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TR-Update international: Saracens entzaubert, NZ gewinnt Kapstadt 7s, Toulon mit Eigen-Versuch
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Dienstag, 12. Dezember 2017

Rugby-Wintermärchen in Europa - nur nicht für die englischen Klubs. Foto (c) Harlequins Instagram
Rugby-Wintermärchen in Europa - nur nicht für die englischen Klubs. Foto (c) Harlequins Instagram

Halbzeit in der Europapokal-Gruppenphase: Für Englands Vorzeige-Klub Saracens setzt sich die momentane Seuchen-Saison fort. Nachdem die Nord-Londoner sich noch im Frühsommer den zweiten Champions-Cup-Titel in Folge sichern konnten, läuft es seither nicht mehr so recht. Das aufgrund des Schnee-Chaos in der britischen Hauptstadt auf gestern Abend verlegte Heimspiel gegen den amtierenden französischen Meister Clermont wurde zum Debakel. Insgesamt lief es für die Premiership-Klubs im europäischen Top-Wettbewerb äußerst bescheiden - alle sieben Vertreter kassierten Niederlagen. Im sonnigen Kapstadt konnten sich derweil die All Blacks Sevens eindrucksvoll zurückmelden und holten sich den ersten Sevens-World-Series-Sieg seit knapp zwei Jahren.

Als sich Saracens im Mai den zweiten Titel im wichtigsten Klub-Wettbewerb der Nord-Hemisphäre in Folge sicherten, umwehte die Engländer noch eine Aura der Unschlagbarkeit. Der Gegner damals wie gestern: ASM Clermont Auvergne. Die Michelin-Männer aus dem Zentralmassiv, immerhin der amtierende französische Meister, hatten sich auf das Final-Rematch am Sonntag Nachmittag eingestellt. Als aber auch London von starken Schneefällen betroffen war machten sich im Verlauf des Sonntags Gerüchte breit, dass dieses Spiel verschoben werden könnte. Der Kunstrasen der Saracens-Heimat Allianz Park war dabei nicht einmal das große Problem, sondern das Verkehrschaos in der britischen Hauptstadt. In Großbritannien ist man derartige Winter-Einbrüche noch viel weniger gewöhnt als bei uns. So wurde das Spiel wenige Stunden vor Anpfiff abgesagt, um - so die offizielle Begründung - die Zuschauer nicht auf den Anfahrtswegen zu gefährden. 

Was diese Entscheidung allerdings völlig ad absurdum führte war die Tatsache, dass im nur 15 Meilen entfernen Twickenham Stoop, der Heimat der Harlquins, trotz starken Schneefalls gespielt wurde. Indes erfuhr Clermont wohl erst aus den Medien von der Absage und fühlte sich zurecht schlecht behandelt. Von „Inkompetenz“ war in einem offiziellen Statement der Franzosen die Rede. Ein erster Vorschlag das Spiel gestern um 14:00 unter Ausschluss der Öffentlichkeit abzuhalten wurde dann im Laufe des Montags auf 17:30 verlegt und immerhin wurde Ticket-Besitzern Zugang gewährt. Doch die zweifache Verlegung und die äußerst ungünstige Zeit hatten zur Folge, dass lediglich 2000 Zuschauer beim absoluten Top-Spiel des Wochenendes zu gegen waren.

Diejenigen, die es in den Allianz Park geschafft hatten, bekam eine Machtdemonstration sondergleichen zu sehen. Die sonst extrem heimstarken Saracens starteten nach drei knappen Niederlagen in der Premiership nervös - Clermont nutzte dies gnadenlos und zerlegte die Engländer beim 14:46 geradezu. Eine Leistung für die Ewigkeit zeigte dabei ein Fidschianischer Außen, den wir wohl auch bald im Trikot von Les Bleus zu sehen bekommen: Alivereti Raka.

 

Die Raka-Show in London



Der 24-jährige war erst im Jahr 2013 in die Clermont-Akademie aufgenommen worden war und sich erst im Laufe dieses Jahres seinen Platz in der Mannschaft gegen einen anderen Fidschi-Franzosen, Noa Nakaitaci, gesichert hatte, überragte alle anderen 45 Spieler auf dem künstlichen Nord-Londoner Grün. Drei Versuche sowie ein direkt selbst vorbereiteter Versuch und 170 Meter mit dem Ball in der Hand sprechen Bände.

Seine physische Stärke, sein Speed und sein für Fidschi übliches Offload-Spiel dürften den Franzosen bei den Six Nations eine wichtige Stütze sein. Weitere Frankreich-Kandidaten die bei dieser Demonstration glänzen konnten: Morgan Parra als Gedrängehalb und Wesley Fofana auf der 13/14. Bei so viel Talent fragt man sich manchmal warum die XV de France derzeit so schlecht dasteht.

Neben den Saracens gingen auch die anderen englischen Vertreter an diesem Wochenende allesamt unter, was in England Diskussionen über die Stärke der vermeintlich besten europäischen Liga ausgelöst hatte. Leinster konnte beim 18:8 dem amtierenden englischen Meister Exeter die erste Heim-Niederlage im Sandy Park seit über einem Jahr zufügen, während Munster daheim gegen Englands Rekordmeister Leicester gnadenlos effektiv war und mit 33:10 völlig ungefährdet als Sieger vom Platz ging.

Das „Rugby-Eigentor“ von Toulon

Bath dagegen hätte in Toulon fast noch einen unwahrscheinlichen Auswärtssieg einfahren können, unter anderem auch wegen dem Slapstick-Try des Jahres. Toulons Star-Winger und Rio-Gold-Gewinner Josua Tuisova hatte an der eigenen Fünf-Meter-Linie die Schnaps-Idee einen einhändigen schnellen Einwurf zu setzen und der unglückliche Abnehmer Chris Ashton sah sich hinter den eigenen Stangen der anrauschenden Bath-Offensive entgegen. Dieser schaffte es die Situation tatsächlich noch zu verschlimmern indem er den wohl schlechtesten Kick des Jahres setzte - dieser ging komplett seitwärts und landete auf Höhe der Mallinie in den dankbaren Händen von Bath-Innen Joseph der dankbar ablegte. Kommentator und Ex-England-Verbinder Stuart Barnes hatte den passenden Kommentar parat: „Wenn es im Rugby-Sport so etwas wie ein Eigentor gibt, dann haben Sie es gerade gesehen!“

 

Der Eigen-Versuch von Toulon


Doch am Ende musste sich auch Bath geschlagen geben - unter anderem auch wegen eines Genie-Streichs vom jungen Verbinder Anthony Belleau, der sich kurz vor der Linie per Bodenroller seinen eigenen Versuch vorbereitete. Noch besser machte es lediglich der aktuelle französische Tabellenführer La Rochelle. Die Männer von der Atlantikküste sind das einzige Team mit noch komplett weißer Weste: Drei Spiele und drei Siege mit Offensiv-Bonus. Dieses Mal mussten die Wasps beim 49:29 dran glauben und auch hier spielte ein wenig Slapstick eine Rolle. Wasps-Verbinder Danny Cipriani wollte einen Ankick der Franzosen klären, blickte aber zu keinem Zeitpunkt nach oben und kassierte den Block, der zum ersten von sechs La-Rochelle-Versuchen führte.

All Blacks Sevens mit Überraschungssieg in Kapstadt

In deutlich wärmeren Gefilden fand am Wochenende auch das zweiten Sevens World Series Turnier der Saison statt. Das zweite Turnier der Serie entwickelt sich mehr und mehr zum Highlight. Das malerisch zwischen Tafelberg und Atlantik gelegene WM-Stadion von 2010 mit seinen 55.000 Plätzen war schon vor Monaten für beide Tage innerhalb von weniger Stunden ausverkauft - etwas was den Springboks im Fünfzehner bereits seit einer Weile nicht mehr gelungen war.

Gastgeber Südafrika, die erst eine Woche zuvor in Dubai das erste Event souverän für sich entschiedne hatten, liefen als Favorit und mit dem unglaublichen Heim-Support der Blitzbokke-Fans im Rücken auf. Nach drei klaren Siegen in der Gruppenphase und einem Viertelfinal-Thriller gegen Fidschi lief alles nach dem Geschmack der Fans am Kap. Doch Neuseeland spuckte den Gastgebern im Halbfinale mächtig in die Suppe und vermieste den amtierenden World-Series-Siegern die Heim-Party.

Die Siebener-All-Blacks scheinen sich nach einem schwachen Abschneiden bei Olympia und einer Vorsaison ohne einen einzigen Turniersieg wieder gefangen zu haben. Im Finale gelang den Neuseeländern nach 15 Turnieren ohne Titel ein kaum gefährdeter 38:14 Sieg über Argentinien, obwohl das Turnier für die traditionell in schwarz auflaufenden Neuseeländer mit einer klaren 0:22 Klatsche gegen die USA begonnen hatte. Der beeindruckendste Versuch des Turniers gelang Neuseelands Joe Ravouvou, der im Finale gleich fünf Tackles der Argentinier brechen und zum Versuch ablegen konnte.

Aufsteiger Spanien konnte derweil mit Siegen über Schottland und Samoa, womit in der Endabrechnung Platz zehn bei den Kapstadt Sevens stand, wichtige Punkte im Kampf um den Klassenverbleib sammeln. Ebenso bemerkenswert - Kanada, die unsere DRV VII noch im Vorjahr in der Olmpia-Quali bezwingen konnte, schlägt im Turnierverlauf Olympiasieger Fidschi und wird in der Endabrechnung Vierter.

 

In Kapstadt nicht zu stoppen: Joe Ravouvou von den All Blacks

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