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Italien vor den Six Nations: Schon wieder nur Letzter - na und?
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 30. Januar 2017

Für Exeter gerade in absoluter Topform und Italiens gefährlichste Offensiv-Waffe auf der Dreiviertelreihe: Michele Campagnaro
Für Exeter gerade in absoluter Topform und Italiens gefährlichste Offensivwaffe in der Dreiviertelreihe: Michele Campagnaro.

Als Italiens Trainer Conor O’Shea vergangenes Jahr sein Amt als Coach der Azzurri antrat, war ihm die Dimension der Aufgabe, die auf ihn wartete, sicherlich bewusst. Italien hat bei seinen 17 Six-Nations-Teilnahmen bisher ganze elf Mal den „Wooden Spoon“ - eine satirische imaginäre Trophäe für das schlechteste Team bei den Six Nations - abgeräumt, mehr als alle anderen Teilnehmer zusammen. Der ehemalige Leinster-Schluss an der Seitenlinie der Azzurri ging mit einem klaren Ziel in sein Amt: Bei der WM in Japan 2019 erstmals die Gruppenphase überstehen.

Mit dieser Zielsetzung im Hinterkopf betont man bei den Italienern vor den diesjährigen Six Nations, dass man eher die mittel- bis langfristige Entwicklung der Mannschaft als Ganze im Kopf habe und die Ergebnisse vorerst zweitrangig seien. So ist der absolute Konsens unter Rugby-Experten in den bekannten Publikationen in Großbritannien, Frankreich und Irland auch kaum verwunderlich: Italien ist auch 2017 der heißeste Kandidat auf den „Wooden Spoon“.

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Dabei gab es auch in den vergangenen Jahren durchaus ermutigende Zeichen für die Italiener: Siege gegen Frankreich und Irland, sowie der Last-Minute-Triumph in Schottland vor zwei Jahren. In einzelnen Spielen konnten sich die Azzurri durchaus als konkurrenzfähig auf dem Platz präsentieren. Der erstmalige Sieg gegen die Springboks im vergangenen November in Florenz bleibt dabei bisher der vorläufige Höhepunkt für Italiens Rugby-Fans. Aber die mangelnde Konstanz ist immer noch eines der größten Defizite der Italiener. So ließen die Italiener auch im November unter Coach O’Shea auf den glorreichen Sieg gegen Südafrika eine peinliche Niederlage gegen ein bis daher äußert schwaches Tonga folgen.

Dennoch ist beispielsweise der ehemalige Springbok- und Italien-Coach Nick Mallett davon überzeugt, dass Italien gegen Wales eine Überraschung gelingen könnte. Die Waliser werden in dieser Saison aufgrund der "British and Irish Lions"-Verpflichtung ihres Trainers Warren Gatland von Interimscoach Rob Howley betreut und scheinen durchaus verwundbar zu sein. Das für die Waliser schlussendlich glückliche 30:30 im November gegen Japan sollte dafür Beweis genug sein.

Der italienische Kader

O’Shea hat sich bei seiner Kader-Nominierung trotz der angestrebten Verjüngung wieder auf eine Vielzahl von erfahrenen Veteranen verlassen müssen. Viel wird erneut von der Leistung des Kapitäns und Italien-Talismans Sergio Parisse abhängen. Der mittlerweile 33-jährige ist in jeglicher Hinsicht immer noch der Dreh- und Angelpunkt des Azzurri-Spiels. Sein physisch hartes Spiel, seine Kabinen-Ansprache, aber auch seine für einen Stürmer überragenden technischen Fähigkeiten haben Italien sehr oft in engen Spielen gehalten. Doch zu oft reißt Parrisse das Spiel zu sehr an sich und macht seine Mannschaft damit ein Stück weit ausrechenbarer. Trotzdem bleibt Parisse, der mit seinen 122 Azzurri-Einsätzen mittlerweile Rekordnationalspieler Italiens ist, ein unverzichtbarer Pfeiler.

Die seit Jahren größte Baustelle der Italiener bleibt die Verbinder-Position. Mit Carlo Canna von Zebre und Tomasso Allan von Benneton Treviso sind die beiden Zehner der chronisch erfolglosen italienischen Pro 12 Teams Conor O’Sheas einzige Wahl. Mit 23 und 24 Jahren sind beide noch recht unerfahren, aber vielleicht gelingt es dem irischen Coach der Azzurri damit mittelfristig das seit Jahren bestehende Verbinder-Problem zu lösen. Zur Zeit scheint Canna der Favorit für die Startaufstellung zu sein und wird wohl auch die Kicks vom Tee übernehmen. 

Der einzige Debütant im Kader Italiens ist Federico Ruzza, ein 22-jähriger Zweite-Reihe-Stürmer von Zebre. In der ersten Sturmreihe ist Italien derweil zu sehr von den erfahrenen, aber in die Jahre gekommen Routiniers Cittadini und Ghiraldini abhängig. Fehlen dagegen wird erstmals Martin Castrogiovanni, der noch vergangenes Jahr eine wichtige Stütze der Italiener war. Er hat nach 119 Einsätzen im Trikot Italiens und einer illustren Karriere zum Jahreswechsel im Alter von 35 Jahren die Rugby-Stiefel an den Nagel gehängt.

 

TR-Spieler im Fokus

Michele Campagnaro ist derzeit in überragender Form und eine der wenigen Offensiv-Waffen auf die sich Italien, so denn er nicht gerade verletzt fehlt, verlassen kann. Dem Innendreiviertel von den Exeter Chiefs gelang gleich bei seinem Six Nations Debüt 2014 ein Doppelpack im Millennium Stadium von Cardiff. Der damals erst 20-jährige spielte sich damit schnell in die Notizbücher der europäischen Top-Klubs und wagte früh den Sprung von Italien nach England in die Premiership. Zuerst sollte sich der Wechsel des hochtalentierten robusten Innens nicht auszahlen. Seine erste Saison war von Verletzungen durchzogen und war für Campagnaro schlicht eine zum vergessen.

Doch in den letzten drei Monaten hat der junge Italiener sich endgültig im Team des englischen Vizemeisters festgespielt und konnte nach anderthalbjähriger Durststrecke mittlerweile sieben Versuche in den letzten drei Monaten erzielen. Darunter auch ein Hattrick gegen den Tabellenführer Wasps. Campagnaro verkörpert perfekt die Anforderungen an einem modernen Center: Schnell, körperlich robust, kann das Spiel offensiv wie defensiv lesen und dazu ist Campagnaro auch technisch auf allerhöchstem Niveau. Wenn er mit der Dreizehn auf dem Rücken  und Platz vor ihm auf die gegnerische Defensive anläuft, herrscht höchste Gefahr.

 

Michele Campagnaro feierte bereits im Alter von 20 Jahren ein großartiges Debüt. Nach langer Verletzungspause ist der Dreitzehner nun wieder in Topform.

 

TotalRugby-Prognose: Italien kann unter Conor O’Shea durchaus eine gute Entwicklung vollziehen in den nächsten Jahren. Doch momentan haben die Azzurri einfach zu wenige Waffen in ihrem Arsenal, um den Top-Teams Europas gefährlich zu werden. Außerdem ziehen die Schotten, die bisher der schärfste Konkurrent um den „wooden spoon“ waren, zusehends davon.

Ein grundsätzliches Problem ist das Fehlen einer echten Gewinner-Mentalität in den italienischen Reihen. Ein Großteil der Spieler im italienischen Kader kommen von den beiden Pro 12 Mannschaften Italiens, Zebre und Treviso. Beide Teams liegen abgeschlagen und aussichtslos am Ende der Tabelle der Pro12. Dass zu viele Spieler der Azzurri daran gewöhnt sind, fast jede Woche zu verlieren, hat sich zum echten Problem für diese entwickelt. 

Bei den Heimspielen gegen Irland, Frankreich und Wales könnte den Azzurri durchaus ein Sieg gelingen. Doch gerade der Auswärtstrip nach London droht für Italien zum Debakel zu werden, nachdem sich die Italiener bereits im Vorjahr daheim eine 9:40 Schlappe kassiert haben. Italien ist auch nach unserem Erachten der heißeste Kandidat auf den letzten Platz. Aber immerhin glauben wir, dass den Azzurri anders als im Vorjahr zumindest ein Sieg gelingen wird.

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