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TR-Interview mit DRV-XV-Prop & Frankreich-Legionär Julius Nostadt: „Aurillac - Eine Chance für mich"
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Samstag, 30. Dezember 2017

Julius Nostadt ist absoluter Leistungsträger in der DRV XV und nun in Frankreichs zweiter Liga angekommen. Foto (c) Keßler
Julius Nostadt ist absoluter Leistungsträger in der DRV XV und nun in Frankreichs zweiter Liga angekommen. Foto (c) Keßler

Julius Nostadt war einer der Erfolgs-Garanten der DRV XV in den letzten Jahren - der 1.85 große und 118 kg schwere Erste-Reihe-Stürmer war im Gedränge ein absoluter Stabilitäts-Anker und auch im offenen Spiel der Nationalmannschaft umtriebig. Erst im Sommer hatte Nostadt aus Chambery in Frankreichs dritter Liga den Schritt zurück in die Heimat zum TSV Handschuhsheim gewählt. Doch als ihm im November ein Angebot aus der zweiten französischen Liga erreichte von heute auf morgen als „Medical Joker“ in die Vollprofiliga Pro D2 zu wechseln, konnte Nostadt schlecht nein sagen. Nun spielt der Löwe bei Stade Aurillacois in der französischen Auvergne. Wir haben uns mit Nostadt über seine ereignisreichen ersten Wochen beim neuen Arbeitgeber unterhalten.

TotalRugby: Hallo Julius, Danke erst einmal dafür, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Wo erreichen wir dich gerade?

Julius Nostadt: Ich sitze gerade im Zug zurück nach Frankreich, morgen steht bereits das erste Training nach der kurzen Weihnachtpause an.

TR: Wie läuft es für dich bisher in Aurillac sportlich und auch abseits des Platzes? Du bist ja sehr kurzfristig in Aurillac als Medical Joker angekommen.

JN: Bisher läufts eigentlich sehr gut. Die ersten zwei drei Wochen waren etwas kompliziert. Das ganze neue System zu lernen und sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Dazu war es noch deutlich deutlich kälter als in Deutschland (Anm. d. Red. Aurillac liegt auf etwa 700 m im Zentralmassiv Frankreichs) war es auch ein richtiger Temperaturschock von Deutschland kommend.

Aber nachdem das verkraftet war ging es gleich sehr schnell mit dem Einleben, da ich vom Trainerteam gut eingearbeitet und von den Mitspielern gut aufgenommen wurde. Abseits des Feldes, nun ja man muss es mögen denke ich Mal. Man muss sich damit abfinden, dass es keine Großstadt ist (Aurillac hat etwa 27.000 Einwohner, Anm. d. Red.) und es nicht so viel außer dem Rugby gibt. Aber dafür bin ich ja schließlich dort. Schlussendlich hilft es auch sich komplett darauf zu fokussieren.

TR: Weißt du, wie Aurillac auf dich aufmerksam geworden ist?

JN: Das weiß ich gar nicht genau. Der Verein hat mich über meinen Agenten kontaktiert, der mir immer Mal wieder Angebote weitergeleitet hat. Da war dann auch irgendwann Aurillac dabei, die mit mir reden wollten. Dann hatte ich eine Art Telefonkonferenz mit dem Trainer und Manager, oder auch Vorstellungsgespräch. Danach wurde ich eingeladen und an dem Wochenende war in Deutschland sowieso spielfrei und so bin ich hin und habe mir alles angeschaut.

TR: Das Angebot kam ja unglaublich kurzfristig, aber bei der Chance auf die Pro D2, musstest du da lange überlegen?

JN: Natürlich musste ich überlegen, schließlich war ich gerade erst zurück nach Deutschland gekommen. Ich hatte gerade angefangen mich in der alten Heimat wieder einzuleben und hatte nicht wirklich damit gerechnet direkt wieder zu gehen. Aber im Endeffekt war das eine so gute Möglichkeit, dass ich nicht so lange überlegen musste. Vom ersten Kontakt mit Aurillac bis zur endgültigen Unterschrift habe ich aber schon so zwei oder drei Wochen gebraucht.

 

Julius Nostadt nach seinem ersten Spiel im Trikot von Aurillac gegen Chris Hilsenbeck und Vannes (im Interview nach ihm)


TR: Wie siehst du deine Zeit in Aurillac, in erster Linie als Chance dich zu verbessern? Immerhin spielst du gegen und mit ein paar verdammt guten Erste-Reihe-Stürmern, unter anderem dem in Frankreich fast obligatorischen georgischen National-Prop…

JN: Aurillac ist eine sehr gute Chance mich zu verbessern. Gerade unter die Woche die Einheiten, die wir im Gedränge machen mit den Mitspielern auf einem relativ hohem Niveau sind. Dadurch dass da viel Konkurrenz auf der Prop-Position herrscht, wächst man auch.

TR: Vielleicht Mal für diejenigen, die sich das nicht so einfach vorstellen können. Wie kann man das Niveau der Bundesliga, mit dem der Féderale 1, in der du letztes Jahr gespielt hast und der Pro D2 vergleichen?

JN: Die in mehrere Divisionen aufgeteilte Féderale 1 befindet sich gerade im Umbruch und der sogenannte Elite-Pool ist auf dem Weg zu einer Profi-Liga zu werden (Ab 2020 soll dieser Pool als Pro D3 als komplett professionelle Liga zwischen Pro D2 und der Féderale 1 zwischengeschaltet werden; Anm. d. Red.) und da gibt es momentan sehr große Ungleichgewichte.

Aber der Unterschied zwischen der Féderale 1 und der Bundesliga ist schon sehr groß, da alle Teams mittlerweile komplett professionell aufgestellt sind. Die machen wirklich nichts anderes als Rugby spielen. In der Bundesliga gibt es keine kompletten Profi-Teams, keinen kompletten Profi-Kader. Außerdem ist die Liga auch deutlich härter da man mehr spielt - in der Bundesliga mit so einer langen Winterpause und den vielen nicht-Profis ist das schon ein ziemlich großer Unterschied.

Von der Féderale 1 zur Pro D2 hin ist das Spiel noch Mal deutlich schneller, gerade hinten drin. Für mich als Prop ist das nicht ganz so dramatisch, da das Hauptaugenmerk auf dem Gedränge liegt. Da ist nicht so ein dermaßen großer Sprung. Das Niveau in der Pro D2 insgesamt kann man mit Top-Spielen, die wir mit der Nationalmannschaft bestreiten, vergleichen.

TR: Mit Aurillac steht ihr als Zehnter neun Punkte vor den Abstiegsrängen und zehn Punkte hinter den Playoff-Plätzen - was habt ihr euch als Mannschaft für den Rest der Saison vorgenommen, was du dir persönlich?

JN: Wir sind auf Rang zehn abgerutscht, da wir vergangene Woche daheim verloren haben, was in Frankreich ein absolutes Tabu ist. Das Ziel des Klubs, obwohl es ein Jahr der Umstrukturierung mit neuem Trainer und vielen neuen Spielern ist, in die Playoffs zu kommen. Dem wollten wir mit einem Heimsieg gegen den Tabellenersten Montauban eigentlich näher kommen. Aber dazu hat es eben nicht gereicht.

Was ich mir persönlich vorgenommen habe ist erst einmal so viel wie möglich zu spielen und langfristig auf dem höchstmöglichen Niveau zu spielen. Ob das nun in Aurillac oder woanders ist, das weiß ich noch nicht. Aber ich würde, wenn sich die Möglichkeit in Aurillac anbietet sie auch annehmen.

TR: Das Spiel in Montauban ist ein gutes Stichwort, das eher unschöne Ende hat es auch international in die Rugby-Schlagzeilen geschafft. Wie ist das aus deiner Sicht verlaufen?

JN: Ich habe selbst nur bis zur 70. Minuten gespielt gegen Montauban und die Schlägerei ist in der 83. Minute ausgebrochen, also schon in der Nachspielzeit, als ich nicht mehr auf dem Feld stand. Der Auslöser des Ganzen hatte sich aber mit der Zeit schon ergeben.

Und zwar gibt es ja diese Regel, wenn man keine fitten Props mehr hat, dann spielt man die Gedränge ohne Druck. Wir hatten das Gedränge schon das ganze Spiel über dominiert und haben einen Straftritt nach dem anderen rausgeholt. Dann standen wir an ihrer 5-Meter-Linie und auf einmal verletzen sich drei ihrer Props nacheinander im Gedränge, was schon eher unwahrscheinlich wirkt.

Statt einem Strafversuch gab es dann ein Gedränge ohne Druck. Dann haben wir den Ball verloren, was natürlich nicht Montaubans Schuld. Aber das Spiel war vorbei. Die Regel existiert so und Montauban hat damit gespielt. Das hat bei Spielern und dem Stab zu großer Frustration geführt. Bei manchen Leuten wird aus Frustration dann auch Aggression - dass man das Spiel dann auf so eine Art beendet ist dann in Frankreich schon nicht so unüblich.

Ich will nicht sagen, dass wir betrogen wurden, aber das war nicht die ehrenhafteste Methode ein Spiel zu gewinnen. Allerdings waren wir auch die Urheber der Auseinandersetzung am Ende und das ist nicht die beste Art ein Spiel zu verlieren.

 

Das unschöne Ende des Aurillac-Heimspiels gegen den Tabellenführer Montauban


TR: Zwei Wochen vorher gab es für dich direkt in deinem ersten Spiel für Aurillac ein besonderes Aufeinandertreffen mit einem alten Kollegen von den Löwen - Christopher Hilsenbeck. Wie war das Spiel für dich gegen deinen alten Kollegen und wie hast du die besondere Stimmung im Stade de la Rabine wahrgenommen?

JN: Das Spiel in Vannes war ein guter Auftakt für mich. Die Atmosphäre dort ist relativ einmalig. Das Stadion war mit 10.000 ausverkauft und in Vannes wird die Mannschaft 80 Minuten lang vom Publikum unterstützt, mit viel Gesang und Dudelsäcken.

Gegen Chris zu spielen war eigentlich relativ cool. Gerade im ersten Spiel war das was besonderes. Da nicht alleine auf dem Platz zu stehen, auch wenn er in der anderen Mannschaft war, war ganz nett. Es war eher eine Motivation, als dass ich mir vorher irgendwelche anderen Gedanken gemacht hätte.

TR: Im neuen Jahr geht es dann am 05. Januar gegen Nevers.

JN: Da wollen wir unbedingt gewinnen, da wir erst einen Auswärtssieg haben und daheim schon mehrmals verloren haben.

TR: Ein paar Wochen später stehen dann auch wichtige Spiele mit der DRV XV an. Wie sieht das aus, wirst du von Seiten von Aurillac dafür verfügbar sein?

JN: Wir haben mit Aurillac die DRV-XV-Spiele besprochen, ich bin verfügbar. Aber leider kann sich so ein Ja in Frankreich auch schnell Mal ändern.

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Kommentare (3)add comment

Boudewijn Vertonghen said:

3905
Wie viele professionelle Teams?
Ein gutes, interessantes Interview :-)

Nur einen Punkt verstehe ich nicht:

„Die in mehrere Divisionen aufgeteilte Féderale 1 befindet sich gerade im Umbruch und der sogenannte Elite-Pool ist auf dem Weg zu einer Profi-Liga zu werden und da gibt es momentan sehr große Ungleichgewichte.“
„auf dem Weg zu einer Profi-Liga“ bedeutet normalerweise, dass der Elite-Pool es aktuell noch nicht ist und erst noch wird. Und das wurde in diesem Satz auch nur auf den Elite-Pool angewendet…der Rest der Féderale 1 müsste laut diesem Satz noch weniger professionell sein.

„Aber der Unterschied zwischen der Féderale 1 und der Bundesliga ist schon sehr groß, da alle Teams mittlerweile komplett professionell aufgestellt sind. Die machen wirklich nichts anderes als Rugby spielen. In der Bundesliga gibt es keine kompletten Profi-Teams, keinen kompletten Profi-Kader.“
Auf einmal ist in diesem Satz die gesamte Federale 1 (also nicht nur der Elite-Pool) bereits heute professionell aufgestellt…sieht für mich nach einem Versprecher oder einem Widerspruch zu oben aus, wenn ich da nichts falsch verstehe… aber gut … in so einem Interview überlegt man nicht lange und sagt schnell, was einem grad durch den Kopf geht.

Mich würde interessieren, wie es denn tatsächlich ist.

Zum Vergleich: im deutschen Fußball sollen nur die ersten 3 Ligen professionell sein und bereits bei den Regionalligen (der fünfgleisigen vierten Ebene) soll dies nicht mehr zutreffen. Wären alle Féderale 1-Teams komplett professionell, gäbe es in Südfrankreich in etwa so viele professionelle Rugby-Mannschaften wie im gesamten deutschen Fußball professionelle Fußball-Mannschaften gibt…
Dezember 30, 2017

TotalRugby Team said:

366
Zur Erklärung
Hallo Boudewijn - aus dem Elite-Pool der Féderale 1 soll ab 2020 die sogenannte Pro D3 werden, also die dritte komplett professionell organisierte Liga in Frankreich. Die Teams sind es jetzt schon, aber ab 2020 wird es dann auch Lizenzbedingung und somit Voraussetzung sein. Die Féderale 1 wird es weiterhin geben, nur wird sie dann die vierte Ebene in Frankreich sein und aus den anderen Pools bestehen, die momentan neben dem Elite-Pool koexistieren. Diese sind mehr oder weniger semiprofessionell.
Januar 02, 2018

Boudewijn Vertonghen said:

3905
...
Ah, okay. Danke :-)
Januar 03, 2018

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