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TR-Formcheck: Unser Power Ranking 300 Tage vor WM-Start
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Mittwoch, 16. November 2022

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Wer wird Englands Zehner? Marcus Smith sitzt nicht fest im Sattel. Foto (c) Perlich

Vor der letzten Runde der November Internationals machen wir bei TR den Formcheck. Wie steht es um die WM-Chancen der fünf größten Titelfavoriten, weniger als 300 Tage vor Start des Rugby World Cups in Frankreich.

Frankreich

Der Grand-Slam-Sieger mag vielleicht nicht die Nummer eins der Weltrangliste sein. Doch les Bleus sind seit mittlerweile zwölf Spielen ungeschlagen und haben binnen Jahresfrist alle anderen Top-Favoriten auf den WM-Titel geschlagen: Neuseeland, Irland, England und nun am letzten Wochenende den Titelverteidiger Südafrika.

Im pickepackevollen Stade Velodrome von Marseille sah das Duell mit den Boks zunächst nach einer klaren Angelegenheiten aus. Frankreich ging nach einem Stürmer-Versuch von Prop Cyril Baille mit 13:0 in Front und spielte in Überzahl - Weltspieler des Jahres 2019 Pieter Steph du Toit war wegen eines Cleanouts gegen den Kopf früh vom Platz geflogen.

Charaktersieg der Franzosen: Nun haben les Bleus alle Top-Gegner in einem Jahr geschlagen

Doch nicht nur kämpften sich die Boks zurück ins Spiel, zu Beginn von Durchgang zwei flog Frankreich-Superstar Antoine Dupont vom Feld, nachdem er Boks-Außen Kolbe bei einem Sprung unglücklich zu Boden brachte. Doch Frankreich konnte gegen aufstrebende Boks das Spiel mit der Brechstange gewinnen und die Boks sogar im Sturm dominieren.

Frankreich ist die gefestigtste Mannschaft, kann sowohl stark kombinieren, als auch mit dem Sturm dominieren. Die Tiefe im Kader auf allen Positionen sucht ihresgleichen. Dazu spielen les Bleus daheim mit fanatischen Fans im Rücken. Aktuell sieht Frankreich wie der aussichtsreichste WM-Kandidat aus.

Irland

Noch nie hat es Irland über das Viertelfinale einer WM hinausgeschafft. Das soll sich spätestens nächstes Jahr ändern. Die Iren scheinen in der besten Form jemals zu sein. Bis auf die Niederlage in Frankreich bei den Six Nations überzeugt das Team von Andy Farrell seit mindestens zwei Jahren.

Die Iren spielen strukturiert, schnell, mit Finesse und Power. Das hat dafür gereicht erstmals eine Serie in Neuseeland gegen die All Blacks und zuletzt daheim gegen die All Blacks zu gewinnen. Voriges Wochenende tat sich Irland gegen Fidschi schon deutlich schwerer. Das lag aber auch daran, dass ein gewisser Johnny Sexton fehlte.

Die Verbinder-Position ist und bleibt die Achillesferse des Irland-Teams. Hinter dem bald 38-jährigen Johnny Sexton kommt lange nichts. Sollte der Zampano des irischen Teams bis zur WM und über das Turnier hindurch fit bleiben, könnte es für Irland weiter gehen als jemals zuvor. Vielleicht sogar bis zum Titel!

Neuseeland

Wo steht Neuseeland wirklich? Das ist nach einem Achterbahnjahr 2022 kann das niemand so richtig sagen. Die All Blacks sind individuell weiter brillant besetzt. Kassierten aber erstmals eine Heim-Niederlage gegen Argentinien, verloren die Serie gegen Irland, mussten gegen Japan bis zur letzten Sekunde zittern.

Gleichwohl haben die All Blacks noch immer eine phantastische Mannschaft, die in allen Mannschaftsteilen großartige Spieler hat. Spieler wie Ardie Savea, Beauden Barrett, oder Rieko Ioani sind der Grund dafür, dass Neuseeland dennoch die Rugby Championship gewonnen hat und zuletzt Wales deklassierte.

Ein Sieg, jedoch sind die All Blacks anfälliger als früher

Die Ergänzung des Trainerteams um Ex-Coach Joe Schmidt vor wenigen Wochen hat dafür gesorgt, dass die All Blacks wieder in die Spur gefunden haben. Jedoch scheint der dreimalige Weltmeister dennoch anfälliger denn je. Wofür das bei der WM reicht, wird man sehen - Topfavorit sind die All Blacks aber bei weitem nicht.

Südafrika

Beim Titelverteidiger stellen sich zur Zeit einige Fragen. Die wohl brennendste betrifft die Verbinder-Position. Das Team von Jacques Nienaber hat ein ebenso durchwachsenes Jahr hinter sich und musste sich Irland und Frankreich geschlagen geben. Die wichtigste aller Fragen: Wer soll das Boks-Trikot mit der Zehn tragen?

Der bisherige Verbinder Handré Pollard war sowieso alles andere, als unumstritten. Der junge Damien Willemse kann das Bok-Spiel weitaus besser antreiben, ist aber kein sicherer Kicker vom Tee. Die weiteren Alternativen Manie Libbok (jung), Johan Goosen (fehleranfällig), Frans Steyn (wenig dynamisch) haben allesamt ihre Nachteile, so dass selbst über eine Rückkehr von Morne Steyn diskutiert wurde.

Die Boks haben weiterhin einen Monster-Sturm und viele starke Individualisten. Jedoch hat der Titelverteidiger bei weitem nicht die Form gezeigt, die ihn 2019 zum Titel führte. Fans der Boks sind derzeit nicht übermäßig selbstbewusst mit Blick auf die Titelchancen ihres Teams.

England

Ein Sieg gegen Neuseeland am Samstag würde die Stimmung im England-Camp und der Rugby-Öffentlichkeit im Mutterland vielleicht noch retten. Denn zuletzt nahm die Kritik am Team des Vizeweltmeisters und besonders dem Trainer immer mehr zu. Die Pleite gegen Argentinien, die schwache Vorstellung bei den Six Nations, viele unerfindliche Entscheidung von Eddie Jones - zuversichtlich ist in England kaum jemand, trotz des deutlichen Kantersieges gegen Japan.

Auch in England wird weiter darüber diskutiert, wer auf der Verbinder- und Zwölfer-Position spielen soll und wie die Herangehensweise aussehen soll. Marcus Smith startete zuletzt, hatte aber von Jones nie den Freifahrtsschein bekommen, um sein Offensiv-Spiel aufzuziehen, wie er das bei den Harlequins tut. Dazu läuft Owen Farrell, sofern fit, bei Jones immer auf - jedoch ist der Saracens-Profi ebenfalls Verbinder und pflegt einen anderen Stil, als Smith.

England abzuschreiben, wäre dennoch ein riesiger Fehler. Im Gegensatz zum weiteren Favoriten-Feld, mit Teams wie Argentinien, den Wallabies, oder auch Japan, hat England mit dem Sturm noch ein absolutes Ass im Ärmel und sehr viel Tiefe im Kader.

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