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TR-Interview Mike Ford: "Wir können und wollen mehr mit dem Ball in der Hand spielen!"
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Freitag, 25. Januar 2019

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Mike Ford steht mit den schwarzen Adlern vor seiner ersten EM als Trainer. Foto (c) Grzanna

Dass Mike Ford die deutsche Rugby-Nationalmannschaft in die Rugby-EM führen würde, hat selbst einige Fans und Beobachter in Deutschland überrascht. Nach den ersten Tagen der EM-Vorbereitung und knapp zwei Wochen vor dem ersten Spiel gegen Belgien haben wir uns ausführlich mit dem Engländer über die kommenden Herausforderungen unterhalten.

TotalRugby: Guten Abend Mike Ford. Erst einmal sind wir froh uns mit dir unterhalten zu können, sowie dass du das deutsche Team weiter betreust. Wie ist es in wieder in Heidelberg zu sein - ziemlich kalt erst einmal, oder?

MF: Mir gefällt Deutschland sehr, aber es hat mich schon geschockt - es ist nämlich noch Mal ein paar Grad kälter, als in England. Es waren -6 Grad kürzlich, aber ich liebe Heidelberg dennoch. Am meisten freue ich mich darüber, wieder auf dem Platz zu stehen. Das ist meine Leidenschaft, da bekomme ich mein Adrenalin her.

Und die Jungs hier sind mit ganzem Herzen dabei. Manche von ihnen stehen morgens um sechs Uhr auf, um vor der Arbeit mit uns zu trainieren und sind abends dann noch beim Vereinstraining. Ich habe großen Respekt davor, was diese Jungs tun, um für ihr Land zu spielen.

TR: Es wird ja deine erste Erfahrung mit der Rugby Europe Championship sein. Als England Co-Trainer oder Bath Head Coach hast du diesen Wettbewerb sicherlich nicht so prominent wahrgenommen, oder?

Mike Ford: Nein, das habe ich damals sicher nicht. Aber manchmal gerät man als Rugby-Trainer auf andere Wege, macht andere Dinge, als man das erwartet hätte. Seitdem ich aus Amerika zurück bin, habe ich sehr großen Gefallen daran gefunden mit Trainern zu arbeiten, auch ein wenig als Mentor zu arbeiten. Als der DRV im vergangenen Jahr auf mich zugekommen ist, hat das sehr gut für mich gepasst.

Nun hat der Verband mich gefragt, ob ich das Team auf die EM vorbereiten und über das Turnier hinweg trainieren kann. Die Rugby Europe Championship ist wirklich aufregend - es geht um einen Titel. Sie haben mich zur richtigen Zeit gefragt.

TR: Nach der Erfahrung in Marseille mit dem deutschen Team wartet nun eine ganz andere Herausforderung auf dich und die Mannschaft, die am Montag mit dem Trainingsauftakt begonnen hat. Mit Georgien und Rumänien beispielsweise zwei extrem sturmstarke Teams.

MF: Unsere Stärke beim Repechage-Turnier war unser Sturm - unser Paket und Gedränge waren sehr gut. Gegen Kanada hat der Schiedsrichter das Gedränge sehr oft gegen uns gepfiffen und wir haben Straftritte. Zu Unrecht und das hat er uns gegenüber nach dem Spiel auch noch Mal zugegeben.

Mike Ford: "Wir können mindestens so gut sein, wie im November"

Natürlich wird es gegen Georgien noch einmal schwieriger, das ist uns bewusst. In diesem Wettbewerb sind einige starke Sturmreihen dabei - aber da zählen wir ebenso dazu. Wenn wir alle mit an Bord bekommen, was eine Herausforderung wird.

Aber wir haben die gemeinsame Erfahrung aus dem November. Auch wenn jetzt in der ersten Trainingswoche bei weitem nicht alle Spieler von damals dabei sind, es ging direkt gut los - das Spielsystem, was wir in der Marseille-Vorbereitung implementiert haben, haben unsere Jungs nicht vergessen. Das hat mir imponiert.

Wenn wir alle Jungs zusammen haben, werden wir mindestens so gut sein, wie im November.

TR: Mit Blick auf die EM hat sich das Personal im Trainerteam geändert - unter anderem fehlt Kobus Potgieter, der jetzt bei Stade Français ist.

MF: Kobus war wirklich lange Teil des Trainerteams - er, aber auch Paul Healy, sie werden uns fehlen. Aber so ist das im professionellen Sport nun Mal, manchmal ziehen Profis auch weiter. Aber Mouritz Botha und ich waren schon in der Marseille-Vorbereitung da und können nun an unsere Arbeit anknüpfen - eine gewisse Kontinuität ist also gegeben.

Im Normalfall hätte man sicher noch einen Coach mehr - aber ich sehe es als Herausforderung für Mouritz und mich. Unsere Aufgabe wird es sein, das Team so gut wie möglich vorzubereiten und das gehen wir gerade an.

"Wir wollen das Beste rausholen"

TR: Was habt ihr euch für die REC vorgenommen, was ist das Ziel?

Ganz einfach: Wir wollen das Team so gut wie nur irgendmöglich vorbereiten, so weit wie es unter den Umständen möglich ist bringen. Als ich im September anfing, habe ich mir noch viel Stress gemacht. Wie, dieser Spieler ist nicht verfügbar? Der kommt am Dienstag und der andere erst am Mittwoch? Drei der Kader-Spieler habe ich schlussendlich erst in der Woche vor dem ersten Spiel in Marseille kennen gelernt, nachdem ich bereits zehn Wochen in Deutschland war.

Das muss man aber verstehen und deshalb bin ich jetzt auch ein wenig entspannter, weil ich die Umstände kenne - beispielsweise wann die Spieler verfügbar sind. Man findet dennoch Wege die Jungs zu besseren Spielern zu machen. Heute zum Beispiel, mit den zur Verfügung stehenden Spielern, konnten wir nicht an Gassen, oder Gedrängen arbeiten. Also haben wir uns zusammengesetzt, wie können wir die Einheit sinnvoll nutzen - so haben wir individuell gearbeitet - es ist eine Herausforderung, keine Frage.

Insgesamt unter den gegebenen Umständen, wollen wir schlicht das Beste rausholen.

TR: In gut zwei Wochen geht es dann bereits gegen Belgien los und die Belgier hatten, zumindest offiziell, kein Spiel seit gut 10 Monaten. Wie schwierig wird die Vorbereitung unter diesen Vorraussetzungen?

Natürlich schauen wir uns die Belgien-Spiele aus dem Vorjahr an - zwischendurch haben die Belgian Barbarians gespielt, die Spiele werden wir auch analysieren und schauen, wie viele der Spieler auch fürs Nationalteam spielberechtigt sind. Wir werden unsere Hausaufgaben soweit wie möglich machen.

Aber auch wir haben seit dem 23. November nicht gespielt, werden wohl einige Spieler von damals nicht dabei haben und auch dieses Mal werde ich einige Spieler erst in der Spielwoche sehen. Natürlich wollen wir alle die bestmögliche Vorbereitung haben, den Gegner fünf Spiele lang beobachten lassen, mehrere Wochen mit dem ganzen Kader haben - aber so sind die Umstände bei uns nun Mal nicht. Dennoch werden wir tun, was in unserer Macht steht.

Im November in Marseille vor allem sturmstark - jetzt erwartet Mike Ford mehr Spielfreude von unseren schwarzen Adlern

TR: Wie du bereits erwähnt hast, waren wir im November wirklich stark im Sturm - wird das auch dieses Mal ein Fokus sein?

MF: Nicht unbedingt. Wir wollten in Marseille durchaus mehr mit der Dreiviertelreihe spielen, den Ball mehr laufen lassen, als wir es im Endeffekt getan haben. Aber manchmal zwingen einen die Umstände sich anzupassen, was irgendwo auch das Tolle am Rugby ist - gegen Hongkong mussten wir viel Druck absorbieren, stark verteidigen. Wir haben dann die eine Chance, die wir hatten, genutzt. Es war einfach ein Spiel, wo wir uns flexibel zeigen mussten.

Kanada war eine Schlacht im Gedränge, wir haben lange gerade so mithalten können, bis wir schließlich um die 60-Minuten-Marke fünf Möglichkeiten mit dem Ball in der Hand hatten - und das beim Stand von 10:17. Mit mehr Erfahrung hätten wir da was rausholen können. Dann gegen Kenia hat es stark geregnet.

Von mir aus können wir gerne Druck mit dem Paket machen, im Gedränge angreifen, aber wir wollen und können auch mit dem Ball in der Hand was anfangen.

"Wenn ich bei der Entwicklung helfen kann, stehe ich Robin Stalker und dem Team zur Verfügung"

TR: Unabhängig davon, wer das Team dann künftig irgendwann betreut - sollte die WM 2023 in Frankreich für das deutsche Rugby mittelfristig das Ziel sein?

MF: Absolut! Ich habe mich mit DRV-Präsident Robin Stalker unterhalten. Er ist sehr ambitioniert - natürlich ist noch sehr viel Arbeit zu tun, erst einmal, um Sponsoren an Bord zu holen und dann müssen viele Themen angegangen werden, um den DRV insgesamt professioneller aufzustellen. Ohne irgendjemanden kritisieren zu wollen, aber im modernen Rugby braucht man Profis, die sich ausschließlich um die Geschäfte des Verbandes kümmern, jeden Tag.

Die Strukturen werden auch überdacht werden müssen, die Bundesliga muss ein Thema werden. Es muss sichergestellt werden, dass die Spieler auf einem höheren Niveau spielen, Woche für Woche. Damit diese Spieler, wenn sie dann international ran müssen, optimal vorbereitet sind. Kein Zweifel, Robin Stalker will Deutschland 2023 zur WM führen und arbeitet daran, das umzusetzen. Wenn ich dabei helfen kann, in welcher Position auch immer, bin ich für Robin und die Mannschaft da.

Mike Fords Sohn George kämpft in England um die Verbinderrolle in der Nationalmannschaft - oftmals unter den Augen des Vaters

TR: Mal abseits vom Rugby-Geschehen in Deutschland - parallel läuft ja noch ein anderer recht bekannter Wettbewerb. Ein gewisser Owen Farrell soll sich am Daumen verletzte haben - wer trägt nächste Woche das England-Trikot mit der Nummer zehn in Dublin?

MF: Ich weiß es nicht um ehrlich zu sein…

TR: …hast du eine Präferenz?

MF: Die Mannschaft ist gerade in Portugal. Man hört überall, dass Owen rechtzeitig fit werden wird. Mal sehen, wie sich Eddie Jones entscheidet. George (Mike Fords Sohn George Ford; Anm. der Redaktion) wird sicher in der 23 landen.

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