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TR-Vorschau 7er-DM: Wer kann die Orange Hearts vom Thron stoßen?
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 23. August 2018

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Wer kann der RG Heidelberg mit ihrem großen Nationalmannschafts-Kontingent den Titel überhaupt streitig machen? Foto (c) Kessler

Es wäre der vierte Titel in Folge für die RG Heidelberg: Die am Samstag startenden zweitägigen Titelkämpfe im olympischen Siebener, ausgerichtet vom RK Heusenstamm, könnten für die RG Heidelberg zum vierten Titel-Triumph in Folge werden. Wer von den 15 anderen antretenden Teams soll den Titelverteidiger RGH, der mit Spielern der Siebener-Nationalmannschaft gespickt auflaufen wird, überhaupt stoppen? Wir blicken ausführlich auf das Turnier am Heusenstammer Martinsee und die Titel-Favoriten.

Die gastgebenden Füchse stapeln ebenso wie Germania List tief

Für den ausrichtenden Rugby Klub Heusenstamm ist die kurze schnelle Spielform des ovalen Ballsports schon lange ein Schwerpunkt. Die Gastgeber der diesjährigen Meisterschaft konnten zuletzt 2006 den 7er-Titel erringen und waren vor drei Jahren das letzte Mal Ausrichter einer Meisterschaft. Trainer Markus Walger erklärt gegenüber TR: „Wir fördern schon seit langer Zeit das Siebener im RK Heusenstamm und das auch erfolgreich“ - in den letzten Jahren waren stets mehrere Füchse in der DRV-Auswahl zu finden. Gleichwohl bemängelt der ehemalige Nationalspieler, dass man bei den Füchsen durch Schutzsperren von Verbandsseite und bei Länderspielen zugezogenen Verletzungen der eigenen Siebener-Stars nicht immer die Früchte der eigenen Arbeit ernten konnte.

Dennoch werde man bei den Füchsen natürlich weiter ein großes Augenmerk auf die olympische Rugby-Spielform legen und hofft die eigenen Siebener-Stars in der Rugby-Bundesliga öfter zur Verfügung zu haben. Bei der diesjährigen 7er-Meisterschaft sieht man sich aber lediglich in der Außenseiterrolle: „Ambitionen auf den Titel haben wir keine, die RG Heidelberg ist haushoher Favorit, da steht quasi die Nationalmannschaft auf dem Platz“, so Trainer Walger gegenüber TR. Die Füchse werden mit zwei ihrer aktuellen Nationalspieler - Tim Biniak und Sam Rainger - auflaufen. Gleichwohl fallen mit den Brüdern Leon und Zinzan Hees, Jordi Pfeiffer, Patrick Weber und Jan Iding zahlreiche Leistungsträger verletzungsbedingt aus.

Deshalb stapeln die Füchse im Vorfeld zum Heimturnier tief und wollen lediglich unter die Top acht kommen. Mit den beiden Münchner Zweitligisten StuSta und MRFC, sowie Germania List als Gruppengegner, sollte der Viertelfinaleinzug aber keine allzu große Hürde für die Füchse sein. Germania List will sich in erster Linie „teuer verkaufen“, wie es Nationalspieler Stefan Mau betont. Der Zweite-Reihe-Stürmer wird an der 7er-Meisterschaft lediglich als Mannschafts-Betreuer teilnehmen, sieht seinen Verein jedoch mit einem starken Kader antreten. Nach Turniersiegen in Neckarsulm und Berlin jedenfalls dürfte sich die Germania, die es im Vorjahr immerhin ins Halbfinale der Meisterschaft brachte, ein packendes Duell mit den Heusenstammern um den Gruppensieg liefern.

Gruppe C
SC Germania List
RK Heusenstamm
München RFC
StuSta München

 

Vorjahresfinalist Pforzheim wird mit einer jungen Truppe auflaufen

Wer wenn nicht die Gastgeber könnte dem Serienmeister RG Heidelberg gefährlich werden? Der Heidelberger RK jedenfalls nicht - denn der Dritte des Vorjahres tritt in diesem Jahr gar nicht erst an und begründet dies mit der Terminierung: „Eine Woche vor dem Bundesligastart eine 7er-DM durchzuführen ist etwas unglücklich gewählt. Wir wollen uns voll und ganz auf die 15er Saison konzentrieren, deshalb haben wir die Teilnahme abgesagt“, so HRK-Pressesprecher Steffen Liebig gegenüber TR. Vorjahres-Finalist TV Pforzheim dagegen tritt in Heusenstamm an und hat mit Siebener-Nationalspieler Carlos Soteras-Merz und Simbabwe-Siebener-Ass Tafadzwa Chitokwindo zwei großartige Siebener-Spieler an Bord, dürfte jedoch nicht zu den absoluten Favoriten zählen.

Pforzheims neuseeländischer Coach John Willis stapelt nach dem über die letzten Wochen erlittenen personellen Aderlass dennoch erst einmal tief: „Wir werden mit unserer stärkstmöglichen Mannschaft auflaufen, haben aber einige erfahrene Spieler verloren und werden so unserem Nachwuchs eine Chance geben und diesen über die zwei Tage spielen lassen.“ Unter anderem ist Pforzheims zweiter Siebener-Star aus Simbabwe, Manasah Sita, zum SCN abgewandert. Aber auch beim SCN, der von DRV-VII-Assistenztrainer Clemens von Grumbkow trainiert wird, weist man jegliche Favoritenrolle von sich.

Von Grumbkow, der in seiner aktiven Karriere sowohl die Siebener- als auch die Fünfzehner-Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen durfte, betont gegenüber TR, dass man sich eher als Außenseiter sieht: „Wir hätten mit allen Spielern an Bord ein sehr starkes Team zusammen, allerdings fallen Verletzungs- und Urlaubs-bedingt einige Top-Spieler aus.“ So werden die beiden schnellsten Spieler der Königsblauen, Giovanni Engelbrecht und Manasah Sita, jeweils verletzungsbedingt nicht mitwirken können. Somit wird es also am Samstag nicht zum direkten Wiedersehen Manasah Sitas mit Ex-Klub Pforzheim kommen - denn in Gruppe B werden SCN und TVP direkt aufeinandertreffen und dürften angesichts der Gruppengegner RK 03 Berlin und Rottweil auch die Favoriten auf den Viertelfinaleinzug sein.

Gruppe B
TV Pforzheim
SC Neuenheim
RK 03 Berlin
RC Rottweil

Hannover 78 will "mindestens ins Halbfinale"

In Gruppe D ist die Favoritenrollen ebenso klar vergeben: Hannover 78 sollte klar den Viertelfinaleinzug schaffen. In den letzten Wochen hat sich das beste Nord-Team der Rugby-Bundesliga mit Rafael Pyrasch gezielt auf das Turnier vorbereitet. Mit dem Spielertrainer selbst, DRV-VII-Speedster Phil Sczcesny, Nico Müller, Pascal Fischer, Neuzugang Jarrod Saul und Kain Rix haben die 78er einen ganz starken Kader mit geballter Erfahrung aus der Siebener-Nationalmannschaft beisammen. Siebener-Nationalspieler Rix wird vorerst zum letzten Mal im Trikot der 78er auflaufen, denn er wird in der kommenden Woche nach England zurückkehren, wo er künftig für Sheffield auflaufen wird. Kein Wunder also, dass sich die Hannoveraner zumindest den Halbfinaleinzug zum Ziel gesetzt haben. Der Heidelberger TV, der Kölner RSV, sowie die Einladungsmannschaft „All Star Lions“ werden sich um den zweiten Viertelfinalplatz streiten.

Die Einladungsmannschaft Lions ist im Gedenken an Dewald Potgieter entstanden - der für den RC Leipzig in der Bundesliga spielenden Südafrikaner war auf dem Spielfeld zusammengebrochen und war aufgrund einer Vorschädigung der Blutgerinnung kurze Zeit nach einem Ligaspiel verstorben. Eine Reihe alter Weggefährten hat sich nun nach Deutschland aufgemacht, um Potgieter zu gedenken. Dieses Team ist die große Unbekannte in Gruppe D - sonst sollte der RSV Köln, Sieger der NRW Siebener-Serie, Vorjahres-Sechster und in der olympischen Kurzform reichlich eingespielt, der Favorit auf den zweiten Viertelfinal-Platz sein.

Gruppe D
Hannover 78
RSV Köln
Heidelberger TV
All Star Lions

Todesgruppe A: RGH, Wolfpack 7s und TSV Handschuhsheim streiten sich um den Viertelfinaleinzug

Die mit Abstand spannendste Konstellation ergibt sich jedoch in Gruppe A: Titelverteidiger und Top-Favorit RG Heidelberg bekommt es neben dem Lokalrivalen TSV Handschuhsheim und dem RC Leipzig mit dem Wolfpack 7s zu tun. In diesem speziell für die Meisterschaft aufgestellten Team finden sich diejenigen Siebener-Nationalspieler wieder, deren Klubs nicht am Turnier teilnehmen, bzw. die im Ausland spielen, sowie eine Reihe von Nachwuchskräften. Neben den erfahrenen und etablierten Kräften Max Calitz, John Dawe, Niklas Hohl (HRK) und Robert Haase (TGS Hausen) erhalten auch Nachwuchstalente wie der Berliner Anton Gleitze eine Chance sich unter Beweis zu stellen.

Für Nationaltrainer Vuyo Zangqa ist die deutsche Siebener-Meisterschaft eine Art Generalprobe für das letzte EM-Turnier in Lodz in zwei Wochen: „Das Turnier ist extrem wichtig für unsere Lodz-Vorbereitung, gerade um den Jungs noch Mal Spielzeit unter Wettkampf-Bedingungen zu geben“, so Zangqa im Gespräch mit TR. Das Wolfpack 7s Team sei eine Möglichkeit einer Reihe von Youngstern die Chance zu geben, sich unter Beweis zu stellen, sowie Spielpraxis für die erfahreneren Spieler sicherzustellen. „Das Team sollte, trotz zwei drei Ausfällen und dem sehr jungen Durchschnittsalter, eine gute Basis für das Turnier haben“. Ben Ellermann wird nach langer Verletzungspause ebenso für das Wolfpack-Team auflaufen. Dessen Ziel sei nicht der Turniersieg, sondern auch um den Kader für das anstehenden Vorbereitungs-Camp auszuwählen.

 

 

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Das Wolfpack-Team wird das Turnier am Samstag-Mittag auch gleich gegen den Topfavoriten und Titelverteidiger RG Heidelberg eröffnen. Dieses wird in dieser Saison von Jeff Tigere betreut, der selbst jahrelang in der Bundesliga für die RGH aufliefe. Dieser äußert sich im Gespräch mit TR eindeutig in Sachen Zielsetzung: „Natürlich treten wir an, um die Siebener-Meisterschaft zu holen, jedoch wollen das 15 andere Teams auch.“ Tigere sieht die diesjährige Meisterschaft aber unter anderen Voraussetzungen, da das Turnier nur eine Woche vor Saisonstart stattfindet, weswegen man nicht allzu viel aus den Vorjahres-Ergebnissen schließen sollte. Tigere hat sich dabei noch nicht auf einen endgültigen Kader festgelegt - jedoch wird er mit dem großen DRV-VII-Kontingent der Orange Hearts um Heimpel, Himmer und Lichtenberg eher vor einem Luxus-Problem stehen, wenn es darum geht die zwölf Männer zu finden, die der RGH erneut den Titel bescheren sollen.

Einen eher unkonventionellen Gegner wird die RGH im Lokalrivalen TSV haben. Der ist ja bekanntlich eher für seine schweren Jungs bekannt, auch wenn mit Marcel Coetzee ein Spieler zu den Löwen gewechselt ist, der mit dem vielen Platz auf dem Rasen beim Siebener viel anzufangen weiß. Anjo Buckman wird den Löwen im Siebener-Sturmspiel einen riesigen Vorteil verschaffen. Dennoch gibt Coach Gordon Hanlon eine eher ungewöhnliche Taktik vor: „Wir werden die kleinen Jungs ärgern und versuchen die langsamen zu isolieren“ - auf die TR-Frage welches Ziel man sich beim TSV gesetzt habe gibt Hanlon eine eher generalisierende Antwort: „Wir wollen den Leuten zeigen, wie stolz wir darauf sind für den TSV zu spielen - für den Nachwuchs, die Old Boys und die Löwen-Fans!“ Inwiefern die Löwen gegen die RGH und das Wolfpack-Team damit Erfolg haben werden, dürfte spannend zu sehen sein.

Gruppe A
RG Heidelberg
Wolfpack 7s
TSV Handschuhsheim
RC Leipzig

Wir von TR werden von vor Ort berichten: Live-Ticker, Interviews und ständige Updates findet ihr auch auf unserer Facebook-Seite, sowie unserem Instagram-Kanal

 

 

Spielplan Tag eins Siebener-DM Heusenstamm



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Kommentare (1)add comment

Andreas Hauer said:

2314
Terminierung
Erst mal vorn weg.
Ich finde 7er Rugby ziemlich geil.

Aber warum bloß findet der sportliche Höhepunkt dieser Disziplin genau eine Woche vor dem Start der 15er Saison statt?
Was ist das denn für ein Blödsinn?

Normalerweise macht man doch ein 15er Testspiel etc. vor dem Bundesliga-Start.

Und gibt es irgendwo eine Live-Übertragung der DM? Z.B. DAZN?
August 24, 2018

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