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TR-Review: Abstiegskrimi mit unerwartetem Ausgang, SCN geht mit erhobenem Haupt
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Samstag, 12. Mai 2018

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RCL-Gedrängehalb Engelbrecht zählte zu den besten Spielern der Sachsen - Foto (c) Kirschner

Es war ein Krimi sondergleichen - die Berliner Grizzlies, die SG Odin/Döhren und der RC Leipzig traten im Fernduell um den Klassenerhalt gegeneinander an. Die Sachsen starteten in den Entscheidungstag als Letzter mit der schlechtesten Ausgangslage, sicherten sich aber mit einem überragenden Sieg gegen den RK 03 und Schützenhilfe von Germania List und dem BRC den Klassenerhalt. Den Grizzlies hätte bereits ein Bonuspunkt zum Klassenerhalt gereicht, aber trotz dreier gelegter Versuche scheiterten die Berliner in der Schlussphase nur hauchdünn und müssen deshalb in die Relegation. Odin/Döhren lieferte dem BRC einen heroischen Kampf, musste sich aber am Ende in einem vogelwilden Spiel geschlagen geben und tritt damit den direkten und bitteren Weg in Liga 2 an.

Nord/Ost

RC Leipzig 48 - 19 RK 03 Berlin

Noch vor wenigen Wochen schien der RC Leipzig mausetot und quasi als Absteiger feststehend. Ohne Sieg nach der Hinrunde, einem Lazarett epischen Ausmaßes und mit zu vielen Undiszipliniertheiten auf dem Rasen - wohl niemand hätte einen Pfifferling auf die Sachsen gegeben. Mit dem Rücken zur Wand und der drohenden Zweitklassigkeit folgte erst der extrem wichtige Heimsieg gegen den direkten Konkurrenten Odin/Döhren, bei dem die Hannoveraner nur haarscharf am Defensiv-Bonus vorbeischrammten und dann schließlich der hochdramatische 20:19 Sieg in der Vorwoche gegen die Grizzlies.

Doch selbst mit diesen beiden Big Points im Koffer starteten die Leipziger als Schlusslicht in den heutigen Spieltag. Mit fünf Zählern Rückstand auf das rettende Ufer und punktgleich mit dem Vorletzten Odin/Döhren, der aber den direkten Vergleich gewonnen hatte. Leipzigs Kapitän Benno Förtsch gab nach dem Spiel gegenüber TotalRugby unumwunden zu: „Wir hatten auf einen Bonuspunkt gegen den RK 03 gehofft, damit wir uns zumindest in die Relegation retten können.“ Noch nie hatte der RCL seit seinem Aufstieg 2015 den RK 03 geschlagen. Es sollte besser kommen für die Sachsen, viel besser.

Der Ankick der Leipziger landete noch direkt im Aus - das folgerichtige Gedränge dominierten die Leipziger und gewannen den Ball gegen den Berliner Einwurf von Neuner Christian Lill. Sein Gegenüber Reinhard Engelbrecht setzte von der Mittellinie zu einem unwiderstehlichen Solo an, umkurvte gleich mehrere Berliner und segelte unter dem Jubel der Leipziger Fans ins RK-Malfeld. Dass dies kein Zufall war und der Underdog hier gegen den Vorjahres Ost-Meister tatsächlich eine Chance haben würde, zeigte sich nur Minuten später. Wieder war es Gedrängehalb Engelbrecht, der nach einem Gedränge unwiderstehlich zum Sprint ansetzte und dieses Mal an der Auslinie ablegte.

Leipzig in der Folge weiter mit dem Mut der Verzweiflung, während der RK überhaupt nicht stattfand. Innendreiviertel Lex Botha, der nicht nur mit seinem filmreifen Namen glänzen konnte und einem Stürmer-Paket konnte der RCL noch vor der 20-Minuten-Marke den Offensiv-Bonus sichern. Ein in der Nordstaffel seltener Anblick: Der RK-03-Sturm wurde an diesem Nachmittag in der Leipziger Sonne nach allen Regeln der Kunst dominiert. Sowohl im Gedränge, als ich im offenen Sturmspiel, als auch in der Gasse. Berlins erfahrener Gedrängehalb führte die Leistung nach dem Spiel auch auf den dezimierten Berliner Kader nach sechs Spielen in Folge zurück.

 

Der Leipziger Jubel kannte nach Abpfiff keine Grenzen

Erst als Leipzigs Hakler Jens Paleit eine Team-Karte sah und zehn Minuten neben der Linie Platz nehmen musste, kam der RK 03 ins Spiel. Einen ersten Berliner Angriff wehrten die Leipziger noch ab, doch der zweite Ausflug in die Leipziger 22 mündete im Berliner Anschluss. Doch noch vor der Pause fing Leipzigs Innen Botha einen schlecht gesetzten Chip-Kick der Berliner ab und konnte ungehindert ins Malfeld einlaufen. Der 31:7 Pausenstand war für die Leipziger ermutigend - lag doch Odin/Döhren zurück und damit hatte man zumindest die Relegation sicher.
In Durchgang zwei konnte Leipzig trotz der krampf-bedingten Auswechslung vom überragenden Gedrängehalb Reinhardt Engelbrecht weiter Druck machen. Vor allem der Sachsen-Sturm macht immer wieder Dampf und Leipzigs samoanischer Verbinder Michael Vaaiga kickte immer wieder intelligent in die Ecken, aus denen sich Berlin schlecht befreite.

Spätestens mit dem 36:7 per Paket durch Marius Preis war Leipzig endgültig auf der Siegerstraße. Berlin konnte phasenweise mithalten und noch zwei eigene Versuche legen. Aber Leipzig hatte das Spiel weitestgehend unter Kontrolle und konnte noch zwei Mal per Paket zu Vertuschen kommen. Wirklich spannend war es an der Seitenlinie, wo Team-Manager Sven Paukstat, Trainer Andreas Kunze und der Leipziger Anhang die Zwischenstände mit angespannter Mine verfolgten. Durchsagen erfolgten nach vorheriger Absprache nicht, um die Mannschaft nicht zu verunsichern.

 

 

 



Mit dem Abpfiff schließlich stand zumindest fest, dass Leipzig nach der Odin-Niederlage zumindest nicht direkt absteigen würde. Als dann die Nachricht von der Grizzlies-Niederlage bis nach Leipzig durchsickerte, kannte der Jubel beim RCL keine Grenzen mehr. Bierduschen und Jubelstürme waren die Folge. Leipzig hatte tatsächlich das scheinbar Unmögliche erreicht und Dank der mit Abstand besten Saisonleistung und direkter Schützenhilfe direkt die Klasse gehalten.

Leipzigs Coach Andreas Kunze zeigte sich im Gespräch mit TotalRugby hocherfreut: „Wir standen mit dem Rücken zur Wand und wussten, was wir machen mussten, um die Liga zu halten. Wir haben hatten auf den Relegationsplatz geholfen, aber dass uns die anderen Ergebnisse so in die Karten spielen und wir den Klassenerhalt direkt schaffen macht mich unglaublich glücklich. Unser Team-Manager und ich haben die letzten Minuten nur noch gezittert, aber die Erlösung beim Abpfiff in Berlin war riesig!“

 

Reaktionen nach dem Spiel

 

Berliner RC 71 - 56 SG Odin/Döhren

Was für ein Spiel in Berlin, welch Dramatik. Aufsteiger Odin/Döhren ging im sicheren Wissen, dass man im Falle eines Leipziger Sieges selbst gewinnen müsste, in die Partie. Bei perfekten Bedingungen begannen beide Teams mit offenem Visier - die Berliner angeführt von Kapitän Matthias Dold, konnten mit ihrem schnellen Kombinationsspiel früh vorlegen. Odin/Döhren gelang allerdings ebensoschnell der Anschluss mit dem starken SG-Sturm.

Ein ums andere Mal konnten die schweren Männer der Hannoveraner, dirigiert von Spieler-Trainer Rafael Pyrasch, sich tief in die BRC-Hälfte vorarbeiten. Dort zeigte sich der Gäste-Sturm gnadenlos. Und das mit zwei Stürmern an Bord, die angeschlagen gespielt haben und bald wegen einer Schultergelenkecksprengung operiert werden müssen, wie Coach Rafael Pyrasch gegenüber TotalRugby bestätigte. Denn insgesamt hatte die SG nach sechs Spieltagen mit nur einer Pause lediglich 17 Mann an Bord, die aber hier und heute um ihr Leben kämpften.

Beim Pausenstand vom 35:21 für die Gastgeber war die Hoffnung der Gäste noch nicht gestorben, doch zu durchlässig zeigte sich die SG-Defensive. Coach Pyrasch: „Berlin hat immer wieder vorgelegt und wir sind dem Spiel gewissermaßen hinterhergerannt.“ Tatsächlich hatten sich die Gäste mehrmals auf unter zehn Punkte Abstand zurückgekämpft. Doch zu einer Führung sollte es nicht mehr reichen, trotz des zwischenzeitlichen 58:68 Anschluss. Doch zu mehr sollte es nicht reichen - mit dem Wissen, dass Leipzig gegen den RK vor einem sicheren Sieg stand, war den Gästen beim Abpfiff klar: Das Abenteuer Bundesliga ist für den Absteiger vorerst vorbei.

Rafael Pyrasch betonte im Gespräch mit TR dennoch, wie stolz er auf die 17 Hannoveraner sei, die in Berlin die Knochen hingehalten und einen riesigen Kampf geliefert haben: „Ich weiß nicht, ob wir das Spiel hätten gewinnen können, aber wir sind immer wieder aufgestanden, haben immer weiter gekämpft und haben unser Bestes gegeben. Das alles mit einem Kader von nur 17 Mann, von dem die meisten in ihrer ersten Bundesliga-Saison sind - ich bin stolz auf jeden Einzelnen, der heute hier angetreten ist.“

SG-Spielertrainer Rafael Pyrasch: „Ich weiß nicht, ob wir das Spiel hätten gewinnen können, aber wir sind immer wieder aufgestanden, haben immer weiter gekämpft und haben unser Bestes gegeben. Das alles mit einem Kader von nur 17 Mann, von dem die meisten in ihrer ersten Bundesliga-Saison sind - ich bin stolz auf jeden Einzelnen, der heute hier angetreten ist.“

BRC-Kapitän Matthias Dold zeigte sich zufrieden mit dem Sieg: „Bisher war es unsere Schwäche Punkte zu machen - aber ganz so euphorisch sollten wir nicht sein, angesichts unserer Verteidigung.“ Mit Blick auf die Rückrunde und die BRC-Leistungssteigerung zeigte sich Dold zufrieden: „Wir sind nach einer miserablen Hinrunden wieder aufgestanden und haben etwas draus gemacht. Nach fünf von sechs Siegen können wir wirklich stolz sein auf unsere Leistung und positiv auf die nächste Saison blicken.“

Berliner Grizzlies 17 - 50 SC Germania List

Die Grizzlies hatten es selbst in der Hand. Mit nur einem einzigen Punkt hätten die Grizzlies den sicheren Ligaverbleib garantieren können. Drei Versuche mit einer halben Stunde auf der Uhr und lange Zeit in Schlagdistanz - die Liga-Neulinge waren drauf und dran den benötigen Bonus zu holen. Doch am Ende scheiterten sie denkbar knapp und müssen deshalb den Weg in die Relegation antreten.

Bitter für die Grizzlies, die stark in die Partie gestartet waren und gegen Anfangs mäßig verteidigende Germanen mit 5:0 in Front gingen. Doch Henrik Meyer und Nico Windemuth bekamen die Grizzlies zu keinem Zeitpunkt unter Kontrolle - die beiden pfeilschnellen Dreiviertel wirbelten die Berliner Defensive ein ums andere Mal auseinander. Schon zur Pause lagen die Hannoveraner Gäste mit 17:5 in Front und in Berlin sickerte auch langsam aber sicher die Nachricht vom unerwarteten Spielverlauf in Leipzig durch.

Als die Germanen, die ohne ihren Trainer Duiane Lindsay auskommen mussten, dann nach der Pause noch Luxus-Joker Niklas Koch bringen konnten wurde die Dominanz der Lister noch deutlicher. Mit Spielwitz und viel Speed von der hervorragend trainierten Siebener-Fraktion konnten sich die die Gäste ein klares Übergewicht erspielen. Zwei weitere Versuche sicherten den Bonus. Noch einmal konnte sich der Gastgeber in Form von Matthew Flynn und Anatoliy Sidak auf 17:29 heranspielen - zu diesem Zeitpunkt hätte eine weiterer Versuch gleich zwei Bonuspunkte bedeutet - doch zu mehr sollte es aus Berliner Sicht nicht reichen.

Drei ganz späte Germania-Versuche gegen schwächelnde Grizzlies, die während der Partie gleich vier verletzte Spieler ersetzen mussten, besiegelten das Berliner Schicksal. Die Germania war heute nicht gewillt Geschenke zu verteilen, das bestätigte auch SCG-Kapitän und Interimstrainer Stefan Mau gegenüber TR: „Wir wollten niemandem Schützenhilfe geben, das gehört sich im Rugby nicht.“ Den Berlinern attestierte der Zweite-Reihe-Stürmer: „Die Grizzlies haben stark gespielt und alles in die Waagschale geworfen“ - seine Mannschaft jedoch habe im „physisch anspruchsvollsten Spiel des Jahres“ als „Team gespielt und gewonnen“. Ein Sonderlob verdiente sich der 18-jährige Debütant Connor Bruckhausen, der seinen „Job super gemacht hat“ so Mau. Grizzlies-Teammanager Moritz Koburg machte gegenüber TR die eigene "inkonsequente Spielweise" für die Niederlage verantwortlich.

Für beide Teams ist die Saison damit aber noch nicht beendet. Während die Grizzlies die Klasse im Nachsitzen halten müssen, spielt die Germania in zwei Wochen noch im Bundesliga-Halbfinale. Da wartet niemand geringeres, als der HRK auf die Hannoveraner. Die Grizzlies wiederum wollen die nun anstehende Pause nutzen um ihre Wunden zu lecken, ein paar Spieler aus dem Lazarett in den Kader zurückzuholen und dann schließlich in der Relegation die Klasse zu halten.

Hannover 78 29 - 17 Hamburger RC

Dem Nord-Meister gelingt das Kunststück auch mit einer durchwachsenen Leistung und mit einigen Leistungsträgern auf der Bank das 14. und letzte reguläre Saisonspiel zu gewinnen. Gegen die gastierenden Hanseaten, die mit der Niederlage ihren vierten Rang verloren, kam der 78er-Angriff nie so richtig ins Rollen.

 

Süd/West

TV Pforzheim 63 - 19 RK Heusenstamm

Während der TV Pforhzeim, der bereits sicher als Süd-Dritter die Saison beenden wird, die Saison vor eigenem Publikum versöhnlich beenden wollte, lag der Fokus der Füchse wo ganz anders. Mit dem bereits vor dem abschließenden Spiel feststehenden vorletzten Platz werden die Heusenstammer nachsitzen müssen, um im Rugby-Oberhaus zu verbleiben. Dementsprechend reisten die Gäste mit einem dezimierten Kader an, angeschlagene Akteure wurden konsequent geschont.

Der Gastgeber konnte so dem Spiel früh seinen Stempel aufdrücken - nach einer gewonnen Gasse war es Außen Marc Hittel, der am Ende einer schönen Kombination den ersten Rhinos-Versuch besorgte. Keine fünf Zeigerumdrehungen später pflückte Carlos Soteras Merz einen langen Befreiungskick der Füchse aus der Luft, machte einige Meter und stellte Josh Gando schön in die Lücke. Jetzt hatten die schnellen Jungs des TVP so richtig Spaß am Spiel - als nächstes konnte sich Manasah Sita die RKH-Defensive mit einem fulminanten Sprint alt aussehen lassen. Als dann Zweite-Reihe-Stürmer Willians Portillo nach nicht einmal 20 Minuten den Bonuspunkt-Versuch ablegte, konnte es einem Angst und Bange um die Füchse werden.

 


Doch nun fing sich der Gast einigermaßen und bei weiterhin heißen Bedingungen entwickelte sich für einige Minuten ein Patt, mit wenig Spielfluß. Kurz vor der Pause waren die Heusenstammer dann doch einmal bis kurz vor die TVP-Linie vorgedrungen, doch ein Vorball der Gäste landete im TVP-Malfeld, wo Siebener-Sprinter Chitokwindo den Ball aufnahm und über 100 zum Versuch trug. Szenenapplaus im Südwest-Energie-Stadion für dieses tolle Solo. Und noch vor der Pause kam Pforzheim über seine Stürmer durch Kamkwindos Doppelschlag zur deutlichen 41:0 Halbzeit-Führung.

Heusenstamm kam dann mit Nachhilfe von Samj Harris erstmals so richtig ins Spiel - der Neuseeländer verhinderte einen Heusenstammer Angriff per absichtlichem Vorball - die logische Konsequenz: Geld und Strafversuch. Noch in Überzahl agierend konnte der Gast mit seinen Stürmern dann zum 41:12 nachlegen, ein Sieg schon aber selbst zu diesem Zeitpunkt utopisch. Pforzheims erfahrener Sturm-Tank Tim Kasten bahnte sich den Weg zum nächsten Heim-Versuch. Immerhin konnte Heusenstamm per Paket die direkte Antwort finden - doch an diesem heißen Nachmittag am Fuß des Schwarzwald sollte der noch amtierende Vizemeister keine weiteren Geschenke machen. Rob May, Manasah Sita und Tim Kasten sorgten mit der Rhinos-Schlussoffensive für das schlussendlich deutliche Ergebnis.

Coach John Willis zeigte sich wenig überraschend zufrieden mit der Leistung seiner Rhinos. Doch erstmals seit dem Aufstieg endet die Bundesliga-Saison für die Pforzheimer mit dem letzten regulären Spieltag. Umso mehr richtet sich der Fokus des TVP nun auf den DRV-Pokal, bei dem man immerhin als Titelverteidiger antritt. Am 9. Juni steht dort das Heimspiel gegen den SC Neuenheim an. Heusenstamm hingegen muss nun bis zum zweiten Juli-Wochenende die Spannung halten, denn dann entscheidet sich, ob die Füchse im Oberhaus bleiben. Keine einfache Aufgabe für das Trainerteam um Markus Walger und Jens Steinweg, zumal sich der RKH in den kommenden Monaten traditionell dem Siebener zuwendet.

RG Heidelberg 64 - 26 SC Neuenheim

Gelungene Generalprobe für die RG Heidelberg vor dem Bundesliga-Halbfinale in zwei Wochen bei Hannover 78. Im vorerst letzten Derby gegen den bereits vor dem Spieltag als Absteiger feststehenden Neuenheimer Sportclub spielten die Orange Hearts gerade im zweiten Durchgang sehr souverän. Frei von taktischen Zwängen entwickelte sich ein offensiv geführtes Spiel, in dem der Sportclub phasenweise ansehnlich mitspielte, schlussendlich aber mindestens eine Klasse unterlegen war.

Schon in der Auftaktphase zeigte die personell fast in Bestbesetzung auflaufende RGH spielerisch die Akzente gesetzt. Nach einem Step und Durchbruch konnte RGH-Verbinder Fabian Heimpel per schönem Zuspiel Schluss Manuel Müller bedienen, der als erster Orangener ins SCN-Malfeld einlief. Ihm gleichtun sollte es nur wenige Minuten später RGH-Außen Bayram - nur Minuten später wurde Vollstrecker Behzad Bayram zum Initiator - sein Offload an Manuel Müller führte zu Versuch Nummer drei. Müller war um die 20-Minuten-Marke erneut Profiteur eines intelligenten Zuspiels: Innen Florian Wehrspann erspähte, dass der SCN in der Verteidigung aufgerückt war und ohne Schluss in der 22 blank stand. Sein maßgenau gesetzter Boxkick wurde von Schluss Müller zu seinem Hattrick verwandelt, der zugleich auch den Offensiv-Bonus bedeutete.

 

Reaktionen von RGH-Kapitän Elmar Heimpel

Neuenheim meldete sich in der Folge erstmals so richtig per erfolgreichem Paket zu Wort - der 5:26 Anschluss durch Andre Viviers. Und als Klewinghaus und Engelbrecht sich das Feld hinauf kombinierten und die RGH einen Straftritt kassierte, setzten die Königsblauen wieder auf das Paket an dessen Ende Erste-Reihe-Koloss und Kapitän Paul Weiß mit Spielgerät unter dem Arm über die Linie fiel. Erneut hatten die schweren Jungs der Königsblauen ihre Gegenüber überrumpelt. Quasi mit dem Pausenpfiff konnte der Gast über den stark aufspielenden Giovanni Engelbrecht, der den neuseeländischen Sturm-Routinier Te Ira Davidson bediente noch einmal auf 26:19 herankommen. Doch nach dem Seitenwechsel gelang es den Neuenheimern nicht weiter entscheidend näher zu kommen, im Gegenteil: Ein Durchbruch von Simon Schreieck wurde erst kurz vorm SCN-Mal gestoppt, wo Fabian Heimpel dann Robert Haase zum nächsten Versuch der Orangenen bediente. Keine drei Minuten später war es wieder Haase, der nach Zuspiel von Bayram nur noch Neuenheim Klewinghaus zu umkurven hatte und 180 Sekunden nach seinem ersten Versuch nachlegen konnte.

Ebenso zum nachlegen war der am Samstag überragend spielende Müller aufgelegt, der per Solo zu seinem vierten Versuch ablegen konnte. Spätestens nach einer gelben Karte für einen SCN-Stürmer für einen unschönen Angriff auf einen im Ruck klemmenden Spieler war das Spiel aus Gäste-Sicht gelaufen. Debütant Wolfram Hacker, der nach der U18-EM und der Trainingwoche mit der Herren-Nationalmannschaft weiter auf Rugby-Wolke-Sieben schwebt, feierte seine Einwechslung direkt per Solo und Versuch. Kein schlechter Einstand für den Youngster, der noch lange nicht genug hatte und in der Schlussphase mit einem sehenswerten Sprint die Auslinie entlang erneut zum Versuch kam. Nachdem der SCN seine Überlegenheit im Sturm mit dem dritten Paket-Versuch zum Offensiv-Bonus untermauert hatte, war es am eingewechselten Stürmer Tim Schiffers den Schlusspunkt zum 64:26 zu setzen. Der zwölfte Sieg im vierzehnten Spiel - eine beachtliche Bilanz. Insgesamt war es ein munteres Heidelberger Derby, nach dem sich die RGH fragen muss, ob man mit einer derartigen Defensiv-Leistung gegen den Absteiger auch im Bundesliga-Halbfinale bestehen wird. Neuenheim dagegen kann sich mit erhobenen Hauptes aus dem Oberhaus verabschieden - die beiden starken Leistungen gegen die Lokalrivalen zum Abschluss kamen deutlich zu spät, machen aber Hoffnungen für die Zukunft des Heidelberger Traditionsklubs.

SC Frankfurt 1880 15 - 12 TSV Handschuhsheim

Im Duell der Tabellen-Nachbarn setzte sich am Ende, wie auch im Saisonabschluss, Frankfurt durch. Nachdem 1880 aber zwischenzeitlich auf den zweiten Rang und damit die Halbfinal-Quali geschielt hatte, wird man bei den Männern vom Main ebensowenig einhundertprozentig mit dem Saisonverlauf zufrieden sein, wie das beim TSV der Fall war.

Am Samstag hatte der TSV in einer nervösen Anfangshälfte mit trotz perfekter Bedingungen wenig Spielfluß zunächst die Oberhand. Doch nachdem gleich zwei Ausflüge tief in die Frankfurter 22, darunter ein paar Pick-and-Gos nur Meter von der 1880-Linie, ohne Erfolg blieben, bedankte sich Frankfurt artig und legte in Person von Trebbin zum 5:0 vor. Ungewohnterweise übernahm Mark Sztyndera die Aufgabe vom Tee und überzeugte. Bis zur Pause sollte sicht, trotz vermehrter Bemühungen der Löwen, nichts tun. Im Gegenteil - nach einem Tackle eines in der Luft befindlichen Frankfurters durfte TSV-Prop Schüle vorzeitig mit Gelb in die Pause.

Noch in Unterzahl befindlich konnte der TSV dann aber den deutlich besseren Start in Durchgang zwei erwischen - Löwen-Verbinder Henrik Leimert sicherte gleich nach dem Wiederanpfiff mit einem schönen Durchbruch und Versuch den Anschluss. Und als Löwen-Außen Julius van Haken nur wenige Minuten später die Gäste dann mit Versuch zwei und dem 12:7 in Führung brachte, sah es nach einem versöhnlichen Saisonabschluss für die Handschuhsheimer aus.


Doch Frankfurt war trotz der Tatsache, dass Platz vier bereits sicher eingetütet war, nicht gewillt Geschenke zu machen. Zweite-Reihe-Stürmer Hassan Rayan wuchtete sich nach etlichen Phasen in der 22 des TSV über die Linie - vom Tee verpasste Sztyndera die SC80-Führung und so ging es 12:12 Unentschieden in die Schlussphase. In dieser sollte es der Nationalspieler besser machen und seine 80er per Straftritt wieder in Front bringen.

Noch mussten die Gastgeber die noch einmal aufkommenden Löwen im Zaum halten, doch die Schlussoffensive der Gäste verpuffte und so konnte sich Frankfurt den insgesamt siebten Saisonsieg sichern. Zwei Unentschieden gegen Pforzheim und Neckarsulm, sowie einige knappe Niederlagen verhinderten höhere Weihen. In der kommenden Saison dann, dürften die Frankfurter einen erneuten Anlauf auf die Playoffs machen.

Beim TSV dagegen zeigte man sich enttäuscht, Coach Gordon Hanlon gegenüber TotalRugby: „Es war sehr enttäuschend, das war bereits der vierte Sieg den wir verschenkt haben. Dennoch bin ich stolz auf die Einstellung und Leistung derjenigen Jungs, die in Frankfurt angetreten sind. Aus diesen engen Spielen müssen wir lernen und aus dieser Erfahrung werden wir im Pokal und der kommenden Saison profitieren.“

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Letzte Aktualisierung ( Montag, 14. Mai 2018 )
 
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