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TotalRugby-Vorschau: Sag zum Abschied leise Servus
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Freitag, 4. Mai 2018

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Wahrt der SC Neuenheim im Derby mit dem Mut der Verzweiflung die letzte Chance auf den Klassenerhalt? Foto (c) Sperl

Der vorletzte reguläre Spieltag in der Rugby-Bundesliga wird im Kampf um die Playoff-Plätze nicht mehr sonderlich viel Spannung bieten. Zwei von vier Halbfinalisten stehen schon sicher fest und auch die beiden Staffel-Zweitplatzierten sind nur noch schwer zu verdrängen. Umso spannender wird es im Abstiegskampf - dieser verleiht dem wohl größten deutschen Derby zusätzliche Brisanz. Denn die Heidelberger Erdbeerpflücker (TSV Handschuhsheim) können ihre Erzrivalen, die Angler (SC Neuenheim) am morgigen Samstag ins Rugby-Unterhaus verabschieden. Im Norden wird der Rugby Club Leipzig gegen die Grizzlies die wohl letzte Chance auf den Klassenerhalt nutzen wollen, wenn es gegen die Berliner Grizzlies geht. Diese wiederum wollen nicht noch in letzter Minuten in den Abstiegsstrudel gezogen werden.

Süd/West

TSV Handschuhsheim - SC Neuenheim
Samstag 5. Mai, 17 Uhr

Zwei alte Rivalen mit weit über 100 Jahren Rugby-Tradition, deren Heimat jahrzehntelang Tür an Tür war. Diese Rivalität der beiden alten Nord-Heidelberger Rivalen ist schon seit jeher etwas besonderes. Am Samstag also treffen TSV und SCN also erneut aufeinander - das allein lässt die Gemüter in der Neckarstadt schon ein wenig höher kochen, doch die Tabellen-Konstellation verleiht dieser Begegnung nun noch etwas mehr Brisanz. Mit einem Sieg würden die Löwen ihre königsblauen Rivalen auch rein rechnerisch endgültig in Liga zwei befördern.

Bei erneut sommerlichen Bedingungen wird im Lions Park eine Rekord-Kulisse erwartet. Wie viel dem Löwen-Anhang ein Sieg gegen den Erzrivalen bedeuten würde, konnte man vor zwei Wochen beim letzten TSV-Heimspiel erahnen: Nach dem Abpfiff kündigte der Sprecher im Lions Park das anstehende Derby an und spielte daraufhin „Sag zum Abschied leise Servus“ - niemand unter den Anwesenden hatte die Anspielung auf den drohenden SCN-Abstieg nicht verstanden.

TSV-Coach Gordon Hanlon will sich von der speziellen Konstellation aber nicht verrückt machen lassen: „Von außen prasseln die Erwartungen geradezu auf uns ein, aber das kommt alles von Leuten, die nicht im Team sind. Intern sind wir einzig auf unser eigenes Spiel fokussiert und werden uns anhand unserer eigenen Leistung messen lassen müssen.“ Der Ire, der seit dieser Saison den TSV Handschuhsheim betreut ergänzte gegenüber TR weiter: „Unsere Ziele sind größer, als nur ein Team zu schlagen. Wir wollen das beste deutsche Rugby Team werden und die Liga gewinnen.“


Natürlich seien manche Leute im TSV-Umfeld glücklich, wenn man den SCN schlage und würde dafür auch Niederlagen in anderen Spielen hinnehmen, aber Hanlon selbst betont, dass er nicht so denke. Am Samstag werde man alles daran geben, dieses Spiel zu gewinnen, aber nicht nur, weil es eben das Derby ist, sondern weil man sich stetig verbessern wolle.

Beim designierten Absteiger, der fast schon ein Wunder braucht, um noch irgendwie die Klasse zu halten, sieht man die eigenen Chancen im Derby gar nicht Mal so schlecht. SCN-Coach Lars Eckert spricht gegenüber TotalRugby von einer 50/50 Chance, die seine Jungs am morgigen späten Nachmittag hätten. „Meine Jungs werden motiviert in das Derby gehen und dem TSV 80 spannende Minuten liefern.“ Ein Blick auf die Tabelle verrät: Bei acht Zählern Rückstand und dem verlorenen direkten Vergleich gegenüber Heusenstamm ist ein Sieg am Samstag, sowie in der darauffolgenden Woche gegen die RGH Pflicht. Sonst musst der SCN das erste Mal seit über dreißig Jahren den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

TotalRugby-Prognose: Weder der TSV Handschuhsheim, noch der königsblaue Gast sind dafür bekannt an der Grenze der Legalität zu spielen. Doch im Derby am Samstag wird man davon ausgehen können, dass beide Teams mit derartiger Intensität spielen, dass die Zuschauer im Lions Park ein hochintensives Derby erwartet. Jedes Ruck, jeder hohe Ball und jedes Tackle wird hart umkämpft sein. Rein spielerisch hat der TSV seinem Gast einiges voraus - neben den traditionellen Stärken im Sturmspiel, können die Löwen auch in den weiten Kanälen mit blitzschnellen Akteuren wie Christopher Korn und Yassin Ayachi Dampf machen. Ob der SCN, immerhin noch ohne einen Saisonsieg, dies mit Leidenschaft, Kampf und einem Extra an Laufbereitschaft wettmachen kann, bleibt fraglich. Wir sehen den TSV Handschuhsheim in einem knüppelharten Derby mit +13 vorne.

RG Heidelberg - RK Heusenstamm
Samstag 5. Mai, 15 Uhr

Das Duell der beiden Siebener-Spezialisten im Rugby-Wohnzimmer dürfte für Fans ein durchaus ansehnliches werden. Beide Klubs können im vorletzten Spiel ihr jeweiliges Schicksal nach 14 regulären Runden endlich besiegeln - die RGH hätte mit einem Sieg das Bundesliga-Halbfinale in Hannover gegen 78 dann auch rein rechnerisch sicher und der RK Heusenstamm würde zumindest in der Relegation um den Klassenerhalt landen.

Bei den Gastgebern will man dementsprechend auch keine Kompromisse eingehen - RGH-Coach Finsterer gegenüber TR: „Ein Sieg in diesem Spiel ist Pflicht, es wird nicht einfach, aber das muss uns egal sein. Wir wissen worum es geht und dieses Spiel muss, auch mit dem Blick auf die Ergebnisse, gewonnen werden.“ Allerdings wird Finsterer auch noch das unglaublich knappe Hinspiel im Hinterkopf haben, als die Orange Hearts in allerletzter Minute den Kopf aus der Schlinge ziehen konnten und mit lediglich zwei Zählern Vorsprung gewinnen konnten.

Für das morgige Spiel bei erneut hervorragenden Bedingungen kann Finsterer dabei in Sachen Personal fast aus dem Vollen schöpfen. Noch immer fällt Dritte-Reihe-Stürmer Carsten Lang verletzt aus und auch sonst sind nicht alle Mann an Bord, aber dennoch betont der Trainer der Gastgeber: „Wir haben einen Bombenkader, die paar Ausfälle, das wäre Jammern auf hohem Niveau, wir wollen uns den Sieg und das Halbfinale holen!“ Alles andere, ob das Spiel gegen Neuenheim, das eventuelle Halbfinale gegen 78 oder gar ein Finale gegen den Nachbarn vom HRK, seien Zukunftsmusik.

Der RKH hofft bei seinem Gastspiel in Heidelberg auf Bonuspunkte - beispielsweise für vier erzielte Versuche

Die gastierenden Füchse wiederum gehen, trotz des 17:10 Erfolgs in der Vorsaison an gleicher Stelle, davon aus in der Relegation zu landen. Denn sowohl der Abstand nach vorne zu Neckarsulm (6 Zähler) sowie nach hinten zum SCN (8 Zähler) sind realistisch zu groß, um noch einmal die Plätze zu tauschen. Ein Sieg gegen die RGH, so Trainer Markus Walger gegenüber der Offenbach Post, sei „sehr schwer“. Deshalb hofft man beim Gast auf Bonuspunkte. Mehr als vier Versuche, bzw. eine knappe Niederlage traut man sich durchaus zu.

Das mit Sam Rainger, Leon Hees, Jordi Pfeiffer, Lucas Schmitt, Max Utikal, Alex Krapf und Dato Khomeriki prominent besetzte Lazarett wird den Füchsen die Aufgabe nicht erleichtern. Ein Lichtblick aus RKH-Sicht ist allerdings, dass Nationalspieler Tim Biniak nach einjähriger Abstinenz wegen eines Kreuzbandrisses wieder voll trainieren kann und eventuell im Relegationsspiel zum Einsatz kommen könnte.

TotalRugby-Prognose: Bei absolut perfekten Bedingungen für ein schnelles und ansehnliches Spiel, zwei Teams die nicht lange taktieren und lieber mit dem Ball in der Hand ihr Glück im Weg nach vorne suchen, erwartet die Fans im Rugby-Wohnzimmer ein offener Schlagabtausch. Auch Außenseiter Heusenstamm kann durchaus zu punkten kommen, denn die RGH-Defensive hat sich bei all der Offensiv-Power das eine oder andere Mal durchaus verwundbar gezeigt. Schlussendlich jedoch dürfte eine fast in Bestbesetzung antretende RGH dem RKH überlegen sein. Die Gastgeber setzen sich mit +17 Punkten durch.


TV Pforzheim - Neckarsulmer SU
Samstag 5. Mai, 15 Uhr

Nach zweieinhalb Wochen Pause - das letzt TVP-Spiel war unter der Woche gegen einen stark geschwächten HRK - will der TV Pforzheim in seinen beiden abschließenden Heimspielen am Rattachweg die Saison positiv zu Ende bringen. Beim amtierenden Vizemeister, dessen Titeltriumph von Heusenstamm sich bald zum zweiten Mal jährt, ist man sich im Klaren: Eigentlich gilt es nur noch darum den dritten Platz zu halten. Die neun Zähler Rückstand auf die RGH sind, angesichts des leichten Restprogramms der RGH, nicht mehr aufzuholen.

Dennoch attestiert TVP-Coach John Willis seinen Jungs „wieder richtig heiß auf Rugby“ zu sein. Gegen den Aufsteiger, dessen Klassenerhalt weitestgehend sicher zu sein scheint hat man sich einen deutlichen Sieg zum Ziel gesetzt. Mit Blick auf den 40:12 Hinspielsieg gegen die NSU betont man beim noch amtierenden Vizemeister, dass dieser weitaus weniger souverän herausgespielt sei, als das Ergebnis dies vermuten lässt. Den Neckarsulmern attestiert Willis: „Sie spielen mit großer Leidenschaft und lassen den Ball gut durch ihre Reihe laufen“.

Deshalb gelte es von Minuten ein an „fokussiert und hellwach“ zu sein und die elementaren Dinge richtig machen, damit Neckarsulm seine Stärken nicht ausspielen könne. Gerade wenn man die NSU zu sehr auf die leichte Schulter nehme, könne das sehr gefährlich enden. Im Kader wird Sturm-Tank Tim Kasten zurückbegrüßt, während der explosive Luke Wakefield in dieser Saison mit einer Schulter-Blessur nicht zum Einsatz kommen wird.

Beim Gast dagegen geht man in den letzten Spielen auf dem Zahnfleisch. Mit dem quasi sicheren Klassenerhalt im Rücken hatte Coach Mark Kuhlmann den eigenen wichtigen Stützen Brian Nyaude und Daniel Tully frühzeitigen Heimaturlaub gewährt. Und sollte der RKH nicht noch überraschend Punkte gegen Top-Teams der Liga holen, hat sich dieses Va-Banque-Spiel ausgezahlt. Kuhlmann selbst bestätigte gegenüber TR: „Pforzheim ist natürlich der Favorit, wir werden im letzten Punktspiel aber nochmals alle Kräfte mobilisieren.“ Zu was das dann reichen wird, werde man sehen. Die „angespannte Personallage“, wie es der ehemaliger Hannoveraner Nationalspieler beschreibt, dürfte da nicht sonderlich hilfreich sein.

TotalRugby-Prognose: Top-Team gegen Liga-Neuling - zwar ist den Aufsteigern in dieser Saison schon die eine oder andere überraschende Leistung gelungen. Aber gegen Ende der Saison zeigt sich auch, dass diese lange Saison an den Kräften der Neckarsulmer gezehrt hat. Dass dazu mit Nyaude und Tully zwei absolute Säulen fehlen, tut sein Übriges dazu bei. Pforzheim dagegen wird mit seinen schnellen Männern auf der Dreiviertelreihe alles daran setzen, früh für klare Verhältnisse zu sorgen. Die NSU wird Chitokwindo, Sita und Soteras Merz über 80 Minuten nicht unter Kontrolle halten können - der TVP gewinnt mit +28 Zählern.

Nord/Ost

RK 03 Berlin - Hannover 78
Samstag 5. Mai, 16 Uhr

In Berlin sieht man wieder optimistisch der Zukunft entgegen. Vier Spiele, vier Siege im Jahr 2018 heben die Motivation ungemein. Mit der derzeitigen personellen Schieflage in Hannover wäre sogar noch ein Platz im Halbfinale drin, sofern die jungen Germanen bei ihren beiden verbleibenden Spielen weiter patzen. Daran denkt RK 03 Teammanager Lutz Joachim jedoch erstmal nicht. Für ihn gibt es eine klare Zielsetzung: „Wir freuen uns auf ein echtes Spitzenspiel vor toller Kulisse am Samstag. Wir wollen nochmal alles rausholen und weiterhin ungeschlagen bleiben.“

Auch wenn die Hannoveraner von einer Verletzungsserie arg gebeutelt sind, wird man sie definitiv nicht unterschätzen: „78 ist natürlich im Sturm und in der Hintermannschaft gleichermaßen stark. Insbesondere die Hannoveraner Hintermannschaft wird uns das Leben schwer machen“, prognostiziert Joachim und findet anerkennende Worte für den kommenden Gegner: „Sie sind in dieser Saison ungeschlagener Tabellenführer und das zu recht.“ Dennoch richtet Joachim gleichzeitig eine Kampfansage in die niedersächsische Landeshauptstadt: „78 ist klar der Favorit, aber wir wollen sie ärgern und ihnen die erste Niederlage einbringen.“

Die bisherigen Siege verleihen den Berlinern ordentlich Rückenwind und so wird sich bestimmt auch der Kader für das kommende Spitzenspiel erholter zeigen, auch wenn Joachim sich da nicht in die Karten schauen lassen will: „Wir haben weiterhin einige Verletzte, wie sollte es auch anders sein. Der Kader entscheidet sich erst kurzfristig, wird aber ähnlich dem in den Vorwochen sein.“

Die Führungsriege des RK 03 erwartet am Samstag ein volles Stadion, denn im Vorfeld spielen die Frauen den großen Nordost-Pokal aus. Gleichzeitig findet im Stadion Buschallee eine große DKMS-Typisierungsaktion statt, da aus dem näheren Umfeld der RK 03-Frauenmannschaft ein Fall von Leukämie bekannt wurde und der RK 03 dieses heikle Thema mit der Typisierungsaktion wieder ins Gedächtnis rücken will. Nichtsdestotrotz zählt für die Männermannschaft erstmal das, was auf dem Feld geschieht. Und dabei helfen die euphorischen Zuschauer als 16. Mann auf dem Platz nicht unerheblich mit.

Die Hannoveraner stehen vor einer nicht enden wollenden Verletzungsserie und mussten gar im vergangenen Spiel gegen die Berlin Grizzlies einige Spieler an das örtliche Krankenhaus abtreten. Dennoch wollen sie sich davon nicht unterkriegen lassen und haben daher am Tag der Arbeit eine Sondertrainingseinheit anberaumt, die in einen mannschaftlichen Grillabend mündete. Der Zusammenhalt sollte daher gegeben sein, ob das Trainerduo Krause / Bouajila aber eine schlagkräftige Truppe gegen den wiedererstarkten RK 03 nach Berlin schicken kann, bleibt ungewiss.

Fest steht, dass der Platz im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft gesichert ist. Neun Punkte liegen die 78er vor den Lokalrivalen und aktuell strauchelnden SC Germania List. Mit einem Sieg in Berlin könnten sie das Heimrecht im Halbfinale schon mal in Stein meißeln. Die gut ausbalancierte Spielweise der 78er zwischen Sturm und Hintermannschaft war zuletzt der Garant für die Erfolgsserie. Ob das Hannoveraner Trainerduo die personellen Lücken kompensieren und an diese Erfolgsserie weiter anknüpfen kann, bleibt abzuwarten.

TotalRugby Prognose: Es scheint, dass der RK 03 wieder zu seiner alten Form gefunden hat und die Niederlagen in der Hinrunde gut wegstecken konnte. Der Platz im Halbfinale ist nur mit ungewollter Schützenhilfe von Germania zu erreichen. Der liegt aber erstmal nicht im Fokus der Berliner. Vor heimischen Publikum wollen sie sich bestens präsentieren und mit einem Sieg sich selbst belohnen. Die Hannoveraner hingegen füllen aktuell das Lazarett und wollen die verbleibenden Spiele bis zum Halbfinale gut überstehen. Dennoch fahren sie nicht nach Berlin um sich eine Niederlage einzufangen. Das Spiel wird garantiert auf Augenhöhe geführt werden und am Ende jubeln die glücklichen Berliner in einem packenden Spiel. Der RK 03 setzt sich mit +5 Punkten durch.


Berliner Grizzlies - RC Leipzig
Samstag 5. Mai, 15 Uhr

Der Rugby Club Leipzig steht mit dem Rücken zur Wand. Der Verein aus Sachsens größter Metropole steht nach spannenden Erstliga-Jahren kurz vor dem Abstieg in die zweite Rugby-Bundesliga. Nachdem Chef-Coach Andreas Kuntze und RCL-Präsident Karsten Heine die Mannschaft vor wenigen Monaten intern mit einem „Masterplan“ in Richtung Klassenerhalt einschwören wollten, ist der Mannschaftsführung die Disziplin des einen oder anderen Spielers entglitten. Das Ergebnis sind mehr und mehr kassierte Straftritte, die die Mannschaft zusätzlich unter Druck setzen.

Mit Georgi Barabadze und Leroux van Zyl werden aufgrund zweier roter Karten aus dem letzten Match in Hamburg gleich zwei wichtige Stützen im Endspurt der Liga fehlen. Das unbestritten sportlich herausragende Südafrika-Talent van Zyl hat zuletzt im engagierten Kampf um das Ei öfters den disziplinarischen Fokus verloren. Für das Teammanagement um Kuntze und Heine gilt es nun anstatt Unparteiische zu bewerten, die Spieler zu fokussieren und disziplinare Mängel zu beseitigen, damit der ein oder andere Spieler nicht Karten sammelt, wie ein begeisterter Payback-Punkteaktivist.

RCL-Schlüsselspieler und Verbinder Leroux van Zyl wird den Sachsen wegen einer Rotsperre fehlen

Die Baustellen sind bei den Leipzigern bekannt. „Wir verschenken im Angriff noch zu viele Bälle. Da müssen wir ruhiger werden und kontrollierter zu Werke gehen,“ so RCL-Teammanager Sven Paukstat. Die Frage vor dem Duell mit den Grizzlies lautet: Ist der Klassenerhalt überhaupt noch zu schaffen, oder stehen die Sachsen-Rugger in der nächsten Saison in der zweiten Liga.

Einfacher wird es dort mit den vermeintlich schwächeren Gegnern nicht. Wie eine Hiobsbotschaft wirkt, wie wir aus Vereinskreisen erfahren haben, die interne Ankündigung, dass RCL-Präsident Karsten Heine erwägt die zweite Mannschaft aus dem Spielbetrieb zu nehmen. Fünf Spieler, die bis Juni ihr letztes Spiel bestreiten werden, verliert RCL-Coach Kuntze zahlreiche Spieler aus seinem Pool. Für den Leipziger Spitzenverein ist die Zukunft ungewiss.

Wie immer in der Geschichte kommt es öfters anders als man denkt. Mit dem Rücken zur Wand könnten die Leipziger die letzten Kräfte im Abstiegskampf mobilisieren. Mit den Grizzlies treffen sie auch nach eigener Einschätzung auf einen starken Gegner. „Die Grizzlies sind in den letzten Partien wieder gut in den Tritt gekommen, wie man an den Ergebnissen sehen konnte. Wir erwarten daher einen starken Gegner. Aber auch wir hatten in den letzten Spielen eine deutliche Leistungskurve nach oben,“ so Paukstat abschließend.

Die Grizzlies könnten an diesem Samstag mit einem Sieg den Rugby Club Leipzig fast schon sicher in die Zweitklassigkeit schicken. Nachdem sich die Grizzlies von deutlichen Niederlage gegen den RK 03 erholt haben und gegen Top-Team Hannover 78 fast ebenbürtig waren, ist ein Sieg gegen Leipzig Pflicht, um sich der letzten Abstiegssorgen zu entledigen. Da die Grizzlies in den letzten Spielen erschwerend mit einer dünnen Spielerdecke zu kämpfen hatten, wird es jetzt darauf ankommen, was die Berliner-Mannschaft am Samstag aufbieten kann.

TR-Prognose: Letzte Chance im Abstiegskampf für den Rugby Club Leipzig - In diesem Bewusstsein werden die Sachsen die letzten Kräfte sammeln, um noch nötige Punkte zu sammeln. Am Ende werden die Zuschauer ein sicher emotional aufgeladenes und vor Dynamik strotzendes Spiel sehen. Gegen die aggressiv spielende Leipziger werden die Grizzlies zu kämpfen haben, am Ende aber knapp mit dem Heimvorteil im Rücken als Sieger vom Platz gehen: Grizzlies mit +5 Zählern.


SG Odin/Döhren - SC Germania List
Samstag 5. Mai, 15 Uhr

Ein weiteres Hannover-Derby für den Aufsteiger - dabei wird es für die stark in die Saison gestarteten Männer von der Spielgemeinschaft Odin/Döhren langsam aber sicher eng im Kampf um den Klassenerhalt. Aber noch ist sowohl der Sprung auf Rang sechs, der den Ligaverbleib sichert, als auch das Abrutschen auf den direkten Abstiegsplatz drin. Dementsprechend wichtig wird das letzte Heimspiel der Rückrunde, in der der Aufsteiger bisher nicht einen Sieg einfahren konnte. Aber auch für den ambitionierten Gast und Lokalrivalen wird das Auswärtsspiel vor der eigenen Haustür imminent wichtig. Nach der Klatsche in Berlin hat Coach Duiane Lindsay wieder einige wichtige Spieler an Bord und will mit einem Sieg weiter Kurs aufs Bundesliga-Halbfinale nehmen.

Die gastgebende SG leidet trotz des spielfreien Wochenendes weiter an der für Bundesliga-Verhältnisse knapp bemessenen Kader-Tiefe. Spielertrainer Rafael Pyrasch muss unter anderem auf den arbeitsbedingt verhinderten Nico Fehrecke und den in Litauen bei der U-18-EM weilenden Justin Renck, sowie einige Verletzte verzichten. Mit Blick auf das Derby gibt sich Pyrasch vorsichtig optimistisch: „Mit einem Sieg wird es für uns eng, aber es ist nicht unmöglich - ein Bonuspunkt ist auf jeden Fall drin“. Insgesamt rechnet der Veteran beider Nationalmannschaften mit einem „knappen Ergebnis“. Pyrasch, der die NRV-Leistungsgruppe trainiert und deshalb genau weiß, was auf seine Schützlinge von der SG zukommt.

Duiane Lindsay wird am Wochenende zwar ohne den angeschlagenen Daniel Koch auskommen müssen, der sich ab Montag in Heidelberg auf die Siebener-EM vorbereitet - seine beiden Siebener-Mannschaftskollegen Saul und Niklas Koch werden immerhin auf der Bank Platz nehmen. Mit Hendrik Meyer, Nico Windemuth und eventuell mit werden ein paar weitere Stützen zurück in die Germania-Mannschaft kommen. Gerade auf der Dreiviertelreihe  war der Spielermangel in der Vorwoche beim 0:105 in Berlin ein riesiges Problem.

Coach Duiane Lindsay wird, laut eigener Aussage gegenüber TR, immer noch ein paar Spieler aus der zweiten Mannschaft aufstellen müssen. Doch der Kader sei schon erheblich stärker, als in der Vorwoche. „Es wird gegen Odin/Döhren, die wirklich ums Überleben kämpfen, alles andere als einfach - aber wir sollten genug Offensivstärke haben um durchzukommen.“ Seine Jungs haben sich gut vom Nackenschlag in der Hauptstadt erholt und nun gelte es sich das Halbfinale zu sichern.

TotalRugby-Prognose: Noch vor einer guten Woche hätte der Sieger dieser Partie außer Frage gestanden. Doch die Partie in Berlin hat die Personalprobleme der Lister Germania gnadenlos offengelegt. Die Hannoveraner werden im Derby nun wieder in voller Mannschaftsstärke antreten, doch noch immer ist die Germania nicht annähernd bei 100% - das sieht auch Coach Lindsay so, der seinen Jungs auch einen mentalen Knacks aus der Derbyniederlage gegen 78 attestiert. Die SG Odin/Döhren wird es den Germanen alles andere als leicht machen, aber auch der Aufsteiger hat eine Horror-Rückrunde hinter sich. Am Ende dürfte sich die Spielstärke der Germanen durchsetzten - die SCG gewinnt mit +12 Punkten.

 

Hamburger RC - Berliner RC
Samstag 5. Mai, 15 Uhr

An der Hamburger Saarlandstraße scheint momentan alles in guter Ordnung. Im kommenden Monat steht die Landesverbandsmeisterschaft im olympischen Siebener an, für die die Hamburger bereits kräftig die Werbetrommel rühren. Bereits morgen kann der FC St. Pauli gegen den den Rivalen Victoria Linden daheim einen großen Schritt Richtung Rückkehr ins Rugby-Oberhaus machen und bereits zwei Stunden zuvor wird der verbliebene Hamburger Erstligist HRC gegen den direkten Konkurrenten Berliner RC den Kampf um Rang vier ausfechten.

Für die Rot-Schwarzen ist es das letzte Heimspiel der Saison - kein Wunder, dass sich der HRC den Sieg zum Ziel gesetzt hat. Das bestätigt HRC-Pressesprecher Friedrich Paul Drügh gegenüber TR. Dafür habe man in den letzten Tagen viel harte Arbeit investiert und nach dem wichtigen Sieg gegen den RCL und dem damit endgültig gesicherten Ligaverbleib, sowie den Siegen in den letzten Spielen gegen den BRC sieht man sich beim HRC auch psychologisch im Vorteil.

Coach Carsten Segert erwarte ein fokussiertes und konzentriertes Spiel von seinen Jungs so Drügh weiter - man dürfe nicht in falsche Sicherheit verfallen. Trotz einiger Ausfälle werden Segert mindestens zwanzig Mann zur Verfügung stehen.

Der Gast hat sich seit der 13:23 Heimniederlage gegen die Hamburger im Herbst durchaus positiv entwickelt und dürfte auch an der Saarlandstraße nicht chancenlos sein. Immerhin gelang den Hauptstädtern in dieser Rückrunde schon ein Überraschungssieg in Hannover bei Germania List. Nachdem die Mannschaft von Coach Danny Stephens nach der Hinrunde in akuter Abstiegsgefahr war, hatte man bei den Hauptstädtern den Winter über Sonderschichten eingelegt: „Unsere Sondereinheiten im Januar und Februar haben sich ausgezahlt - unsere Fitness hat uns einige Punkte beschert, gerade auch auswärts bei Germania“ so Danny Stephens gegenüber TR.

Gleichwohl hatte man sich beim BRC trotz der prekären Lage um die Jahreswende Platz vier zum Ziel gesetzt und will sich diesen nun morgen sichern. Dabei erwartet der walisische BRC-Coach einen „sehr strukturiert, akkurat und vor allem stark spielenden HRC“. Laut Gäste-Trainer ist der HRC der wohl physischste Gegner im Norden und deshalb stehe man „vor einer riesigen Herausforderung“. Von seinen Männer erwartet Stephens, dass sie „mental stark und vor allem geduldig spielen“.

TotalRugby-Prognose: Wenn der Hamburger RC den Berliner RC empfängt, ist es nie ein Spiel für zart besaitete. Beide Teams sind für ihr direktes Sturmspiel mit harten Runs genau auf die Defensive durch die Mitte bekannt. Auch bei perfekten Bedingungen werden morgen beide Teams eher auf die Brechstange, als auf das Skalpell setzen. In der Rückrunde hat sich der BRC bisher besser präsentiert, doch gerade mit dem Heimvorteil im Rücken sind die Hanseaten nicht zu unterschätzen. Es wird eine ganz enge Partie, in der der HRC am Ende mit +2 Zählern die Nase vorn haben wird.

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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 4. Mai 2018 )
 
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