für die Germanen zu schnell und konnte ablegen. Zur Pause führte der Nordmeister der Vorsaison komfortabel mit 24:7.


Nach der Pause dann Germania mit noch mehr Ballbesitz und 78 mit verbissener Verteidigung. Die Gastgeber spielten nun mit dem Messer zwischen den Zähnen und rannten an. Drei Undiszipliniertheiten brachten der Germania Straftritte ein, von denen Daniel Koch zwei zu verwerten wusste. Als dann Henrik Meyer die entscheidende Lücke fand und seine SCG mit noch 20 Minuten auf der Uhr auf 20:24 heranbrachte, war richtig Feuer im Derby.

Das Zittern des 78-Anhangs wurde dann in den Schlussminute nahezu unerträglich, als Benjamin Simm vorzeitig duschen musste, da er das schnelle Anspielen eines Germania-Straftritts verhindert hatte. Doch die Germanen konnten kein Kapital daraus schlagen - Hannover 78 verteidigte auch die letzte Phase der Gastgeber bravourös.

78-Coach Benjamin Krause zeigte sich nach dem Abpfiff mehr erleichtert, als euphorisch: „Wir haben gewonnen, das ist was in erster Linie zählt. Wir waren im Gedränge klar unterlegen und haben das mit unserer schnellen Hintermannschaft kompensiert. In der zweiten Halbzeit haben wir aufgehört Rugby zu spielen, keine Punkte mehr gemacht - umso glücklicher bin ich, dass wir das Spiel gewonnen haben.“ 78-Defensiv-Trainer Rafael Pyrasch ergänzte: „Germania hatte ungefähr 70% Ballbesitz und war über das Spiel die bessere Mannschaft. Wir haben über die bessere Chancenverwertung und unsere bärenstarke Defensive gewonnen.“

RC Berlin Grizzlies 35 - 32 Berliner RC

Die wohl größter Überraschung des Spieltags besorgten die Berlin Grizzlies, die den Lokalkonkurrenten BRC völlig überraschend schlagen konnten. Nur eine Woche zuvor waren die Männer von Coach Ian Fowler in Leipzig unter die Räder geraten und nun der Sieg gegen das Top-Team.

In einer stürmischen Auftaktphase ging es an der Berliner Willi-Sänger-Anlage hin und her. Auf zwei Grizzlies-Versuche durch schnelles Reihespiel hatte der BRC jeweils postwendend die Antwort parat. Zwei späte Straftritte besorgten den Gastgebern die 18:12 Führung.

In Durchgang zwei startete zunächst der BRC zunächst deutlich stärker und zog erst auf 26:18 und dann auf 32:28 davon. Erst mit der allerletzten Aktion konnten die Gastgeber unter dem Jubel der gut 300 Zuschauer den siegbringenden letzten Versuch legen. Beim BRC wollte man der eigenen Mannschaft aber keine Vorwürfe machen, im Gegenteil man sei stolz auf die Jungs, die einer „gestandenen Männermannschaft“ Kopfzerbrechen bereitet habe.

Grizzlies-Coach Fowler resümierte gegenüber TR: „Nach dem Leipzig-Spiel dürften viele überrascht sein, aber wir wussten, dass wir eine solche Leistung in uns hatten. Nach unserer sehr kurzen Vorbereitung sind wir immer noch in einer Findungsphase. Wir haben aber alles gegeben, es war eine starke Leistung meiner Jungs. Der BRC war ein guter Gegner und wir können viel Positives aus diesem Spiel ziehen. Gegen Germania und 78 wird es nicht einfacher, aber wir werden weiter hart an unserem Spiel arbeiten.“

Spitzengruppe Bundesliga Nord

Team Spiele Punkte Differenz
1. Hannover 78
6
25 +174
2. 3. Berliner RC
6
22 +79
3. SC Germania List 6
21 +37
4. RK 03 Berlin
6
19 - 54

 

Hamburger RC 18 - 50 RC Leipzig

Der Höhenflug nach dem emotionalen Derbysieg weilte für den Hamburger RC nur eine Woche. Daheim gegen den RC Leipzig gerieten die Hanseaten geradezu unter die Räder und sind damit auf dem bitteren Boden der Tatsachen angelangt. Denn auf dem Relegationsplatz haben die Hanseaten zwar noch immer drei Zähler Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz und Erzrivalen Pauli, aber gleichzeitig aber gleichzeitig auch zehn Zähler Rückstand auf das rettende Ufer.

Es hatte keine Viertelstunde gedauert, da hatte der RCL in Hamburg schon den Bonuspunkt sicher. Es schien, als würden die Gäste den HRC mit ihrer Intensität überrumpeln, der HRC fand gar nicht richtig ins Spiel. Kurz vor der Pause war er drauf und dran endlich selbst auf die Anzeigetafel der Rugby-Arena zu kommen, verlor den Ball nach mehreren Scrums auf der Leipziger Fünf allerdings unnötigerweise.

 

Glückliche Sachsen nach 80 Minuten harter Arbeit in Hamburg

Stattdessen kam Leipzig in Durchgang zwei erneut besser aus der Pause und ließ einen HRC-Konter zum 80-Meter-Bumerang und dem 33:3 werden. Es sollte noch ein weitere RCL-Versuch fallen, bis der HRC selbst erstmals den Weg hinter die Leipziger Linie finden würde. Es war, wie hätte man es auch anders erwarten können, der Sturm der Hanseaten, der die harten Meter machte.

Der RCL war hier aber immer am längeren Hebel und legte selbst nach. Erst in der absoluten Schlussphase schaltete der sächsische Gast einen Gang zurück und bei Hamburg keimte nach Versuchen von Dreessen und Pfeffer die Hoffnung auf einen Offensiv-Bonus auf. Diese sollte sich aber ebensoschnell wieder zerschlagen. Es war ein gebrauchter Tag für die Hamburger, die in zwei Wochen beim BRC antreten müssen, während Leipzig den RK 03 empfängt.

RK 03 Berlin 27 - 23 FC St. Pauli

Man muss den Männern des FC St. Pauli Respekt zollen - was für ein Kampf über 80 Minuten an der Berliner Buschallee  und am Ende gingen sie fast mit leeren Händen von der Spree zurück an die Alster. Dabei führte Pauli bis zur absoluten Schlussphase und kassierte quasi mit dem Abpfiff den Stich ins Herz.

Pauli war früh durch einen Straftritt in Front gegangen, musste dann aber ebenso schnell den ersten RK-03-Schlag verdauen. Der früh für Achter Max Schilling gekommene Konstantin Müller-Rettstatt tankte sich nach etlichen RK-Sturmphasen durch. Im Gegenzug konterte Pauli aber - Gäste-Gedrängehalb Putzke sagte danke, als Berlin das Offene nicht richtig verteidigte und so hechtete der Rotschopf über die Linie.

Was folgte galt im Rugby-Norden bis zuletzt als unerhört galt. Der RK 03 wurde im Gedränge dominiert und zwar mehrfach vor der eigenen Linie, bis Schiedsrichter Jahn sich gezwungen sah einen Strafversuch zu geben. Als Gedrängehalb Putzke dann auch noch zielsicher einen Dropkick durch die Stangen jagte, hatte Pauli plötzlich eine sehr souveräne 15-Punkte-Führung zur Pause.

Zur Pause gab es dann für den RK nicht nur eine deftige Ansprache von Coach Bonnano, sondern gleich auch fünf Wechsel. Einer dieser Wechsel sollte sich schnell auszahlen - Louis Dobslaw machte es direkt besser als seine Kollegen in Durchgang zwei und stellte den 10-20 für die Gelben her. Als dann noch Veteran Christian Lill ins Spiel kam, drehte sich der Wind komplett. Handschuhsheim-Import Sacksofsky und Mark Frese zeigten für Stürmer gute Hände und spielten Niemier zum 17:20 frei. Mit noch 25 Minuten auf der Uhr schien die endgültige Wende unabwendbar.

Als Pauli dann aber eine Unterzahl überlebte und per Straftritt auf 17:23 davonzog, schienen die Hamburger doch ihren ersten Saisonsieg einzufahren. Bis, nun ja, bis sich erneut Niemir, diesmal in Szene gesetzt von Lill, unter dem Jubel der 300 RK-Anhänger zum Versuch einlief - beim Stand von 22:23 aus Berliner Sicht war der Job noch nicht getan. Quasi mit dem Schlusspfiff setzte sich Kapitän Mark Frese auf der Außenbahn in Winger-Manier durch - der Flanker sorgte für die Entscheidung zum Entsetzen der bravourös verteidigenden Paulianer.

 

 


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