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Rolle rückwarts für Super Rugby: Drei Teams stehen vor dem Aus
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Mittwoch, 12. April 2017

Vor dem Aus? Australiens Super Rugby Team Western Force aus Perth. Foto (c) Force Instagram
Vor dem Aus? Australiens Super-Rugby-Team Western Force aus Perth. Foto (c) Force Instagram

Super Rugby gilt für viele Fans und Experten noch immer als der beste Rugby-Vereinswettbewerb der Welt. Spektakuläre Offloads, gnadenlos offensiv geführte Spiele, krachende Tackles - all das mit den besten Spielern der drei Südhemisphären-Giganten Südafrika, Australien und Neuseeland. Super Rugby hat in Europa viele eingefleischte Fans, die sich auch von den oft frühen Ankick-Zeiten nicht abschrecken lassen. Doch Super Rugby hat nach der dritten Expansion seiner Geschichte im Vorjahr ebenso mit zahlreichen Problemen zu kämpfen: Einseitige Spiele, der riesige Reiseaufwand, den die Spieler auf sich nehmen müssen und vor allem in Australien ein latent sinkendes Zuschauerinteresse. Beim Ausrichter SANZAR will man nun gegensteuern und schrumpft den Wettbewerb in seiner Geschichte erstmals.

Seit seinen Anfängen als Super 12 Turnier - mit damals fünf neuseeländischen, vier südafrikanischen und drei australischen Teams - gab es für die Südhemisphären-Champions-League des Rugby nur eine Maßgabe: Weiter Expandieren. Strategische Fehler der Ausrichter, exponentiell steigende Gehälter in konkurrierenden Ligen, vor allem in Japan und Frankreich, sowie ein zunehmend unausgeglichener Wettbewerb haben Super Rugby in die größte Krise seiner 22-jährigen Existenz gebracht. Die am Wochenende verkündete Entscheidung eine australische Mannschaft, sowie gleich zwei Teams aus Südafrika aus dem Wettbewerb zu nehmen, während die letzten beiden Expansions-Teams - die japanischen Sunwolves und die Jaguares aus Argentinien - verbleiben, ist nicht völlig unumstritten.

 

Warum so viele Fans Super Rugby lieben: Spektakuläres Offensiv-Rugby der Extraklasse Woche für Woche



Doch in Australien ist die Lage geradezu dramatisch. Seit Jahren hat der Verband mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen. Im Vergleich mit den beiden Top-Sportligen des Landes - dem Rugby-League Wettbewerb NRL, sowie der Australian Football Meisterschaft AFL - ist der nur via Pay-TV zu empfangende Super Rugby Wettbewerb ins Hintertreffen geraten. Die beiden Expansions-Mannschaften Western Force, sowie die Melbourne Rebels haben bis dato nicht ein einziges Mal die Playoffs erreicht. Dabei sind die beiden Teams bereits seit elf und respektive 6 Jahren im Geschäft. Jedoch spielen beide Mannschaften in Städten, in denen Aussie Rules der absolut dominante Sport ist. Doch anstatt Rugby Union im Kernland des nur in Australien gespielten Hybrid-Spiels aus Fußball und Rugby beliebter zu machen, erwiesen sich sowohl die Force, als auch die Rebels als finanzielles Loch ohne Boden für den australischen Verband ARU. Wenn sich selbst für ein Duell gegen die traditionsreichen Reds aus Queensland nur 7.000 Zuschauer verirren, stimmt etwas nicht bei der Force, die auch seit Jahren nur mäßige Erfolge in der Sponsorensuche verzeichnet hat.

Mit dem zunehmenden Exodus an Topspielern aus Down Under gen Europa und den generell bescheideneren Ressourcen in Sachen Rugby-Nachwuchs im Vergleich mit Südafrika und vor allem Neuseeland, ließ die Wettbewerbsfähigkeit der australischen Teams zusehends nach. Die wenigen verbliebenen Stars mussten über die vergangenen Jahre hinweg auf fünf Profikader aufgeteilt werden. Bei der ARU half man sich damit Nachwuchskräfte bzw. nicht mehr benötigte Routiniers aus Südafrika und Neuseeland zu importieren um die Kader der beiden Sorgenkinder Force und Rebels aufzufüllen. Doch zu sportlichem Erfolg sollte dies nicht führen. In dieser Saison sieht es derweil besonders düster aus: Die Rebels konnten noch kein Spiel gewinnnen, die traditionell stärksten Teams Waratahs (2-5) und Reds (1-6) haben eine desaströse Bilanz, so dass die Force mit zwei Siegen bei vier Niederlagen noch das zweitbeste australische Team ist.

In Australiens hart umkämpften Sportmarkt wurde es in letzter Zeit auch immer schwieriger Sponsoren für die Teams zu finden. Mit nur 24 Millionen Einwohnern hat Australien wohl die höchste Dichte an Profi-Teams weltweit. Abgesehen von den über den Sommer hinweg ausgetragenen Cricket und Fußball-Wettbewerben kämpfen über die traditionelle australische Sportsaison im Winter laut Australiens öffentlich-rechtlichem Sender ABC ganze 56 Profi-Teams um die Aufmerksamkeit der Sport-Fans Down Under. Da wundert es kaum, dass ein solches Überangebot an League, Rugby, AFL, Netball und Basketball irgendwann zu sinkendem öffentlichen Interesse führt. Auch bei den Konkurrenz-Ligen NRL und AFL gab es in den letzten 20 Jahren bereits mehrere gescheiterte Expansions-Versuche.

Momentan gilt die Western Force als der heißeste Streich-Kandidat. Die eigene Präsenz im flächenmäßig größten Bundesstaat Western Australia gänzlich aufzugeben ist für die ARU sicherlich kein leichter Schritt. Zumal man bei den Offiziellen in Sydney es eher präferiert hätte, den Wettbewerb radikaler umzugestalten und die südafrikanischen Teams ganz aus dem Wettbewerb zu kegeln - so bestätigte es Fox Sports Moderator Sean Maloney gegenüber TotalRugby. Dadurch hätte man Millionen an Reisekosten jährlich eingespart und darüber hinaus deutlich weniger Spiele auf dem Kalender gehabt, die besonders schwer vermarktbar sind. Ein Vorabend-Spiel in Johannesburg oder Kapstadt läuft im australischen Fernsehen weit nach Mitternacht und lockt, wie beispielsweise bei der letzten Südafrika-Tour der Waratahs vor wenigen Wochen, lediglich um die 10.000 Pay-TV-Kunden vor die australischen Fernseher. Ein Bruchteil von der sonstigen Einschaltquote. Die Spiele mit neuseeländischer Beteiligung dagegen sind nicht nur wegen ihres hohen sportlichen Wertes in Australien beliebt. Die riesige neuseeländische Einwanderer-Community zählt zu den treuesten TV-Zuschauern von Super Rugby in Australien. Der New Zealand Herald konnte sogar zuletzt triumphierend feststellen: „Kiwi Super Rugby-Teams sind bei australischen TV-Zuschauern beliebter als jedes australische Team.“

Doch einen Wettbewerb nur mit Australien, den in der gleichen Zeitzone gelegenen Sunwolves aus Japan, sowie einem eventuellen Team von den pazifischen Inseln, das durch die zahlreichen Einwanderer aus Samoa, Tonga und Fidschi in Sydney und Auckland sicherlich eine große Anhängerschaft hätte, wollte der neuseeländische Verband nicht. In Neuseeland nämlich schätzt man den traditionell harten Wettbewerb mit den südafrikanischen Teams, der junge Spieler auf die späteren Duelle im schwarzen All Blacks Shirt mit den Springboks vorbereite. Die guten Beziehungen zum südafrikanischen Verband zu kappen, um den Australiern auszuhelfen, kam für Neuseelands Verband nicht in Frage. Insgesamt ist man in Neuseeland mit dem Status Quo relativ zufrieden. Die eigenen Teams sind seit einigen Jahren mit Abstand erfolgreichsten im Wettbewerb und vor allem produziert der Wettbewerb konstant junge Talente für das Nationalteam. Rufe nach weniger NZ-Derbys, die als besonders hart umkämpft und damit ermüdend gelten, wurden nicht erhöht. Mit dem neuen Format wird jedes neuseeländische Team gegen jedes andere wieder zwei Mal antreten müssen.

 

Ex-Boks Coach White: "Für Südafrika ist diese Entwicklung gut!"

In Südafrika wiederum ergibt sich ein gemischtes Bild. Zwar ist der Rugbysport bei Sponsoren und Fans immer noch der mit Abstand beliebteste, doch mit der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und dem Wertverlust der Währung Rand musste keine andere Rugby-Nation derart viele Spielerabgänge nach Europa und Japan verkraften. Mitten in dieser Entwicklung mit den Kings ein weiteres südafrikanisches Team hinzugefügt zu haben, wird wohl als größter Fehler des Verbandes SARU in die Geschichte eingehen. Die Kings aus Port Elizabeth sind im zweiten Jahr Super Rugby weiterhin eines der schlechtesten Teams und füllen ihr schmuckes WM-Stadion von 2010 nicht mal ansatzweise. Dazu musste der Verband im letzten Jahr die Kings vor der Pleite retten und schrieb so erstmals selbst seit Jahren einen Verlust. 

Doch Grund für diese Expansion war unter anderem auch politischer Druck. Denn die Eastern Province Region, in der die Kings beheimatet sind, hat die eine lange Tradition talentierte schwarze Rugby-Spieler hervorzubringen. Während die schwarze Bevölkerung beispielsweise in Johannesburg eher dem Fußball zugeneigt ist, spielen junge schwarze Kids in und rund um Port Elizabeth Rugby. Angesichts der riesigen Anzahl an talentierter schwarzer Kids, die dem Verband als potenzieller Nachwuchs und spätere Fans verloren geht, verstand man die Kings auch als strategisches Investment in die Zukunft des südafrikanischen Rugbys.

Stattdessen werden die Kings wohl nun aller Wahrscheinlichkeit nach, wie die ebenso chronisch erfolglosen und von den Fans wenig geliebten Cheetahs der Super-Rugby-Reform zum Opfer fallen. Während das in Südafrika durchaus viel Kritik erfuhr, sieht der ehemalige Springbok Coach Jake White, der die Nationalmannschaft 2007 zum WM-Titel führte, diese Entscheidung als „großartig für Südafrika.“ White kennt auch die Perspektive der Australier, immerhin hat er die Brumbies noch vor wenigen Jahren ins Super Rugby Finale geführt. Insgesamt ist sich der Erfolgscoach sicher „manchmal ist weniger mehr“, denn insgesamt sei das Niveau durch zu viele neue Teams zu sehr verwässert worden. Nun werde man sich wieder auf die Wurzeln des Wettbewerbs berufen. Welche Teams aus dem Wettbewerb fliegen sollen, äußerte White nicht. Doch die vier großen Teams des Landes: Stormers, Sharks, Bulls und Lions wird man bei SARU ganz sicher nicht antasten wollen.

 

Die japansichen Sunwolves waren bisher weniger erfolgreich als die Jaguares, konnten am Wochenende erstmals die Bulls schlagen



Für Rugby-Fans bleibt damit vor allem zu hoffen, dass der Wettbewerb wieder ausgeglichner wird. Neuseelands Dominanz wird sicherlich noch eine Weile anhalten. Doch die verstärkten Südafrikanischen Teams dürften in den kommenden Jahren wieder eine größere Rolle spielen. Außerdem ist mit den Jaguares das einzige positive Überbleibsel der letzten Reform weiterhin im Wettbewerb vertreten. Sollte der Aufstieg der Argentinier weitergehen, dürften sich Super Rugby Fans umso mehr auf die kommenden Jahre freuen. Bleibt das Sorgenkind Sunwolves - doch selbst die bisher chronisch erfolglosen Japaner konnten am Wochenende ihren ersten Sieg einfahren und haben weiterhin sehr gute Zuschauerzahlen und Einschaltquoten.

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