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Verbandsliga-Impresario i. R. verlässt seine Wolke
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Geschrieben von Heinz Albers   
Mittwoch, 1. November 2017

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Die Wolke ist eine Regenwolke. Als ich morgens zum 3. Verbandsligaturnier nach Neckarsulm fahre, regnet es in Strömen. Als ich aber auf dem Rossmarkt-Sportplatz ankomme, ist bereits alles heruntergekommen, was herunter wollte; die Sonne scheint, und der Platz ist grün, der Himmel sowas von Blau.

Das Bild auf dem Platz ist hübsch bunt: Rottweil in Gelb-Schwarz, Neckarsulm in Blau-Schwarz, Worms in Rot-Schwarz, Pforzheim in Grün-Weiss, Stuttgart in Blau-Gelb, die Heilbronner Schulmannschaft in Schwarz, ein gestandener Schiedsrichter in Gelb. Der Staffelleiter, mein Nach-Nachfolger, ist nur virtuell anwesend, er leitet die Staffel aus dem fernen Osten aus China oder Neuseeland per Internet. Na ja, denke ich als mittlerweile possierliches Fossil, der Fortschritt ist halt nicht aufzuhalten.

Der Schiedsrichter leitet die Besprechung der Teams: Neckarsulm, Rottweil/Pforzheim, Stuttgart/Worms. Gespielt wird 15er, was ich in meinem letzten Amtsjahr noch eingeführt hatte - vorher wurde 10er gespielt. U17-Spiele scheint es leider nicht mehr auf den VL-Turnieren zu geben. Als ich mir aber die Mannschaften genauer anschaue, kommen mir einige Spieler doch recht jung vor, genau wie beim 2. Turnier in Heidelberg. Zwar bekam ich versichert, die Jungs seien alle schon 17 Jahre alt; da ich aber in meiner 35jährigen Lehrerlaufbahn einige Tausend und in meiner 50jährigen Trainerlaufbahn einige Hundert Jünglinge betütert (und mich dabei nie gelangweilt habe), glaube ich die Jungs altersmäßig richtig einschätzen zu können.

Aber viel wichtiger ist, dass mit Begeisterung Rugby gespielt wird. Zunächst spielt Neckarsulm gegen Worms/Stuttgart. Die Neckarsulmer haben erst seit kurzem wieder eine 2. Mannschaft, in der auch zwei Ergänzungsspieler der 1. Mannschaft mitspielen, die dort wenig Spielzeit haben. Die anderen sind ein echter zweiter Anzug, wobei besonders die teilnehmenden Spieler der Heilbronner Schule eine Bereicherung sind. Beim Gegner stehen einige Spieler mit beträchtlichem Kampfgewicht auf dem Rasen, wodurch das 2 x 20 Minuten dauernde Spiel sehr ausgeglichen hin und her wogt. Worms, das in dieser Spielzeit keine 15er-Mannschaft stellen kann, könnte sich über die VL wieder stabilisieren, wie das in meiner Amtszeit bei einigen Vereinen gewesen ist. Das Spiel endet knapp für Neckarsulm.

Das Spiel der Gelb-Schwarzen gegen die Blau-Gelben ist noch ausgeglichener und wird erst in der Schlussminute knapp entschieden, wobei mir die junge Mannschaft aus Rottweil/Pforzheim einen Tick gedankenschneller zu sein scheint. Besonders der junge Verbinder macht einen sehr souveränen Eindruck, was sich im letzten Spiel noch verstärkt bestätigen sollte.

Im dritten Spiel ist die Heimmannschaft körperlich hoch überlegen und es gibt einen deutlichen Sieg für sie - was allerdings meiner Meinung nach nicht ganz im Sinne der VL ist; die VL ist nicht der Ort, wo man sich die Wettkampfhärte für höhere Ligen holt. Natürlich kann ich diese Absicht verstehen; verstehen kann ich auch die Vereine, die ihren Jugendlichen angesichts des spärlichen Spielverkehrs in U18 Spielpraxis geben wollen.

Die Lösung könnte so aussehen, dass man wieder einen U17-Spielbetrieb auf VL-Turnieren einrichtet und für ambitionierte VL-Mannschaften ein Abschlussspiel Alphatier gegen Rest der Welt ansetzt.

Ein Problem ist auch die Schiedsrichterfrage. Der Stuttgarter Referee überzeugt mich, zumal er seine Entscheidungen meist der Spielern erklärt, jedoch gibt es einige Undiszipliniertheiten auch von seiten erfahrener Spieler, die mit dem Schiri diskutieren wollen. Dass ein Jugendlicher wegen des Schiedsrichters ausrastet, mag man ihm hingehen lassen. Damals galt bei mir das 'Bock-zum-Gärtner-Prinzip: wer gegen den Schiedsrichter motzte, wurde freundlich zusammengefaltet und pfiff das nächste Spiel, und Ruhe war. Der Verband war damals oft in Person von Jörg Becker präsent, der mitunter selbst pfiff, meist aber ein, zwei Absolventen eines Schiedsrichterlehrganges im Schlepp hatte, die pfeifen ließ und, ausgerüstet mit einem Bier und einer Worscht, vom Spielfeldrand das Geschehen verfolgte und seine Eleven anschließend beriet.

Eine dritte Halbzeit gibt es leider nicht mehr, auch keine Niebel-Gutscheine für die Mannschaft und den Spieler des Tages und den Turniersieger.

Spieler des Tages ist in meinen Augen der mir namentlich leider nicht bekannte junge Verbinder der Rottweiler, der spielerisch alles bietet, was eine Nummer 10 ausmacht, und, was wichtiger ist, seine Mannschaft  zusammenhält und zur Disziplin anhält, als es wg. einiger Schiedsrichterentscheidungen hoch her geht.

Es ist schon was dran, dass man sich als Jugendlicher das Recht, als Mann behandelt zu werden, hart erarbeiten muss.

Mit diesem Gedanken begebe ich mich wieder auf meine Wolke. Es war ein schöner Verbandsliga-Spieltag.

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Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 1. November 2017 )
 
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