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TotalRugby-Jahresrückblick Berliner RC: Zurück in die Zukunft
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Dienstag, 10. Januar 2017

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Der BRC war gegen Hannover 78 chancenlos, konnte aber gegen den anderen Hannoveraner Top-Klub Germania List einen unerwarteten Sieg einfahren.

Unsere Serie zum Jahreswechsel, in der wir einen genauen Blick auf alle Rugby-Bundesligisten werfen, geht heute mit dem derzeitigen Viertplatzierten der ersten Bundesliga Nordost weiter. Wir schauen auf die durchwachsene Hinrunde des Berliner RC zurück und und unterhalten uns mit den Verantwortlichen der Hauptstädter, um zu erfahren wie es denn nun mit dem BRC unter dem alten neuen Coach Danny Stephens weitergeht.

Die Saison 2016/17 fing für den Hauptstadtclub mit einem Paukenschlag an. Der damalige Coach der Berliner und amtierender U 16 Nationaltrainer, Tim Wimberg, zog sich vor Saisonstart vom Amt des Herrentrainers zurück. Er hinterließ den Posten völlig überraschend seinem Vorgänger Danny Stephens, der während seiner Amtszeit etliche Abgänge der BRC-Urgesteine zu verzeichnen hatte. Wimberg übergab seinem Nachfolger ein gut aufgestelltes und extrem verjüngtes Team, das Stephens auch sogleich versuchte zu vereinen.

Im ersten Spiel gegen den Aufsteiger TSV Victoria Linden lief auch alles nach Plan. Der Neuling konnte in Berlin mit 53:0 bezwungen werden. Das zweite Spiel gegen Hannover 78 sollte jedoch zur ersten Bewährungsprobe und Wasserstandsbestimmung werden. Die Niedersachsen wiesen die Berliner in die Schranken, was allerdings schlussendlich zur Verfestigung der Moral in der Hauptstadt führen sollte. Gegen den Hamburger RC konnte man zu Hause wieder Oberluft schnuppern, um kurz darauf im großen Berlin-Derby gegen den ewigen Rivalen RK 03 Berlin nach langer Führung mit zehn Punkten zu unterliegen. Zwei Wochen später tankten die Berliner gegen die Hanseaten vom St. Paulianer Kiez mit einem 54:7 Sieg ordentlich Selbstbewusstsein, welches kurz darauf vom aufstrebenden Rugby Club aus der sächsischen Messestadt Leipzig durch eine unerwartete 14:18 Niederlage wieder zunichtegemacht wurde. Im letzten Spiel der Hinrunde bündelten die Berliner noch einmal alle Kräfte und erkämpften sich bei einem der Spitzenklubs im Norden, dem SC Germania List, einen 25:24 Auswärtssieg ab.

 

 

Ein von @berliner_rugby_club gepostetes Foto am 23. Okt 2016 um 11:41 Uhr

 

Der Schein trügt: Gegen die Leipziger mussten sich Danny Stephens Männer erstmals in der Vereinsgeschichte geschlagen geben

 

BRC-Headcoach Danny Stephens selbst fasst die Hinrunde seiner Männer wie folgt zusammen: „Wir sind langsam sehr gut zusammengewachsen. Es gab gute und schlechte Momente. Dass auf den Tiefpunkt, der Niederlage gegen Leipzig, sogleich der Höhepunkt, der Sieg gegen Germania, folgte, zeigt sowohl das spielerische Potenzial unserer Mannschaft, als auch unser Manko: Manchmal zu unkonzentriert und lässig zu sein. Aber im Großen und Ganzen ist es zufriedenstellend, wie wir uns entwickelt haben und nun freuen wir uns auf eine bessere Rückrunde“.

So weit so gut, aber um in der Rückrunde nicht doch noch abgehängt zu werden, müssen die Berliner nicht nur eine Schippe drauflegen, sondern auch eine gewisse Konstanz entwickeln, um nicht jedes Match zum Lottospiel zu machen. Das weiß auch Vereinspräsident Mark Temme: „Wir haben in der Hinrunde einige Punkte liegen gelassen, das wollen wir in der Rückrunde vermeiden und einige Plätze gut machen“. Dafür kann der BRC nach wie vor aus seinem großen Kader an Spielern schöpfen. Jeweils zwei Mannschaften in jeder Jugend-Altersklasse stellt der Hauptstadtclub. Dazu gesellen sich noch drei Herrenmannschaften im laufenden Spielbetrieb. Das ist eine Leistung, auf die der BRC sichtlich stolz ist und die in Rugbydeutschland trauriger Weise Seltenheitswert besitzt. Daher wollen die Berliner einvernehmlich nicht auf Einkäufe oder Verstärkung von außerhalb vertrauen: „Es kontaktiert uns relativ häufig der ein oder andere Expat, aber wir verlassen uns nicht darauf ein. Festzustellen ist, dass unsere U 18 Mannschaft die Regionalliga Ost dominiert und es daher in naher Zukunft einen neuen Schwung an Erstliga-tauglichen Spielern geben wird“, prognostiziert Stephens.

Nicht nur sportlich gab es in der letzten Zeit beim BRC Höhen und Tiefen. Das geplante eigene Stadion schlug in der Bezirkspolitik und der Lokalpresse anfangs hohe Wellen. Der favorisierte Standort an der Wilma-Rudolph-Oberschule, die mit dem BRC jüngst eine enge Kooperation eingegangen ist und nun erstmalig Rugby als feste Sportart in der Oberstufe und damit als Abiturbestandteil anbietet, floppte. Grund dafür war die große Protestwelle, u.a. von den Anwohnern des benachbarten „Dahlem Paradise“, einer luxuriös ausgestatteten Eigentumswohnungssiedlung, die einen erhöhten Lärmpegel und eine Beeinträchtigung ihres Parkraums befürchteten. Ein zweiter Standort im Südwesten Berlins, direkt an der Grenze zum brandenburgischen Kleinmachnow, wurde daraufhin ebenso vom BRC in Betracht gezogen und favorisiert. Ein Umweltgutachten der bereits bestehenden Sportanlage deutete jedoch auf eine Kontaminierung des Bodens hin, was eine Bebauung erschweren und finanziell verteuern würde. Daher ist es nur allzu verständlich, dass sich Vereinspräsident Mark Temme ob der neuerlichen Situation enttäuscht zeigt: „Leider stehen wir mit unseren Plänen, ein eigenes Stadion zu bauen, wieder bei Null. Alle, die vorher große Versprechungen machten, haben ihre Versprechen nicht eingehalten. Es sieht derzeit nicht gut aus“.

Trotz dieser Hiobsbotschaften will sich der BRC demnach wieder voll auf das Sportliche konzentrieren: „Wir glauben daran, dass am Ende der laufenden Saison der dritte Platz sicherlich möglich ist“, schließt Head Coach Danny Stephens ab.

 

TotalRugby-Prognose: Der BRC steht tabellarisch recht langweilig im Mittelfeld auf dem vierten Rang. Doch noch kann die Reise in beide Richtungen gehen, denn die Leipziger, denen man sich in der Hinrunde geschlagen geben musste, lauern mit nur drei Punkten Rückstand hinter dem BRC. Aber auch nach oben ist noch was drin für die Berliner: Die Lister Germania ist mit sechs Punkten Vorsprung noch nicht außer Reichweite und nach dem Sieg im direkten Duell wird man sich beim BRC zutrauen, die Hannoveraner noch abzufangen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es für den BRC allerdings nicht für einen Playoff-Platz langen, auch wenn ein Bundesliga-Finale auf dem Platz des Erz-Rivalen RK 03 für viele BRCler die größte Motivation sein dürfte. Dafür sind der RK 03 und 78 mit elf Punkten Vorsprung zu weit enteilt. Der BRC wird die Saison ohne jegliche Abstiegssorgen und mit der Hoffnung auf den dritten Platz im Mittelfeld der Tabelle beenden.

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