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TR-Kommentar: Die Zeichen stehen erneut auf Neuanfang
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 1. Juli 2019

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SC80-Macher Uli Byszio möchte im DRV Verantwortung übernehmen

Der DRT steht vor der Tür und wie so oft in den letzten Jahren werden wichtige Weichenstellung vorgenommen werden müssen. Und wieder ein Mal sind es turbulente Tage, die dem deutschen Rugby bevorstehen und wieder ein Mal stehen die Zeichen auf Neuanfang. Doch die Ankündigung des Trios um Harald Hees lässt zumindest hoffen, dass es dieses Mal etwas wird mit dem viel beschworenen Neuanfang.

Mouritz Botha hatte auf seiner wohl letzten Pressekonferenz mit dem Adler auf der Brust nach dem Portugal-Spiel eine wichtige Botschaft. Er habe etwas Kontroverses zu sagen, warnte Botha seine Zuhörer. Doch war er nur dabei der deutschen Rugby-Gemeinde reinen Wein einzuschenken. „Die Wild-Millionen haben so einiges übertüncht („sugarcoated“)“, so der gebürtige Südafrikaner, der es in seiner Wahlheimat England bis ins Nationaltrikot geschafft hatte.

Man müsse, so der ehemalige Saracens-Stürmer, nun an den Strukturen und an der Basis im deutschen Rugby arbeiten, die Bundesliga-Vereine und die Jugend stärken und nicht lediglich den Top-Down-Ansatz der Vergangenheit wählen und sich dadurch einen Elfenbeinturm kreieren. Botha kann man da eigentlich nur zustimmen. Portugal ist in den letzen Jahren genau diesen Weg gegangen und steht nun zumindest im Fünfzehner-Bereich besser da, als wir. Da müssen die hochgesteckten Ziele der letzten Jahre erst einmal zurückgestellt werden.

Viele im deutschen Rugby jedoch trauern noch heute den Wild-Geldern nach. Hätte man den Eppelheimer Unternehmer doch nur bei der Stange gehalten. Doch wie wenig nachhaltig die Ära Wild war, sieht man heute glasklar. Das Investment in Gehälter einer Profi-Nationalmannschaft ist ohne mittel- oder langfristige Wirkung verpufft und von dem vom Süßgetränke-Unternehmer in Aussicht gestellten Stadion und dem nationalen Leistungszentrum fehlen bis heute jede Spur. Auch das Versprechen über eine Stiftung die langfristige Finanzierung des deutschen Rugbys auch nach dem eigenen Ableben testamentarisch festgelegt abzusichern, war das Zeitungspapier, auf dem es gedruckt wurde, nicht wert.

Stattdessen hatte sich das deutsche Rugby den erratischen Entscheidungen eines Einzelnen ausgeliefert und muss nun mit den Konsequenzen leben. Sollte Harald Hees und seine Mannschaft tatsächlich ins Amt gewählt werden, steht ihnen aber nicht nur deshalb eine Mammut-Herausforderung bevor. Neben der Aufgabe als Feuerwehrmänner, nicht zuletzt im finanziellen Bereich, müssen sie auch als Versöhner auftreten. Die alten Gräben der Konflikte der letzten Jahre sind noch nicht zugeschüttet und die Streitigkeiten in den DRV-Gremien der letzten Wochen haben sogar noch neue kreiert.

Harald Hees wird als Mediator auftreten müssen und versuchen das deutsche Rugby wieder zu einen. Mathias Entenmanns Expertise aus einer jahrzehntelangen erfolgreichen Karriere als Manager beispielsweise im Silicon Valley und als Berater wird von Nöten sein, um die scheinbar noch prekärer gewordene Finanzlage im Verband zu verbessern. Uli Byszio will mit seinen Ideen und seiner Mannschaft um den ehemaligen Adler-Kapitän Michael Poppmeier den deutschen Nachwuchs-Bereich übernehmen. Romana Thielicke, die in den letzten Jahren mit guter und engagierter Arbeit überzeugte, könnte dabei ihren Vorsitz verlieren. 

Was das neue Führungs-Trio eint, ist die jahrzehntelange Erfahrung im deutschen Rugby. Das Wissen über die Strukturen, die Schwächen und Stärken des ovalen Ballsports hierzulande. Genau dies fehlte Robin Stalker und sollte dessen Präsidentschaft an diesem Wochenende tatsächlich zu Ende gehen, muss man sagen, dass es ein enttäuschendes Jahr war. Mit der Verpflichtung von Mike Ford begann es hoffnungsvoll und die Chance sich in Marseille für die WM zu qualifizieren war eine historische.

Doch mit diesem Ziel im Blick scheint sich der Verband finanziell ausgerechnet unter der Ägide des Finanzexperten überhoben zu haben, beispielsweise mit einer Verpflichtung des hochbezahlten Trainerteams, das wohl so nicht zu finanzieren war. Dazu waren die letzten Monate von offen zur Schau gestelltem Konflikt geprägt, auch angefeuert durch einen dem Vernehmen nach rabiaten Führungsstil des Vorstandsvorsitzenden - derlei Konflikte war Stalker wohl aus seiner Zeit bei Adidas nicht gewöhnt und mit ihnen vermochte er augenscheinlich nicht umgehen. In Stalkers Heimat Neuseeland spricht man bei den All-Blacks-Spielern davon, das Trikot nach seiner Zeit in einem besseren Zustand zu hinterlassen, als man es vorgefunden hatte. Das ist ihm, übertragen auf die hiesige Situation in Deutschland, nicht gelungen. Was folgt ist ein Neuanfang, wieder ein Mal.

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Kommentare (9)add comment

Uli Byszio said:

887
Es geht nicht um Ämter.....
Gut geschriebener Artikel.
Romana hat sich in der Vergangenheit sehr fuer die DRJ eingesetzt. Ich wuerde auch gerne mit ihr weiterarbeiten. Das haben wir heute auch so telefonisch besprochen.
Wir haben 2005 in Frankfurt mit eigentlich null Jugendlichen angefangen und von da an mit sehr begrenzten Mitteln das aufgebaut, was wir heute haben. Ganz klein, ganz leise. Da habe ich die Jungs zum Teil noch selbst trainiert. Konzentriert haben wir uns auf die unteren, nein auf die untersten Altersgruppen. Als wir damals die Deutsche Meisterschaft in der U-10 gewonnen haben wusste ich, dass wir es mit dem Konzept sehr weit bringen koennen und werden, WENN wir die untersten Altersgruppen auf dem Weg nie aus dem Auge verlieren und uns zu jedem Zeitpunkt besonders auf die ganz Kleinen konzentrieren.
Auf diesem Weg konnten wir dann durch die beruflichen Beziehungen der immer groesser werdenden Elternschaft und durch unser wachsendes gutes Image mehr und mehr Sponsoren - meist nahmhafte, grosse Unternehmen - gewinnen und somit unser Konzept mehr und mehr ausbauen.
Wir treten nicht an um jemand aus dem Amt zu drängen oder um uns mit Ämtern zu schmücken. Wir bieten unsere Hilfe, ja unsere kostenlose Dienstleistung am deutschen Rugby mit dem Know-how eines Vereines an, der es aus der Bedeutungslosigkeit (3.Liga, keine Jugend nachdem ein erfolgreicher Jugend-Jahrgang in den Erwachsene Bereich gewechselt hat, schwindende Mitgliederzahlen) and die Spitze des deutschen Rugbys in allen Altersklassen geschafft hat.
Wenn diese Dienstleistung bei der Abstimmung nicht gewollt wird, so werden wir dennoch mit den dann ins Amt gewählten Personen weiterhin konstruktiv zusammenarbeiten.
Wir planen keinen Umsturz, wir fordern keinen Rücktritt: wir bieten uns lediglich als Alternative bei einer turnusmaessig stattfindenden Wahl an.
Juli 02, 2019

Uli Byszio said:

887
....Und noch was zu Dr. Wild
Ja. Stimmt. Das Wild Geld hat das deutsche Rugby mit einem Zuckerguss überzogen, der viele Unzulänglichkeiten im deutschen Rugby verdeckt hat.
Ein altes Sprichwort sagt: "Wenn einem Unternehmer nichts mehr einfaellt, sucht er dich Schuld bei anderen!"
Wild hat nie gesagt, dass er angetreten sei um das deutsche Rugby nachhaltiger zu machen. Er hat sich - und da hat er nie einen Hehl draus gemacht - um die high performance Abteilung des DRV gekuemmert. Und das, wie nie jemand zuvor.
Wir, die Vereine, Landesverbaende und der DRV, haetten uns in dieser Ära Wild selbst um den Nachwuchs kuemmern muessen. Die Zeit und das Geld haetten wir gehabt, denn Wild hat ja "oben" alles abgedeckt.
Das er, nachdem er soviel - aus meiner Sicht unberechtigte - Kritik einstecken musste, in das deutsche Rugby nicht mehr investieren wollte (Stadion, Leistungszentrum), ist aus meiner Sicht nachvollziehbar.
Wir haben im deutschen Rugby die Chance Wild verpasst, da bin ich mir sicher. Die Probleme, die wir heute im deutschen Rugby haben, haetten wir genauso gehabt, wenn er nie dagewesen waere.
Aber das war alles gestern. Jetzt kommt morgen. Und wir bekommen das hin. Es wird aber dauern und wir muessen von unten wieder anfangen.
Juli 02, 2019

Frank Förster said:

3998
Danke Uli
Lieber Uli Byszio, vielen Dank für deine ausgewogenen Kommentare und dein Angebot an unsere Rugby-Gemeinde. Alles was du gerade geschrieben hat, kann ich nur unterstreichen.
Juli 02, 2019

Heinz Albers said:

210
von hundert zu tausen
Ganz im Sinne von Uli Byzios Ausführungen möchte ich auf ein deutschlandweites U-10-Projekt "Von Hundert zu Tausend" hinweisen, das am 19.5.2015 - also zur Zeit, als die Capri-Sonne noch schien -hier auf totalrugby vorgestellt wurde. Mein Rat: Macht es genau so - oder anders! Dank an Uli und Grüße von meiner Wolke. HA aka Papaheuss
Juli 02, 2019

Bo Pernter said:

4159
Volle Zustimmung
Auch ich kann Uli nur in allen Punkten zu 100 % zustimmen.
Danke Uli
Juli 02, 2019

Ralf Theune said:

3663
In die Breite wachsen
Das habe ich schon immer gesagt, auch als sich alle noch über Siege des Legionärsteams freuten und von der WM-Quali träumten: Rugby in Deutschland muss zunächst in die Breite wachsen und sich aus dem Randsportdasein befreien, bevor man über echte High Performance nachdenken kann. Lieber 100 Teams auf Regionalliganiveau als (nur) eine Mannschaft im zweit- oder drittklassigen europäischen Wettbewerb. Es haben sich in den letzten Jahren so viele Mannschaften neu gegründet, vor allem auch im Frauen- und Jugendbereich, die aber häufig allein von lokalen Anstrengungen leben mussten. Der DRV ließ sie in von ihm nicht beachteten Regional- und Verbandsligen dahinvegitieren, ließ es zu, dass die zweite Bundesliga immer mehr austrocknete und sogar in der ersten Liga ein Focus auf nur einzelne Spitzenvereine sich entwickelte. Als dann plötzlich unfreiwillig ein fairer Wettbewerb entstand, setzte sich - nicht überraschend - das nachhaltige Konzept von Frankurt 1880 durch. Diese Entwicklung ist nicht schlecht für Rugby in Deutschland, sondern die Chance für die Zukunft. Und ich sehe vergleichbare Entwicklungen auch bei anderen Clubs, etwa dem Berliner RC. Mehr merkbarer Spielbetrieb vor Ort lässt uns irgendwann ins Bewusstsein von Sportpolitikern und Sponsoren vordringen und dann wird vielleicht nicht mehr ein Platz für Erstligarugby gesperrt, weil am nächsten Tag die Fußballkreisklasse dort spielen muss.
Juli 03, 2019

Matthias Hase said:

381
...
1. Die Ligen unterhalb der 2. BL liegen in der Verantwortung der LV. Das haben die LV explizit gefordert. Der DRV hat daher keinen Einfluss auf den dortigen Spielbetrieb.

2. Du hast schon mitbekommen, dass FfM sich auch beim HRK (wie teilweise auch andere Vereine) bedient hat? Das auf seine Art vorbildliche Konzept brauchte demnach auch Anschub in der Spitze.
Juli 03, 2019

Volker Kraft said:

243
Das Rad nicht neu erfunden
1.) Ich habe höchsten Respekt und Anerkennung vor der Arbeit und dem Erfolg von Uli in Frankfurt und ich möchte betonen das ich das auch nicht abwertend meine. Aber es ist ja nicht so, das andere Vereine, solche oder ähnliche Konzepte nicht schon lange machen. Aber mit einem Etat von 250000€(FAZ vom 11.6) und fast als einziger Verein in einer Stadt mit 740000 Einwohnern, ist es halt doch vielleicht etwas einfacher als zum Beispiel in Heidelberg mit einem Etat von 30000€ und 5 Vereinen in einer Stadt von 180000 Einwohnern.

2.) @ Ralf Theune Im Endspiel um die Deutsche Herren Meisterschaft hatte übrigens der TSV Handschuhsheim mehr Spieler im Aufgebot (glaube 10:15) die aus der eigenen Jugend kamen als Frankfurt. Leider hat sich der Hendsemer Weg, trotzdem nicht durchgesetzt.

3.) Finde ich es sehr gut das sich Haas/Entenmann/Byszio Verantwortung übernehmen wollen und Ihre Erfahrung und Unterstützung dem Deutschen Rugby und dem DRV zur Verfügung stellen. Jedoch sollte man nicht alles als schlecht beim DRV erachten. Hier sollte man aber auch manchen Personen und Strukturen eine weitere Chance geben, die sich jahrelang für das Deutsche Rugby geopfert haben und auch in schlechten Zeiten immer zum DRV gehalten haben. Aber genau das kann die Chance sein, ein guter Mix aus "Neuen und Alten" die gemeinsam den DRV und das Deutsche Rugby reformieren und Strukturen schaffen, die nachhaltig sind und Rugby auf eine breite Basis in Deutschland stellen.
Und verknüpft nicht euren willen zur Unterstützung an Ämtern und Positionen. Am Ende ist es wichtig das Deutsche Rugby nach vorne zu bringen und nicht dies nur an Ämtern fest zu machen.

Viele Grüße aus Handschuhsheim

Juli 04, 2019

thoralf zab said:

938
...
Sehr geehrte Rugbygemeinde, ich habe Uli 2008 kennengelernt und wir verfolgen damals ganz genau das gleiche Konzept im Nachwuchsbereich. Ich glaube wir waren mit der Rugbyunion Hohen Neuendorf einer der ersten Teilnehmer des Festivals in Frankfurt. Hervorragend ging das Konzept von Uli bei 1880 zu 100% auf, dagegen brach es bei der Rugbyunion ab ca. 2012 wieder ein. Und nicht das wir es nicht hätten weiter vorantreiben wollen. Solche Strukturen und finanzielle Mittel wie es beim 1880 herrscht, ist wohl selten in Deutschland. Ich zolle jedenfalls Uli meinen größten Respekt, weiter so.
Aber nun muss man einfach auch die Realität ins Auge sehen. Es schaffen nur sehr wenige Vereine eine nur annähernd ähnliche Arbeit zu realisieren. Und sorry die Grundlage ist nun mal die finanzielle Lage der Vereine. Ich denke wenn Trainer für ihre Arbeit etwas entlohnt werden könnten, wäre die Findung neuer Trainer (natürlich auch aus den eigenen Reihen) viel einfacher. Es geht leider in der heutigen Zeit fast nichts ohne finanzielle Mittel.
Desweiteren ist auch festzuhalten das nur Erfolg Geil macht. Soll heißen, ist das Herrenteam Erfolgreich, zieht das automatisch Kinder an. Zumindest war das bei uns so. Wir hatten in der Vergangenheit viele Spieler aus New Zealand, Australien, Spanien, England, Schottland. Ja auch die haben nicht umsonst bei uns gespielt. Die Rugbyunion war damals sehr Erfolgreich in der 2. Bundesliga bis hin zum Aufstieg in die höchste Spielklasse. Irgendwann war das Team überaltert und der Nachwuchs im Bereich Ü 18 fehlte. Somit mussten wir leider runter. Aber zu dem Zeitpunkt der Erfolge hatten wir sehr großen Zulauf. Und wer bei uns schon einmal war, weiß das wir bei normalen Punktspielen einen Zuschauerdurchschnitt hatten von ca. 300 - 500. Nur mal so geschätzt.
Und genauso sehe ich das mit der Nationalmannschaft. Sind die Spiele im TV, dann noch erfolgreich, zieht das automatisch Sponsoren und natürlich auch begeisterte Kinder an. Und so lange wir noch kein eigenständiges konkurrenzfähiges Team aus eigengewächsen stellen können, sind nun mal Legionäre total wichtig. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und in allen Großen Ligen der Welt stöbern, Spieler zu finden die für Deutschland spielen könnten. Und ja, auch die sollten bezahlt werden. Der gesamte IRB hofft auf einen großen Auftrieb des deutschen Rugby`s, weil der wirtschaftliche Markt sehr Interessant ist. Und nicht auszudenken wie viel unsere Talente von den Vollprofis lernen würden. Und dann kann es schon sein das wir in 5 - 10 Jahren so viele Talente produziert haben, um auf eigenen Beinen zu stehen.
Also müssen dringend Sponsoren her, einen stabile DRV und DRJ Führung. Dann klappt das.

Und um noch ein letztes Wort beizuführen, gibt es Konzepte, siehe NZ, wo es keine Vereins- sondern Ligasponsoren gibt. Das heißt das die Vereine alle davon profitieren und es einen sehr gesunden Konkurenzkampf gibt, weil es die großen Unterschiede nicht gibt. Aber das ist natürlich so gut wie nicht realisierbar in Deutschland.
Juli 04, 2019

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