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TotalRugby-Rückblick auf die DHL Oktoberfest 7s: Von neuen Stars und dem Erbe fürs deutsche Rugby
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 5. Oktober 2017

Rugby übernimmt das Olympiastadion und die Stimmung war überragend. Foto (c) Keil
Rugby übernimmt das Olympiastadion und die Stimmung war überragend. Foto (c) Keil

Egal mit wem man sich im Turnier-Nachgang der DHL Oktoberfest 7s unterhielt: Das Feedback war überragend. Ob deutsche oder internationale Rugby-Fans, die partizipierenden Spieler, Medienvertreter oder die zahlreichen Offiziellen vom Weltverband World Rugby - das Geschehen im ehrwürdigen Münchner Olympiastadion wurde ausnahmslos positiv bewertet. Zwar war die Zuschauerzahl im Endeffekt unter den Erwartungen der Organisatoren geblieben, doch welche Stimmung man auch mit knapp 20.000 Fans unter dem Dach des Olympiastadions kreieren kann, haben die deutschen Fans am zweiten Turniertag bewiesen - und das wird so manchen internationalen Beobachter überrascht haben.

Erstes Turnier unter Neu-Nationaltrainer Zangqa ein Erfolg

Rein sportlich gesehen hat sich die deutsche Mannschaft teuer verkauft - trotz deftiger Nackenschläge, wie der schweren Verletzung von Neu-Kapitän Sam Rainger und den Querelen rund um die Vertragsverhandlungen mit dem Hauptsponsor. Gleich drei World-Series-Mannschaften konnten unseren Siebener-Jungs im Turnierverlauf bezwingen. Wobei Frankreich und Argentinien auch jeweils mit ihren Top-Mannschaften inklusive zahlreicher Olympioniken angereist waren, während England bei der München-Premiere vielen Nachwuchsspielern eine Chance gegeben hat.

Angesichts der Tatsache, dass Coach Vuyo Zangqa und sein Co-Trainer Clemens von Grumbkow erst wenige Wochen im Amt sind und dabei das Spielsystem der Mannschaft von Grund auf umgekrempelt haben, konnte sich diese Leistung mehr als nur sehen lassen. Mit eben jenem neuen Spielsystem gelang es der DRV-Auswahl immer wieder Lücken in die erfahrenen Defensiv-Reihen der Wold-Series-Teams zu reißen. Das direkte Spiel, mit blitzschnellen Rucks und dementsprechend zügigem Ball-Recycling funktionierte bereits sehr gut.

Doch ab und an verfiel die deutsche Mannschaft noch in alte Denkmuster und speziell unter Druck erfolgte dann der Versuch das Offload zu erzwingen anstatt geduldig die Phasen auszuspielen. Gerade nach dem Viertelfinal-Rückstand gegen England, nachdem die DRV-Auswahl das Geschehen auf dem Grün zuvor minutenlang dominiert und den vermeintlich zweiten Versuch gelegt hatte, zeigte sich das Team zu ungeduldig. Zwei unglückliche Konter-Versuche der Englander und schon wollten die deutschen Jungs das eigene Glück erzwingen. Stattdessen fingen sie sich mit überhasteten Aktionen aber weitere Gegenpunkte ein.

Was dann aber auf das Viertelfinal-Aus folgte war spielerische Klasse und viel Moral. Während in den vergangenen Jahren nach einem Ausscheiden aus dem Cup-Wettbewerb die Tendenz zu erkennen war mental nachzulassen und Spiele abzuschenken, legte die deutsche Mannschaft gar noch zu und bezwang in überragenderer Manier mit dem lautstarken Publikum im Rücken Frankreich und Argentinien. Außendreiviertel Tim Lichtenberg konnte dabei unter Beweis stellen, welche Finisher-Qualitäten er sich mittlerweile angeeignet hat.

 



Die sportliche Basis ist in jedem Fall gelegt und mit Irland stand der engste Konkurrent für die World-Series-Quali im kommenden April in Hongkong ebenso im Teilnehmerfeld der DHL Oktoberfest 7s. Die Boys in Green landeten nicht nur hinter der DRV-Auswahl, sondern wirkten alles andere als unbezwingbar - auch wenn ein direktes Aufeinandertreffen mit unserer Mannschaft ausblieb. Zwar wird Sam Rainger mit seiner Knie-Verletzung wohl bis Hongkong ausfallen - mit Tim Biniak, Phil Szczesny und Sebastian Fromm jedoch bekommt die deutsche Mannschaft bald wieder viel namhafte Verstärkung hinzu. Die Chancen auf die Qualifikation für die World Series in Hongkong dürften im dritten Anlauf in Folge wohl so gut stehen, wie noch nie zuvor.

Ein Medien-Echo bisher unbekannten Ausmaßes, national wie international

Das gute Abschneiden der deutschen Mannschaft war auch für die Präsenz der DHL Oktoberfest 7s in den deutschen Medien essenziell. Die Lokalpresse, allen voran die täglich von 100.000 Münchner Haushalten gelesene Süddeutsche Zeitung, aber auch der übertragende Sportsender Sport 1 waren natürlich ganz vorne dabei in der Berichterstattung und das bereits im Turnier-Vorfeld. So wurden mit Sebastian Fromm im bei den Zuschauern äußerst beliebten Sport 1 Fantalk und Clemens von Grumbkow in der Halbzeitpause der Europa-League-Übertragung zwei Sympathieträger der DRV VII bei Sport 1 einem großen Publikum vorgestellt. Dem Vernehmen nach soll Sebastian Fromm seinen Co-Studiogast Oliver Pocher gar zu einem Rugby-Fan konvertiert haben.

Die Süddeutsche Zeitung nahm das Turnier im Olympiastadion zum Anlass, um insgesamt etwa ein halbes Dutzend Rugby-Berichte in den zehn Tagen vor dem Event zu veröffentlichen - und beleuchtete dabei auch die Rugby-Szene in der bayerischen Landeshauptstadt: Die Jugendarbeit der Studentenstädter, das traditionsreiche Amateur-Turnier des MRFC und die ovale Vergangenheit des FC Bayern waren unter anderem Thema der breiten Berichterstattung. Nach dem Turnier wurde die SZ sogar noch euphorischer und titelte nacheinander „Darth Vader hat Gänsehaut“ (in Anspielung auf die Kostümierung vieler Fans und die überragende Atmosphäre) und „Ein geiler Sport soll wachsen“. Der Bayerische Rundunk im Radio und Fernsehen sowie Lokalsender München TV, der ebenso bis zu 100.000 Haushalte täglich in der Bayern-Metropole erreicht, brachten ebenso mehrere Beitrage - unter anderem mit Turnier-Direktor Miki Neuner und dem verletzten Speedster Phil Sczcesny.

Für die Münchner Rugby-Szene dürfte all die ungewohnte Aufmerksamkeit hoffentlich in deutlich mehr Nachwuchs münden. Denn realistisch gesehen hat unser Sport in der südlichsten Metropole bis dato noch ein sehr dürftiges Profil - auch wenn sich momentan mit dem RC Unterföhring eine dritte Kraft nachhaltig zu etablieren scheint. Denn auch abseits von den vielen Münchnern, die in den Medien erstmals über unseren Sport und dieses Turnier in den Medien erfahren haben, werden die Oktoberfest 7s dem Rugby-Sport in München ein Erbe hinterlassen. Bereits am Montag der Turnierwoche hatten sich Australiens Nationalspieler an der Wilhelm-Busch-Realschule im sozialen Brennpunkt Neuperlach als großartige Botschafter unseres Sports bewiesen. Mit insgesamt etwa 400 Kids trainierten die Boys aus Down Under und sprengten dabei jeglichen Zeitplan, da sie bis zum geplante Ende der Session und darüber hinaus jeglichen Fotowunsch erfüllen wollten. Der koordinierende Lehrer der Schule meinte bereits am Event-Tag: „Ich kann mich vor Anmeldungen für die Rugby-AG kaum noch retten!“

 

 

Die Oktoberfest 7s - ein Prestige-Gewinn fürs deutsche Rugby

Für das deutsche Rugby insgesamt ist dieses Event ebenso ein massiver Prestige-Gewinn. Nicht nur konnte ein deutsches Millionen-Publikum in der sonntäglichen ARD Sportschau in einem fünfminütigen Bericht über die sportlichen Leistungen der deutschen Jungs und die einmalige Atmosphäre im Olympiastadion erfahren. Auch auf der anderen Rheinseite widmete der größte öffentlich-rechtliche Sender Frankreichs - France 2 - dem Geschehen in München ganze fünf Minuten Sendezeit in der wohl beliebtesten Sportsendung des Landes „Stade“. Viele Franzosen werden sich verwundert die Augen gerieben haben „Deutschland und Rugby?" - zumal der Aufhänger des Beitrages der Sieg der deutschen Mannschaft über Frankreich war. 

Das zweitägige Siebener-Event wurde darüber hinaus in Australien, Fidschi, Südafrika und zahlreichen weiteren afrikanischen Ländern live übertragen. Hunderttausende verfolgten den Livestream auf der Facebook-Seite des Turniers sowie die vielen Highlight-Clips auf den Kanälen von World Rugby. Damit dürfte es kaum einen wundern, dass das Medien-Echo im internationalen Blätterwald überragend war. Südafrikas größte Sportwebseite Sport 24 berichtete ausführlich von der sportlichen Seite, aber ebenso von der überragenden Atmosphäre des Turniers. Australiens Gegenstück zur Bild, der Daily Telegraph, fokussierte sich auf Newcomer Maurice Longbottom. Der ehemalige Jugendspieler des Rugby-League-Topklubs South Sydney Rabbitohs wurde einst als zu klein für eine Profi-Rugby-Karriere befunden und konnte in München nun seinen Gegenspielern ein ums andere Mal Knoten in die Beine spielen. Australiens Triumph wurde aber natürlich auch in der größten Qualitätszeitung Sydney Morning Herald und beim Bezahlsender Fox Sports groß thematisiert.

 



Viele Hardcore Rugby-Fans um den Globus werden Deutschland erstmals in Verbindung mit Rugby gebracht haben. Die Marke deutsches Rugby und Oktoberfest 7s wurden dadurch ein deutliches Stück weit etablierter, was die Hürde für viele Fans im kommenden Jahr nach München zu reisen, niedriger gestalten sollte. Doch langfristig wird dieses Turnier wohl nur eine nachhaltige Erfolgsgeschichte werden, wenn es Teil der Sevens World Series wird. Diese Entscheidung wiederum liegt einzig und allein in den Händen des Weltverbands World Rugby.

Dessen zahlreiche Vertreter - ob nun PR- und Medien-Experten, aber vor allem die mit der Event-Organisation vertrauten Manager - hatten fast nur Positives zu berichten. Man mag meinen, dass dies von den international für ihre organisatorischen Fähigkeiten bekannten Deutschen erwartet werden dürfte. Doch ein Rugby-Turnier mit zwölf Mannschaften von vier Kontinenten mit limitierten Ressourcen erstmals zu veranstalten ist eine logistische Meisterleistung. Das von World Rugby und den World-Series-erfahrenen Spielern ausgegebene Zeugnis war jedenfalls großartig. Organisatorisch brauchen sich die Oktoberfest 7s nicht vor den etablierten World-Series-Events verstecken. Angesichts der momentanen TV-Rechte Situation wird das Event frühestens 2019 Teil der World Series werden. Bis dahin gilt es für die deutsche Rugby-Community, die am Wochenende zahlreich auf der Haupttribüne des Olympiastadions vertreten war, auch im kommenden Jahr dieses Turnier mit Leben zu füllen. Für unseren Sport ist es eine einmalige Chance und zugleich auch das beste Rugby-Klassentreffen, was man sich hierzulande wünschen kann.

 

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