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TR-Interview mit Hagen Schulte Teil 2: Anruf vom Wallaby-Weltmeister
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Freitag, 3. April 2020

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Hagen Schulte bei seinem Adler-Debüt 2017 gegen die USA in Wiesbaden. Foto (c) Keil

In Teil 1 unseres TR-Interviews hat uns Hagen Schulte verraten, wie er die letzten turbulenten Wochen verbracht hat und wie er sich auf dem Feld mit All-Blacks-Legende Ma'a Nonu duellierte. In Teil 2 verrät der Deutsch-Neuseeländer, wie er überhaupt in die Major League Rugby gekommen ist und erinnert sich an seine Zeit bei den schwarzen Adlern.


TotalRugby: Du hast dich ja so ziemlich genau vor einem Jahr im Adler-Trikot relativ schwer verletzt. Wie bist du dann überhaupt in der Major League Rugby gelandet?

Hagen Schulte: Man könnte im Nachhinein fast sagen die Verletzung war Glück im Unglück. Ich bin damals nicht nach Bukarest, sondern zurück nach Neuseeland und habe eine Art Lehre zum Elektriker angefangen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ja kein Einkommen mehr durch Rugby. Man arbeitet bei der ganzen Sache parallel in einem Betrieb und dann bekam ich auf einmal einen Anruf von Chris Latham (Australien-Legende, 78 Spiele und 40 Versuche für die Wallabies, Weltmeister 1999).

Er stellte sich mir als Utah-Warriors-Trainer vor und wollte wissen, ob ich Interesse hätte in die USA zu kommen. Ein paar Telefongespräche später waren wir uns dann einig.

TR: Wie ist er auf dich aufmerksam geworden?

HS: Er war im Jahr zuvor, im Sommer 2018 im Trainerteam von Samoa und kannte mich aus den beiden Spielen gegen Deutschland. Ich war zunächst verwundert, das war ja zu dem Zeitpunkt schon ein gutes Stück später. Aber Leute wie er sehen Rugby sicherlich noch Mal mit anderen Augen. Ich hatte nicht das Gefühl gegen Samoa großartig gespielt zu haben, aber ihm sind einige Details an meinem Spiel aufgefallen, die ihm imponiert haben.
Wir haben uns dann über meine Art zu spielen und seine Spielidee unterhalten und so ist es dann gelaufen.

TR: War es nicht ein wenig komisch einen Anruf von einer solchen Rugby-Legende zu bekommen?

HS: Definitiv, er meinte ich bin Chris und fing an sich vorzustellen, da habe ich ihm entgegnet, dass ich ihn ziemlich genau kenne…mir wurde vorher schon von meinem Berater gesteckt, ein MLR-Klub ist an dir interessiert, aber ich wusste nicht welcher. Sagen wir so, mir war klar es würde ein Anruf kommen, aber was genau wusste ich nicht.

Anruf vom Wallaby-Superstar: Utahs Coach Chris Latham, zweitbester Try-Scorer in der Geschichte der Wallabies, verpflichtete Hagen Schulte

TR: Im Nachhinein bist du vermutlich froh, den Schritt gewagt zu haben, oder?

HS: Absolut, ich kann die Elektriker-Ausbildung hier weitermachen, mich um meine Zukunft kümmern und dann die sechsmonatige Saison professionell Rugby in den USA spielen, das lässt sich gut miteinander vereinbaren. Die nächste Saison bin ich weiter bei den Warriors und dann gibt es noch eine Option auf eine dritte Spielzeit. Wenn diese ganze Corona-Sache dann hoffentlich vorbei ist, bin ich spätestens im Januar wieder in Utah.

TR: Dann bist du ja pünktlich zurück im Staate der Mormonen (Utah und Salt Lake City sind das Zentrum der strenggläubigen Mormonen, die die Mehrheit der Bevölkerung in Utah bilden), wenn es am allerkältesten ist - beides sicherlich ungewohnt, als jemand der im milderen Neuseeland aufgewachsen ist. Wie ist das Leben für dich dort?

HS: Ehrlich gesagt wusste ich nicht so ganz, was mich da erwarten würde. Beispielsweise haben ja viele Rugby-Teams eine ausgeprägte Trink-Kultur abseits des Feldes. In Utah ist das nicht so, wir haben viele andere Wege für den Zusammenhalt im Team zu sorgen. Wir haben viele Spieler von den Pazifik-Inseln, deshalb wird bei uns wenn dann Kava getrunken (eine auf den Pazifik-Inseln verbreitetes traditionelles pflanzliches Getränk mit beruhigender Wirkung). Es gar nicht Mal so schlecht nicht jede Woche nach den Spielen zu trinken.

Die Mormonen wiederum sind gar nicht Mal dermaßen aufdringlich. Sie machen dir keinerlei Vorgaben, wie du zu leben hast. Im Endeffekt sagen sie dir erst, dass sie Mormonen sind, wenn du danach fragst.

TR: Wenn du Mal zurückblickst, auf deine Zeit beim HRK und das Jahr danach in Bukarest und deine Verletzung. Jarrid Els (Schultes Mitspieler bei den schwarzen Adlern und in Bukarest) und du, ihr wart ja beide nicht dermaßen zufrieden dort. Wie waren diese Erfahrungen für dich?

HS: Bukarest war, nun ja, es war nicht unbedingt meine beste Erfahrung. Es ist schon eigenartig: Ich kam vom HRK, wo ich mit der Mannschaft eine großartige Zeit hatte, einige tolle Erfahrungen gemacht habe und landete dann in Bukarest und hatte dort ein Jahr, was ich am liebsten vergessen würde. Umso froher bin ich jetzt bei einem Verein zu sein, wo mir Rugby wieder richtig Spaß macht, in einer tollen Mannschaft.

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Das Jahr in Bukarest war für Schulte eines zum Vergessen.

TR: Wie würdest du das spielerische Niveau in deiner neuen sportlichen Heimat einschätzen, der Major League Rugby - auch im Vergleich mit deinen anderen Erfahrungen in Glasgow, mit der Nationalmannschaft und so weiter?

HS: Die Liga entwickelt sich aktuell noch stark und ich glaube, dass sich die Liga noch um einiges verbessern wird in der Zeit, in der ich dort bin. Das Niveau ist bereits gut, aber noch lange nicht so schnell wie auf internationalem Niveau, verglichen mit den Spielen, die ich für Deutschland gemacht habe. Dafür ist es physisch sehr hart. Die häufigeren Unterbrechungen kommen sicher auch daher, dass noch viele Fehler passieren. In der Liga gibt es absolute Superstars, aber auch amerikanische Nachwuchs-Talente, die sich erst an das professionelle Rugby gewöhnen müssen.

Die importierten Stars heben das Niveau und auch sonst - die Liga hat alles, Fans, die professionellen Strukturen und das Niveau auf dem Feld steigt stetig.

TR: Wenn du an deine Zeit zurückdenkst mit den schwarzen Adlern, was war dein Highlight?

HS: Da muss ich eigentlich mein Debüt nennen, 2017 gegen die USA in Wiesbaden, das war eine unglaubliche Erfahrung. Die Zeit auf dem Feld verging dermaßen schnell, das war für mich das absolute Highlight im DRV-Trikot. Aber die gesamte Zeit im deutschen Team, es war eine großartige Zeit. Wir haben uns als Team großartig verstanden, auf und neben dem Feld und deshalb hat es auch so gut funktioniert. Schade, dass es am Ende gegen Kanada im World Cup Repechage nicht gereicht hat, das wäre die Kirsche auf der Torte gewesen.

Ich vermisse die Jungs, vielleicht ergibt sich irgendwann Mal die Möglichkeit, wieder alle zusammen zu bekommen.

TR: Letzte Frage, wie willst du die nächsten Wochen in der Quarantäne verbringen, was ist der Plan?

HS: Ich habe hier in Christchurch ein Mietobjekt, um das ich mich kümmern muss. Das hatte ich schon eine Weile lang aufgeschoben. Abgesehen davon, ein wenig Playstation, Netflix, es gibt halt nicht viel zu tun. Deshalb bin ich froh mich noch um den Garten und die Zäune kümmern zu können (lacht). Dazu ist das Wetter ziemlich gut und man kann sich ab und an in die Sonne legen.

TR: Klingt gut, wir hoffen, dass du gut durch diese Zeit kommst und wünschen dir viel Erfolg mit den Utah Warriors. Vielen Dank für das Gespräch!

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