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Gruß von der Insel: Ansichtssache
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Donnerstag, 2. Februar 2017

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TotalRugby-Experte Max Lueck

Lest Ihr diesen Text gerade auf eurem Smartphone? Trifft sich gut, damit wären wir nämlich direkt beim Thema. Falls Ihr auch noch zufällig aktiv Rugby spielt, solltet Ihr nur noch den Artikel zu Ende lesen und dann euer Handy erstmal weglegen.

Vergangene Woche hat die anerkannte Expertin für Sehvermögen im Spitzensport, Dr. Sherylle Calder, in einem Interview erklärt, dass in den vergangenen sechs Jahren, also seit dem Smartphones massentauglich wurden, ein auffällig starker Rückgang der visuellen Fähigkeiten unter Sportlern zu beobachten ist.

Frau Calder gilt als Koryphäe auf dem Gebiet und arbeitet seit Jahren erfolgreich mit Sportlern aus vielen verschiedenen Disziplinen an der Verbesserung dieser enorm wichtigen, aber oft übersehenen (!) Eigenschaften. Insbesondere im Profisport, wo oft Millisekunden oder Millimeter den Unterschied machen, kann diese Kompetenz über Sieg und Niederlage entscheiden.

Aus diesem Grund hat England-Coach Eddie Jones die gebürtige Südafrikanerin jetzt in seinen Trainerstab aufgenommen. Calder war bereits in Clive Woodwards Ära beim englischen Weltmeisterschaftstitel 2003 sowie bei Südafrikas WM-Sieg 2007 beteiligt. Neben dem Rugbysport, hat Calder auch schon mit American Footballern, Golfern und Rennfahrern gearbeitet.

Nach jahrelanger Erfahrung auf dem Gebiet, lässt sich nun immer häufiger ein Rückgang visueller Fähigkeiten feststellen. Zudem kommen noch mangelnde Aufmerksamkeit und verschlechterte Kommunikationsskills. Allesamt  enorm wichtige Eigenschaften die ein moderner Profi im Repertoire haben sollte.

Calder sieht die Ursache für diesen Rückschritt u.a. bei dem exzessiven Handykonsum, der selbstverständlich nicht nur unter Normalbürgern existiert, sondern auch bei den Profis gang und gäbe ist. Sie begründet dies mit der plausiblen Erklärung, das während wir auf unsere Handys schauen so gut wie keine aktive Augenbewegung benötigt wird und deswegen alles ziemlich statisch abläuft.

Das Ziel der England-Trainer ist es nun, genau an diesen Schwachstellen zu arbeiten, denn Aufmerksamkeit und effektive Kommunikation helfen dabei, die richtigen Entscheidungen unter Hochdruck zu treffen.

Die Theorie von Calder klingt logisch und ist nachvollziehbar. Aber wie schafft man es einer Profimannschaft den ständigen Handykonsum abzugewöhnen? Die Trainer haben sich für den eher lockeren Weg entschieden. Anstatt ein striktes Verbot anzuordnen, wird nahegelegt den Konsum nach und nach zu verringern und den Spielern ein “gutes“ Verhalten beizubringen. Dies, so Calder, erreicht man am besten durch ständiges hinweisen der Vorteile, die durch eine regelmäßige Abstinenz erlangt werden können.

Klar, während die Kids vor ein paar Jahren noch munter auf Bäume geklettert und von Mauern gesprungen sind, verbringen sie heute die meiste ihrer Freizeit mit dem starren auf einen Bildschirm. Wie soll so das Lernen einer ausgeprägten Augen-Hand-Koordination möglich sein?

Die gute Nachricht, so Calder, all die Fähigkeiten die häufig nachlassen, sind relativ leicht wieder erlernbar und keineswegs angeboren. Es bedarf nur einiges an Übung und dazu sollte man das Handy öfters mal an Seite legen.

Max Lueck, 32, hat seine Rugby-Karriere als Spieler in Brühl angefangen und zog 2007 nach England, um dort Coaching zu studieren. Mittlerweile hat er mit vielen Rugby-Vereinen und Athleten als Trainer und Manager gearbeitet. Derzeit leitet er mit Leidenschaft und Ehrgeiz das Projekt 7 Bamboos Rugby und bloggt regelmäßig für diverse Plattformen und Online Magazine. Weitere Information unter www.7bamboosrugby.com

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