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TR-Nachbericht 7er-DM: Germania List stark, aber am Ende machts die RGH, wer sonst?
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 27. August 2018

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Das Spiel des Turniers: Die RGH und Germania List liefern sich ein packendes Duell bis zur letzten Sekunde. Foto (c) Seufert-Chang

Die deutsche Meisterschaft im Siebener-Rugby in Heusenstamm an diesem Wochenende hat einmal mehr unterstrichen: Die unangefochtenen Siebener-Könige im deutschen Rugby sind die Orange Hearts aus Heidelberg. Der vierte Siebener-Titel für die RG Heidelberg in Folge, der elfte insgesamt, dazu der Pokalsieg und die Vizemeisterschaft im Fünfzehner: Die Rudergesellschaft befindet sich gerade auf einem absoluten Höhenflug. Das Wochenende hat aber auch bewiesen: Das Leistungsniveau im Siebener-Rugby steigt und Germania List hatte die RGH im Turnier-Halbfinale am Rande einer Niederlage.

Das Duell der jungen Germanen gegen die haushohen Favoriten war das Spiel des Turniers. Da der Titelverteidiger bis dahin geradezu einen Durchmarsch zelebriert hatte und auch den personell geschwächten Vorjahresfinalisten Pforzheim mit 50:0 zerlegt hatte, waren die rund 600 Zuschauer im weiten Rund am Martinsee von einer weiteren orangenen Demonstration im Halbfinale des Turniers ausgegangen. Weit gefehlt! Germania List, die sich im Viertelfinale in einem knallharten Hannover-Derby nach Pausenrückstand durchgesetzt hatten, machten früh mächtig Druck auf die Orange Hearts.

Ohne herausragende Individualisten, aber großartig im kollektiv agierend, zeigten die Hannoveraner tolles Rugby. Mit wenigen Fehlern im Spielaufbau und die ganze Breite des Feldes nutzend übertölpelten die Underdogs den Favoriten gleich mehrmals und gingen verdient mit einer 17:12-Führung in die Pause - Basti Himmer und Tim Lichtenberg hatten den Titelverteidiger mit ihrer individuellen Klasse im Spiel gehalten. Ob es schlussendlich die Erfahrung war, wie Basti Himmer im Nachgang analysierte, die Einwechslung des erfahrenen Elmar Heimpel, oder die fehlende Puste der Germanen nach einem harten Viertelfinale: In Durchgang zwei fand die RGH zu ihrem Spiel, glich erst nach einem Durchbruch von Himmer über Heimpel und Schreieck aus, profitierte dann von einem Germania-Fehler zur erstmaligen Führung, bevor erneut Basti Himmer für die Vorentscheidung sorgte. Die Lister konnten nur noch für den 22:27 Anschluss aus ihrer Sicht sorgen, bevor der Schlusspfiff erfolgte.

Da im anderen Halbfinale mit dem Wolfpack 7s Team - bestehend aus einigen erfahrenen DRV-VII-Spielern deren Vereine nicht antraten, sowie einer Reihe von hoffnungsvollen Nachwuchskräften - und den Südafrikanern „All Star Lions“ - die im Gedenken an den vor drei Jahren verstorbenen Leipziger Bundesligaspieler Dewald Potgieter antraten -  zwei Teams außerhalb der Meisterschafts-Wertung standen, hatte die RGH den Titel schon erfolgreich verteidigt. Die Luft war gefühlt etwas raus und merklich wurde es auch etwas leerer auf der Heusenstammer Anlage. Zudem beschwerten sich zahlreiche Zuschauer über die Tatsache, dass die Halbfinalspiele um den Titel parallel ausgetragen wurden, man also nicht beide Spiele verfolgen konnte, während beispielsweise die Semifinalpartien um Platz fünf direkt davor nacheinander abgehalten wurde, so dass die Zuschauer im Stadion beide Spiele verfolgen konnten.

Auch die Spieler der RGH gaben nach dem Turnier-Finale unumwunden zu, dass es ein komisches Gefühl gewesen sei, mit dem Titel in der Tasche das Endspiel auszutragen. Zumal ihnen mit dem Wolfpack 7s eine Reihe von DRV-VII-Mitspielern gegenüberstanden. Der Auftakt in das Turnierfinale verlief dann auch schleppend - das junge Wolfpack Team war nach der Niederlage Tags zuvor besser auf den Angriffswirbel der Orangenen eingestellt, setzte offensiv mit Calitz, Dawe und Haase Akzente und hielt defensiv gut dagegen. Dabei passierten beiden Teams jedoch zu viele Handlingfehler, was dann auch zum ersten Versuch der Partie führte: Robin Plümpe musste nach einer von Andrew Nurse überworfenen Gasse nur noch fünf Meter machen und ins Malfeld eintauchen.

Im Laufe der Partie wurde dann auch das Spielgeschehen ansehnlicher - ein Ballverlust nach eigenem Gedränge brachte die RGH in Bredouille und ließ das von Melvine Smith und Chris Lane trainierte Wolfpack ausgleichen. Als dann Elmar Heimpel nach einem schönen Offload auf ihn gute zwei Meter vor der Linie getacklet wurde, musste der Hakler sich schon strecken, um den Ball auf der Linie zu platzieren - was ihm in den Augen des sich vorher beratenden Schiri-Gespanns auch gelang. Ein Sturmlauf des Wolfpacks gegen Ende von Durchgang zwei schien zuerst wenig Erfolg zu haben, bis Ben Ellermann sich ein Herz nahm und die Auslinie entlang sprintete - gegen zwei heranstürmende RGH-Spieler und mit der Seitenauslinie nur Zentimeter neben ihm wurde der ehemalige Pauli-Spieler die Murmel noch irgendwie los, wonach Josh Beaufort zum einfachen Versuch vollenden konnte. Wieder eine enge Entscheidung und wieder zu Gunsten des Angreifers. Es ging in die Verlängerung, wo sich die RGH wieder einmal auf die Klasse von Bastian Himmer verlassen konnte - der quirlige Halbspieler kratzte einen Straftritt schnell an und erwischte das Wolfpack wie eine kalte Dusche, als er ohne auch nur berührt zu werden aus 30 Metern einlief.

Der Jubel auf RGH-Seiten war geradezu verhalten, man hatte eher das Gefühl, dass von einigen Spielern eine große Last abgefallen war - immerhin hatte fast ausnahmslos jeder Gegner die Orangenen zum haushohen Favoriten des Turniers erklärt. Spielerisch hatten die Männer der Rudergesellschaft einmal mehr unter Beweis gestellt, dass sie eine Sonderrolle im deutschen Siebener einnehmen. Das dürfte sich angesichts der nachrückenden Generation an Orange Hearts auch nicht ändern: Mit Wolfram Hacker konnte die RGH bereits bei dieser Meisterschaft einen U-18 Teenager aufbieten, der trotz seiner jungen Jahre und noch schmächtigeren Statur bereits herausstach - mit unglaublicher Geschwindigkeit und gutem Positionsspiel fand sich Hacker immer wieder im gegnerischen Malfeld wieder und punktete nach Lust und Laune.

Jubeltechnisch die Nummer eins war ganz klar Germania List. Die Hannoveraner hatten mit Jarrod Saul einen ihrer Besten den Sommer über an den Erzrivalen Hannover 78 verloren, diesen aber dennoch übertrumpft und dazu fast noch die RGH vom Thron gestoßen. Schon über den Siebener-Sommer hinweg hatten die Germanen mit Turniersiegen in Neckarsulm und Berlin auf sich aufmerksam gemacht und nun den vorläufigen Höhepunkt mit der Vizemeisterschaft erreicht. Trainer Jakob Clasen betonte im Gespräch mit TR auch, wie wichtig das Siebener für die Fünfzehner-Bundesliga-Mannschaft sei: „Wir haben hier etlichen Spielern viel Spielzeit gegeben, darunter auch mehrere Fünfzehner-Stürmer.“

Etwas unglücklich ist das Turnier für den TSV Handschuhsheim verlaufen, der in der Gruppe mit beiden Finalisten früh alle Ambitionen begraben musste. Dass mit dem Wolfpack 7s und den Südafrikanern zwei Teams am Start waren, die de facto außerhalb der Wertung aufliefen, sorgte beim TSV durchaus für etwas Konsternierung. Jedoch ist das Meisterschaftsformat schon immer ein offenes - lediglich mit einer Änderung der Spielordnung ließe sich das ändern. Das mit dem HRK und Frankfurt 80 zwei prominenten Vertreter aus der näheren Umgebung fehlten, ist indes kein gutes Zeichen. Beim Klub, der zuletzt immer zu den Titelkandidaten zählte, begründete man das eigene Fehlen mit der bald beginnenden Fünfzehner-Saison. Mit dem Termin waren sicherlich einige Teams unzufrieden, doch mit dem späten Ende der Bundesliga-Saison war es in den letzten beiden Jahren nicht einfach einen Termin zu finden, der allen passt.

Der Gastgeber RK Heusenstamm jedenfalls zeigte sich als guter Gastgeber und konnte auch an beiden Tagen einige Hundert Zuschauer anlocken, die auf der Anlage am Martinsee, wie die Teams selbst auch, gut versorgt wurden. Dass die Füchse selbst als dezidiert Siebener-fokussiertes Team bereits im Viertelfinale die Segel streichen mussten, spricht auch vom gestiegenen Niveau bei den Meisterschaften. Mit Sicherheit wird es aber nicht der letzte Anlauf der Heusenstammer auf den Titel sein, zumal der RKH sicherlich bald wieder Ausrichter der Meisterschaft sein dürfte.

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