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TR-Review Rugby-Bundesliga: München gewinnt Play-Off-Duell, Pauli das Abstiegsendspiel
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 13. Mai 2024

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Niklas Hohl war beim MRFC der Erfolgsgarant - der Verbinder kickte seinen MRFC in die Playoffs. Foto (c) Perlich

Die reguläre Saison der Rugby-Bundesliga ist Geschichte. An einem spannenden letzten Spieltag rettete sich der FC St. Pauli im direkten Duell um den Klassenerhalt gegen Victoria Linden und schickte die Zebras in die Zweitklassigkeit. Derweil besiegte der BRC den Rivalen Germania und hat als Zweite im Norden Heimrecht in den Playoffs. München musste bis zur letzten Sekunde zittern, schaffte aber erstmals den Einzug in die Playoffs und das in der zweiten Saisons nach dem Aufstieg.

Nord / Ost

Berliner RC 33-3 SC Germania List

Das direkte Duell um Rang zwei im Norden ging am Ende klar an die Berliner Gastgeber, die noch in der Hinrunde ganz knapp bei den Germanen unterlegen waren. Damit spielt der BRC in den Playoffs daheim gegen die Handschuhsheimer Löwen, wie schon vor einem Jahr. Im Spiel am Samstag ließen die Hauptstädter nie einen Zweifel daran, dass sie dieses Duell auf heimischen Rasen für sich entscheiden wollten.

Die Berliner begannen druckvoll und konnten mit ihren schweren Ballträgern immer wieder Lücken in die Defensivreihe der Gäste reißen. Erste-Reihe-Stürmer Mathis Blume war der Erste, der sich den Weg über die Linie bahnte. Germania-Verbinder Daniel Koch verkürzte zwischenzeitlich per Straftritt auf 3-7, doch dies sollten die einzigen Punkte für die Gäste bleiben.

Zu stark war die BRC-Defensive an diesem sonnigen Mai-Tag, die immer wieder mit viel Druck aufrückte und die Gäste gar nicht erst in die weiten Kanäle kommen ließ. Der BRC wiederum schuf sich die Räume selbst und Schluss Andrew Oakden wurde mustergültig zum nächsten Versuch bedient. Als BRC-Hakler dann aus kurzer Distanz auf 19-3 erhöhte, sanken die Köpfe der Gäste erstmals.

Nach der Pause dann fast dasselbe Bild. Germania fand kein adäquates Mittel gegen die physische Präsenz der Berliner. Der bullige BRC-Achter Zimmermann bahnte sich den Weg zum nächsten Versuch durch und am Ende war es der eingewechselte Zweite-Reihe-Stürmer Rudyshin, den letzten Versuch legte.

Eine zwischenzeitliche Unterzahl nach Gelb für den eingewechselten Alison machte am Ende keinen Unterschied mehr. Für die Germanen bedeutet dieses Ergebnis, dass man in zwei Wochen nach Neuenheim reisen muss. Nachdem die Germanen einen sehr starken Herbst hatten, haben sie es in den letzten Wochen verpasst, sich das angestrebte Heim-Viertelfinale zu sichern.

 

Hannover 78 30-7 Hamburger RC

Die Nordmeisterschaft geht auch in diesem Jahr an Hannover 78, auch wenn die Bilanz mit zwei Niederlagen nicht ganz so makellos ist, wie noch in den Vorjahren. Doch am Ende haben die Männer vom Maschsee auch wegen ihrer Erfahrung und mannschaftlichen Geschlossenheit den Dreikampf an der Spitze für sich entscheiden können und dürfen jetzt den München RFC zum Playoff-Viertelfinale empfangen.

Gegen den Hamburger RC übernahmen die Hannoveraner früh das Ruder und kombinierten ab der Mittellinie munter. Die ersten Punkte besorge Lucas Cobau vom Tee, bevor die kurze Ecke Vaceslav Vozyk erstmals für 78 ins Malfeld einlief. Bei fast schon sommerlichen Bedingungen fehlte 78 aber die letzte Durchschlagskraft gegen eine aufmerksame HRC-Defensive. Nur Schluss Jarrod Saul schaffte es noch vor der Pause ein weiteres Mal für die 78er einzulaufen.

Nach dem Pausenstee und einigen Wechseln bei den Hamburgern konnte 78-Routinier Benjamin Simm für die Gastgeber nachlegen. Nun folgte die stärkste Phase der 78er, die bemüht waren, jegliche Zweifel über den Sieger auszuräumen. Innen Lucas Cobau erzielte innerhalb von nur vier Minuten einen Doppelpack zum 30-0, womit die Hannoveraner rund 20 Minuten vor Ende den Bonuspunkt und den Sieg in der Tasche hatten.

Auch dieses Jahr das beste Team im Norden: Hannover 78

Der späte Versuch durch HRC-Prop Bandholz und eine Gelbe der Hannoveraner für wiederholtes Abseits änderte daran nichts mehr. Mit 30-7 ging der Favorit als Sieger vom Feld und Coach Christian Doering betonte im Nachgang: „Wir sind zufrieden auch diese Aufgabe erfolgreich gemeistert zu haben. Der HRC hat uns nochmal alles abverlangt. Nun gilt es den verdienten Staffelsieg zu geniessen und sich dann auf das Viertelfinale in zwei Wochen vorzubereiten.“ Die Hannoveraner wollen erneut wie vorige Saison bis ins Halbfinale kommen und hoffentlich den nächsten Schritt ins Endspiel schaffen.

 

FC St. Pauli 38-28 Victoria Linden

Es war das große Endspiel gegen den Abstieg für beide Teams und am Ende hatten die Gastgeber allen Grund zu jubeln. In einem Spiel, das zwischenzeitlich einem wilden Schlagabtausch glich, hatten die Paulianer den Kampfgeist mitgebracht, der ihnen am Ende den Klassenerhalt sichern sollte.

Dabei gingen die ersten Punkte des Tages per Straftritt an die Zebras, die einige Anhänger aus der Leinestadt mitgebracht hatten. Der erste Versuch gelang Pauli-Routinier Putzke, der nach einer langen Druckphase mittig einlaufen konnte. Doch dann folgte die stärkste Phase der Gäste, die zunächst per Dropgoal von Jantjies und dann durch zwei schnelle Versuche auf 20-7 davonzogen.

Doch dies sollte die höchste Führung der Gäste sein, denn noch vor der Pause konnte St. Pauli auf 14-20 verkürzen und hätte fast noch die Führung übernommen, hätte man das Leder nicht aus aussichtsreicher Position kurz vor der Linie verloren. Nach dem Pausentee kickte Bezouidenhout weitere wichtige Punkte für die Gäste, doch Braunweiß zeigte jetzt noch mehr Willen und hatte auch das nötige Glück.

Luca Nelles fing einen Zebras-Pass heraus und lief zum 21-23 ein. Spielerisch hatten die Gäste nun nicht mehr viele Lösungen parat und versuchten sich mit einem Kick aus der eigenen Hälfte, der allerdings nicht über die Stangen ging. Stattdessen kombinierte sich St. Pauli zwanzig Minuten vor Ende unter dem Jubel des Heim-Anhangs zur 26-23 Führung durch.

Wenig später tankte sich der Pauli-Sturm dann zum 31-23 durch und Pauli wähnte sich erstmals auf der Siegerstraße. Als dann Flanker George Matthews wenige Minuten vor Schluss mit Gelb runter musste, nachdem er versucht hatte einen Ball herauszufangen, war noch einmal Zittern angesagt. Doch die Gäste nahmen nun zu viel Risiko und fingen sich den zweiten Intercept, der das Spiel endgültig entschied.

Mit der letzten Aktion schaffte Victoria noch einmal den Anschluss, der einen 30-minütigen Sturmlauf der Gastgeber beendete, aber schlussendlich keinen Unterschied machte. Das Team von Jens Himmer ist damit am Ende einer turbulenten Saison abgestiegen, die mit einem Punktabzug von drei Zählern schon schwierig begann. Doch angesichts von vier Zählern Rückstand auf den RK 03 und neun auf St. Pauli hätte dieser schlussendlich keinen Unterschied gemacht.

 

 

RC Leipzig 49-24 RK 03 Berlin

Für die Leipziger stand vor dieser Partie schon fest, dass man am Ende der regulären Saison auf Rang vier landen würde. Doch den Sachsen ging es darum, die perfekte Rückrunde zu beenden, denn bisher hatte man kein einziges Bundesligaspiel im Jahr 2024 verloren. Die Berliner wiederum benötigten noch einen Zähler um zu 100% den Klassenerhalt zu schaffen, was am Ende auch gelingen sollte.

Leipzig hatte an diesem warmen Frühlingstag beim letzten Heimspiel der Saison einen Traumstart. Leipzigs schneller Außen Alexander Richter tanzte sich schon in der zweiten Minute zum ersten Versuch durch. Doch der RK hatte nur vier Minuten später die Antwort parat. Per Paket schafften es die Gäste bis kurz vor die Linie, wo Zweite-Reihe-Stürmer Denis Frank per Pick and Go den letzten Meter über die Linie schaffte.

Leipzig hatte dann seine Vorteile, wenn es schnell wurde. Die Sachsen kamen durch Außen Alrebdawi und Neuner Kriel zu zwei schnellen Versuchen zum 21-7. Der RK verpasste zunächst zwei aussichtsreiche Chancen auf den Anschluss, konnte aber mit dem Pausenpfiff auf 14-21 aus Gästesicht verkürzen. Nach einer langen Druckphase war es erneut RK-Stürmer Frank, der erneut aus kurzer Distanz zum zweiten Mal vollendete.

Leipzig gewann nach einer Leistungssteigerung in Durchgang zwei souverän, doch der RK erkämpfte sich den Offensiv-Bonus

Im zweiten Durchgang folgten auf dem schnellen Geläuf zunächst keine Punkte, da der RK zu verschwenderisch mit den Chancen umging. Doch dann kam Leipzigs-Hakler Jaun de Bruyn, der das gesamte Spiel über der beste Ballträger der Sachsen war, mit einem unwiderstehlichen Antritt zum nächsten Versuch.

Leipzig übernahm nun vollends das Heft des Handelns und machte durch Czarnecki und Guerrero alles klar. Doch die Berliner benötigten noch immer den Offensiv-Bonus, um unabhängig vom Resultat in Hamburg in der Liga zu bleiben. Erneut war es das Paket, das für den RK zum Schlüssel wurde und an dessen Ende Erste-Reihe-Stürmer Timo Boehlke zum Versuch ablegten. Fünf Minuten später folgte dann der vierte Versuch, als Spielertrainer Falk Duwe in seinem wohl letzten Spiel in RK-Farben nach langer Druckphase der Berliner Gäste den vierten vielumjubelten Versuch der Gäste ablegte.

Leipzigs Außen Sibiya konterte mit der letzten Aktion noch einmal zum Endstand, als er mit viel Speed aus der eigenen Hälfte nach einem Befreiungskick bis ins Malfeld sprintete. Doch am Ende gingen beide Teams zufrieden aus dieser Partie. Der RK holt nach einem schwierigen Herbst, nur zwei Siegen, aber insgesamt acht Bonuspunkten den Klassenerhalt, Leipzig tritt nun beim Meister Frankfurt 1880 in den Playoffs an.

Süd / West

München RFC 26-24 Offenbach Rugby

Der MRFC spielt dank des Sieges gegen Offenbach im direkten Duell im erst zweiten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit in den Playoffs. Die Münchner um Kapitän und Verbinder Niklas Hohl erarbeiteten sich dies mit einem absoluten Kraftakt. Im ersten Durchgang nahmen beide Teams jede Chance auf Punkte mit und so stand es nach 20 Minuten 9-3 für die Gastgeber, die sich auf ihren Kicker Hohl verlassen konnten.

Der erste Wirkungstreffer zum 10-9 gelang dann aber den Gästen, die mit ihrem bulligen Außen Christian Holmes zum ersten Versuch des Spiels kamen. Mit zwei weiteren Straftritten durch Neuner Degli stand es zwischenzeitlich 16-9. Doch ein Schlussspurt des MRFC mit einem Versuch durch Linus Müller, sowie zwei weiteren erfolgreichen Kicks vom Tee durch Hohl bedeuteten die 19-16 Führung der Gastgeber zur Pause.

In Durchgang zwei nahmen sich beide Teams zunächst nichts, bis Offenbachs Innen Nicolas Menguy zum zweiten Gäste-Versuch durchbrach. Doch die Münchner hatten wenig später die passende Antwort parat, als Außen Cilian Moughty zum entscheidenden zweiten MRFC-Versuch durchlief. Ein später Straftritt von Offenbachs französischem Halb Degli brachte die Gäste noch einmal in Reichweite.

Doch den Gästen gelang es trotz mehrere Vorstöße in die 22 der Gastgeber nicht mehr, in den letzten 15 Minuten noch einmal zu punkten. Der MRFC spielt damit in Hannover im Viertelfinale gegen 78. Trainer Alan Moughty war im Anschluss überschwänglich und erklärte gegenüber TR: „Das war unfassbar und nervenaufreibend - die Jungs haben sich in der Schlussphase mit allem was sie hatten dazwischen geworfen und Offenbach verteidigt!“

RSV Köln 26-61 SC Frankfurt 1880

Der RSV Köln kann trotz einer couragierten Leistung gegen Frankfurt 1880 die Klasse nicht halten. Am Ende stehen die Kölner punktgleich mit dem RK Heusenstamm und haben eine um fast 200 Punkte bessere Differenz, haben aber den direkten Vergleich mit dem RK Heusenstamm verloren und müssen deshalb den bitteren Weg in die Zweitklassigkeit antreten.

In Durchgang eins hielten die Kölner phasenweise mit dem Meister mit und gingen nach einem Versuch des Deutsch-Argentiniers Nico Donnadio mit 7-18 in die Pause, nachdem Frankfurt durch Becker, Adler-Prop Wolf und Prop Jordan Gogo zu Punkten kam. In Durchgang war es der 1880-Sturm, der mit jeweils zweiten Versuchen durch Wolf und Gogo für die Entscheidung sorgte.

Doch Köln gab sich in seinem vorerst letzten Bundesliga-Auftritt zu keinem Zeitpunkt auf und erzielte durch Hakler Vasquez, Julian Rieger und Ben Baumgartl drei weitere Versuche zum Offensiv-Bonus. Doch die Frankfurter hatten mit Außen Thang noch einen blitzschnellen Spieler, den Köln nicht unter Kontrolle bekam. Er erzielte einen Doppelpack und Adler-Prop Zymvragos setzte den Schlusspunkt.

Köln hofft nun, dass die zweite Bundesliga West wieder zu Stande kommt, während die Frankfurter daheim im ersten Playoff-Spiel den RC Leipzig empfangen und die Mission Titelverteidigung nach einer weiteren ungeschlagenen regulären Saison vollenden wollen.

 

TSV Handschuhsheim 110-12 RK Heusenstamm

In dem Wissen um den fast schon sicheren Klassenerhalt reisten die Füchse mit nur 18 Spielern nach Handschuhsheim, wo ein Löwen-Team auf sie wartete, das einiges wieder gutmachen wollte und im letzten regulären Spiel der Saison eine „hochsouveräne Leistung“ Leistung ablieferte, wie es Pressesprecher Moritz Bayer formulierte. Der TSV gab von der ersten Minute an Vollgas und nahm den Fuß nicht vom Pedal.

Kian Beyer eröffnete den Punktereigen in der zweiten Spielminute und noch in Durchgang eins sollten acht weitere Versuche fallen. Einzig Heusenstamms Flanker Phillip Franke erzielte einen Versuch, so dass es zur Pause 54-7 stand. In Durchgang zwei änderte sich nichts, auch wenn Josh Gando, der wohl gefährlichste Löwe an diesem Nachmittag, zwischendurch zehn Minuten mit Gelb zuschauen musste.

Das dreistellige Ergebnis ändert aber nichts daran, dass die Löwen nun auswärts ran müssen, da sich der SCN parallel keinen Ausrutscher erlaubte. So sehr man sich bei den Löwen über die Ausrutscher der letzten Wochen ärgert, nun muss man erneut in Berlin antreten, wo man sich voriges Jahr schon ein packendes Duell mit dem BRC lieferte. Heusenstamm kann nun die Planungen für die neue Bundesliga-Saison planen, die angesichts der zuletzt sehr dünnen Personaldecke eine Herausforderung sein dürfte.

 

RG Heidelberg 7-101 SC Neuenheim

Für die RG Heidelberg ging es in diesem Spiel rein tabellarisch um nichts mehr und dennoch waren einige verwundert, dass die Orange Hearts in ihrem letzten Heimspiel mit nur 18 Spielern antraten. Das Resultat war 80 Minuten Einbahnstraßenrugby und die zweite Pleite für die RGH in Serie, während Neuenheim den gesamten Frühjahr über ungeschlagen bleibt.

Schon zur Pause hatte Königsblau mehr als 50 Zähler und den Offensivbonus in der Tasche, während die RGH bei einem der wenigen Ausflüge mit dem Ball in Neuenheims Hälfte durch Alexandru Axin zum Ehrenversuch kam. Für Neuenheim war die deutliche Führung zur Pause kein Grund, mit dem Rugbyspielen aufzuhören. Die Gäste spielten im Derbymodus weiter und sorgten am Ende für ein dreistelliges Ergebnis.

Neuenheim darf dadurch in den Playoffs daheim antreten und empfängt in zwei Wochen die Germania. Angesichts der Formkurve beider Teams ist Königsblau dabei der klare Favorit. Für die RGH macht die Pleite keinen Unterschied mehr, auch wenn der Sprung auf Rang fünf noch möglich gewesen wäre. Angesichts des Trainerwechsels und Personalrochaden muss man am Ende mit dem souveränen Klassenerhalt zufrieden sein.

 


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