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TR-Kommentar Eine vernünftige aber dennoch enttäuschende Entscheidung
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 17. August 2020

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Man sieht sich erst im Frühjahr 2021 wieder. Die Rugby-Bundesliga wird 2020 nicht starten können - eine vernünftige aber dennoch enttäuschende Entscheidung. Foto (c) Janus

Die Reaktionen reichten von Entsetzen bis hin zu widerwilligem Verständnis. Die am Wochenende getroffene Entscheidung des Rugby-Bundesliga-Ausschusses, zur weiteren Verschiebung des Bundesliga-Starts, spaltet Rugby-Deutschland. Viele Vereine müssen deshalb mehr als ein Jahr ohne jegliches Wettkampf-Rugby auskommen und der Frust zeigt sich bei den Reaktionen. Dennoch, wir bei TR meinen: So enttäuschend diese Entscheidung auch sein mag, sie ist vernünftig.

Unsicherheit ist das große Stichwort, das die Lage aktuell dermaßen verkompliziert - die Mehrheit der Erst- und Zweitligisten sah sich am Samstag noch nicht in der Lage, in diesem Herbst in einen regulären Spielbetrieb überzugehen. Auch wenn es die Umstände zuletzt in weiten Teilen des Landes zuließen, normale Rugbyspiele zu organisieren, kann aktuell niemand garantieren, dass dies in den nächsten Wochen auch noch der Fall sein wird.

Zu volatil ist das Infektionsgeschehen und dementsprechend die Reaktionen der Behörden, die in der ersten Pandemie seit über 100 Jahren zuweilen genauso überfordert sind, wie die Verantwortlichen der deutschen Rugby-Klubs. Niemand hat Erfahrungen mit einer solchen Situation und dementsprechend fährt das deutsche Rugby auf Sicht - das aber gar nicht Mal unbedingt schlecht.

Die Rahmenbedingungen für einen nationalen Spielbetrieb sind aufgrund der noch immer stark auseinanderklaffenden Regularien und lokalen Voraussetzungen schlicht nicht gegeben. Hinzu kommt, dass nach einer Reihe von Lockerungen auch wieder stärkere Beschränkungen folgen können - die steigenden Corona-Zahlen in Deutschland sind zumindest besorgniserregend. Der Fall Luxemburg (TR berichtete) verdeutlicht darüber hinaus, wie schnell ein lokaler Ausbruch einen Spielplan torpedieren könnte.

Angenommen wir hätten uns bereits im Ligabetrieb befunden, als in Luxemburg die Infektionszahlen durch die Decke geschossen sind: Wie hätte man mit der Erklärung von Luxemburg zum Risikogebiet durch das Robert-Koch-Institut umgehen sollen? Alle Spiele mit RCL-Beteiligung hätten definitiv abgesagt werden müssen. Nach dem Ende der Beschränkungen hätte der Bundesligist aus dem Großherzogtum dann mindestens zwei Wochen gebraucht, um im Trainingsbetrieb wieder in eine Verfassung zu kommen, die für den Wettkampf in der Bundesliga nötig ist.

Ob die Lage im März signifikant besser sein wird, wenn der Bundesliga-Spielbetrieb in die neue Saison starten soll, steht Stand heute in den Sternen. Immerhin werden das Land, die Medizin und nicht zuletzt auch die Verantwortlichen im deutschen Sport einige wichtige Erfahrungen im Umgang mit dem neuartigen Coronavirus gesammelt haben. Dazu werden im Rugby-Kontext bis dahin hoffentlich auch viele außerhalb des Ligabetriebs ausgetragene Spiele beitragen. 

Einige der besten deutschen Klubs haben sich nach TR-Informationen schon lose zu möglichen Spielen untereinander ausgetauscht. Sie könnten für einen möglichen Ligastart zum Vorreiter werden. Andersherum brauchen diese Klubs den Spielbetrieb auch, um ihre Spieler bei Laune zu halten. Auch beim Schreiber dieser Zeilen überwog am Samstag zunächst die Enttäuschung darüber, dass im Jahr 2020 kein „richtiges“ Rugbyspiel mehr möglich sein wird. Nach einiger Reflexion über die Lage überwiegt aber das Verständnis für die getroffene Entscheidung.

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