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TR-Update international: Deutschlands WM-Quali-Gegner straucheln, USA mit historischem Sieg
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 18. Juni 2018

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USA-Kapitän Samu Manoa führte die USA trotz einer gelben Karte zum historischen Sieg

An diesem Wochenende gingen die Juni-Länderspiele in die zweite Runde. Während die All Blacks bei ihrem zweiten Sieg über Frankreich trotz numerischer Überzahl ab Minute 15 nur einen wenig überzeugenden Sieg herausholten, verspielte England gegen Südafrika erneut eine Führung. Argentinien kassiert gegen Wales die zweite deutliche Heimpleite. Für positive Schlagzeilen sorgten die US-Amerikaner, die erstmals einen Six-Nations-Teilnehmer bezwingen konnten. Deutschlands WM-Quali-Gegner Samoa und die Kanadier, auf die unsere DRV XV im Repechage-Turnier treffen würde, mussten jeweils Niederlagen einstecken.

Samoa spielt seit World Rugby 2005 den Pacific Nations Cup (PNC) ins Leben gerufen hat, dieses Turnier der drei Pazifik-Inselnationen zusammen mit Fidschi und Tonga. In diesem Jahr kommen die als Gastmannschaft antretenden Georgiern hinzu. Im Vorjahr hatten die Samoaner durch eine knappe Niederlage gegen Gastgeber Tonga und eine deutlichere Pleite gegen Fidschi das Turnier als Letzter abgeschlossen und müssen dadurch überhaupt erst gegen Deutschland um die WM-Quali antreten. Auch in diesem Jahr enttäuschten die Samoaner beim PNC, zumindest wenn man die eigenen hohen Ansprüche des siebenfachen Rugby-WM-Teilnehmers als Maßstab nimmt - und das trotz eines mit Super-Rugby-, Top-14- und Premiership-erfahrenen Spielern gespickten Kaders.

Zum Auftakt gegen Gastgeber Fidschi unterlagen die Samoaner noch hauchdünn mit 22:24, darauf folgte dann aber an diesem Samstag eine deutlichere 18:28 Niederlage gegen Tonga. Damit landet Samoa erneut auf dem letzten Platz bei dem Turnier, das sie 2014 noch zuletzt für sich entscheiden konnten. Gegen Tonga war das Spiel des kommenden DRV-XV-Gegners lange durch zahlreiche Fehler und Handling und taktischer Natur durchzogen - angesichts des hochtalentierten Kaders der Insulaner eigentlich ein Rätsel. Erst in der absoluten Schlussphase, in der sich Tonga gleich drei gelbe Karten einfing, punktete Samoa gleich zwei Mal und gestaltete das Ergebnis, nachdem es 15 Minuten vor Schluss noch 6-28 gestanden hatte, erträglicher.

Samoa verliert auch gegen Tonga im Pacific Nations Cup

Kanada schwächelt weiter

Ein weiterer möglicher Gegner der DRV XV um den WM-Einzug ist Kanada. Die Nordamerikaner waren bisher bei jedem einzelnen WM-Turnier vertreten, haben aber in den vergangenen zwölf Monaten sowohl gegen die USA, als auch Uruguay Chancen auf ein WM-Ticket für Japan verspielt. Generell durchgeht das kanadische Rugby allem Anschein nach gerade eine schwierige Phase - die Strukturreform, die die Kanadier im Vorjahr implementiert haben und über die wir uns mit dem Deutsch-Kanadier und Nationalspieler Dustin Dobravsky unterhalten haben, scheint noch nicht zu greifen. Noch im Jahr 2011 waren die Kanadier auf Rang 11 der Weltrangliste, nunmehr stehen sie als 22. nur noch zwei Plätze vor Portugal.

Auch in diesem Juni hagelte es für die ambitionierten Nordamerikaner weitere Pleiten. Die 10:48 Heim-Niederlage vor knapp 13.000 Zuschauer in Edmonton gegen Schottland sollte niemanden überraschen, auch wenn die Schotten mit einer experimentierfreudigen XV aufgelaufen waren. Die klare 20:43 Niederlage, ebenso daheim, dürfte den Kanadiern aber weitaus mehr Kopfschmerzen bereiten. Ein Hattrick von Achter Anton Rudoi, der auch im Continental-Shield-Finale gegen den HRK auf dem Feld war, waren gleichbedeutend mit Kanadas Untergang. Speziell mit dem schweren Sturm der Russen hatte Kanada signifikante Probleme sowohl im offenen Spiel, als auch im Gedränge, das die Russen dominierten.

USA mit historischem Triumph

Eben jene Russen hatten noch vor Wochenfrist in Denver mit 10:63 gegen die USA verloren. Noch vor wenigen Jahren befanden sich die US-Amerikaner absolut auf Augenhöhe mit Kanada. Nun aber haben sie seit der letzten WM, bei der sie noch alle Gruppenspiele sang- und klanglos verloren hatten, einen Aufstieg in atemberaubenden Tempo vollzogen und sind nicht nur den Kanadiern entwischt. Dieser Aufwärtstrend rückt die 17:46 Heimniederlage unserer DRV XV im vergangenen November ein wenig in Perspektive. Denn den in Topform befindlichen USA Eagles gelang am vergangenen Wochenende in Houston Historisches: Gegen Schottland besiegten die US-Boys erstmals seit 1924 (Frankreich) ein Sieg über eine traditionelle Rugby-Großmacht.

Dabei hatten die Schotten, die mit Kanada kurzen Prozess machen konnten, den weitaus besseren Start erwischt. Nach nur 58 Sekunden konnte Schottland- und Edinburgh-Außen Blaire Kinghorn nach toller Vorarbeit durch Schottland-Superstar Stuart Hogg den ersten Versuch für die Gäste legen. Noch bevor eine halbe Stunde auf der Uhr war, kassierten die Gastgeber einen Strafversuch nach zu hohem Tackle von Kapitän Samu Manoa. Als dann noch das 21:6 fiel, schien das Schicksal der Amerikaner besiegelt.

Der wohl größte Triumph der Amerikaner seit dem Olympiasieg 1924

Doch ein Doppelpack des in Kalifornien geborenen Worcester-Props Joe Taufete'e brachte die US-Boys wieder ins Spiel. Der bullige 130-kg schwere Erste-Reihe-Stürmer überrannte die Schottland-Defensive gleich zwei Mal. Als dann der in Südafrika geborene Flanker Hanco Germishuys nach tollem Offload vom überragenden Verbinder AJ McGinty zur erstmaligen US-Führung ablegte, stand das BBVA Stadion von Houston Kopf. Sale Sharks und US-Verbinder McGinty, der bereits gegen unsere DRV XV glänzte, erhöhte von ganz Außen zum 30:24.

Doch noch mussten die Zuschauer und die US-Boys einen letzten Ansturm der Schotten überstehen. Bis in die Nachspielzeit versuchten es die Schotten mittig und kamen bis auf wenige Meter an die Linie heran, wo die USA mit Haut und Haaren verteidigten. Erst ein weiter Ball auf Ex-Schottland Siebener-Star und Edinburgh-Schluss Dougie Fife brachte den erhofften Versuch zum 29:30 Anschluss. Doch anders als die Amerikaner konnte Schottland nicht von der Außenlinie erhöhen - womit der erste Sieg der USA gegen Schottland im sechsten Anlauf perfekt war. 

Angeführt vom überragenden Johnny Sexton gleicht Irland gegen Australien aus

In Melbourne fand am Samstag das zweite Duell zwischen Australien und Irland statt - nachdem die Wallabies die Dreier-Serie überraschend mit einem Sieg eröffneten, konnte Irland nun ausgleichen. Dabei konnten die Iren auf der einen Seite die beiden großen Wallabies-Waffen neutralisieren: David Pocock wurde mit überwältigender Macht von den Ruck-Bällen ferngehalten - ein brutales Cleanout von Irland-Prop Tadhg Furlong steht symptomatisch für Irlands Fokus darauf die von Pocock ausgehende Gefahr zu neutralisieren. Israel Folau, der noch im ersten Spiel Australiens absolute Lufthoheit sicherstellte bekam kaum Zugriff - Irlands clevere und zum Teil sicherlich regeltechnisch zumindest grenzwertige Laufwege, die Folau den Weg zu hohen Bällen blockierten, nahmen den in der Luft besten Spieler der Welt aus dem Spiel. 

Offensiv zeigte sich Irland darüber hinaus viel effektiver - der Schlüssel dazu war Jonathan Sexton, der noch in der Vorwoche zuerst geschont wurde und erst in der Schlussphase von der Bank kam. Der beste Verbinder der Nord-Hemisphäre legte über fast achtzig Minuten eine Meisterleistung hin und das obwohl er zahlreiche krachende Hits der Australier einstecken musste. Mit einer perfekten Mischung aus Pass-, Lauf- und Kickspiel, sowie den richtigen Entscheidungen orchestrierte er Irlands Angriff. Vier Mal reihten die Gäste dabei mehr als zehn Phasen tief in Australiens Hälfte zusammen.

Irland konnte in Melbourne die Serie mit den Wallabies ausgleichen

Nach dem frühen Auftakt-Versuch von Kurtley Beale waren es bis in die Schlussphase fast ausschließlich die Iren, die am Drücker waren. Ein später Versuch vom Tongan Thor genannten Taniela Tupou (vor vier Jahren wurde Tupou mit einem brachialen Auftrifft für seine Schul-Mannschaft zur YouTube-Sensation) sorgte für etwas Ergebnis-Kosmetik zum 21:26 Endstand. Dadurch sicherte sich Irland den ersten Sieg Down Under seit 1979 und forcierte ein Entscheidungsspiel in Sydneys ausverkauftem Allianz Stadium am kommenden Samstag. 

England schlittert tiefer in die Krise - Rücktritts-Forderungen gegen Eddie Jones

Die Nerven bei England liegen blank - gegen aufstrebende Springboks kassierte das Mutterland des Rugbys die mittlerweile sechste Pleite in Folge. Dabei hatte die Mannschaft von Eddie Jones in Bloemfontein, wie bereits eine Woche zuvor in Johannesburg, den klar besseren Start erwischt. Doch das 12:0 verschaffte dem Weltmeister von 2003 keine Sicherheit, im Gegenteil: Nach dem Versuch von Johnny May zum 12:0 in Minute zwölf sollte England keinen einzigen Punkt mehr erzielen. Schon bis zur Pause hatten die Boks das Ergebnis per Duane-Vermeulen-Versuch und Pollard-Kicks zu einem 13:12 gedreht und in Durchgang zwei konnte der Gastgeber die Dreier-Serie dann mit einem weiteren Strafversuch für sich entscheiden.

Wie stark angekratzt das Ego der innerhalb von wenigen Wochen von Rang zwei auf Rang sechs der Weltrangliste abgerutschten Engländer ist, zeigte sich nach dem Abpfiff. Einige England-Profis gerieten in lautstarke Auseinadersetzungen mit eigenen Anhängern und Gedrängehalb Ben Youngs wollte sich den kritischen Fragen einer Sky-Journalistin nicht stellen und lief einfach mitten in einem TV-Interview weg. Daheim fordert mit Ex-England-Verbinder Stuart Barnes, der mittlwerweile zum einflussreichen Rugby-Journalisten im Telegraph und bei Sky geworden ist, den Rücktritt von Coach Eddie Jones. Die England-Krise, die mit der Pleite in Edinburgh im März angefangen hatte, nimmt so langsam aber sicher existenzielle Ausmaße aus. Noch zu Beginn der Six Nations saß wohl kein Trainer fester im Sattel als Eddie Jones - nun muss der Australier um seinen Job bangen.

Wales siegt zum zweiten Mal in Argentinien - All Blacks mit Arbeitssieg

Weltmeister Neuseeland konnte indes seine überragende Heimbilanz ausbauen. Der 26:13 Sieg über Frankreich in Wellington wird aber sicher nicht als eines der großen Neuseeland-Spiele in die Geschichte eingehen. Frankreich hatte die ersten Minuten dominiert und nur durch einen Vorball in Neuseelands Malfeld nicht den Auftaktversuch gelegt. All-Blacks-Flanker Sam Cane hatte dann einen Paket der Gäste kurz vor der Linie gelbwürdig zu Boden gebracht, so dass sich Frankreich mit einer 3:0 Führung zufrieden geben musste. Der Wendepunkt und wohl auch die Vorentscheidung fiel nach gut 15 Minuten, als sich Benjamin Fall eine zumindest harte rote Karte abholte. Im Luftduell mit Beauden Barrett hatte er mit Blick auf den Ball Barrett so unglücklich getroffen, dass dieser auf dem Kopf landete und mit Gehirnerschütterung ausgewechselt wurde.

Doch wenig symptomatisch haben die All Blacks in der Folge nicht mit der gewohnten Überlegenheit agiert. Der Sieg schien zwar nie in Gefahr, doch Frankreich konnte zumindest sehr gut mithalten und selbst in Unterzahl mehr Ballbesitz-Zeit anhäufen, als der Weltmeister. Das Spiel hätte zudem bedeutend knapper ausgehen können, wenn der Video-Referee den Franzosen einen klaren Versuch nicht wegen „double movement“ aberkannt hätte. In Spiel drei in Dunedin geht es also theoretisch um nicht mehr viel - doch den Franzosen ist mit einer ähnlichen Leistung durchaus ein Sieg zuzutrauen - sie waren 2009 an gleicher Stelle die vorletzte Mannschaft die auf neuseeländischem Boden gewinnen konnte.

 

Wenig überzeugend aber effektiv: Die All Blacks

Argentinien schlittert derweil tiefer in die Krise - auch das zweite Spiel gegen Wales ging deutlich verloren. Nachdem die Super-Rugby-Mannschaft der Südamerikaner, genannt Jaguares, zuletzt so überragend gespielt hatte, waren die Pumas hoffnungsfroh in die Juni-Länderspiele gegangen. Nach dem 10:30 daheim gegen Wales droht den Argentiniern ab August eine verdammt schwere Rugby Championship gegen aufstrebende Springboks, Australien und Neuseeland. Aber auch Wales geht nicht ohne Sorgen aus der Partie: Nach einem mit einer roten Karte bestraften Würgegriff von Achter Ross Moriarty gegen Argentinien-Verbinder Sanchez droht dem Dritte-Reihe-Koloss eine lange Sperre.

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