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Offener Brief von DRV-Präsident Harald Hees
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Geschrieben von DRV-Präsident Hees   
Montag, 18. November 2019

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Nach vier Wochen im Amt wendet sich Harald Hees an die deutsche Rugby-Gemeinschaft.

Liebe Rugbyfreund*innen,

Der Wunsch nach Transparenz ist berechtigt, wenn man an einer Sache interessiert ist und in diese Zeit und Energie investiert. Nach vier Wochen im Amt, auf diesem Weg ein erster Zwischenbericht: Ich wurde für den ersten Brief kritisiert, als ich von drohender Insolvenz sprach. Man wird mich wieder kritisieren, wenn ich sage, wie es ist. Aber: „Der Wert eines Menschen richtet sich nach dem Maß an Wirklichkeit, das er bereit ist zu akzeptieren“. (Nietzsche).

Ich würde gerne positiv berichten, was bei der Leistung der Teams, Trainer*innen und Ehrenamtlichen nicht schwer fiele. Aber die Wirklichkeit der vorgefundenen finanziellen Lage ist erdrückend.

Doch der Optimismus bleibt!

Nach Jahren der Millionen und einem Jahr der versprochenen Millionen, ist der Zustand im nicht olympischen Bereich desolat. Die aus öffentlicher Hand geförderte 7er-Variante mit ihren geforderten Strukturen floriert und zeigt erste Erfolge, der Rest kommt nur schwer in die Selbstheilung und ohne Jürgen Zeiger wäre der Verband seit Jahren nicht mehr existent.

Man spricht über Rugby in Deutschland gerne vom schlafenden Riesen. Es wird Zeit, dass wir ihn aufwecken und ein Ruck (englisch) durch Deutschland geht. Wieso verharren wir verzagt in der Erwartung der Geldgeber und in Hoffnung auf den Märchenprinzen, ohne uns unseres eigenen Potenzials bewusst zu werden?

Unser Sport bietet so viele Sinnbilder gemeinsamer Anstrengungen: Gedränge, Liften in der Gasse, das Maul (englisch), die Unterstützung des Ballträgers und ist in diesem Sinne der eigentlichste Mannschaftssport. Wenn wir unseren Sport so lieben und bei jedem Spiel feuchte Augen bekommen, sollte es auch möglich sein, den Riesen auf die Beine zu stellen.

Wir sind Exportweltmeister. Noch nie ging es einem Volk so lange so gut. Noch nie wurde so viel an Nachkommen vererbt. Unsere Autos kosten beinahe so viel, wie vor einigen Jahren ein Reihenhaus. Unseren Fahrräder so viel, wie vor einigen Jahren ein Auto. Geldansparung wird bestraft, und die Barvermögen schmelzen wie Schnee in der Sonne. Und der Verband, der die Sportart vertritt, die wir so lieben, lebt unter Sanktionsandrohungen von den Zuwendungen übergeordneter internationaler Rugby-Verbände.

Macht euch das nichts? Das ist doch schon beinahe eine Frage des Stolzes! Wie wäre es, wenn wir dadurch auf uns aufmerksam machen würden, dass wir uns unserer Selbstheilungskräfte bewusst würden, „das Krankenbett verließen und gesund einhergingen“?

Gäbe jeder jährlich ein Promille seines Vermögens, so hätten wir jährlich ca. 1,5 Millionen und es ginge noch nicht einmal auf Kosten des kirchlichen Zehnten. Warum sollten Milliardäre ein Promille geben, wenn wir nicht dazu bereit sind? Warum sollte uns jemand sponsern, wenn wir selbst keine müde Mark investieren würden? Von unseren kläglichen Beiträgen kann ein Verband dieser Größe und dieser Zielsetzung nicht überleben.

HIER gibt es den offiziellen Info-Flyer des DRV zum Club der 100 und Club der 1000!


Wenn wir es schaffen, möglichst spektakulär, vielleicht sogar medienwirksam, eine Anschubfinanzierung für einige Jahre anzuregen, werden wir auch wieder für Geldgeber, vielleicht sogar Investoren, attraktiver. Die Jugend könnte angebotene Wettbewerbe wahrnehmen, die Entwicklung des Frauenrugbys könnte besser gefördert, der Trainerbereich professionalisiert und geeignete Spieler aus dem Ausland unter Vertrag genommen werden -und in acht Jahren spielen wir Six Nations.

Vor Jahren wurde der Club der Hundert gegründet. Ich möchte diesen mit eurer Hilfe wieder aufleben lassen und dazu noch einen Club der Tausend etablieren: Wir suchen 100 Geldgeber, welche bereit sind, jährlich 1000 Euro zu geben und 1000 Geldgeber, welche jährlich 100 Euro zur Verfügung stellen. Und mit Geldgeber meine ich uns.

Das neue Präsidium verspricht, dass das Geld dort ankommt, wo die einzelnen Teams direkt davon profitieren, und dass wahnwitzige Ausgaben, wie in der Vergangenheit geschehen, nicht mehr stattfinden. (etwa  5000 Euro für eine Woche Trainertätigkeit, 12.500 Euro Monatsgehalt für einen Vorstandsposten, Mobiltelefonrechnung 1200 Euro). Wir werden den Erfolg der Aktion öffentlich dokumentieren.

Ich bin der Meinung, wir haben allen unseren Vorgängern gegenüber, allen im Moment als Trainer*innen, Schiedsrichter*innen oder Spieler*innen Aktiven gegenüber und den nachfolgenden Generationen gegenüber eine historische Verpflichtung.

Es ist mir bewusst, dass das nicht der gängige Stil ist, mit dem sich Präsidenten in der Öffentlichkeit äußern. Aber ich habe vollstes Vertrauen auf eure Nachsicht und eure Begeisterungsfähigkeit. Wir sind Rugby-Deutschland, und wir wollen in absehbarer Zeit zu recht Stolz darauf sein!

Herzlichst,

Harald Hees

Präsident des Deutschen Rugby-Verbandes

DRV-Spendenkonto:
Deutsche Bank Heidelberg, IBAN: DE10 6727 0003 0140 1900 00, BIC/SWIFT-Code: DEUTDESM672

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Kommentare (10)add comment

tim spengler said:

2957
...
das finde ich eine super idee!
10 € weniger pro monat könnten wohl die meisten verkraften.

vielleicht könnte man zusätzlich auch mal ein paar schöne merchandise artikel (t-shirts, pullover, kappen etc.) produzieren, mit dem schwarze adler logo darauf. damit könnte man auch einnahmen generieren.

oder, da man sowieso gerade einen neustart angeht, könnte man das mit den schwarzen adlern vielleicht auch nochmal überdenken und sich einen besseren teamnamen ausdenken, der nicht schon genutzt wird. bei eagles (ob schwarz oder nicht) denkt man im internationalen rugby, nach wie vor, eher an die usa und das wird wohl auch so bleiben.

vielleicht könnte man auch die spender an einer abstimmung dazu teilhaben lassen.


ich freue mich auf jeden fall schon darauf, die deutsche mannschaft dann in 8 jahren bei den six nations zu sehen, egal wie sie heißen! :-)
November 18, 2019

Yan Waldner said:

3631
sorry
zum peinlicher Aufruf aber so was von, man fragt sich nur wie es andere Sportverbände schaffen ohne peinliche Spendenaufrufe zuverlässig Spitzenleistungen abliefern und professionelle Strukturen vorzeigen können , Rudern, Kanu, Schießsport, Feldhockey etc..?
Den Verband sehe ich erstmal in der Bringschuld , sprich überzeugende Konzepte vorzulegen, vom Breitensport bis in zum Leistungsbereich, wie man das gespendete Geld gedenkt einzusetzen.
Ne ne, Fehlstart würde ich mal sagen .

@Vorkommentator : in 8 Jahren bei den 6 Nations ? Hahaha wie witzig, träum weiter oder komm malin der Realität an.
November 18, 2019

TotalRugby Team said:

366
...
@Yan - müsste der DRV nur den olympischen Sport finanzieren, wie die oben genannten, wäre er auch nicht in dieser finanziellen Schieflage!
November 18, 2019

tim spengler said:

2957
...
@yan, willst du damit etwa sagen, dass der präsident das nicht ernst gemeint hat, mit der six nations teilnahme?

also wenn wir 2027 nicht weltmeister werden, bin ich schwer enttäuscht!
November 18, 2019

Janis Benscheidt said:

3057
Henne oder Ei?
Yan, der DRV ist keine Privatfirma und wir nicht deren Kunden. Denk bitte mal darüber nach was du gesagt hast. Wir sind eine Rugbyfamilie und da hilft man sich aus der Patsche, zumal wir alle auch Teil des DRVs sind. Zudem frage ich mich, was Harald Hees noch tun kann. Die Transparenz, die er versucht herzustellen ist da doch svhon ein sehr guter Anfang. Mit riesigen Geldsorgen, die Priorität haben, neues Aufzubauen ist aber einfach schwierig. Deshalb unterstütze ich den Vorschlag sehr und finde ihn keineswegs Peinlich, ganz im Gegenteil. Um Hilfe zu bitten zeugt häuffig von großer stärke. Allerdings glaube ich nicht, dass das jeder von uns mal eben so zahlen kann. Viele
von uns, die dazu bereit wären, stecken schon ausreichend Arbeit und Geld in ihren lokalen Verein, um das Leben dort attraktiv und erfolgreich zu gestallten. Hoffe aber das beste.
Ovale Grüße Janis
November 19, 2019

Mark Temme said:

2014
...
So Butter bei die Fische, wie man im Norden sagt. Ich bin dabei und habe gerade gespendet.
November 19, 2019

Sabine Hangel-Stein said:

3711
...
Ich finde den Aufruf gut und sinnvoll. Beitrittsantrag ist unterwegs und habe gerade noch eine Anschub-Spende geschickt. Viel Erfolg unseren Jungs am Samstag :-)
November 19, 2019

thoralf zab said:

938
...
Seit wie vielen Jahren geht das schon so? Da kam dann mal ein Brausehersteller und pumte viel Geld in den Verband. Upps und wir konnten sogar zu Hause gegen Samoa mithalten. So viele Legionäre auf die nicht mehr zurückgegriffen werden kann. Natürlich möchte der Hauptsponsor auch Mitspracherecht. vielleicht hat er es übertrieben aber in dieser Zeit war unser Nationalteam schon mal was. Vorbei !!!!
Nun sind wir wieder komplett unprofessionell. Die Geldsorgen gibt es schon seit 30 Jahren, wenn nicht schon länger. Es tut mir leid das ich das nicht verstehen kann. Ich persönlich unterstütze da meinen Heimatverein Rugbyunion Hohen Neuendorf finanziell, da sehe ich einfach mehr Sinn dahinter. Teilweise sind ja Vereine reicher als der DRV. Da ist ja wohl eine Problem vorhanden was nicht ganz in meinen Kopf will. Ja wenn es ein neues Thema wäre oder mal ein Loch. Aber die permanenten Geldsorgen geben einem schon zu denken. Sich jetzt hinzustellen und um Spenden zu bitten, naja für mich klingt das wie eine Bankrotterklärung. Mir kann doch niemand erzählen das in den letzten 30 Jahren kein geschickter Geschäftsmann oder Manager dabei war der unseren Sport liebt und auch die Conection hat zur Wirtschaft um Sponsoren zu finden. Und hört bloß auf mit eurer Rugbyfamilie. Es dreht sich nur noch um ein paar Vereine aus der 1. Bundesliga vorrangig aus dem Süden, Länderspiele finden fast nur noch in Heidelberg in unserem so genannten Wohnzimmer statt. Das war vor nicht all so langer Zeit mal anders. Geschweige die Berichterstattung hier bei Total Rugby. 2. Bundesliga und tiefer findet fast nicht mehr statt. Aber auch da sind viele interessante Teams vertreten und auch da gibt es Kracherspiele.
Steht man nicht in der Öffentlichkeit, sind wir für Sponsoren auch uninteressant. Nach dem Abstieg und der neu geformten Nationalmannschaft, werden wir so schnell nicht mehr in Livübertragungen im Fernsehen vorkommen. Allen Spielern der Nationalmannschaft zolle ich den größten Respekt sich der Sache zu stellen. Aber es gibt etliche Spieler die das Team verstärken könnten. Aber schön das wir über Nostadt oder Hilsenbeck etc. berichten. Ne die fehlen dem Nationalteam, niemanden nützt es wenn wir erfahren wie weit sie im Ausland kommen. Ich finde das alles nur noch traurig.
Wir haben mal wieder den ganzen der WM verpasst. Es haben so viel Menschen hoch interessiert die WM am Ferseher verfolgt. Der Sport erfuhr in Deutschland mega Anerkennung, und was heben wir daraus gemacht ? Nichts. Wir sind pleite. Unglaublich.
Sorry für meine teilweise harten Worte aber es macht mich einfach Wütend das unsere Führungsleute seit ewigen Zeiten dieses Problem nicht in den griff bekomnmen.
Dezember 19, 2019

Matthias Hase said:

381
...
1. Ein Sponsor verlangt einen marktüblichen Gegenwert, ein Mäzen hingegen Mitspracherecht. Einen Sponsor hat der DRV also nicht gehabt (ging schon wegen der Rechtsformen der beiden Akteure nicht - auf der einen Seite ein e.V., auf der anderen Seite eine Stiftung)
2. Daraus folgt, dass ein noch so geschickteste Manager oder Geschäftsmann größte Probleme hätte, Rugby in Dt. zu vermarkten - da es sich schlicht und einfach für einen Sponsor nicht rentierrt/rechnet.
3. Wie hat dein Verein die WM genutzt, um den Rugbysport in eurer Region etwas bekannter zu machen?
4. TR ist eine Open Community. Heißt: Jeder kann auf dieser Plattform Texte veröffentlichen. Deinem Verein steht es also frei, täglich/wöchentlich über sich und den Rugbysport in der seiner Region zu berichten.
Dezember 20, 2019

Matthias Hase said:

381
...
Das zum Thema Verbreitung, Wahrnehmung, Sponsoring & Co. des Rugbys in Dt.: https://m.spiegel.de/sport/sonst/sportdaten-analyse-wo-klootschiessen-den-fussball-schlaegt-a-1279190.html
Dezember 26, 2019

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