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Nach dem DRT: Aufbruchstimmung unter Vorbehalt
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 16. Juni 2022

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Neues Logo und damit auch Aufbruchsstimmung - nach dem geradezu harmonischen DRT könnten nun wieder sportliche Schlagzeilen in den Fokus rücken.

Als deutscher Rugby-Fan ist man leidgeprüft. Speziell die letzten Jahre hat unser Sport hierzulande eher mit Skandalen und Intrigen von sich Reden gemacht, als mit sportlichen Erfolgen oder konstruktiver Verbandsarbeit. Zumindest letztere konnte man am letzten Wochenende beim DRT in Heidelberg begutachten. Rugby-Deutschland kann an einem Strang ziehen und vielleicht wird es auch bald wieder etwas mit den sportlichen Erfolgen.

Der DRV, oder sagen wir besser Rugby Deutschland, ist finanziell in solidem Fahrwasser, die Nationalteams sind allesamt wieder auf der internationalen Bühne unterwegs und beim Deutschen Rugby-Tag herrschte eine konstruktive, fast schon harmonische Atmosphäre, die zu wichtigen Entscheidungen und Kompromissen führte.

Nach zwei schwierigen Pandemiejahren und mehr oder minder offen ausgetragenen Konflikten im deutschen Rugby sind das aus Sicht derjenigen, die den ovalen Ballsport hierzulande gedeihen sehen wollen, gute Nachrichten. Natürlich ist bei weitem noch nicht alles, was glänzt, gleich Gold.

Harmonie aber wenig Resonanz

Zunächst wäre da die Beteiligung beim DRT. Nicht einmal ganze zwei Dutzend Vereine und acht Landesverbände waren am letzten Sonntag in Heidelberg vertreten. „Das ist erschreckend wenig“, so Denis McGee, der Vorsitzende des Berliner Rugby-Verbands, der zugleich betont: „Nichtsdestotrotz war die Atmosphäre sehr konstruktiv und es wurden wichtige Entscheidungen getroffen.“

Dazu zählt die Reformierung des Stimmrechts bei künftigen DRTs. McGee war unter anderem zusammen mit Nils Zurawski vom Hamburger Verband und Götz Köthe vom München RFC Teil einer vom DRV-Präsidium eingesetzten Kommission, die einen Kompromiss erarbeitet hat, durch den künftig wieder die Mitgliederzahlen von Vereinen die Stimmgewichtung beim DRT beeinflussen. Jedoch wird durch eine simple mathematische Formel (Quadratwurzel der Mitgliederzahlen + Quadratwurzel der U18-Mitglieder) dafür gesorgt, dass Großvereine nicht übermächtig werden und die Jugendarbeit belohnt wird.

Zurawski, der sowohl den HHRV als auch den FC Sankt Pauli Rugby vorsteht, gibt sich ebenso verhalten optimistisch. „Rugby-Deutschland ist wieder handlungsfähig“, zumindest wenn es in den kommenden Wochen keine juristischen Querschüsse gebe. Mit diesen müsse man immer rechnen, jedoch sollte sich das jeder gut überlegen. „Wir sind als Verband und Sport zu klein, um uns ständig gegenseitig zu beharken“, so Zurawski.

Selbst die Problematik Sonderumlage ist vom Tisch

Selbst die Problematik Sonderumlage, sowie die Beitragserhöhung für das kommende Jahr wurde schlussendlich gelöst. Einziger Vorbehalt: Einige der Vereine, die sich zuletzt vehement dagegen gewehrt hatten, fehlten beim DRT. „Nur auf dem DRT haben die Mitglieder die Chance, öffentlich Kritik zu üben und von Ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen.“sc, so die Einschätzung von BRV-Präsident McGee. Auch weil es beim DRT um eine weitreichende Satzungsänderung ging - die kompromissbereite Herangehensweise des Präsidiums, das beim DRT im Amt bestätigt wurde, fand derweil Anklang.

Bei Fragen zur Beschlussfähigkeit des Präsidiums, sowie zum Verbandsausschluss einzelner Mitglieder habe man Kompromisse gefunden - besonders die Rolle von DRV-Vorstand Florian Hartmann sei lobend hervorzuheben. All dies stimme ihn „grundsätzlich eher optimistisch“, so McGee. Jetzt, so der ehemalige Bundesligaspieler des Berliner RC, könne man das Kapitel hoffentlich abschließen, wenn das Schiedsgericht endlich über die Klagen zu den letzten beiden DRTs entscheide.

DRV-Führung geht gestärkt aus dem DRT

Grundsätzlich steuert das deutsche Rugby auf ruhigeres Fahrwasser zu. Die aktuelle Verbandsführung geht nach dem DRT gestärkt in die nächsten Wochen, inklusive dem Sportdirektor Manuel Wilhelm. Dieser erklärte sich dem Plenum gegenüber erstmals ausführlich nach der vermeintlichen Affäre im Vorjahr um seine Rolle.

Wilhelm führte aus, dass die Staatsanwaltschaft nach der Befragung von über 20 Zeugen, unter anderem auch den Hinweisgebern des Spiegel, der ARD und des SWR, die Ermittlungen gegen ihn und Alexander Widiker bereits letzten Sommer eingestellt hatte. Da die umfangreichen Ermittlungen zum gleichen Urteil kam wie zuvor bereits das DRV-Präsidium, die DRV-Ethikkommission, das Innenministerium, die Bundeswehr, die Sporthilfe und der DOSB - nämlich, dass die Vorwürfe überwiegend nicht auf Tatsachen beruhten.

Sein öffentliches Schweigen erklärte Wilhelm damit, dass er sich nun seinerseits gegen die „Verdachtsberichtstattung“ von Spiegel und SWR juristisch zur Wehr setze, weshalb er sich zwar im Rahmen einer Mitgliederversammlung persönlich erklären könne - er oder das Präsidium sich aber bis zum Abschluss der Auseinandersetzung nicht weiter öffentlich äußern könnten. Angesichts der massiven Wellen, die diese „Affäre“ im Vorjahr geschlagen hatte, war das Thema auf dem DRT jedoch nur eine Randnotiz.

Mit der anstehenden Siebener-EM der Damen und Herren, sowie der WM-Qualifikation für den Sevens World Cup rücken schon bald sportliche Themen wieder in den Vordergrund - endlich, könnte man meinen. „Künftig können wir hoffentlich wieder vermehrt sportliche Schlagzeilen machen“, so die Hoffnung McGees.

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Kommentare (1)add comment

Götz Köthe said:

1762
Teilnahme an der Stimmrechts-Kommission?
Ich kann mich nicht erinnern, bei der Stimmrechts-Kommission teilgenommen zu haben. Aber vom MRFC war definitiv jemand dabei ;-)
Juni 17, 2022

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Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 16. Juni 2022 )
 
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